Montag, Dezember 30, 2024

Woche 51/2024 - OTFs, Kein Pardon, The Holdovers und Star Trek

Die vorletzte Woche des Jahres haben wir intensiv mit Erkältungsbekämpfung und Geschenkeinpackungsorgien verbracht. Unser Sidequest war es, dies so entspannt wie möglich zu gestalten. Denn wir hatten ein paar Tage frei, bevor die Ferien der Kinder begannen.

Geärgert
Mit Verärgerung habe ich festgestellt, dass PPT keine (oder nur begrenzt) OTF akzeptiert. Dabei hatte ich gerade das beste XMAS-Sweater-Stitch-Font der Welt gefunden. Natürlich gibt es online OTF-zu-TTF-Konverter, aber ich bezweifle mal, dass deren Einsatz bei "nicht eigenen" Schriften legal ist.

Gesehen
Da wir beim Geschenkeeinpacken etwas Zeit hatten, haben meine Liebste und ich ein paar Filme geschaut. Zunächst amüsierte sie sich erstmalig bei Kein Pardon mit Geburtstagskind Hape. (Was man halt so verpasst, wenn man nicht im deutschen Sprachraum aufwächst.)

Dann schauten wir uns endlich The Holdovers an, der sich sofort in die Top 10 meiner liebsten Filme einreiht. Er hat das Zeug zu einem wirklichen Weihnachtsklassiker! Die Story, die Charaktere, die Schauspieler, die Kinematographie und der wahnsinnig gute Soundtrack. Dass es so einen tollen, neuen Streifen gibt! <3

Nachgedacht
Vielleicht noch ein abschließendes Wort zu Star Trek: Picard und Discovery. Ich stolperte über dieses Zitat aus Nemesis und es beschreibt meiner Meinung nach ganz gut, was mich schon seit Voyager, der letzten Dominion-War-Staffel von DS9 und den jüngeren TNG-Filmen nervt: dieser Shift hin zu actiondominierten Plots. Klar, Star Trek war immer auch Knall-Boom, aber viel weniger als andere Franchises. Und ich finde, Strange New Worlds, Lower Decks und auch die ersten Staffeln von Enterprise (bevor das Xindi-Desaster begann), machen das viel besser. Für meinen Geschmack. (Denn das ist es: eine reine Geschmackssache und kein Kulturkampf.)


Sonntag, Dezember 29, 2024

Woche 50/2024 - Bundesakademisches Textbeispiel

Was für die eine der Yoga-Retreat in Indien ist, ist für mich ein Ausflug zu einem der pyramidalen Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Im Dezember packte ich zum vierten Mal Stift und Notizblock, um nach Wolfenbüttel zu meinem persönlichen Autorenseelen-Wellness aufzubrechen. Die thematische Klammer für all die intensiven Schreibübungen war einer meiner Lieblingsautoren, der leider viel zu früh verstorbene Jurek Becker.

Es ist immer so erhellend, erfrischend und befreiend, sich Themen und Übungen zuzuwenden, für die man im regulären (Schreib-)Alltag keine Zeit findet (von all den äußerst kompetenten Anregungen der Seminarleitung mal ganz zu schweigen).

Das Gleiche gilt für das Feedback und die anregenden Texte der Mitseminarist:innen. (Und manchmal sind es auch nur kleine Hinweise auf Arbeitstechniken oder Internetseiten wie Wortsport und Storydice.)

------------------------------------

Da ich gelegentlich gefragt werde, was ich denn da genau tue, wenn ich in Wolfenbüttel bin, präsentiere ich hier einmal beispielhaft eine Gehirn-und-Fingerübung.

Aufgabe (sinngemäß): Jurek Becker bekommt folgende Karikatur seiner selbst von Flix für eine Publikation zu Gesicht. Beschreibe seine Reaktion darauf.

Zeit: 20min



Mein Text (in Form eines fiktiven Tagebucheintrags):

Mittwoch, 12. Oktober
Otti* ruft an. Der dicke Krug hat Schnuppen. Heute also leider kein Tischtennis**, aber einen freien Nachmittag gewonnen. Man weiß nicht, wozu es gut sein wird. Die Dienstpost stapelt sich mal wieder, und Christinchen*** drängelt schon.

Donnerstag, 13. Oktober
Mit Johnny**** den Spielzeugtraktor repariert, doch der Poststapel sieht mich weiterhin unvermindert grimmig an. Heute Nachmittag ist er fällig. Wertes Tagebuch, nimm mich beim Wort.

Freitag, 14. Oktober
Christine in säuerlicher Laune, und auch das Tagebuch knurrt mich an. Also doch endlich einen Berg Briefe geöffnet: drei Interviewanfragen, die Abrechnungen von Suhrkamp und Hinstorff, ein Bettelbrief aus Wolfenbüttel und eine Porträtzeichnung eines Herrn Görmann***** für den neuen Essayband. Ich weiß nicht, was ich getan habe, um an einen Herausgeber mit solchem Kunstgeschmack zu geraten. Vielleicht grundsätzlich nicht schlecht, allerdings verspüre ich nun den Wunsch, einen neuen Handstaubsauger zu kaufen.

Samstag, 15. Oktober
Ich bin schockiert: Christine stört mein linkes Fallohr mehr als meine Nase. Habe ich die richtige Frau geheiratet? Beschlossen, meinen Ärger mit Kunst und Menschheit im nächsten Drehbuch zu verarbeiten, Arbeitstitel: Liebling Spandau.

Sonntag, 16. Oktober
Mit Manne telefoniert. Hatte ihm das Bild gefaxt. Ich hätte es nicht tun sollen. Die üblichen Krugschen Sticheleien. Letztendlich sind wir aber beide der Meinung, dass man das Thema "Grenzgänger" besser hätte umsetzen können. Ich sollte einen Brief an den Herausgeber des Essaybands schreiben. Sorgen um die Karriere von Herrn Görmann.

Montag, 17. Oktober
Das alte Bananenbrot Johnny hat die Zeichnung von meinem Schreibtisch gemopst, ist freudestrahlend zu seiner Mama gerannt und hat „Papa!“ gerufen, um es anschließend zu herzen. Ich glaube, wir sollten das Bild genau so publizieren.

------------------------------------

Anmerkungen/Erklärungen:

*Ottilie Krug, Ehefrau von Manfred Krug (langjähriger Freund von Jurek Becker)

**Jurek Becker war begeisterter Sportler, u.a. Tischtennisspieler.

***Christine Becker, Jurek Beckers zweite Ehefrau

****Jüngster Sohn von Jurek Becker

*****Felix Görmann aka Flix, Autor und Zeichner

Samstag, Dezember 28, 2024

Woche 49/2024 - Korma, Der Marsianer und Oxygen Not Included

Geärgert

Wir sind große Korma-Fans. Über Jahre habe ich unser hauseigenes Rezept perfektioniert. Die einzige Variable, die stets unverändert blieb, war die verwendete Gewürzpaste. Mit Erschrecken und Ärgernis musste ich feststellen, dass diese vom Markt genommen wurde. Leider fehlen mir momentan Gelegenheit, Zeit und Nerven, Alternativen zu testen. Inskissenschreigeräusch.

Gesehen

Ich habe mir aus unerfindlichen Gründen – die Watchlist ist eigentlich extrem lang – ein zweites Mal Der Marsianer angeschaut. So sehr mir die ersten zwei Drittel gefallen, so drüber finde ich das Ende der Geschichte. (Sobald Matt Damon vom Mars abhebt, sollte man den Fernseher ausschalten. Ich habe schon überlegt, ob es nicht der viel bewegendere Moment gewesen wäre, wenn das Letzte, was man von der Hauptfigur hört bzw. sieht, der Funkkontakt vor dem Start des MRM ist. Und dann fliegt die Hermes vorbei, und niemand stößt zu ihnen. Kein Mark zu sehen. Man weiß nur, irgendetwas muss schiefgelaufen sein.)

Gespielt

Einmal alle Jubeljahre schafft es ein neues Spiel auf meinen Heim-PC. 2024 war es Oxygen Not Included, was ich als Mischung zwischen Anno, Boulder Dash, Lemmings und Creatures (die Ältesten unter uns erinnern sich an die meisten dieser Titel) beschreiben würde.

"Oxygen Not Included ist ein Survival- und Kolonie-Management-Spiel, das von Klei Entertainment entwickelt wurde. Es kombiniert Strategie, Simulation und kreative Problemlösung. Du führst eine Gruppe von Klonen (Duplicants) durch den Aufbau einer Kolonie in einem unterirdischen Asteroiden. Du baust Ressourcen ab, entwickelst Systeme für Sauerstoff, Nahrung und Energie und erforschst Technologien, um deine Basis zu erweitern. Das Ziel ist es, die Kolonie funktionsfähig zu halten und die Überlebensbedingungen für deine Duplicants langfristig zu sichern, denn die Kolonie kämpft gegen Sauerstoffmangel, Temperaturschwankungen und Krankheiten, die das Überleben erschweren. Ressourcen sind begrenzt, und jede Entscheidung erfordert strategische Planung, um Probleme wie Stress oder Platzmangel zu lösen. Zusätzlich simulieren realistische physikalische Systeme wie Gase, Flüssigkeiten und Hitze die Herausforderungen einer funktionierenden Umwelt."

