Dienstag, Dezember 30, 2025

Woche 51/2025 - Gehetzte Weihnachten, aber in schön

Ich erwähnte es: Nach zwei Jahren in Folge unter dem eigenen Tannenbaum war es 2025 wieder mal an der Zeit, ein logistisch aufwändigeres Weihnachtsfest bei der Schwiegerfamilie in den Karpaten zu feiern.

Der ohnehin schon herausfordernde Geschenkbeschaffungs- und Verpackungsprozess erweiterte sich um den Punkt „Sortierung“: Welche Geschenke würden wir mit ins Fluggepäck nehmen und welche würden aufgrund von Umfang und/oder Gewicht daheim bleiben (müssen)?

Da noch mind. ein Kind im Haushalt an den Weihnachtsmann glaubt, ist die Legende für die Geschenkeverteilung recht einfach: Beim Szekler-Zweig der Familie bringt nämlich der Weihnachtsengel die Präsente. Santa und Engel agieren im Kopf des Lütten dabei wie etwa UPS und DHL, nur mit unterschiedlichen Zustellgebieten.

Das zweite Problem bei der Weihnachtsplanung ist der Umstand der mittlerweile schulpflichtigen Kinder, d. h. wir sind bei der Flugbuchung stets von den Ferienterminen abhängig, zudem lassen wir den Kater aufgrund der Knallerei über Silvester ungern allein. In Kombination mit den Flugdaten der Airlines sprang für dieses Jahr nur eine Reise von Montag bis Montag heraus. Zumindest wurde dank eines neuerlichen Direktflugs die Standardreisezeit von Haustür zu Haustür von 14 auf 12 Stunden verkürzt: Ein Spaziergang quasi.

Traditionell verbringen wir die Weihnachtstage im Wochenendhaus der Familie auf dem Hügel mit Blick auf Bäume, Schafe und das Tal. Geheizt wird hier noch mit Holz im Kachelofen, sodass sich Gemütlichkeit umgehend einstellt, auch wenn die Schwiegereltern durchgehend miteinander zanken.

Da die Familie mittlerweile groß ist (und die Küche klein), sind Gans, Pute, Ente und Co. keine Option: Vielmehr wird gekocht, was die Kids (inkl. des französischen Neffen) essen und was in einen großen Topf passt. In diesem Jahr gab es eine Art Wildpörkölt, was sehr lecker war. Im Gegensatz zu daheim wird hier schon am Heiligabend groß aufgetischt.

Besonders schön war es an den Feiertagen, wenn die Liebste und ich uns kurzfristig mal ein paar Stunden absetzen konnten. So waren wir am 26. bei Kerzenschein im siebenbürgischen Stammlokal. Das war sehr witzig, da man in so einer Stadt von 40.000 Leuten fast jeden kennt (der Bürgermeister ist z. B. der ehemalige Klassenkamerad der Liebsten und guter Kumpel) und meine Frau die ganze Zeit befürchtet, man laufe irgendwem über den Weg. („Das ist ja, als wenn man eine Affäre hat. Total anstrengend!“)

An den letzten Tagen gab es dann noch Schnee: genug für eine ordentliche Schneeballschlacht mit Freunden und Kids, nicht zu viel, um die Abfahrt zu behindern. Ein schöner Weihnachtsabschluss.




Montag, Dezember 29, 2025

Woche 50/2025 - Zwischen Fiebertraum und Größenwahn: Ich baue meinen eigener Streaming-Dienst (mit Jellyfin via vServer & Dropbox)

Ich hab ’nen Knall, das wissen regelmäßige Leser*innen dieses Blogs. Mir nahestehende Menschen würden sagen: „Nur einen?!“

In diesem Jahr habe ich eine weitere Disposition meiner selbst festgestellt: die Neigung, Nebenprojekte aufzuziehen, wenn das reguläre Leben ärgert, langweilt und/oder stresst.

So entstanden kürzlich Schreibmonat.de und Wannwares.de, und anscheinend ist die Saure-Gurken-Zeit für die sinnvolle Kanalisierung von Kreativität und Wissbegierde noch nicht vorbei. Denn als mich meine Schwägerin kürzlich um ein längeres Video bat, aber per se kein geeignetes Abspielgerät oder Dateiformat nennen konnte, fiel mir ein kurzes Video der Schnäppchenjäger von MyDealz ein, in dem die Einrichtung ein eigener Streamingdienst geteasert wurde. Davon blieb mir nur die Nennung der Media-Server-Software Plex und Jellyfin in Erinnerung – und dass man die Software dort mit einem NAS, also einem netzgebundenen Speicher, nutzte.

Ein NAS besitze ich zwar, aber lediglich als Speicher aller Daten, die ich nicht unbedingt täglich brauche. (Das Ding macht furchtbaren Lärm und irgendwie bin ich mit ihm nie wirklich warm geworden. Daher läuft es tatsächlich nur bei Bedarf. Das spart Strom, Geld und Nerven.) Natürlich könnte ich das Ding nun mal standesgemäß einsetzen, und zwar um alle Videodaten, die auf internen und externen Festplatten herumliegen, endlich mal anzuschauen. Oder zumindest die Möglichkeit eröffnen, dies zu tun. Aber so einen Speicher ins Netz zu hängen, auf dem auch Daten liegen, die ich dem Risiko des unbefugten externen Zugriffs nicht aussetzen möchte, finde ich eine semigute Idee.

Daher fragte ich mich, ob es nicht möglich sei, einfach einen externen, virtuellen Server anzumieten und die abzuspielenden Dateien in meine Dropbox zu werfen. Spoiler: Das funktioniert. Sehr gut sogar und für interessierten IT-Laien mit sehr überschaubarem Aufwand!

Was habe ich getan? 

Zunächst habe ich 10€/Monat in die Hand genommen und einen virtuellen Server gemietet. Meine Wahl fiel auf einen Windows-Server mit 2 Cores, 2GB RAM und 80GB Speicherplatz. Da ich nur mit wenigen Accounts gleichzeitig streamen werde (max. 2, denke ich), reicht die Rechenpower total aus und - wie ich bereits schrieb - war der Plan, die Mediendateien auszulagern, so dass ich wirklich nur Speicherplatz für die Dienstprogramme brauchte.

Der Windowsserver war binnen Minuten eingerichtet. Danach installierte ich die kostenfreie Open-Source-Software Jellyfin, was ebenfalls sehr intuitiv zu bedienen war. 

Nun war es an der Zeit, einen Ordner in Dropbox anzulegen und die gewünschten Mediadaten zu hinterlegen. (Hier habe ich gleich weitere Unterordner für ungarischsprachigen Content, Familievideos etc. pp. angelegt, um die ganze Sache übersichtlicher zu gestalten.)

Um diesen Dropbox-Ordner als Laufwerk mouten zu können, habe ich RClone runtergeladen und nach C:\rclone kopiert. 

Für die langweiligen, technischen Details zur Konfiguration von Rclone bitte hier klicken.

(1) cmd öffnen

(2) "bashcd C:\rclone"

(3) "rclone config"

(4) Folgende Auswahl treffen

  • n (new remote)
  • Name: dropbox
  • Storage: dropbox
  • Client ID/Secret: Enter (leer lassen)
  • Advanced config: n
  • Auto config: y
(5) Browser öffnet sich → Bei Dropbox anmelden und autorisieren

(6) cmd nochmals öffnen

(7) rclone mount dropbox:/ORDNERNAME Z: --vfs-cache-mode full --vfs-cache-max-size 30G

 

Anschließend kann der Dropbox-Ordner über Jellyfin eingebunden werden. Das lief bei mir und meinen rund 200 Dateien schnell und zuverlässig. Sehr schön finde ich z. B. die Funktion, einzelne Unterordner/Bibliotheken nur für bestimmte Nutzer zuzulassen.

