Montag, September 30, 2019

15 Jahre Bloggerei

In diesem Monat wurde dieses kleine, unbedeutende Blog 15 Jahre alt.

Ich habe mich sehr über all die Glückwunschschreiben, Telegramme und Blumen gefreut. Und als dann die EU-Kommissarin für Blogosphärenangelegenheiten anrief, um persönlich zu gratulieren, fühlte ich mich natürlich sehr geehrt.

"Rpunkt!", sagte sie. (Seit der Erwähnung dieses Onlinetagebuches bei der FAS anno 2007 gehört sie zur Stammleserschaft, daher dutzen wir uns. Damals war sie allerdings noch Unterstaatssekretärin für Internetereien in Elbonia.)

"Warum können wir nach Dir immer noch keine Straße benennen? Immer diese Anonymität! Dabei passen Deine total subjektiven, verkürzten und wenig recherchierten Beiträge so gut in unsere Zeit!", platze es in ihrem bezaubernden elbonischen Akzent aus ihr heraus. 

"Tja", antwortete ich. "Wer hätte gedacht, daß das so eine langwierige Geschichte wird, als Herr. A. mich damals zum Tagebuchbloggen über den neuen Job angestiftet hat! Eigentlich wollte ich nur einen Platz für meine "Mentalhygiene", um die Begrifflichkeit vom Nuf und wirres.net aufzugreifen. Eine Internetseite hatte ich ja schon. Nun gab es auch einen Ort um die ganze negative Energie aus dem Berufsleben zu verbloggen und später auch zu vertwittert.

Und nebenbei fand ich zufällig, viele nette Kontakte, denen ich auch teilweise im RL begegnen durfte. Die Grundgedanken von "verwaltet" ist nach all den Jahren immer noch der selbe: Alles was mich so bewegt, vor allem der Ärger, wird zu Postings verwurstet. Meist relativ unkontrolliert und filterfrei, was dann auch mal schon zu Magenverstimmungen bei der Leserschaft führen kann. (Sorry! Not sorry!)

Man stelle sich aber vor, jemand würde sich nicht nur unterhalten fühlen, sondern sich selbst in einer der vielen Überspitzungen wiederfinden oder noch schlimmer, Dritte würden anfangen, nach den beschriebenen Personen und Institutionen zu suchen. Angenehm wie eine Tiefenprüfung des Finanzamts wäre das. Nee, nee, nee, ich bleibe hier bei meiner orthografiefreien Kladde im Internet. Das hat auch den netten Effekt, daß man sich nicht um Stalker, Wahrheitsüberprüfer (ja, ein Teil des Geschriebenen hier ist tatsächlich fiktiv!), DSGVO-Vorgaben, Abmahnern und sich potentiell beleidigt fühlender Vorgesetzten, Kollegen, Nachbarn, Studenten und Familienmitglieder kümmern muß.

Allerdings bleibt mir durch die ganze Anonymisierungschose ein verfrühte Luxuspensionierung auf den Bahamas vorenthalten, da ich so dieses äußerst wertvolle Stück der deutschen Kulturgeschichte nicht vergolden kann, da niemand weiß, wohin er die Millioneneinnahmen aus Sponsoringpartnerschaften, Tantiemen und Affiliatelinks schicken soll.

Das Leben ist eines der Härtesten!"

3 Kommentare:

Adrian hat gesagt…

Ich bin durch!! Wow! Was ein Ritt!
Genau passend zu diesem Artikel habe ich dein gesamtes Blog gelesen. Hat zwar ungefähr ein Jahr gedauert, aber dafür waren es durchweg unterhaltsame Stunden.
Vielen Dank, dass du uns an deiner Mentalhygiene teilhaben lässt!
Ich selbst blogge zwar erst seit April 2008 und auch zu gänzlich anderen Themen, bin aber trotzdem immer wieder erstaunt, wie hoch doch unsere Schnittmenge zu sein scheint. Zumindest, was die persönliche Einstellung angeht. Insbesondere dein Artikel zum Sieg im Ersten Weltkrieg fällt mir da spontan ein.
Also nochmal:
Herzlichen Dank für die gute und lehrreiche Unterhaltung!
Du hast nun auf jeden Fall einen Stammleser mehr.

r. hat gesagt…

Das ganze Blog? Ernsthaft. Danke. Was für ein Stehvermögen. Ich bin ganz baff. Nochmals: Danke.

Ich hoffe, Du liest jetzt nicht auch noch die ganzen, fast 14.000 Tweets...

Adrian hat gesagt…

Naja, ein paar Jahre bis zur Rente hab ich noch. Da sind 14.000 Tweets locker drin.
Allerdings vermisse ich viel mehr die Links zu deinen anderen Blogs. Oder ist dass aus Anonymitätsgründen nicht möglich? Insbesondere der Elternblog würde mich aus eigener Betroffenheit heraus sehr interessieren.