Der Einstieg ist sehr launig, allerdings ist das Tutorial sehr dürftig, und ich bin mir nicht sicher, ob ich bereit für ein Spiel bin, für das ich regelmäßig tiefere Recherchen betreiben muss, um das nächste Problem zu lösen bzw. überhaupt das Spielziel zu verstehen.

In Sachen Langzeitmotivation liegt da einiges im Argen. Wenn die Charaktere, die in der eigenen Kolonie seit Ewigkeiten schuften, sterben, ohne dass es einen wirklich kratzt, hat man als Spieldesigner irgendwas verbockt.

Ich bin gespannt, ob ich Oxygen Not Included in einem Monat noch gelegentlich spiele.



Sonntag, Dezember 22, 2024

Woche 48/2024 - Schreiben und Veröffentlichen

Kaum hat der NaNoWriMo begonnen, ist er auch schon wieder vorbei. Meine Bilanz war durchwachsen: In den ersten zehn Tagen habe ich sehr viel geschrieben, zwischendurch sehr wenig bis gar nichts, und hinten heraus stieg meine Produktivität wieder an. Ich habe zwar im fünften Anlauf eine neue Bestmarke geschafft, bin aber immer noch nicht fünfstellig. 

Tja, Brotjob, Care-Arbeit und Schreiben sind schwer im Gleichgewicht zu halten. Das ist keine furchtbar neue Erkenntnis für mich.

Hoffentlich wird Kinderbuch 2 trotzdem bald fertig. Ich bin jetzt schon bei +60 % im Vergleich zum ersten Band.

Der Rohtext steht nun (hoffentlich) in kürze, aber auch danach gibt es einiges zu tun. So weichen Klang und Perspektive noch zu sehr von Band 1 ab. Und auch die Handlung ist hier und da etwas zu "gepresst". Es amüsiert mich aber, dass diese sprachliche – nicht inhaltliche – Stringenz zwischen einem Buch und seinem Nachfolger auch ganz anderen, wirklich großen Kinderbuchautoren Probleme bereitet, wie ich beim Vorlesen feststellen konnte. (Wen ich meine, dürfte ihr gerne in den Kommentaren erraten.)

Gelernt

Roland hat mich auf ein ganz wunderbares Newsletter-Tool unter WordPress aufmerksam gemacht, das in seiner kostenlosen Basisvariante – und die reicht, bis hier die Fanmassen mir eines Tages die Geranien im Vorgarten platt treten – genau das tut, was es tun soll. Und intuitiv ist die Bedienoberfläche zur Abwechslung auch mal. Herzlichen Dank für den gigantischen Tipp!

Zur Newsletter-Werbung habe ich mich tatsächlich entschieden, weil es Menschen gibt, die ich über Social Media (momentan bespiele ich regelmäßig Insta, Mastodon, Bluesky und selten Facebook, Threads und TikTok) besser erreiche.

Geärgert

Irgendeine Hürde hat man als Buchproduzent und Blogger immer zu nehmen: Impressumspflicht, Datenschutz-Grundverordnung, Cookie-Stress und ganz neu: die EU-Richtlinie zur Produktsicherheit. Grundsätzlich ist das Gesetz eine gute Idee, aber die Gefahren bei Büchern sollten wirklich unter das allgemeine Lebensrisiko fallen.

Veröffentlicht

Für alle, die es nicht gemerkt haben: Mein Hörbuch ist endlich da. Zusammen mit meinem Kommilitonen Christian haben wir uns in ein Tonstudio eingemietet und unser Bestes getan. Christian, mit seiner charmanten und kompetenten, jahrzehntelang erprobten Radiomann-Art, hat für unser Weltraumabenteuer eine ganz tolle Atmosphäre entwickelt. Ganz anders und viel besser, als ich es gekonnt hätte.

Das Hörbuch gibt es als 3er-CD, verbunden mit einem individuellen MP3-Downloadcode. Cover und Verpackung sind meiner Meinung nach hervorragend gelungen, die CD-Brennung hätte gern noch etwas lauter sein können, aber die MP3s gibt es ja dazu. Und vielleicht gibt es ja noch eine zweite Auflage.



Dienstag, Dezember 10, 2024

Eine wirklich überfällige Lobhudelei

Wir lobhudeln ja alle viel zu wenig. Der Meinung bin ich ganz entschieden. Die gelungene Carbonara, der ziemlich überzeugende Vortrag und die netten Mitmenschen verdienen deutlich mehr Anerkennung im Alltag, auch wenn man fälschlicherweise denkt, dass das alles jetzt nicht so furchtbar seltene Naturphänomene sind.

Daher möchte ich Roland aka Herr Kowski heute mal auf das Avernerschild hieven und durch das virtuelle Kleinbloggersdorf tragen. Roland ist quasi das Gegenteil von norddeutscher Brubbeligkeit und toxischem Fantum. Er hat immer einen netten Kommentar, eine gute Anmerkung, eine hervorragende Idee im Köcher und ein Fass gute Laune im Keller. Es ist schön, so einen Menschen zu kennen und zum 50. Geburtstag etwas hochleben zu lassen! Und an wen sein kreatives Schaffen bisher vorbeigegangen ist, dem sei "Der Jungfernflug der GOOD LUCK" oder die Abenteuer von "Mette vom Mond" empfohlen.

Und da Roland ein sehr bescheidener Mensch ist, wird ihm dieser Blogeintrag spätestens jetzt unangenehm, daher schwenke ich die Aufmerksamkeit in Richtung eines Geburtstagsgeschenks, das in kein Päckchen passt.

Im Nerdlichtblog thematisiert das Geburtstagskind gelegentlich auf humoristische Weise seine Duschgedanken, und genau einen solchen hatte ich unlängst auch und möchte ihn zum Besten geben.

Duschgedanken

Wie mehrfach erläutert, bin ich – trotz aller Kapitalismuskritik – ein großer Fan der Olympischen Spiele. Sehr bedauerlich finde ich allerdings, dass die Winterspiele so im Schatten der Sommerwettkämpfe stehen. Um dem etwas entgegenzusetzen, bräuchte man vielleicht ein bisschen mehr Kreativität, was die Sportarten angeht. Ich plädiere hiermit dringend für die Aufnahme des Wintersiebenkampfs. Anders als sein Sommerzwilling wird dieser, aufgrund der Distanz der Sportstätten zueinander, über mehr als die klassischen zwei Tage stattfinden müssen. Zwei Disziplinen am Tag wären aber auch toll und vielleicht eine großartige "Bindeklammer" für die ganzen Spiele. Anfangen könnte man – wie im Sommer auch – mit einem Sprint, den 500m Eisschnelllauf, gefolgt von der ersten technischen Disziplin des Rodelns. Tag zwei beginnt mit dem Slalom, gefolgt vom Monobob. Danach folgt am dritten Tag Skispringen von der Kleinschanze und Snowboarden in der Halfpipe. Der Abschluss bildet ein Sprintverfolger im Biathlon, bei dem die Athletinnen (bzw. Athleten) in den Abständen ihrer bisher erzielten Punktzahlen starten.

Superheldisch

Ich weiß ja, dass Herr Kowski auch eine Schwäche für Superhelden hat, daher ist es an der Zeit, dass er endlich seinen eigenen Vertreter bekommt. Captain Nerdica gratuliert herzlich zum Geburtstag!

Mittwoch, Dezember 04, 2024

Woche 47/2024 - Kapitalismuskritik, Ludwig und Jazam

Geärgert

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich Am*zon manchmal nervt. Dabei meine ich nicht (nur) die turbokapitalistische Unternehmenskultur, die es seit Tag 1 hat, sondern das Einkaufserlebnis, das ich an Tagen mit naiver Lebenseinstellung habe. Früher hat man als Prime-Mitglied seine Rasierklingen und SD-Karten in den Warenkorb geworfen, und kaum hatte man den "Bezahlen"-Knopf gedrückt, standen die Waren schon vor der Tür. Heute bedeutet "Prime-Mitglied" eigentlich nur noch: "Du bezahlst keine Versandkosten." Liefertermine können auch schon mal vier Monate bedeuten, wenn man nicht aufpasst. (Von der eigentlichen Lieferung reden wir lieber erst gar nicht.) Und die Ware kommt dann auch schon mal per exotischem Lieferdienst direkt aus dem Lager eines windigen Marketplace-Anbieters.

Apropos "Marketplace": Aus Buchmarketinggründen gehöre ich auch zu den Leuten, die die "Seller"-Plattform nutzen. Sie ist der reinste Horror. Neulich brauchte ich einen Arbeitstag und eine zweistellige Versuchszahl, mein Konto zu reaktivieren, welches aufgrund von Gravitation, Los Wochos oder dem Radioprogramm in Niedersachsen deaktiviert wurde.