Nach etwa 2 bis 3 Stunden hatte ich ein sehr ansehnliches Interface mit allen gewünschten Inhalten online. Alle Dateien lassen sich z. B. über IMDb identifizieren und erhalten dann sofort die passenden Coverbilder und Begleittexte. Diese kann man anschließend auch noch manuell anpassen.


Ich bin mit der Softwarelösung absolut zufrieden: Sowohl Installation als auch Performance und die Einbindung neuer Inhalte funktionieren in meinem Use Case problemlos. Ich würde 9 von 10 Sternen vergeben. Selbst das Streamen auf uralte Geräte, wie vom iPhone auf meinen Apple TV der 3. Generation (mein Fernseher ist noch älter, er ist mittlerweile volljährig), gelingt.


Das Einzige, was etwas frickelig war, war die Einrichtung von HTTPS und das Verweisen meiner gewählten Domain auf die Server-IP (inkl. richtigem Port). Aber das war nur dem Umstand meiner relativen Ahnungslosigkeit geschuldet. Funktionsfähig (via IP) war die Lösung durchgängig, und ich bin nach wie vor positiv überrascht, wie gut ich das als interessierter Laie hinbekommen habe. Manchmal macht dieses 21. Jahrhundert doch Spaß!

Mittwoch, Dezember 24, 2025

Woche 49/2025 - Müde Menschen und fliegende Weihnachtsgeschenke

Der Jahresendspurt brachte die Liebste und mich ehrlich gesagt an den Rand unserer Kräfte: zu viele Termine, soziale Verpflichtungen, To-dos und berufliche Deadlines.

Aber nach vier Weihnachtsfeiern, einem Jahresendfußballturnier und einigen Erkältungen im Familienverband saßen wir dann letztes Wochenende doch gemütlich auf der Couch und packten Geschenke ein.

2025 steht wieder einmal Weihnachten bei den Schwiegers an, wir wechseln jährlich zwischen daheim und Siebenbürgen, wobei wir zuletzt aber zwei Jahre hintereinander unter dem eigenen Weihnachtsbaum saßen, was wir alle – inkl. Kater – sehr genossen haben, auch wenn wir natürlich auch den Szekler-Teil der Familie gern besuchen.

Logistisch ist das aber immer eine Herausforderung: Welche Geschenke bringen wir mit? Welche gibt es erst daheim? Vorzugsweise sollten alle Präsente leicht und von geringem Volumen sein. Unzerbrechlich wäre auch ein Vorteil. Packt man wenigstens ein Geschenk pro Kind in das Handgepäck?

Wenigstens ist uns in diesem Jahr Pegasus hold und es gibt wieder einen Direktflug von Hamburg nach Sibiu. Das reduziert unsere Reisezeit von 14 auf 12 Stunden. Immerhin.

Aber daran mag ich noch gar nicht denken. Wir packen jetzt lieber weiter ein und schauen meinen neuen liebsten Weihnachtsfilm: The Holdovers. Hach, da passt einfach alles.

P.S. Meine Liebste sagt, das sei (m)ein absoluter Einpack-Lifehack. Also teile ich ihn hier:





Dienstag, Dezember 23, 2025

Woche 48/2025 - ‪Von Städtebau, der Tour der France und Nelken in Aspik

Gelesen

Ich mag Nerds. Also nicht nur in der Form von unterhaltsamen Wissenschaftspodcaster*innen, sondern grundsätzlich als chronisch neugierige Menschen, die ständig Sachen nachschlagen müssen, weil sie wieder ein bisschen mehr von der Welt verstehen möchten.

Daher habe ich mit viel Vergnügen diesen Artikel gelesen, der von Menschen handelt, die die jeweilige Strecke der kommenden »Tour de France« herausfinden möchten, bevor sie bekanntgegeben wird.

Gespielt

Die Kinder im Haushalt sind ganz begeistert von Monopoly. Also bis zu dem Zeitpunkt, bis zumindest eines von ihnen bankrottgeht.
Daher habe ich sie an das Städtebaukartenspiel »Machi Koro*« herangeführt, was viel weniger frustriert, eine nette Spielmechanik besitzt und im Schrank wenig Platz wegnimmt. Und verschenken kann man es auch immer gut.

Gesehen

Ich empfehle an dieser Stelle mit äußerster Entschlossenheit »Nelken in Aspik« von 1976 mit Armin Mueller-Stahl. Der Streifen beginnt mit dem wohl großartigsten Vorspann der DEFA-Geschichte, bevor man Zeuge einer absurden, subversiven Achterbahnfahrt wird, die man der DDR so sicher nicht zugetraut hat. 

Gehört

Montag, Dezember 22, 2025

Woche 47/2025 - Social Media-Klimmzüge & Buchankündigung

Das neue Buch wirft seine Schatten voraus. Einige Lesungen sind schon angesetzt bzw. in der Abstimmungsphase* und irgendwie ist das leidige Thema Buchmarketing plötzlich auch wieder auf dem Tisch. Seit der Fragmentierung der Social-Media-Dienste weiß ich weniger als je zuvor, wie ich meine Leser*innenschaft erreiche, geschweige denn, wie ich sie erweitere. Wie ein hysterischer Pavian auf Meth – ich entschuldige mich hiermit bei allen mitlesenden und nicht-mitlesenden Primaten, das ist nur eine armselige Metapher – probiere ich wilde Dinge aus, die die Followerschaft vergrößern.

In den letzten zwei Monaten etwa habe ich auf Insta & TikTok regelmäßig kleine Skizzen online gestellt. Auf beiden Medien habe ich Nutzer im mittleren zweistelligen Bereich dazugewonnen. Die Aktion war also ein

        o voller Erfolg

        o absoluter Witz

        o irgendwas dazwischen.

(Zutreffendes bitte ankreuzen.)

Wirklich interessant fand ich allerdings, wie punktgenau der Algorithmus auf TikTok die Menschenmassen lenkt, wie eine Choreographie für den Parteitag der KP der Volksrepublik China. Bei mir war quasi immer zwischen 700 und 850 Aufrufen Schluss.


*Falls ihr noch eine Schule, einen Verein und/oder eine kleine Buchhandlung kennt, die für Lesungen offen sind, sagt bescheid. Ich komme sehr gerne für eine Lesung vorbei. Über das Monitäre bekommt man sich immer geeinigt. :)


Sonntag, Dezember 21, 2025

Woche 46/2025 - Seltsamkeiten um Niob und romantische Druckerreparaturen

Nachgedacht

Kürzlich bekam ich von einem lieben Freund folgende Karte: 


Natürlich könnte ich wahrheitswidrig behaupten: "Die Welt, in der ich aufwuchs, war einfacher." Aber manchmal verstehe ich das Universum heute schlechter als noch als Zehnjähriger... 9/11, Brexit, AfD, Brendan Fraser bekommt einen Oscar, Trump und ich könnte schwören, Niob stand gestern noch nicht im Periodensystem der Elemente.

Drucker

Seit mehr als 15 Jahren bin ich im Besitz eines M2020 von Samsung. Die Firma hat – meines Wissens – ihre Druckersparte schon lange aufgegeben, aber dieser kleine, feine Laserdrucker verrichtet in unserem verrückten Haus weiterhin tapfer und zuverlässig seinen Dienst. Kein Lärm, kleine Stellfläche, keine Verbindungsabbrüche, obwohl im WLAN, keine eingetrocknete Tinte, günstige Tonerpreise (wenn auch von Drittanbietern).