Gesehen

Mit großer Freude habe ich die ersten vier Episoden von "Ludwig" gesehen. Der hochgeschätzte David Mitchell spielt einen Rätseldesigner, der unter dem Pseudonym "Ludwig" veröffentlicht. Nachdem sein Zwillingsbruder James, ein Polizist, spurlos verschwindet, wird er von seiner Schwägerin Lucy, dargestellt von der brillanten Anna Maxwell Martin, überredet, sich als James auszugeben, um die Wahrheit hinter dessen Verschwinden aufzudecken.

Wer die Miss-Marple-Bücher mag und sich wünschte, dass die BBC-Sherlock-Serie mit Benedict Cumberbatch am Ende etwas weniger durchgeknallt gewesen wäre, wird es mögen. Reinschauen!

Gelesen

Erst mit Riesenverspätung entdecke ich das formidable Indie-Comic-Projekt Jazam! für mich. Ganz viel Liebe für alle von euch, die ohne Dollarzeichen in den Augen in solche Projekte so viel Zeit und Arbeit stecken.

Gehört

Mittwoch, November 27, 2024

Woche 46/2024 - Herr Schröder, dem fortgesetzten NaNoWriMo und Papierhüte

Nachdem die erste Woche NaNoWriMo wirklich hervorragend verlief, passierte in Woche II quasi gar nichts auf dem Papier. Der November ist also relativ exemplarisch für die Ergebnisse meiner nebenberuflichen Schreiberei.

Gelernt

Man kann Papierhüte besser und schöner falten, wenn man die lang tradierte Anleitung nur minimal in Richtung "Peter Pan" anpasst.

Gesehen

Gelegentlich spült der Algorithmus mal ein Video des Stand-up-Comedians "Herrn Schröder" in meine Timeline, der in seinen launigen Kurzclips gern den Schulalltag auf die Schippe nimmt. Diese waren unterhaltsam genug, dass ich der Versuchung erlag, in die WDR-produzierte Aufzeichnung seines Programms auf großer Bühne reinzuschauen. Leider muss ich sagen, dass das geänderte Setup und die angezogene Geschwindigkeit seinem Set überhaupt nicht gut tun. Ich habe tatsächlich nach 20 Minuten abgebrochen und warte jetzt auf das nächste komische Instareel.

Gezeichnet






Dienstag, November 26, 2024

Woche 45/2024 - NaNoWriMo, Tetris, Wollgeschäft und Indila

Und zack haben wir November, und auch von 2024 ist nur ein kümmerlicher Rest vorhanden. Und damit man kümmerliche Reste nicht verschwendet, wurde vor Jahren der NaNoWriMo erfunden. Der NaNoWriMo, kurz für National Novel Writing Month, ist ein jährliches Schreibevent, dessen Idee es ist, innerhalb von 30 Tagen einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Normalsterbliche wie ich können auch deutlich kleinere Ziele wählen. Ich z. B. wäre schon froh, wenn ich jeden Tag ein paar Zeilen aufs Papier bringen könnte und jenseits der 5.000 Wörter lande. Und dankenswerterweise ist auch Roland wieder mit dabei, denn geteiltes Leid ist halbes Rumgejammere, wie der Volksmund sagt. Auf zu den Schreibmaschinen!

Gespielt

Ich habe weiterhin große Freude an meiner R36S-Gameboy-Retroersatzkonsole. Mittlerweile habe ich sogar verstanden, wie man Spiele speichert. (Das ist leider für jeden Emulator auf dem Ding anders.) Aber ich mag nicht meckern, sondern erfreue mich an meinen abendlichen Tetrissessions auf der Couch.

Gesehen

Ich habe ja nicht viele Social-Media-Guilty-Pleasures, aber eines ist der YouTube-Kanal eines engagierten, aber meiner Meinung nach etwas "übermotivierten" Wollverarbeiters auf der Insel Rügen. Jemand, der viel selbst macht und dann manchmal Vorschriften und Behörden aus dem Blick verliert. Der Kommentarbereich des Kanals ist voller "Böser Staat"-Schreihälse und kaum erträglich, aber mich interessiert eigentlich nur die voyeuristische Frage: Kommt er damit durch bei den Verwaltungen? (Ich weiß nicht, ob das noch als berechtigtes, berufliches Interesse durchgeht.) Jedenfalls hat er schon 25.000 € Zwangsgeld gegen sich und denkt immer noch, dass Verwaltungswunder manchmal geschehen...

Gehört

Montag, November 11, 2024

Woche 44/2024 - Die 2004er Red Sox, Kinderzeitschriften und Emil und die Detektive

Geärgert

Wir hatten diese Woche einen Termin mit einer längeren Wartezeit für den Lütten (6). Blöderweise hatte ich das aktuelle Vorlesebuch nicht eingesteckt, also entschloss ich mich spontan, an der Tanke eine Kinderzeitschrift zu holen. Es ist unglaublich, wie schwierig es ist, eine Kinderzeitschrift ohne Plastikmüll zu bekommen. Die Auswahl beschränkte sich auf die Geolino und das Mosaik. Meine Wahl fiel auf das erstere Druckerzeugnis. Der Preis ist heftig, die Bilder sind schön, aber die Texte sind sprachlich für eine Zielgruppe, die sicherlich schon etwas anderes liest.

Gehört

Währenddessen war das große Kind (9) ein paar Tage krank daheim, und ich musste erschreckend feststellen, dass es momentan keine vernünftige Hörbuchversion von Emil und die Detektive bei Audible und/oder Spotify gibt.

Wo gibt es denn so etwas?! Allerdings habe ich dann das 1961er-Hörspiel mit Heinz Reincke – starke Landarzt-Vibes – auf YouTube gefunden. Das Kind war begeistert. Kästner funktioniert auch heute noch sehr gut, was mich sehr erfreute.

Gesehen

Auf Netflix gibt es eine Doku zum 2004er-Comeback der Red Sox in der League Championship Series. Die Ereignisse sind bekannt, die Doku ist gut gemacht, aber sie kommt keine 100 Meter an das Meisterwerk 4 Days in October heran.

Seit dem aberwitzigen Tausch von Mookie dümpeln die Red Sox im Mittelmaß der Liga vor sich hin. Die einzige Freude, die man hat, ist die, wenn die Yankees wieder mal keinen Titel holen.


Montag, November 04, 2024

Woche 43/2024 - Gameboyersatz, Trockensumpfschmierungen und einer sonderbaren Buchhandlung

Gelesen

Ich stelle gerade fest, dass ich noch gar nichts über meine Sommerlektüre geschrieben habe. Auf der Suche nach stressfreier Unterhaltung griff ich mir "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra*" von meinem Stapel der Vorfreude (formally known as Pile of Shame). Und ich wurde nicht enttäuscht, das Buch ist äußerst kurzweilig und sehr angenehm geschrieben. Wer z. B. etwa mit Jasper Fforde anfangen kann und es auch mal weniger komplex mag, wird an der Buchhandlung Spaß haben.

Gelernt 

Es gibt Trockensumpfschmierungen.

Gespielt

Ich glaube, meine Hochzeiten als Konsumopfer sind seit Jahrzehnten vorbei, aber gelegentlich findet doch noch ein Schnäppchen von der MyDealz-Plattform den Weg in meine Timeline. So wurde ich kürzlich auf eine kleine Retrokonsole in Form eines Handhelds aufmerksam, die ich mir aufgrund des günstigen Preises von unter 30 € sofort bestellte.

Ich glaube, seit Dezember 1991, dem Monat, in dem mein Schulfreund Steffen einen Game Boy zum Geburtstag bekam, war ich ein bisschen in dieses kleine elektronische Spielzeug verliebt. Ja, Jugendlieben werden romantisch überhöht, aber ich war sehr glücklich, mit der kleinen Verzögerung von fast 35 Jahren endlich Super Mario Land durchspielen zu können. Denn der R36S kam tatsächlich als Plug-and-Play-Lösung daher. Der Bildschirm ist unheimlich satt, und die bösen, bösen asiatischen Raubkopierer hatten eine Menge ROMs auf die Speicherkarte des Geräts gepackt. Darauf findet man Klassiker u. a. von Game Boy, Mega Drive, PSP und PS1. Besagte Speicherkarte ist allerdings auch die hardwaretechnische Achillesferse des Geräts, die man besser gegen einen Markenspeicher austauschen sollte. Das habe ich für weniger als 20 € getan und beim Wechsel auch gleich noch die Betriebssystemversion angehoben, sodass man zum Beispiel seinen Tetris-Highscore abspeichern kann. Wie man das alles machen kann, ist super gut dokumentiert und innerhalb weniger Stunden erledigt. Und dann kann der Spielspaß beginnen! Ich habe jedenfalls bis hierher sehr viel Freude an meinem neuen Begleiter. (Und da es eine sehr aktive Reddit-Community gibt, bekomme ich sicherlich regelmäßig die eine oder andere neue Spielidee.)

Gezeichnet

Mittwoch, Oktober 23, 2024

Woche 42/2024 - Rente, Duschgedanken, Star Trek Discovery und Archive.org

Ich hörte einen längeren Beitrag über die Geschichte der Rente in Deutschland, und da kam mir der Gedanke, ob die Gesellschaft irgendwann wieder in die Position kommen wird, dass man Kinder aus dem puren Gedanken der Existenzsicherung im Alter in die Welt setzt, wie es vor vielleicht 150 Jahren der Fall war, oder ob die rein "materiellen Investitionen" in die nächste Generation so groß sind, dass sich Fortpflanzung aus ökonomischen Gründen nicht mehr "lohnt".