Neulich aber rieselte das ausgedruckte Mandalas der Tochter vom Blatt. Der mäßig informierte Laie (= ich) erkannte sofort: Die Fixiereinheit muss gewechselt werden. Ist ja auch ein Verbrauchsteil, das kann nach Dreimillionenvierhunderttausenddreihundertzwölf und einem halben Druckauftrag schon mal hinüber sein. Dank der Weiten des Netzes war die Ersatzteilnummer schnell gefunden und das Ding kostengünstig beschafft.

Schon eine Woche später hatte ich mir eine Stunde freigeschaufelt und wollte die Reparatur fix durchzuziehen. Aber – my a** – war das Ding verbaut und tatsächlich musste ich die Mütter und Väter meines favorisierten Ausgabegeräts das erste Mal wirklich kritisieren, nein, verfluchen! Mann, war das Ding verbaut! Absolutes Highlight waren Datenkabel, die um Stromversorgungskabel gewickelt waren. Jeder Ingenieur auf sowjetischen Atomubooten wäre stolz gewesen. Nach etwas in eine Papiertüte atmen und mit etwas Fingerspitzengefühl war das Ding dann am Ende doch getauscht. Beim Testen war ich allerdings unvorsichtig wie unvernünftig und holte mir noch einen Schlag ab... Herrje... Aber Gerät und ich sind wieder okay und bleiben hoffentlich unzertrennlich... Liebe Herstellenden, Bitte gebt Reparierenden eine Chance. Danke.




Gelesen

Für alle Romantiker*innen unter uns gibt es in der Süddeutschen diese berührende Geschichte von Magda und Keon



Dienstag, Dezember 09, 2025

Woche 45/2025 - 90er Jahre Fußball, Hilda, Hörnchen und Subdomains

Geärgert

Ich bin schon 25 Jahre Kunde bei STRATO. Und wie das halt so ist in langen Beziehungen, es gibt Zeiten, da läuft es besser, und Zeiten, wo … ach, sprechen wir nicht drüber. Jedenfalls hatte ich bisher keinen Grund, den Dienstleister zu wechseln, denn am Ende habe ich immer zu einem vernünftigen Preis das bekommen, was ich brauchte. Diesmal nicht. Dass es kostenfreie SSL-Zertifikate für Domains, aber nicht für Subdomains gibt (nicht einmal für eine geringe Anzahl), nervt hart.

Gesehen

Ich wurde fußballtechnisch in den 1990er Jahren sozialisiert. Und obwohl 1860 nie mein Verein war – aber zumindest mehr als die Roten aus München – hatte ich sehr viel Spaß bei der fünfteiligen ARD-Doku „Rise & Fall“. Anscheinend gibt es das Format auch für andere Vereine. Ich glaube, das ist Nostalgie in dem Grad, wie ich es ertragen, ja sogar gutheißen kann.

Gelesen

Die beiden neuen Ausgaben der Hilda-Reihe („Hilda & Hörnchen*“) kann ich guten Gewissens empfehlen. Eigentlich wollte Luke Pearson ja etwas anderes machen, aber nun hat er doch noch zwei Bände – wahrscheinlich beflügelt durch den Erfolg der Netflix-Serie (die ich immer noch nicht geschaut habe) – hinterhergeschoben. Von der Erzählstruktur meiner Meinung nach etwas flacher als die ersten Bände und teilweise etwas redundant, aber immer noch sehr gut.

Gehört

Warum habe ich eigentlich seit Jahren keine „Marina and the Diamonds“ gehört?

Samstag, November 29, 2025

Woche 44/2025 - Podlove-Exploit, Paprika und Ocie Elliott

Wieviel ist zu viel?

Einige Wordpressinstallationen haben sich auf meinem Server angesammelt. Die Zahl acht ergab die letzte Zählung. Dazu kommen zwei Installationen, die ich nebenberuflich betreue, und ein Projekt, das ausschließlich auf PHP basiert. 

Wie wartet man all den Kram? Das Wichtigste regelmäßig, den Rest sporadisch. Das gebe ich zu. Man fleht regelmäßig Algebra an, die große Schutzgöttin der Mathematik und Datenverarbeitung, und hofft, dass Wordfence, UpdraftPlus und Konsorten ihr übriges Zauberwerk tun werden. 

Das ging bisher immer gut. Bis an einem Freitagmorgen gerade das PHP-Projekt nicht mehr aufrufbar war. Schnell den Quellcode angeschaut und plötzlich grinsten mich da Zeilen an, die ganz sicher nicht von mir stammten. Herrje. Man hat ja sonst nichts zu tun. Das PHP-Projekt war schnell bereinigt. Die pochende Frage in meinem Kopf war allerdings: Wie kam das Zeug da rein? 

Also flink noch mal alle Passwörter geändert. Dann der Blick auf alles, was sonst noch auf dem Server lag. Und es wurde albtraumartig: Alle Wordpressinstallationen waren infiziert. Der einzige Lichtblick: Die zwei kritischen Installationen hatte es nicht erwischt. Die lagen auch auf anderen Servern. Acht Stunden lang wurde in den nächsten Tagen bereinigt, wiederhergestellt und Sicherheitsschrauben höher gedreht. In 25+ Jahren Selfhosting hatte ich noch nicht so ein Desaster erlebt. 

Wie es sich herausstellte, hatte man die Schwachstelle eines Podcast-Plugins ausgenutzt und dann alles infiziert, dessen man habhaft werden konnte (lies auch hier und hier). Aber ich mag nicht weinen, war der größte Schaden nur „verschwendete“ Arbeitszeit. Es hätte durchaus schlimmer kommen können. So habe ich das Ereignis zum Anlass genommen, alle Installationen auf Herz und Nieren zu prüfen. Große Lücken konnte ich nicht ausmachen, aber ein paar Schludrigkeiten wurden dann doch ausgemerzt und hier und da z. B. das Backup verbessert. Eine Kleinstseite, die irgendwann mal ein richtiges Buchprojekt werden möchte, habe ich komplett aus ihrem Wordpress-Dasein befreit und auch in PHP überführt. Back to the roots quasi. Ich hätte nichts dagegen, wenn es jetzt wieder 25 Jahre bis zu einem ähnlichen Ereignis dauern würde.

Gekocht

Ich koche wirklich gerne. Tür zu - um die Küche kinder- und katzenfrei zu haben - Podcast auf die Ohren und los geht es. Wir kochen was Ottolenghi und Co. hergeben, gelegentlich aber auch die Klassiker der Kindheit. V.a. wenn der Nachwuchs danach verlangt. Gefüllte Paprikaschoten haben wir hier in der ungarischen und der DDR-Variante im Angebot. Letztere funktioniert übrigens auch hervorragend mit vegetarischen Mühlenhack.

Gehört 

Sonntag, November 02, 2025

Woche 43/2025 - Horst Mandela und seine 22 Bahnen

Gelernt

Wisst ihr was der Mandela-Effekt ist? Er beschreibt das Phänomen,bei dem sich viele Menschen kollektiv und fälschlicherweise an dasselbe Ereignis oder Detail erinnern. Nun ja: Hamburg hat ein Funkturm. Das hatte ich nicht (mehr?) auf dem Radar. War mir nur ganz wenig peinlich. *hust*

Gelesen

Nun, das war irgendwie vorhersehbar. Es lagen nur wenige Monate zwischen „Wir haben da eine neue, vielversprechende Schriftstellerin“ und dem lauten Gekrähe „Ist das Literatur?“.

Anscheinend gibt es im Feuilleton eine heimliche Vorliebe dafür, Menschen erst hochzujazzen und sie dann so lange mit Papierkügelchen oder Schwererem zu bewerfen, bis sie möglichst spektakulär von dem Podest fallen, auf das man sie gerade erst gehoben hat.

Wen hat es diesmal erwischt? Caroline Wahl. Ihr Fehler? Sie hat Romane für eine Zielgruppe geschrieben, die sich nur bedingt mit dem Feuilleton deckt – und sie war sehr erfolgreich damit. Klar, da kann man ein bisschen Größenwahn entwickeln, das ist schon anderen passiert. Nur hatten die meist ein anderes Geschlecht und gehörten einer anderen Altersgruppe an.

Nein, ich halte 22 Bahnen nicht für literaturpreisverdächtig. Ich finde es nicht einmal besonders unterhaltsam. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Das ist nicht schlimm – und gilt übrigens auch für fast alles, was Dan Brown oder Sebastian Fitzek schreiben.

Ich kann aber nachvollziehen, dass der Roman Leserinnen und Leser berührt. Einige Stellen finde ich wirklich schön, etwa: „Vielleicht ist das eh unser Problem, dass wir nie in den Wald gehen, um Elfen zu suchen.“ Andere lassen mich eher mit den Schultern zucken – etwa, als ich lernte, dass man „heutzutage“ anscheinend mit Jogginghosen zu Dates geht. Über die Darstellung von Armut möchte ich mich nicht auslassen, aber die der alkoholkranken Mutter und der kleinen Schwester – einer Grundschülerin aus prekären Verhältnissen, die wenig liest, aber weiß, was eine Promotion ist – finde ich beide nicht sonderlich überzeugend. Und mit der Ich-Erzählerin hätte ich im wohl auch so meine Probleme. ("Der desillusionierende Moment schießt krass rein." " Mercedes G-Klasse. Schwarz. Kein klassisches Triebtäterauto." ... So ein Quatsch tut mir fast physische weh.)

Was ich aber eigentlich sagen möchte: Man darf, glaube ich, 22 Bahnen nicht sonderlich mögen, ohne gleich die Autorin niederzuschreiben. Gut, das hätte ich auch in zwei Sätzen formulieren können – aber das habe ich nicht hinbekommen. (Und eigentlich hat das Nuf das ganze Dilemma besser zusammengefasst als ich...)

Gesehen

Ich schaue seit zehn Jahren kaum Fernsehen. (Was immer wieder zu lustigen Momenten führt, wenn meine Mama mir irgendetwas über deutsche Schauspieler*innen erzählt, deren Gesicht mir ebenso unbekannt ist wie ihr Name.) Aber einige der Horst-Krause-Filme habe ich gesehen. Sogar gern gesehen. Vielleicht ist da auch ganz viel Kindheitsnostalgie dabei, weil sie in der Geburtsgegend meiner Oma spielten, wo wir stets die schönsten Tage des Sommers verbrachten.




Samstag, Oktober 18, 2025

Woche 42/2025 - Von Comics, Hamburg und dem realen wie virtuellen Leben

Eigentlich sollte der Oktober so aussehen: Mittelviel Arbeit im Büro, glückliche Kinder in der Schule, hier und da eine Partie Garden Cricket (dazu sollte ich auch noch mal bloggen) und Ende Oktober – pünktlich zu den Ferien und dem 80sten Geburtstag meines Papas – der Besuch der Schwiegereltern.

Leider kam es anders. Die Kurzversion: Schwiegerpapa hat sich mehrere Brüche zugezogen. Nichts wirklich Bedrohliches, aber ab einem gewissen Alter hat man doch gewisse Sorgen, was OP und Rekonvaleszenz angeht. Die OP wurde gut überstanden, aber um den Verunfallten und die betreuende Oma aufzubauen, haben wir beschlossen, dass die Liebste und die Kinder über die Herbstferien gen Siebenbürgen fliegen. Ich würde den Fahrdienst der Familie Richtung Flughafen übernehmen, da mein Jahresurlaub bereits erfolgreich in Erholung umgewandelt wurde.

Und so cruisten wir gestern Richtung Hamburg. Ja, Hamburg, du oller, runder Fremdkörper aus Perlmutt. Deinen Flughafen mag ich wirklich sehr. (Er hat die richtige Größe, man kommt gut hin und weg, und es geht immer alles wie am Schnürchen hier.) Aber ansonsten sind die Freie und Hansestadt und ich bisher nicht wirklich Freunde geworden. 

Anders mit den Menschen. Wo ich herkomme, nennt man die Einwohner gern Pfeffersäcke, was wahrscheinlich in gleichem Umfang Anerkennung und Neid ausdrückt. Allerdings verstehe ich mich mit vielen Hamburger*innen prächtig. So freute es mich, dass sowohl Andres als auch Roland kürzestfristig Zeit für ein (viel zu) kurzes Mittagessen hatten. Man kann (und sollte) wirklich viel und ausdauernd über Social Media meckern, allerdings muss ich wirklich sagen, dass ich im virtuellen Raum in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl von Leuten kennengelernt habe, die mittlerweile auch im realen Leben wichtige Bezugspersonen sind. Und viele meiner Projekte und Träume hätte ich ohne sie gar nicht verwirklichen können. (Herzlichen Dank an euch alle, ihr wisst, wer ihr seid.)

Zwischen Flughafenzubringung und Nahrungsaufnahme in nettester Gesellschaft konnte ich sogar noch einen Zwischenstopp bei „Der Comic Laden“ machen. Ich kannte das Geschäft vorher nicht, aber es lag in der Nähe, und die Öffnungszeiten passten zu meinem frühen Erscheinen. Vorgefunden habe ich einen schönen Laden mit sehr freundlichem Personal. Ich griff ein paar Lego-Sammelfiguren und das neue Hilda & Hörnchen*-Comic. Die Vorgängerreihe und den ersten Band dieser neuen Serie gefielen mir sehr, sodass ich gleich zugreifen musste. Besonders toll fand ich auch die Sektion mit den gebrauchten Heften. Ich sah dort Strizz, das Lindenstraße-Comic (Sachen gibt’s!) und auch sehr günstige Massenware à la Asterix und Lustigem Taschenbuch. Ja, so was fehlt bei uns daheim tatsächlich. (Nun gut, damit kann man wahrscheinlich wirklich nichts verdienen. Das lohnt sich wohl nur als zusätzlicher Service für Kundschaft, die anderweitig Geld im Laden lässt. Schön finde ich es aber trotzdem.) 

Also gibt es am Wochenende zur Abwechslung mal wieder eher bildlastige Lektüre. Das muss auch mal sein.



Sonntag, Oktober 12, 2025

Woche 29/2025 - Von Büchern, Astronauten und T-Shirts

Geärgert

Ich habe ja die Theorie, dass ich zur ersten Generation gehöre, die im fortgeschrittenen Erwachsenenalter ganz selbstverständlich bedruckte T-Shirts trägt. (Nein, das wird jetzt kein Rant über eine mögliche Infantilisierung der Gesellschaft.) Seit Ewigkeiten schieße ich Teile meiner Freizeitkleidung bei Qwertee: Die Qualität ist okay und der Preis auch. Und ich freue mich darüber, dass die Motive täglich wechseln. Zuletzt finde ich diese allerdings weniger ansprechend. Die Stile sind zu generisch, die Bildaufteilung nicht wirklich überzeugend. Ich befürchte, das ist eine Sache mehr, die AI auf dem Gewissen hat.

Gefreut

Ich bin – nicht nur als Autor – ein großer Fan von kleinen, unabhängigen Buchhandlungen. Wir haben hier gleich zwei davon, die sich kulturell sehr in den „Kiez“ einbringen. Allerdings hat auch der böse Großkonzern mit dem grünen Logo etwas, das ich total toll finde: diese Buchabholstation, bei der man 24/7 seine Vorbestellungen abholen kann. Ich muss ganz stark sein, da nicht allzu viel Umsatz hin zu verlagern, denn die Dinger sind echt bequem.