Gelesen

Auch Roland beschäftigt sich zuletzt in seinem Blog mit hypothetischen Szenarien, die er sehr treffend als Duschgedanken betitelt. Ein Beitrag, der mir sehr gefallen hat, war der, der sich um das Reboot von literarischen Stoffen dreht. (Ich bin übrigens dafür!)

Gesehen

Es hat lange gedauert, aber ich habe mich durch die letzte Staffel von Star Trek: Discovery gequält. Ich schrieb u.a. schon hier darüber und hier und hier. Es ist einfach nicht meine Tasse Tee. Wer bisher mit der Serie nicht warm wurde, wird auch auf der Zielgeraden kein Fan davon werden. Zum Speien finde ich allerdings das Bemühen von "konservativen" Kreisen, die Serie und ihre Macher zu verunglimpfen. Den Ansatz der größtmöglichen Diversität bemängelte ich nie, ich war eher unglücklich, wie wenig die "Nebencharaktere" zum Zuge kamen, und die tolle Überhöhung von unserer "Super-Michael". Ich wiederhole mein früheres Statement: Ich bin wahrscheinlich nicht die Zielgruppe und kann damit sehr gut leben, wenn andere Leute mit der Serie viel mehr Spaß haben als ich.

Geärgert

Archive.org ist nun schon eine ganze Weile offline. Das ist wirklich traurig, und erst jetzt bemerke ich, wie sehr ich die Seite schätze und wie oft ich sie anscheinend besuche.

Gezeichnet

Samstag, Oktober 19, 2024

Woche 41/2024 - Ginger-Lime-Pulled-Chicken, der Osten und KI-Wahnsinn

Wir sind ein etwas seltsamer Haushalt. Das gebe ich gerne zu. In dieser Woche etwa sind meine Liebste und ich das erste Mal eine ganze (Arbeits-)Woche allein daheim, da die Kinder gemeinsam auf Schulfahrt sind.

Gekocht

Was machen wir Verrückten zuerst? Natürlich einen Speiseplan mit all den Dingen zusammenstellen, die die Kids nicht gerne essen. Großartiges Ginger-Lime-Pulled-Chicken zum Beispiel! Eine absolute Empfehlung für faule Köch*innen mit einem Schnellkochtopf im Küchenschrank.

Gesehen

Und wir waren bei einer Veranstaltung, bei der die "Besonderheiten" des Ostens diskutiert wurden und der Hang der überregionalen Medien, über diesen Landstrich vor allem zu berichten, wenn es um die AfD, Rechtsradikale im Allgemeinen oder bevorstehende Wahlen geht. Alle, die sich für das Thema interessieren, sei übrigens die Doku "Es ist kompliziert… - Der Osten in den Medien" empfohlen.

Geärgert

Es gab diese Woche mehrfach Grund, sich zu ärgern:

(1) Die VG Wort macht jetzt beim KI-Wahn der Unternehmen mit. (Ich habe gerade Widerspruch eingelegt. Ich schätze die Gefahren größer ein als den ökonomischen Nutzen durch eine Ausschüttung in dem Bereich.)

(2) Der Vorsitzende einer demokratischen Partei denkt, dass "Kinderbuchautor" ein Begriff ist, mit dem man einen politischen Gegner verächtlich machen kann.

(3) Und die Stiftung Lesen, die mit ihrem Statement für KI-generierte Bilder beim Vorlesen den sowie so schon nicht auf Rosen gebetteten Illustrator*innen das Wasser abgräbt. So naiv kann man doch gar nicht sein.




Freitag, Oktober 11, 2024

Woche 40/2024 - Von Buchlingen, Radios und Buchhandelsmysterien

Gefreut

Wie die Walter Moers'schen Überlieferungen aus Zamonien berichten, leben in der Ledernen Grotte besondere Wesen. „Die Buchlinge benennen sich in jungen Jahren nach einem Schriftsteller oder Dichter und sehen es dann als ihre Lebensaufgabe, alle Gedichte, Romane und Geschichten ihres Namenspaten auswendig zu lernen.“

Ich bin jedenfalls sehr froh über den Besuch von „Tosch Zulborer“ (Fans von Die Stadt der Träumenden Bücher werden verstehen) und fühle mich endlich als vollwertiger Autor. ;)

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität und Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungprozess - es gibt eine lange Warteliste und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion - waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend. 

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer, und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität. Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungsprozess – es gibt eine lange Warteliste, und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion – waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend.


Gelernt 

Die letzten Wochen waren für mich weniger vom Schreiben als durch Buchwerbung inkl. Messeeinsatz geprägt. Einige Mechanismen des Marktes und der Branche verstehe ich inzwischen ganz gut, anderes bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Anscheinend geht es Joscha Sauer ähnlich und ich bin, gelinde gesagt, relativ abgeturnt, wie Buchhändler*innen auf direktes Anschreiben reagieren. (Ich habe vor 2 Jahren mit schön gestalteten Postkarten ähnliche Erfahrungen gemacht.) Nun ja, wenn ich mir die Kinderbuchabteilung des Thalia um die Ecke anschaue, fehlt auch nicht mehr viel, um ihn für die Spielwarenabteilung eines Kaufhauses zu halten.

Verpasst 

Der/die/das Blog wurde vor ein paar Tagen 20 Jahre alt, und ich habe es verpasst. Die minimalistischen, semi-authentischen Beiträge von damals hätten auch gut auf Twitter, Mastodon und Co. gepasst – wenn es diese Plattformen schon gegeben hätte. Aber 2004 war Superstürmer Youssoufa Moukoko noch nicht geboren, Johannes Paul II. war Papst, und wer cool war, telefonierte mit einem Motorola RAZR V3.

2.850 Einträge sind es bis heute geworden. Mein Post von 2019 hat in seinen Grundzügen übrigens immer noch seine Gültigkeit.

Gekauft

Ich konnte das Gedudel aus mobilen Endgeräten nicht mehr ertragen, und so haben wir uns das erste Mal seit 10 (?) Jahren wieder ein Radio ins Wohnzimmer gestellt. Meine Wahl fiel auf die Nussbaumimitatvariante des TechniSat DIGITRADIO 3*. Es kann unter anderem DAB+, CDs und Bluetooth – mehr brauchen wir wirklich nicht. Für seine 200 Euro bietet das kleine, schnucklige Teil eine Menge Sound. Wir haben es direkt mit einem Joni-Mitchell-Marathon und dem BBC-Jubiläumskonzert "This New Noise" eingeweiht.

Die Kardinalsfrage bleibt: Soll die zusammengedampfte Audio-CD-Minimalausstattung im Schrank bleiben, oder gibt es irgendwo in diesem Sonnensystem doch ein CD-Regal, das mich nicht aus ästhetischen Gründen sofort würgen lässt?

Donnerstag, Oktober 03, 2024

Woche 39/2024 - Jasper Ffordes "Grau", Imogen und vegane Bouletten

[Edit:] Ich vergaß, dass nicht ganz so coole, neue Rezept hinzufügen. Das ist hiermit geschehen (siehe unten).

-----------------------------------------

Es ist absolut absurd, wie wenig von diesem Jahr noch übrig ist, das gerade erst begonnen hat, aber der Herbst ist definitiv da – das lässt sich nicht leugnen.

Höchste Zeit also, wieder in die Pedale zu treten, um die letzten Kapitel des Buches fertigzustellen, das wir dann doch erst 2025 auf den Buchmarkt werfen werden.

Momentan fällt es mir tatsächlich schwer, vom "Buchmarketingmodus" wieder zum Schreiben zu finden, aber das wird sich hoffentlich spätestens mit dem zusätzlichen freien Tag in der nächsten Woche ändern.

Gelesen

Ich habe den Entschluss gefasst, endlich den zweiten Band der Farbreihe von Jasper Fforde zu lesen, allerdings erinnere ich mich nach 10 (?) Jahren an "Grau*" nur dunkel. Dunkelgrau quasi, Anthrazit. Der Verlag fasst die Handlung spoilerfrei so zusammen:

"Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück in der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin – bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit zur gesellschaftlichen Unterschicht: eine Graue!"

Der Einstieg in die Geschichte empfand ich nicht als furchtbar packend, aber als bekennender Fffordeianer weiß man, dass es eine Weile dauern kann, bis man von einem neuen Büchlein  wird. Bei mir war es vor allem die überzeugend geschilderte Naivität des Hauptcharakters, die mich anzog. Der Weltenbau ist gewohnt abstrus und gigantisch, anfänglich immer am Rande des Erträglichen, aber die Geschichte hielt mich bis zum Ende am Ball. Auch wenn die eine oder andere Parallele zu Diktaturen im 20. und 21. Jahrhundert etwas zu stark aufgetragen wirkte, hielt mich Eddie mit seinen Freunden (und Feinden) bis zum Ende bei der Stange. Ich bin froh, dass nicht allzu viele Geheimnisse und Leerstellen aufgeklärt wurden.