Gelesen

Meine Sommerlektüre Der Astronaut* ist ein klassischer Andy Weir, und wer am Marsianer* Spaß hatte, wird auch dieses Buch mögen. Ich brauchte allerdings etwas, um mit dem Band warm zu werden, bereue es aber nicht, dass ich ihn nicht weggelegt habe. Denn nachdem die Geschichte Fahrt aufnimmt, lernt man viel über Raumfahrt und Physik. Der eine oder andere Kniff, um die bekannte Naturwissenschaft mit der Handlung in Übereinstimmung zu bringen, ist manchmal zu viel, aber man wird durchgängig gut unterhalten.



Samstag, Oktober 11, 2025

Woche 28/2025 - Riccos Familienstand und bockmistiger Killerschnee aus dem All

Gelernt

Als Verwaltungsangestellter ist es sehr befreiend, auch mal über Amtsschimmligkeiten anderer Länder – ach was, anderer Kontinente – den Kopf schütteln zu können. So durfte ich erfahren, dass man in Australien, wenn man einreisen möchte, auch für Siebenjährige den „Familienstand“ (verheiratet, geschieden etc. pp.) angeben muss.

Gelesen

Ja, ich bin ziemlich spät dran für den Parteitag, aber nachdem ich – wie erwähnt – sehr viel Spaß mit einem Podcast mit Andreas Steinhöfel hatte, musste ich unbedingt Rico, Oskar und die Tieferschatten* lesen. Nun ja, der Öffentlichkeit hier zu erzählen, dass es sich um ein ziemlich tolles Kinderbuch mit lustigen und spannenden Passagen und hervorragender Charakterzeichnung handelt, nachdem es hunderttausendfach über den Ladentisch gewandert ist, ist etwas … naiv. Aber vielleicht gibt es ja noch andere, die wie ich „aus dem Mustopf kommen“, wie meine Oma gesagt hätte.

Gesehen

Ich hatte Lust auf etwas Sci-Fi – gerne mal aus einem anderen Kulturkreis. Dystopie störte mich nicht. Also fing ich an, die ersten Folgen von Eternaut zu schauen, einer argentinischen Netflix-Serie, die aufgrund der Verwendung von KI einen zweifelhaften Ruf genoss. (Identifizieren konnte ich die Szenen nicht; vielleicht war es auch nur ein Marketinggag.) Vielleicht kam aber auch das Drehbuch komplett aus der Maschine? Ich hatte mir eine neue Perspektive auf den Planeten, das Leben und das Universum an sich erhofft. Was allerdings dabei herauskam, war ziemlich generischer Hollywood-Sh*t mit holzschnittartigen Charakteren und einer absolut unlogischen Story.
SPOILER! Als sei die Bedrohung durch Berührung von tödlichem Schnee – aber nicht, wenn mal eine Flocke in die Wohnung geweht wird oder noch an der Kleidung klebt – nicht schon absurd genug, mussten es ab Folge 3 auch noch menschenfressende Allkäfer sein. Das war dann endgültig der Punkt, an dem ich abgeschaltet habe. Was für ein Bockmist.

Gehört

Freitag, September 19, 2025

Woche 37/2025: Mein liebster Filmpodcast feiert Jubiläum - Fünfzig Folgen Nerds at Work

Es ist zu meinem festen Freitagsritual geworden: Für die Liebste und mich Korma kochen, während ich der neuesten Folge von "Nerds at work" lausche. Allwöchentlich berichten die Doktores Christian Scharun und Jens Foell ("Grüße gehen raus!") dabei Neues, Interessantes und Humorvolles aus der Welt der Wissenschaft.

Nach 50 Folgen ist die Grundgesamtheit groß genug, dass ich mal einer Forschungsfrage nachgehen kann: Handelt es sich bei "Nerds at work" um meinen Lieblingsfilmpodcast? 

Um das herauszufinden, habe ich mich selbst aus meinem sozialwissenschaftlichen Ruhestand in den aktiven Dienst an der Statistik zurückbeordert. Es wäre doch gelacht, wenn wir bei der genauen Betrachtung der halben Zenturie von Sendungen zu keinem Befund kommen würden. 

Bei meiner Fliegenbeinzählerei, wie mein Doktorvater es immer nannte, machte ich folgende Beobachtungen: 

(1) Als weltweit führender Experte für meinen eigenen Geschmack kann ich versichern, dass ich bei keinem (anderen) Filmpodcast mehr Freude habe als bei "Nerds at work". 

(2) In mehr als der Hälfte aller Folgen (30 von 50) wird über Filme gesprochen. Es könnte sich also tatsächlich um einen Filmpodcast handeln. (Der Anteil von Marmor in Marmorkuchen liegt deutlich unterhalb von 60 % und dessen Benamsung ist in der Wissenschaft absolut unumstritten.)

(3) "The trend is your friend", sagen nicht nur Börsianer, sondern auch so manche Sozialwissenschaftler. Und dieses Mantra könnte auch hier Anwendung finden: Der Anteil der Folgen, in denen dies Thema ist, wie auch die Anzahl der genannten Filme, nimmt nach den ersten zehn Folgen deutlich zu. Wenn "Nerds at work" noch kein Filmpodcast ist, könnte er dies in naher Zukunft werden. 

(4) Darauf, dass die Referenzen in unserem Untersuchungsgegenstand nicht von zufälliger Natur sind, deutet auch folgender Umstand hin: Es lassen sich in den bisherigen 50 Folgen an 125 Stellen Kinoreferenzen belegen, dabei werden 84 verschiedene Filme und Filmreihen genannt. 

(5) Zu Häufungen kommt es nur selten. Aber es gibt sie auch.  In "Biologie-Facts mit Liyang Zhao" werden gleich 13 verschiedene Titel erwähnt. 

(6) Auffällig ist, dass Filmreihen bei "Nerds at work" besonders oft im Fokus stehen. In dieser Kategorie liegen James Bond (6 Folgen) und Star Wars (5 Folgen) an der Spitze. 

(7) Wenig Überraschungen gibt es bei den häufigsten Einzelfilmnennung. Hier sind "wissenschaftsnahe"  Streifen wie Oppenheimer, A Beautiful Mind und *hüstel* Titanic (alle 3×) die Spitzenreiter. 

Das bringt mich zu folgenden – zugegebenermaßen vorläufigen – Schlussfolgerungen: 

Falls "Nerds at work" noch nicht mein Lieblingsfilmpodcast sein sollte, dann ist er auf dem besten Weg dorthin. Ich bedanke mir artig und innig für viele Stunden gute Unterhaltung und Denkanstöße.

Absolut erschreckend ist allerdings die Unterrepräsentierung von "Star Trek" im ersten Lebensabschnitt des Podcasts. Auch wenn ich nur ein unbeteiligter Beobachter bin, kann ich nicht ausschließen, dass die Nerd-Akkreditierung der beiden Moderatoren irgendwann suspendiert wird, wenn dieser Zustand anhält. Es wäre echt schade um den schönen Podcast. Ich freue mich doch so sehr auf die geplanten, nächsten 950 Folgen. 

Gratulor vobis ad iubilæum vestrum!



Disclaimer:

Der Autor dieser Zeilen mag nicht ausschließen, dass er sich aufgrund akuten Matemangels hier und da verzählt hat. Zudem war es durchaus schwierig, einige der Grundbegriffe – z. B. den der Filmreihe – abschließend zu klären. Im Zweifelsfall wurde diese immer weitestmöglich gefasst. Beispielsweise wurden die "Magischen Tierwesen" der Harry-Potter-Reihe zugeschlagen, wie auch die "Zwei Weihnachtsmänner" und "Don't Look Up?" als Filme gewertet wurden, obwohl es sich dabei um keine Kinostreifen handelt.