Ehrliche 4 von 5 Dodos. (Auch beim zweiten Mal lesen.)

Gehört

Ich schrieb, dass ich das Buch "las". Das ist nur halb richtig. Den zweiten (2024er) Durchlauf  erlebte ich als Hörbuch, da ich noch ein Audible-Guthaben zu verballern hatte. Oliver Rohrbeck liest das Buch routiniert und gut, obwohl die Stimmenimitationen für bestimmte Charaktere definitiv verzichtbar waren. Absolut nervig ist jedoch die Tatsache, dass er den Namen "Imogen" nicht korrekt aussprechen kann und offenbar niemand ihn darauf hingewiesen hat. Absolut nervig!

Gekocht

Ich zitiere an dieser Stelle Miss Megaphon: "Falls ihr euch übrigens fragt, warum bei uns ständig Klassenfest ist: Das frage ich mich auch." Und ich mich erst. 

Diesmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Aufgrund einer Dienstreise des Liebsten war ich erneut kurzzeitig alleinerziehend und entschloss mich spontan, ein neues Rezept für "vegane Bouletten" auszuprobieren. Schwerer Fehler. Eigentlich: Doppelt schwerer Fehler: (1) Hätte ich mit veganer Köfte eine gute Alternative parat gehabt. (2) Sollte man niemals ein neues Rezept ausprobieren, wenn man es eilig hat und/oder davon abhängig ist.

Der Geschmack der Bouletten war gut, die Zubereitungszeit erträglich, und die Konsistenz der Bouletten überraschte mich positiv. Allerdings nur bis sie in der Pfanne immer weicher wurden und schließlich auseinanderfielen. Also habe ich schnell den Ofen angeworfen und die Bouletten dort fertig gebacken, wo sie dann tatsächlich fest genug wurden. Wenn ich sie noch einmal zubereiten würde, würde ich sie kurz anbraten (ohne Anbraten sind sie ziemlich fade) und dann im Ofen garen. Aber ehrlich gesagt, werde ich wohl dann doch lieber die bewährten Köfte machen. Tja, Schuster bleib lieber bei deinem Schlüssel- und Schleifservice, wie der Volksmund sagt.

Mittwoch, September 25, 2024

Woche 38/2024 - Buchemessenachgedanken

Vor 18 Stunden stand ich noch in der Halle der Arena Berlin und hielt den einen oder anderen netten Plausch über Bücher, die Ostsee und die Preise von Frittierkartoffeln.

Nun sitze ich wieder an meinem Schreibtisch und nutze den erwerbsarbeitsfreien Montag, um mich nicht nur um Wäsche und kaputte Mischbatterien zu kümmern, sondern auch, um all die Eindrücke von meinem ersten Buchmessenbesuch als Autor mit eigenem Stand zu sortieren.

Die BuchBerlin zählt rund 300 Aussteller aus der Indie- und Selbstpublisher-Szene, was sie zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art im Land macht.

Ich hatte einen Tisch für unseren Kleinverlag gebucht, und sowohl die Anmeldung als auch der restliche Administrationskram verliefen relativ unkompliziert. Allerdings hatten die Veranstalter im Vorfeld wohl ein paar Probleme mit dem Messebau, sodass es keine gewohnten Messestände gab. Stattdessen standen uns beispielsweise riesige Pinnwände zur Verfügung. Meine Befürchtung, die gesamte Veranstaltung würde dadurch das Flair eines Flohmarkts bekommen, bestätigte sich jedoch nicht. Auch die restliche Logistik war zufriedenstellend professionell: Die Regelungen und Wege zum Auf- und Abbau, die Toiletten- und Verpflegungssituation sowie die Beschilderungen waren gut organisiert.


Mein Stand befand sich in der Kinderbuchecke im Gang E, und ich hatte sehr nette Nachbarn, mit denen ich gerne ins Gespräch kam und Snacks tauschte. Die erwähnten Pinnwände erwiesen sich plötzlich sogar als Vorteil, denn sie machten die Dekoration der Stände deutlich einfacher. Dennoch war das Stressniveau hoch, bevor sich am Samstag um 10:00 Uhr die Tore öffneten. In den nächsten zwei Stunden strömten die meisten Besucher*innen des gesamten Wochenendes durch die Messe, und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch keine erprobte Strategie für die "Kundenansprache" hatte. Das Interesse an dem eher kleinen Angebot an Kinder- und Jugendliteratur war tatsächlich das ganze Wochenende über gering, was wohl eindeutig an der Zielgruppe lag. Diese war überwiegend weiblich und meist (noch) kinderlos. Der relativ hohe Eintrittspreis von 10 EUR (bzw. 8 EUR für Kinder ab 6 Jahren) war für viele Familien wahrscheinlich nicht zu stemmen, zumal es kein explizites Familienprogramm gab und selbst die Pommes mit 4,50 EUR pro Portion alles andere als günstig waren.

Am Samstag führte ich mit jedem Besucher, der an meinen Stand kam, ein Gespräch. Doch am Abend wurde mir klar, dass ich meine Strategie für den nächsten Tag definitiv anpassen musste, denn gerade am Nachmittag war in unserem Gang nicht mehr viel los, und der Ausflug in die Hauptstadt sollte sich bei den Investitionen in Standgebühren, Benzin und Unterkunft schon zumindest ein bisschen ökonomisch lohnen. Meine Strategie für den zweiten Tag sah dann so aus:

Ich entfernte alle Preisschilder. Da eine Buchmesse kein Supermarkt ist, verschreckten die Zettel die Kundschaft eher, als dass sie informierten. Leseproben gab ich nur noch heraus, wenn klar war, dass es zu keinem Kauf am selben Tag kommen würde, bzw. gab ich diese an Kinder in der Zielgruppe, die sonst an meinem Stand vorbeigelaufen wären. Ich bewarb ganz gezielt nur ein einzelnes Buch. Schon die Aufmerksamkeitsspanne der Kundschaft auf einen einzelnen Artikel zu lenken, war schwierig genug, und das Gesamtportfolio des Verlags war zu klein, um es als Ganzes zu bewerben.

Mit dieser neuen Strategie fühlte ich mich an Tag 2 deutlich wohler, auch wenn die großen Menschenmassen in unserer Kinderbuchecke weiterhin ausblieben. Beruhigend war jedoch, dass auch die deutlich besser vernetzten Kolleg*innen sowie die "Staubsaugervertreter" gegenüber – ein Team aus drei Leuten, die in aggressiver Manier versuchten, ein "Leselernbuch" zu verkaufen – nicht viel mehr Erfolg hatten als ich. Ein seltsamer Moment entstand, als ein deutscher D-Promi mit Kamerateam bei uns auftauchte, obwohl er nicht wirklich Interesse an Büchern zu haben schien. (Ich hoffe, das kurze Video von mir auf seinem Handy wird nie das Gerät verlassen.)

Und dann waren die zwei Tage auch schon wieder vorbei. Rein finanziell war mein Berlinausflug kein Plusgeschäft, aber so war er auch nicht angelegt. Der Austausch mit Gästen und Kolleg*innen war einfach großartig und herzerwärmend. Die Strategie des zweiten Tages war gut, und meinen Standaufbau würde ich jederzeit wieder genauso gestalten. Allerdings dann lieber bei einer reinen Sci-Fi- oder Kinderbuchmesse, oder an einem Ort, von dem ich am selben Tag an- und abreisen kann.

Mein Fazit: Es waren zwei grandiose Messetage und ich habe lange nicht mehr so viel gelernt, wie in diesen 48 Stunden.

Samstag, September 14, 2024

Woche 37/2024 - Mit Buchmessevorbereitungen, persönliche Begleiter und eigener Schriftart (Fontself)

Eigentlich wollte ich den Urlaub auch dafür nutzen, die größere Lücke im Tagebuch zu schließen. Das war wieder einmal eine Idee, die so richtig gut aufgegangen ist.

Ein anderes Projekt, für das ich momentan mehr Zeit aufwende als ursprünglich geplant, ist meine erste Buchmessenteilnahme. Meine Ambitionen sind nicht furchtbar groß (erstens: Spaß haben und zweitens: bei der Leserschaft nicht den schlechtesten aller Eindrücke zu hinterlassen), aber die Liste an Dingen, die es in der Vorbereitung zu tun gilt, wird immer länger:

  • Unterkunft buchen,
  • Parkplatz besorgen,
  • schwer entflammbare Tischdeko inkl. Zertifikat bestellen,
  • Merch aussuchen und verstauen,
  • Preisgestaltung der Fanpakete durchdenken (ich möchte ungern mit Centbeträgen hantieren),
  • Kasse, Quittungsblock, Bestellformulare, Namensschild einpacken,
  • Werbemaßnahmen auf Social Media planen und umsetzen usw. usf.

Aber es geht voran. Dank der kompetenten Beratung von Miss Megaphon und Cloud & Gut gibt es u.a. erstmalig langhenkelige Stoffbeutel für alle Verrückten, die kiloweise Material von der Messe tragen wollen.