Montag, September 08, 2025

Woche 36/2025: Bildungsauftrag & Schreibübung - Ottokar Domma

Herr Kowski und ich plauderten neulich über Kinder- und Jugendliteratur, und wir stellten fest, dass er Ottokar Domma nicht kannte. 

Ottokar Domma hieß eigentlich Otto Häuser und schrieb seit den späten 1960er Jahren über den (Schul-)Alltag in der DDR. Protagonist war ein Schüler gleichen Namens, der mit seiner direkten, ehrlichen Art den "gesellschaftlichen Verhältnissen" den Spiegel vorsetzte. Niemals wirklich systemkritisch, aber anarchisch genug, um mich als Kind – und später als Erwachsenen – zu amüsieren. Ob solche Geschichten auch heute noch funktionieren, dachte ich mir. Und beschloss, es mal auszuprobieren, indem ich als Schreibübung versuchte, eine Geschichte im gleichen Duktus über ein aktuelles Thema zu schreiben. Kurz sollte es sein und mich nicht mehr als eins, zwei Stunden kosten.

Normalerweise bin ich nicht so der Testtextevorzeige aber, dieses Schema, dass ich in Sachen Zeichnung auf Insta fand, läßt sich auch sehr gut auf alle andere kreative Arbeit ausweiten:

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Neulich haben ich in der großen Hofpause beschlossen, dass ich meine Hausaufgaben lieber wieder ganz alleine machen, und das kam so.

Es waren nur noch drei Wochen bis zu den Sommerferien. Also hatte Frau Perlich verkündet, dass es sich nicht mehr lohnte, mit einem neuen Thema anzufangen. Wir durften also leise Käsekästchen spielen, die Unterschriften unserer Eltern üben oder dem gemeinen Mattes so lange Papierkugeln an den Kopf werfen, bis er vor Wut ganz rot im Gesicht wurde. Solange wir all das leise taten.

Währenddessen las Frau Perlich. Sie ist ja nicht nur schlau, sondern auch Deutschlehrerin. Ihre Bücher hießen „Abseitstore der Liebe“, „Heiße Blicke am Buffet“, „Axtmord am Tengernsee“ oder hatten andere romantische Titel.

Frau Perlichs Bücher sind meistens bunt. Also nicht nur vorne und hinten, sondern sogar oben und unten an der Seite. Anscheinend muss Papier mittlerweile sehr teuer sein, wenn man jetzt Blätter nicht nur hinten und vorne bedruckt. Frau Perlich sagte, man nennt das Farbschnitt. Ole und ich beschlossen in der nächsten Stunde, die Wörterbücher, die wir uns ausleihen durften, auch mit einem Farbschnitt zu verschönern. Frau Perlich war aber nicht so erfreut, wie wir dachten. Dabei hatte ich schöne Blumen gezeichnet und Ole ganz viele Körperteile, die wir im Biologieunterricht kennengelernt hatten und die man normalerweise nicht so häufig sieht. Frau Perlich sagte: „Ihr bringt mich noch ins Grab!“, aber das stimmte nicht. Es war eine Ambulanz, die sie ins Krankenhaus brachte. Sie hatte sich ihren Daumen in der Tür zum Lehrerzimmer eingeklemmt.

Seitdem hatten wir Herrn Mompe als Vertretungslehrer. Er war darauf überhaupt nicht vorbereitet. Er hatte sich nichts zu lesen mitgebracht, auch sollten wir plötzlich Unterricht machen. Frau Perlich lag wohl immer noch im Krankenhaus oder konnte mit ihrem kaputten Daumen Herrn Mompe keine Nachricht schreiben, um ihm zu sagen, wie das bei uns so läuft.

So nestelte Herr Mompe am ersten Tag bei uns an seiner Anzugsjacke herum, um sein Handy zu finden. Die Taschen waren sehr ausgebeult. Er war der einzige Lehrer, der so eine Jacke trug. Aber Herr Mompe ist sehr alt und wahrscheinlich stammt die Jacke noch aus der Zeit, als Lehrer immer Anzüge trugen und gezwirbelte Schnurrbärte und Pickelhauben. Irgendwann hatte dann Herr Mompe sein Handy gefunden. Mit der Klassenbuch-App überprüfte er, ob wir alle da waren. Das hatte schon lange kein Lehrer gemacht. Normalerweise freuen sie sich eher, wenn mal ein paar von uns fehlten. Als Herr Mompe meinen Namen aufrief, wurde er blass. "Ottilie... DOMMA?!", fragte er. "Das bin ich.", sagte ich stolz. Denn ich mag meinen Namen.

"Dein Vater....", begann Herr Mompe seinen Satz und Kevin rief "... arbeitet im Radio." Und alle gackerten wie verrückt. Nur Herr Mompe nicht, der stöhnte.

"Noch einer von denen.", sagte er. Ich habe Papa abends gefragt, ob er Herrn Mompe kennt, und er sagte, Herr Mompe war früher Referenradar bei ihm in der Klasse. Dabei sah Herr Mompe gar nicht so aus, als wenn er wüsste, ob in der Nähe Schiffe oder Flugzeuge sind. Auch vom Deutschunterricht schien er wenig zu verstehen. Wir sollten einen Aufsatz über "Was wir werden wollen" schreiben, dabei hatten wir das bei Frau Perlich schon gemacht. Also durfte sich jeder ein Thema aussuchen.

Ich sagte, ich möchte einen Vortrag über Kai schreiben. Kai ist ein Computerprogramm im Internet und weiß schlichtweg alles. Herr Mompe guckte etwas verschreckt, als wenn er daheim heimlich eine Roboterfrau im Schrank hätte, von der niemand etwas wissen dürfe. Ich fand jedenfalls Kai toll. Ich brauchte ihn nur zu fragen, wer er sei, und bekam einen langen Text zurück. Wie bei Frau Konrad, unserer Frisörin. Nur mit mehr Fremdwörtern.

Jedenfalls habe ich dann zu Kais Antwort selbst noch ein paar eigene Sätze hinzugefügt. Denn Kai wiederholte sich ständig. Trotzdem denke ich, dass er sehr nützlich sein kann bei Dingen, die früher nur Menschen selbst machen konnten: Schreiben, Übersetzen, Bilder erkennen, Schach spielen und sich über verspätete Züge aufregen. Es gibt sogar Kais, die malen wie Picasso, andere schreiben Gedichte wie Goethe. (Also fast. Goethe hat nie ein Gedicht über das Super-Mario geschrieben, sondern nur über den Zauberlehrling Harry Potter.)

Als ich meinen Aufsatz vorstellte, machte Herr Mompe ein Gesicht, als gäbe es mittags wieder diesen fiesen Brokkoliauflauf in der Schülerspeisung. Aber es lag wohl eher daran, dass Kai sehr viel Strom verbraucht, dadurch die Umwelt verdreckt und wenn er keine Antwort weiß, schlimmer lügt als Ilyas große Schwester Inga aus der 10a, die heimlich vapt . Auch schien Herr Mompe Angst um seine Arbeit zu haben. Also fragte ich Kai nun nichts mehr. Schließlich möchte ich nicht, dass unser Klassenbuch irgendwann mal von einem intelligenten Kühlschrank geführt wird.

Montag, September 01, 2025

Woche 27/2025 - Blogspot, Naan und das Patriarchat

Gelernt 

Dieser Blog läuft ja seit eh und je im sehr bescheidenen technischen Rahmen von Blogspot. Ich hoffe, das strahlt einen gewissen Charme aus, denn den Absprung, um freiwillig den Hoster zu wechseln, habe ich um Jahrzehnte verpasst. Und nicht nur diesbezüglich bin ich ein Spätzünder. Ich habe jetzt erst kapiert, wie man ein Thumbnail für Artikel einfügen kann: einfach einer beliebigen Bild-URL das Attribut style="display: none;" anhängen. Das hätte ich auch mal googeln können … spätestens 2010 oder so.