Für alle Besuchenden, die ganz allein durch die Halle wandern, habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Wer an meinem Stand auftaucht und das Codewort „Wegbegleitung“ sagt, bekommt genau diese für den Messebesuch.

Auf A6 großen Karten gibt es individuelle Charaktere, die man dann vom Stand mitnehmen kann. Da finden sich u.a. Pyx, Selma Maria Wunsiedel, Wlug und Hono, der Zirkelzwerg.


Einiges aus ihren Steckbriefen ist bekannt, manchmal etwa das Lieblingsbuch, anderes („begeistert sich für“ oder „würde gern mal“) darf man nach langen Gesprächen mit der Wegbegleitung selbst ausfüllen.

Und natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn man die ausgefüllte - und eventuell sogar kolorierte - Karte anschließend auf Social Media teilt, aber das ist natürlich kein Muss.



Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich für die Karten ein eigene Font, basierend auf meiner Handschrift, entwickelt habe. Schon vor 20/25 Jahren gab es Software für solche Projekte, aber mit iPad und Stift ist es um einiges komfortabler, auch wenn die App hier und da noch etwas intuitiver sein könnte. Trotzdem waren die investierten 20€ für Fontself jeden Cent wert.



P.S. Ich habe gerade eine Nachricht vom Veranstalter gelesen: Es gibt Probleme beim Messebau, daher wird es keine Trennwände, sondern Pinwände geben... Puh, das wirkt nicht besonders professionell, vor allem für jemanden, der das seit 10 Jahren macht. Ich hoffe, dass der ganze Event dadurch nicht den Charme eines Flohmarkts bekommt.

Sonntag, August 25, 2024

Woche 26/2024 - Ryszard Kapuścińskis "König der Könige" & Professor Andersens Nacht

Ich habe ein offenes Ohr für Hör- und Lesehinweise von Menschen, die ich sehr schätze, und unterliege dabei des Öfteren folgender Fehleinschätzung: 'Wenn Leute, die man toll findet, etwas empfehlen, dann gefällt mir das sicherlich auch.'

Bei Christine Westermann, Elke Heidenreich und Flix bin ich diesbezüglich schon mehrfach auf die Nase gefallen, aber ich kann jetzt nicht garantieren, dass (1) ich aus diesen Fällen lerne und (2) das meine Liebe und Wertschätzung in irgendeiner Art beeinflusst. 

Gelesen

Für den ersten, ausführlichen Strandtag des Jahres hatte ich mir "Professor Andersens Nacht" von Dag Solstad aus dem Bücherregal gegriffen. Der Roman oxidierte schon deutlich über ein Jahrzehnt ungelesen vor sich hin, sodass ich gar keine Erinnerung mehr daran hatte, wie er dort genau hingekommen war. Innerhalb eines Nachmittags hatte ich das Bändchen dann durch. Das war äußerst positiv, denn meinen Geschmack traf er so gar nicht.

Der alleinlebende, namensgebende Professor Andersen beobachtet in der Weihnachtsnacht einen mutmaßlichen Mord, und was dann passiert, hätte auch für eine Kurzgeschichte gereicht. Der Plot war überschaubar, die Pointe mau, und dazwischen viel hochtrabendes, wenig berührendes Zeug. Wahrscheinlich bin ich nicht distinguiert genug für diese Art Lesestoff.

Gehört

Seit Jahren versuchte ich, in diversen Online-Antiquariaten die preisgekrönte "Parabel der Macht" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2003) zu einem vernünftigen Preis zu erbeuten. Teilweise wurde Ryszard Kapuścińskis "König der Könige"* für einen dreistelligen Betrag gehandelt. Es handelt sich, wie gesagt, um keinen seltenen, vorzüglich mundenden Rotwein, sondern um eine zwei Jahrzehnte alte Doppel-CD. In diesem Sommer wurde ich endlich fündig, und leider hielt auch in diesem Fall meine Erwartung dem Hörerlebnis nicht stand. Die Idee, das Leben am Hofe von Äthiopiens letztem Kaiser Haile Selassie anhand von unzähligen Interviews mit ehemaligen Hofdienern und Bediensteten nachzuzeichnen, ist eine hervorragende Anfangsidee, aber mir persönlich fehlten Fakten zur "Unterfütterung" all der Zeitzeugenberichte. Das Ganze war mir also zu "literarisch", während ich mein Hirn gerne mit etwas Wissen gefüllt hätte. Zudem ist die ganze Produktion mit ihren dominanten Soundeffekten nicht wirklich gut gealtert.



Sonntag, Juni 23, 2024

Woche 25/2024 - The Smashing Pumpkins

In den 90ern seine eigene Pubertät erlebt zu haben, geht mit ganz seltsamen Erinnerungen an Musik einher. Klar, da waren neue Kanäle für Heranwachsende wie Viva und NJoy Radio, aber auch ganz viel Fragwürdiges, wie Gummistiefeltechno, Boybandgedöns und das Dancefloorgrauen.

Bei mir lagen im tragbaren CD-Spieler Garth Brooks und Police, Jewel und Alanis Morissette, Grönemeyer und Bruce Springsteen. Und dann gab es da Bands, die ein gewisses Grundrauschen erzeugten: R.E.M., Beastie Boys, die Smashing Pumpkins. Nicht ganz so innig geliebt wie meine Favoriten, aber auf jeder Party und bei jedem Herzbruch dabei.

Durch glückliche Umstände kam ich an ein Ticket und konnte gestern die gut gealterten Herren in der Wuhlheide erleben. Achtzig Euronen waren eine ganz schöne Investition, aber mit den Special Guests "Interpol" bekam man quasi auch zwei Konzerte zum Preis von zwei.

Die Indie-Rocker aus New York hatten ein sehr hörbares Set zusammengestellt, was mich sehr dazu motiviert, ihr Oeuvre mal auf Spotify nachzuhören. Ich fühlte mich sehr an Britpopnächte in einem gewissen Liverpooler Club anno 2000 erinnert. Nur der Gesang des Leads war etwas gewöhnungsbedürftig, oder wie es meine sehr nette Begleitung ausdrückte: "Haben die Strohhalme gezogen, wer singen muss?!".

Spätestens beim Hauptact war die Location vollgepackt mit 17.000 Menschen mittleren Alters, die sicherlich auch problemlos als Publikum bei Peter Maffay durchgegangen wären. Der körperliche Zerfall ist halt ein ungeliebtes Massenphänomen. Über diesen und andere Schocks half der eine oder andere Joint hinweg, der um uns konsumiert wurde und meine Fahrtüchtigkeit als unfreiwilliger Passivraucher hoffentlich nicht beeinträchtigte.

Die Pumpkins 3.0 bzw. 4.0 - wir waren uns nicht ganz sicher, wie wir das zählen sollten - lieferten eine recht routinierte Show ab, brachten aber alle Klassiker unter (1979, Disarm, Tonight, Tonight etc. pp.), die man sich so erhofft hatte, und mit Springtimes sogar eine nette Melodie, die ich noch nicht kannte und den Rest des Abends vor mich hinsummte.

Es war auch noch ziemlich viel vom Tag übrig, als man den Konzertbetrieb - ohne Zugabe - vor durchschnittlich motiviertem Publikum kurz vor 22 Uhr ohne großes Tamtam einstellte.

Die Soundqualität hatte fernab vom Innenraum die gewohnte Schwammigkeit der Wuhlheide, trotzdem nervte das Geschrammel zwischendurch ein wenig. Ein Keyboarder hätte dem Abend sicherlich auch gut getan, so kam diese Spur durchgehend und etwas sehr unromantisch vom Band.

In zehn Jahren komme ich vielleicht mit den Kids noch mal zur Abschiedstour der Kürbisse. Bis dahin kann Billy an seinen Guildo-Horn-Gedächtnis-Moves für die Bühne noch feilen. Bis dahin höre ich ab und zu in die gut abgehangen Alben der frühen 90er rein und denke an den lieben M., den wir nun schon seit 15 Jahren vermissen.

Freitag, Juni 21, 2024

Woche 24/2024 - Literarische DDR-Krypto-Akkuratesse

Nachgedacht

Kürzlich war ich auf einem Seminar, bei dem ich einen Plot pitchte, der in den 1960er und 1970er Jahren in der DDR spielen sollte. Erst beim Präsentieren fiel mir auf, dass ich der einzige "Ossi" in der Runde war, und obwohl die anderen Autorinnen und Autoren bedeutend älter waren als ich (Jg. 79), merkte ich plötzlich, wie wenig man über die damaligen Lebensumstände wusste. Am "schrägsten" empfand ich die Frage, was man denn in der DDR mit Geld anfangen wollte. Man hätte sich dafür ja eh "nichts" kaufen können. Puh. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Schon bei der Debatte um "Gittersee" und der berüchtigten "Mängelliste", die dem Buch fehlende historische Akkuratesse vorwarf, frage ich mich, ob es wirklich notwendig ist, aus jeder Diskussion um einen fiktionalen Roman, der die DDR behandelt, sofort ein Proseminar am Historischen Institut zu machen. Gut, ich bin in der Belletristik ein absoluter Gegner von durchrecherchierten Szenarien – dafür gibt es meiner Meinung nach Sachbücher und Reiseliteratur. Und wenn es nicht zu absurd wird, kann ich auch damit leben, dass man in einer in Paris spielenden Handlung im Supermarkt mit Rupien bezahlt. Ich behaupte, der "Alte Mann und das Meer" wäre kein Stück schlechter, wenn er ein dreimeter großes Huhn aus der See gezogen hätte.