Gekocht 

Vergessen, zum Bäcker zu gehen? Das Brot von vorgestern ist schon wieder schimmlig? Ja, beides kommt auch in diesem mittelgut sortierten Haushalt vor. Als Alternative zum Raufen des schwindenden Haupthaars habe ich für mich die Zubereitung von Naan entdeckt. Das Rezept ist super simpel, und wenn einer der oben genannten Notfälle eintritt, reicht es auch, wenn man den Teig nur 30 Minuten gehen lässt. Die Butter kommt bei mir allerdings nicht – wie bei Chefkoch beschrieben – auf den Teig, sondern gleich in die Pfanne.

Vorschlag

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Gehört

Van the Man ist seit Back on Top (Mittlerweile auch schon 25 Jahre alt) Hochsommermusik...

Sonntag, August 31, 2025

Woche 26/2025 - Lissabon mit Thunfischsteak und Kamera

Das erste Mal seit Jahren war ich wieder mal dienstlich in Lissabon. Mitte Juni ist es schon so heiß, dass ich ganz sicher weiß, dass die Stadt in der Hauptsaison viel zu heiß für mich sein würde. Ein Wiedersehen im September oder Oktober wäre allerdings schön. Dann, wenn daheim kein rechtes T-Shirt-Wetter mehr ist. Die Anreise aus der heimlichen Provinz gestaltet sich so herausfordernd, dass wir – ich bin mit meiner griechischen Kollegin unterwegs – zwei halbe, freie Tage in der Stadt haben können.

Und auch sonst ist uns das Glück hold. Auf dem abendlichen Weg vom Tagungs- zum Übernachtungshotel stolpern wir in das „Feira do Livro de Lisboa“, welches bereits zum 95. Mal stattfindet. Über 350 Pavillons von Verlagen, Autor:innen, Buchhandlungen, Antiquariaten und Künstler:innen findet man im Parque Eduardo VII. Was für eine wunderbare Atmosphäre! Und während im Hintergrund Live-Musik läuft, hat man den Traum, so etwas in klein an der heimatlichen Küste durchzuführen. Natürlich mit eigenem Stand. Das wäre was!

Auch sonst hat Lissabon einiges zu bieten: freundliche Mitmenschen, das beste Thunfischsteak der Welt im People und Fotomöglichkeiten überall.

Mit dabei: meine neue Kamera (liebevoll nur Schätzchen genannt), aber darüber muss ich demnächst mal ausführlich bloggen.

Gehört

Auf die Gefahr hin, dass ich das hier schon mal gepostet habe...

Samstag, August 30, 2025

Woche 25/2025 - Wolfenbüttel again

Chat Simulation Verstecktes Bild
Ich war wieder einmal in Wolfenbüttel. Diesmal hatte ich die Freude, am großartigen Seminar von Flix zum Thema »Geschichten in Wort und Bild« teilzunehmen, oder wie es in der Ankündigung hieß: »Liebe, Horror, Arztroman«. Es waren motivierende, freudige, anstrengende und erhellende Tage. Flix und der weltbeste Programmbereichsleiter sind ein großartiges Team und schaffen es, unsere Kreativität mit hundert kleinen, gemeinen Aufgaben ordentlich zu kitzeln. Diesmal etwa galt es, einen Schnappschuss zum Ausgangspunkt einer Geschichte zu machen. Wir hatten 15 Minuten Zeit. Meine Wahl fiel auf einen fiktiven Chat-Verlauf. Wenn man hier nicht solche Formate ausprobiert, wo dann?! Denn das ist genau das, was mich reizt, immer wieder an den Seminaren an der Bundesakademie teilzunehmen: der Austausch mit Gleichgesinnten, der geballte Input von den Dozierenden, das Hineinschnuppern in neue Themen und Formen, das Vorstellen und Diskutieren – auch halbgarer – Ideen. Ein herzlicher Dank an Flix, Olaf und alle Teilnehmenden. Es war ganz wunderbar.
Chat-Verlauf
Foto: Dr. Olaf Kutzmutz

Sonntag, Juli 27, 2025

Woche 24/2025 - Schreiben & Schreddern & Kinderbücher

Ich schreibe wirklich gern an meinen Büchern. Egal, ob es realistisch ist, dass sie jemals gedruckt werden oder ein Publikum finden. Das Schreiben wäre allerdings um einiges einfacher, wenn ich nicht nur regelmäßiger Freiräume für mein Lieblingshobby finden würde – für das ich etwas Abstand von der Welt und Ruhe brauche –, sondern mir nicht regelmäßig die Frage „Taugt das überhaupt?“ durch den Kopf spuken würde.

Über die Jahre habe ich drei Strategien entwickelt, um mit den Selbstzweifeln klarzukommen. Wobei „klarkommen“ übertrieben ist – wenn ich das Thema hinter mir gelassen hätte, bräuchte es dieses Posting mit nachfolgender Liste nicht.

(1) Weiterschreiben. Wie sagte schon Churchill: If you're going through hell, keep going. Der Nachteil dieses Ansatzes: Man braucht noch Restenergie im Tank – und die ist nicht immer vorhanden. Trotzdem gilt: Wenn man keine Buchstaben aufs Blatt bringt, ist sowieso alles Gezeter über Qualität und Quantität hinfällig.

(2) Ein Besuch bei der Bundesakademie in Wolfenbüttel, die ich gerne als meinen literarischen Therapiestandort meines Vertrauens bezeichne. Ich kann dort abschalten, treffe Gleichgesinnte, lerne viel, probiere Formen und Themen aus, auf die ich sonst nicht gekommen wäre – und entdecke, dass viele meiner Texte doch ein Publikum finden.

(3) Ich freue mich immer, von Autor:innen zu lesen oder zu hören, wie sie ihren Schreiballtag gestalten und womit sie sich so herumschlagen. Die Probleme sind gar nicht so verschieden – egal, ob man 500 oder 500.000 Exemplare verkauft.

In Bezug auf (3) hat mir der Podcast Schreiben & Schreddern viel Freude bereitet. Normalerweise nehme ich Podcastempfehlungen nur mit Vorsicht an, denn meine Playlist ist ohnehin gut gefüllt – und es stresst mich, wenn ich sie nicht leergehört bekomme. (Ja, mein innerer Monk ist da ziemlich streng.) Aber bei einem Hinweis meines Lieblingsillustrators mit dem Vermerk „bin grad mit Staffel 1 durch, musste bei der mit Andreas Steinhöfel an dich denken :)“ mache ich gerne eine Ausnahme. Auch wenn meine erste, mit Selbstbewusstsein vollgepackte Reaktion war: „Andreas Steinhöfel?! Hoffentlich ist das kein Serienkiller.“ Spoiler: Ist er nicht – soweit wir wissen. Sondern der sehr sympathische Schöpfer der Rico und Oskar-Reihe. Das hat mich dann in eine wohlige Decke aus Wertschätzung gepackt: mit der Arbeit solcher tollen Menschen assoziiert zu werden! Auch sonst konnte ich mit vielen Einschätzungen zur Kinderbuchwelt konform gehen.

Ich finde ja, Kinderbücher sind das Beste, was man schreiben kann.“ – Marc-Uwe Kling

Kinder sind wirklich ein angenehmes Publikum. Die Filterlosigkeit der Halblinge zeigt einem sehr schnell, ob man unterhaltsam geschrieben hat. Und unterhaltsam heißt bei ihnen: lustig und spannend (oder zumindest: interessant).