Gelesen

Nach dem Gratis-Comic-Tag haben die Kinder die ersten zwei Bände von Hans Jørgen Sandnes' "Krypto – Geheimnisvolle Meereswesen"-Reihe* verschlungen. Und natürlich habe ich gut gelauscht – und die Bilder betrachtet – als das große Kind dem jüngeren Kind vorlas.

Mir ist die Handlung tatsächlich etwas zu flach und vorhersehbar – wahrscheinlich haben Margo Maloo und Hilda die Hürden einfach zu hoch gesetzt – aber die Kinder hatten wirklich Spaß daran und der dritte Band ist schon in der Bibliothek vorbestellt.

Gehört

Dienstag, Juni 18, 2024

Woche 23/2024 - Alles gesagt, Literaturliteratur und Tauschticket

Angehört

Ich bin ja ein Fan von langen Interviews. Oder vielleicht eher ein Gegner kurzer, vorabgesprochener Gespräche à la NDR Talkshow? 

Jedenfalls habe ich sehr viel Freude am Zeit-Podcastformat "Alles gesagt?", bei dem Prominente gern auch mal vier, fünf, sechs, sieben Stunden zu Wort kommen. Zunächst fand ich die Gastgeber ziemlich anstrengend, mittlerweile mag ich aber ihre Art und die gute Vorbereitung der Redaktion. 

Zum Einstieg empfehle ich die Sendungen mit Armin Maiwald und Christine Westermann.

Nachgedacht 

Dass Christine Westermann, die gut informierte und einfühlsame Interviewerin aus Zimmer frei, auch als Buchrezensentin jenseits des "Zwei Seiten"-Podcasts bekannt ist, war an mir total vorbeigegangen. Grundsätzlich ist es wohl aber so, dass unser Buchgeschmack nicht so furchtbar kompatibel ist, bzw. ich zu wählerisch bin, was auf meine Leseliste kommt.

Aber es ist schon heftig, wie sehr sich der Buchmarkt in "Literatur" und "Literatur Literatur" teilt, wie es Westermann im Podcast formuliert. Ich bin auch beim Lesen jemand, der eher über Plot und Charaktere kommt und den Sprachsperenzien eher nerven. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich mich schwer bei den Einreichungen bei Anthologien tue bzw. warum mich die Bewertenden berechtigterweise doof finden, schließlich haben sie auch eine ganz bestimmte Leserschaft im Blick.

Neulich habe ich versucht, einen vorliegenden Text "auf Publikum" zu schreiben, und das Ergebnis empfand ich einfach als furchtbar. Dann probiere ich lieber weiterhin mit Genres und Themen herum, bleibe aber meinem Stil treu. Seelenlose, formal richtige Texte verfasse ich auch im Büro.

(Nicht) getauscht

Seit langer Zeit benutze ich Tauschticket, um aussortierte Bücher an neue Lesende zu bringen. Wie lange das allerdings ist, wurde mir erst in dieser Woche bewusst, als ein Buch angefordert wurde, das ich 2007, also vor 17 (!) Jahren, einstellte.

Ich kann die Plattform sehr empfehlen, wenn es in der Nähe keinen Bücherschrank gibt, die Werke wenig monetären Restwert haben und es, wie bei mir, da Bibliothekarinnnensohn, größtmögliche Recyclinghemmungen gibt. 

(Ich habe eben noch mal nachgeschaut, ich habe seit 2004 150 Bücher getauscht. Das ist schon ein bisschen was.)




Montag, Juni 17, 2024

Woche 22/2024 - Voice Cloning, Pokémon, Comixology und OSKA

Ausprobiert

Aus Gründen habe ich kürzlich testweise Software zum Voice Cloning benutzt. Ein 30-Sekunden-Soundschnipsel reicht schon aus, um eine ziemlich überzeugende Schablone für einzusprechende Texte zu erzeugen. 

Wenn man wirklich schnell nur einen kurzen Vorlesetext (z.B. für ein Tutorial) braucht, sind selbst (teilweise) kostenlose Tools wie Elevenlabs schon ziemlich gut. Aber alles in allem ist es schon beängstigend, darüber nachzudenken, was man damit alles für einen Unfug treiben kann. Da kommt noch einiges auf uns zu. Herrje.

Gespielt

Ich erwähnte, dass bei den Kindern das Pokémon-Fieber ausgebrochen ist? Ich bin ja immer noch ein Lehrling in allem, was japanische Knuddelkampfmonster angeht, aber ich mache Fortschritte. 

Die kostenlose iOS-App half mir sehr dabei, die Spielregeln zu erfassen, und ich habe tatsächlich Spaß an einer gelegentlichen Partie. (Auch weil ich seit Monaten keine vernünftige Spiele-App mehr auf dem Gerät hatte. Ich nehme gerne Tipps in den Kommentaren entgegen.) Die Performance der App nervt manchmal, z.B. was gelegentliche Spielabbrüche und immensen Energieverbrauch angeht, aber das ist schon ein solides Ding. Meine Kids (6 und fast 9) würde ich aber noch nicht ranlassen. 

In der realen Welt habe ich Pokémon-Kartenbestellungen via Cardmarket ausprobiert und bin sehr angetan von der Plattform, die, glaube ich, viel Taschengeld sparen hilft.

Gelesen 


Mir war in dieser Woche nach "leichter" Literatur, und ich habe mir dazu mal wieder meine zusammengekaufte Comixology-Bibliothek angeschaut. Die Plattform war für viele Jahre die Anlaufstelle für kostengünstige bebilderte Literatur, aber seitdem Amazon sie schluckte und in sein Kindle-Imperium integrierte, macht es dort nur noch wenig Spaß. Echt doof, denn ich mochte die iPad-App sehr und wie man dort die Titel sortieren konnte. Zudem hatte man alles im Blick und konnte Titel gut löschen bzw. wieder aus dem Cloudspeicher hochladen. Nun kaufe ich nur noch sehr selten mal ein Bändchen, und dann eher bei Humble Bundle.

Gehört 

Sonntag, Juni 16, 2024

Woche 21/2024 - Copytrans, Läuteordnung und Radiowissen

Ausprobiert

Ich gehöre ja zu den Leuten, die Unmengen an Fotos auf ihrem iPhone umherschleppen. Das hat zur Folge, dass ab und zu mein Speicherplatz zu Neige geht und ich dann ein paar Gigabyte Bildmaterial auf mein Notebook verschieben muss. Da mich die gesamte Dateiverwaltung unter Apple hart nervt, umgehe ich iCloud und iTunes und nutze dafür CopyTrans, das nur wenige Euronen kostet und den Job zuverlässig durchführt. (Kurzer Tipp: Die Software braucht beim Löschen einige Minuten Wartezeit, bevor sie den Vorgang zulässt. Ich vergesse das jedes Mal und ärgere mich dann.) Die Software kann man auch gut dazu verwenden, ein komplettes Backup von Apple-Geräten zu machen.

Gelernt

Kirchen besitzen eine Läuteordnung:

"Von dem Hinweis auf die - ein besonderes läutetechnisches Können erfordernden - Anschlagsarten nach Abschnitt B Unterabschnitt I Nummer 2 bis 5 darf daher nur mit Vorsicht und nur dort Gebrauch gemacht werden, wo geeignete Glöckner eingesetzt werden können.

Willkommen in Deutschland!

Gehört

Herr Buddenbohm, einer der unterhaltsamen deutschen Blogger, empfahl kürzlich einen Beitrag des BR zu Konsalik, was dazu führte, dass ich in das Rabbithole des "Radiowissen"-Podcasts fiel. Herzlichen Dank dafür!

Gelesen

"I hope you'll be as happy as our cruel world allows."



Samstag, Juni 15, 2024

Woche 20/2024 - Der nackte Mann auf dem Sportplatz und Tod unter Gurken (Teil 3 & 4)

Gesehen

Als wir noch Kinder waren, gingen unsere Eltern gelegentlich abends ins Kino. Und wenn wir wissen wollten, welchen Film sie sich angesehen hatten, gab es immer die gleiche Antwort: "Der nackte Mann auf dem Sportplatz". Es vergingen ungefähr 20 Jahre, bis ich begriff, dass es diesen Film wirklich gibt, und weitere 20 Jahre, bis ich ihn mir endlich angeschaut habe.

Es geht um den Bildhauer Kemmel, der in der DDR der 1970er Jahre versucht, seine Auffassung von Kunst und das Kunstverständnis der Betrachter in Einklang zu bringen, und natürlich auch um die ökonomischen und politischen Zwänge, die damit einhergehen.

Mir hat der Film von Regielegende Konrad Wolf unheimlich gut gefallen. Die (für heutige Sehgewohnheiten) gemächliche Erzählweise, die Konflikte, die Charaktere und der subtile Humor. Ein Stoff, der eigentlich nach einer Fortsetzung schreit, in der die Konflikte der heutigen Künstler in den aktuellen gesellschaftlichen Umständen beleuchtet werden.