Tatsächlich finde ich – wie die beiden Podcaster – das Plotten bei Kinderbüchern besonders herausfordernd. Einen Spannungsbogen aufzubauen und gleichzeitig regelmäßig kleine Highlights einzustreuen, selbst wenn die Handlung gerade ruhiger verläuft, ist eine der größten Hürden, die man als Kinderbuchautor nehmen muss.

Jetzt habe ich das gemacht, jetzt muss ich irgendwie damit klarkommen.“ – Andreas Steinhöfel

Und dann muss das Ganze ja auch noch bei den Bucheinkäufer:innen ankommen. Gags für die Eltern zu schreiben ist also nicht nur Vergnügen, sondern fast Pflicht. Ähnlich wie Marc-Uwe – er darf mich gerne duzen – nähere auch ich mich meinen Charakteren szenisch: Irgendwann tauchen Handlungs- oder Dialogfetzen in meinem Kopf auf, und dann muss ich das Ganze irgendwie in die Handlung einbauen. Die Puzzelei beginnt. Das ist ziemlich anstrengend – und manchmal nervig. Die größte Angst dabei: liebgewonnene Passagen rauswerfen zu müssen, weil sie nicht funktionieren. Obwohl: Ersatzloses Streichen ist oft die beste Medizin gegen miese Absätze. Dagegen stinken konservative Behandlungsmaßnahmen wie wiederholtes Umformulieren einfach ab.

Zurück zum Podcast: Warm ums Herz wurde mir bei dem Punkt, an dem es um die Zusammenarbeit mit Illustrator:innen ging. Diese als „eine der schönsten Phasen“ zu bezeichnen – da kann ich nur zustimmen.

„Dann kommen die Bilder zurück und dann wird es noch mal auf eine ganz andere Art lebendig.“ – Marc-Uwe Kling

Auch die Adjektive „beglückend“ und „irrwitzig“ möchte ich hier unterstreichen. Es ist, als hätte man einen Song geschrieben, und bevor man ihn selbst das erste Mal spielt, hört man – im besten Fall – eine fantastische Interpretation eines anderen Musikers davon. Falls ich tatsächlich mal eine wirtschaftlich relevante Menge an Büchern verkaufen sollte, würde ich mir für jede große Neuauflage eine:n andere:n Illustrator:in wünschen. Am liebsten jemanden, der bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist. Man wird ja noch träumen dürfen... 

Gehört

Donnerstag, Juli 10, 2025

Woche 23/2025 - Wie man einen gesperrter Facebook-Account (nicht) entsperrt, Rotzhase & Schnarchnase und Oehl

Ich könnte jetzt schon wieder drei Absätze darüber schreiben, wie schrecklich Facebook ist. Mach ich  aber nicht. Nur so viel: Es gibt familiäre und betriebliche Gründe, warum ich die Plattform weiterhin nutzen "möchte". Wenn man mich denn lassen würde. 

Vor drei Monaten bin ich auf eine Phishing-Mail hereingefallen. Ich habe den Fehler schnell bemerkt – aber leider nicht schnell genug. In der Zwischenzeit hatte schon jemand mit meinem Account ein Instagram-Profil erstellt, das gegen Metas Nutzungsbedingungen verstieß. Mein eigener Instagram-Zugang war nicht betroffen, auch mein Facebook-Passwort habe ich rasch zurückgesetzt. Es entstand kein unmittelbarer Schaden. Dachte ich zunächst. Allerdings sperrten die Zuckerbergians automatisch meinen Facebook-Account wegen eben jenes "Verstoßes" gegen die Nutzungsbedingungen. Automatisch, versteht sich. Warum denn noch mit Menschen arbeiten?! 

In den folgenden, frustrierenden Wochen schrieb ich in viele Foren und noch mehr Mails. Immer gab es die selbe automatische Antwort, dass man mir nicht helfen könne. Oder manchmal auch gar keine. Der erste Monat verging, der zweite, der dritte. So langsam fing ich an, mich mit meinem Schicksal abzufinden. Ohne FB kann ich schon leben, aber die Kommunikation mit Teilen der Familie würde damit schwieriger werden. Zudem gab es zwei FB-Seiten, die ich – im Gegensatz zu meinem eigenen Profil (auf dem seit Jahren ohnehin nichts passiert) – nicht mitgesichert hatte. Weil ich dort der einzige Admin war – schön blöd von mir – wurden sie ebenfalls offline genommen...

Irgendwann schrieb ich noch einmal eine E-Mail. Wieder an ein generisches Postfach. Wieder mit dem gleichen Text, den ich schon dutzendfach versendet hatte. Und dann – wie aus dem nichts – bekam ich Zugriff auf mein Profil zurück. Einfach so. Absolut verrückt. Was mich das gelehrt hat? 

Eigentlich nichts, was ich nicht schon wusste: (1) Abhängigkeit von Big Tech ist doof und evil. Und ich habe Mitleid mit all denen, die die Plattform z. B. für ihre Selbstständigkeit brauchen. (Meine Schwippschwägerin im anderen Kulturkreis macht darüber 90 % ihrer Kundenaquise und -kommunikation. Kann und will man sich nicht vorstellen... aber das ist eine andere Geschichte.) (2) Es ist pures Glück, wenn sich jemand findet, der einem mit seinem Problem weiterhilft. Man ist dem Zufall und dem Chaos ausgeliefert. Es gibt keine nachvollziehbaren, verlässlichen Weg, wie man einen gesperrter Facebook-Account wieder entsperrt.

Gelesen 

Das jüngere Kind bekam Rotzhase & Schnarchnase von Julian Gough geschenkt. Und wir haben es zusammen gelesen. Ich bin ja kein großer Fan von „Was-lehrt-uns-das?“-Kinderliteratur. Aber wenn sie schon sein muss – dann bitte so.

Gehört 

Aus der Reihe „Dinge, über die ich mich wundere“: Dass Oehl nicht bekannter und erfolgreicher ist.

Montag, Juli 07, 2025

Woche 22/2025 - Rückblick auf die re:publica 2025

Kaum aus Finnland zurückgekehrt, fuhr ich gleich nach Berlin weiter. Und wieder ging es (zumindest am Rande) um Trolle: Die re:publica stand an.

Irgendwie passte meine Lieblingskonferenz in den letzten Jahren nicht in den dienstlichen und/oder privaten Terminkalender, umso froher war ich, 2025 endlich mal „heimzukehren“.

Es hat sich in den letzten Jahren so einiges getan. Der Wunsch, die Veranstaltung in der Mitte der Öffentlichkeit zu verankern, ist wahr geworden. Davon zeugte nicht nur das enorme Medieninteresse, sondern auch die große Anzahl von Ministern, die kontinuierlich rhetorisch durch die Hallen stolperten. Allerdings hat das auch den Nebeneffekt, dass die rp mittlerweile auch eine Vielzahl von Teilnehmenden anzieht, die inhaltlich kaum etwas zur Veranstaltung beitragen können. Böse Menschen würden von Eventtourismus sprechen. Ich bin so ein böser Mensch. Allerdings auch ein positiv eingestellter: Und daher habe ich mich sehr über die zwischenmenschlichen Begegnungen gefreut. :) (Ihr wisst, wer ihr seid. Herzlichen Dank für die netten Gespräche.) Grundsätzlich bleibe ich aber dabei, dass man mittlerweile am absoluten Maximum ist, was Größe und Teilnehmendenzahl angeht.

Rein inhaltlich hatte ich zu diversen Sessions auch etwas zu sagen:

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Und mein Schlüsselband hatte ich natürlich auch wieder daheim liegen lassen...

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Man munkelt, der Minister sei eine Simulation, die nicht außerhalb der rp lauffähig ist...

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Welchen Vortrag ich besonders empfehlen möchte? Vielleicht diesen, wegen seiner Allgemeingültigkeit und andauernden gesellschaftlichen Relevanz.