(Erschreckendes Detail: Hauptdarsteller Kurt Böwe war in dem Film noch jünger als ich heute, was Klamotten so ausmachen.)

Geärgert

Gern hätte ich den oben erwähnten Film verlinkt, aber leider verschwinden manche Dinge viel zu schnell aus den öffentlich-rechtlichen Mediatheken.

Gehört

Ich habe mir den dritten und vierten Teil der "Tod unter Gurken"-Reihe angehört. Während ich den ersten Teil sehr mochte, haben mir alle Fortsetzungen immer weniger gefallen, und Teil 4 habe ich tatsächlich nur vollständigkeitshalber zu Ende gehört. Ein gutes Beispiel dafür, wie man eine ursprünglich gute Idee aus ökonomischen (?) Gründen zu Tode reitet.


Freitag, Juni 14, 2024

Woche 19/2024 - Wir sind Helden, Blogger, Google Cache und Nähen

Nun ja, dieses Wordpress-Template ist älter als Twitter, soweit ich mich erinnern, kann. (Man sieht es ihm auch an.) Trotzdem bin ich mal dem guten Beispiel von Roland gefolgt und habe in die Sidebar ein Plugin mit den jüngsten Kommentaren eingebaut. Es war gar nicht so furchtbar frickelig, wie befürchtet. Nur wie man den html-code für den Header ändert, musste ich mir wieder ins Gedächtnis rufen. (Auch das lege ich hier mal wieder unter "Tipp" ab.)


So sah diese Seite übrigens mal in früher Vorzeit aus. 

Gesehen
Wir sind Helden waren hier ja kürzlich schon einmal Thema hier. Auf deren Youtube-Kanal findet man zwei nette Dokus über die Band. In dem ersten Film geht es um das Debutalbum "Die Reklamation", der zweite Film namens "Tausend wirre Bilder" behandelt die "ganze" Bandgeschichte. 


Geärgert

Gelernt
Das große Kind (8) hat momentan im Hort einen Nähkurs und so haben wir beide am Wochenende fleißig an der Nähmaschine gearbeitet. Einiges - wie die ganze Einfädelei - kann sie schon besser (=schneller) als ich. Gut, dass das ganze Internet voll von Nähideen ist.

Freitag, Juni 07, 2024

Woche 18 - MiniDisc, das Schulgespenst, gifs und veganer Kartoffelsalat

Zur Erinnerung: Man findet mich weiterhin (nahezu inhaltsgleich) auf Mastodon, Bluesky und (aus Gründen) bei der irren SpaceKaren auf Mordor


Gesehen

Mit dem großen Kind (8) und der Liebsten die DDR-Komödie "Das Schulgespenst" gesehen, die immer noch ziemlich gut in der ursprünglichen Zielgruppe funktioniert. Schön, dass es mittlerweile eine ganze Reihe DEFA-Produktionen in ganze Länge, völlig legal auf Youtube gibt. 



Gelernt 

Aus Gründen mußte ich neulich fix mit ausschließlich Online-Mitteln ein gif aus einem Youtube-Video herstellen. Eine Kombination aus Ezgif & Makeagif erlaubten mir, die Aufgabe schnell und mit zufriedenstellendem Ergebnis duchzuführen. (Ich lege das mal hier als Tipp ab, damit ich es im Falle selbst wiederfinde. ;) ) 

Gekocht

Die Garten und Grillsaison hat begonnen und zur Feier des Ereignisses habe ich gleich mal einen veganen Kartoffelsalat ausprobiert (bekommt noch ein besonderen Kick, wenn man Gewürzgurken mit Chili nutzt). Und dann gibt es ja noch den schnellsten Nudelsalat der Welt. (Man kann auch noch ein bißchen Raukensalat reinwerfen und gleich getrocknete Tomaten in Streifen nehmen.)



Freitag, Mai 24, 2024

Woche 17/2024 - Samuel, Eels und die Waise von Perdida

Irgendwo stand neulich sinngemäß, dass die Menschen wieder mehr Romane lesen sollen, damit sie wieder mehr den Perspektivwechsel üben. Ich mag den Gedanken dahinter.

Gesehen

ARTE ist ja seit Jahren der Fernsehsender meines Herzens (ein guter Zeitpunkt auf die monatlichen Empfehlungen auf Eskapedia.de hinzuweisen) und kürzlich entdeckte ich die ganz berührende, animierte Serie Samuel über einen Jungen und seine erste(n) Liebe(n) und alles was damit zusammenhängt. Die Folgen sind jeweils nur wenige Minuten lang und erzählen in sich abgeschlossene Geschichte, die alle aber einen großen Bogen spannen. Wirklich, wirklich tolles Storytelling. 

Auf Instagram findet sich auch ein aufschlussreiches Making of von Emilie Tronche, dem Mastermind hinter der Serie.

Gelesen

Vor Äonen von Jahren empfiehl mir jemand "Die Waise von Perdida*", also packte ich das Buch auf meine Wunschliste. Dann bekam ich es geschenkt und nun endlich - noch einmal 734 Jahre später - habe ich es gelesen. Und ich muss sagen, dass es eine ganz kurzweilige SciFiGeschichte ist. Punktabzug gibt es eigentlich nur für die eine oder andere unnötige Grausamkeit und den leider relativ einfach zu erratenen Plottwist. 

Gehört

Donnerstag, Mai 09, 2024

Woche 16/2024 - Blogs, Antilopen Gang und das "Amt für industrielle Formgestaltung"

Gelesen

Ich freue mich darüber, dass Roland wieder so regelmäßig bloggt. Er zeigt, wie bereichernd auch die Kommunikation kleinerer Gedanken sein kann. Es weht ein Hauch von 2005 durch klein Bloggersdorf. Ich mag's.(Nehmt Euch ein Herz, macht es ihm nach!)

Apropos Blog, der erste Eintrag auf meiner Webseite, der auch noch heute als "bloggen" durchgehen sollte, stammt vom August 2001. Das ist schon ziemlich wild.


Dieses Tagebuch wird 2024 "erst" 20 Jahre alt. Hat jemand eine Idee, wie man das feiern könnte? Dann bitte unten in die Kommentare.

Gesehen

Beim NDR gibt es außergewöhnlich interessante 6 1/3 Minuten über das "Amt für industrielle Formgestaltung" und DDR-Design.

Gehört

Die Antilopen Gang hat den wahrscheinlich wichtigsten Song des Jahres veröffentlicht.

Mittwoch, Mai 08, 2024

Woche 15/2024 - Pokemon, LMM und Kate Nash

Mein persönlicher Bildungsauftrag im Büro ist es für 2024, den Kolleg*innen beizubringen von LLMs zu sprechen, wenn sie LLMs meinen und nicht immer von KI/AI.

Gespielt

Ich (Jg. 1979), war ja deutlich zu alt für den ersten Pokemonhype. Doch vor einiger Zeit begann das große Kind (8) auf dem Schulhof Karten zu ertauschen und ihr Taschengeld für Booster Packs auszugeben.

Ich habe es ja nicht so mit Monstern und Feen, Horror und Krimis, Autos und Eiskunstlaufen. Trotzdem sollte man - ab und zu - mal über den eigenen Schatten springen und so habe ich beschlossen - ermutigt von der guten Scheini - das Kind in ihrem neuen Hobby zu unterstützen. 


So brachte der Osterhase "Mein erstes Spiel*", eine Art Starterset für zwei Spieler mit vereinfachten Regeln. Und ich muß sagen, dass der Vertreter aus der Ordnung der Lagomorpha gute Arbeit geleistet hat. Das Spiel vermittelt gut die grundsätzlichen Mechaniken  und kam bei uns Unbedarften ohne Vorkenntnisse (5, 8, 38 und 44 Jahre) sehr gut an und selbst der Spielemuffel unter uns (ich nenne keine Namen, sondern liebe meine Frau innigst) bekam Lust auf mehr. 


In der Folgezeit waren wir nun schon mehrfach im heimischen Laden für phantastisches Spielgerät , wo sich die Kids etwas aus dem 0,20€/Karte Stapel etwas aussuchen konnte, was ich zu diesem Zeitpunkt für den bedeutend besseren Deal halte als die Booster für 5€. Nur die Sammelalben fand ich vor Ort etwas teuer, die haben wir - ganz planetenvergessen und wenig nachhaltig - doch lieber zum halben Preis bei Temu bestellt. 
Im nächsten Schritt haben wir uns auf Hausregeln geeinigt, was z.B. Deckgrößen und Fähigkeiten angeht, und wir hoffen uns nach und nach (d.h. mit langsamen Anpassungen der besagten Hausregeln) an die offiziellen Regeln heranzutasten. Ich werde berichten!

Gehört 
Wir müssen alle viel mehr Kate Nash hören. (Also meinen Vorsatz wahr gemacht, Gesamtwerk durchgehört und eine Playlist erstellt.) 

"Everything you feel can just come undone
And the media supports all the far right scum
I just want to believe but the feelings not inside me
The sun has gone and so must I
Do you think we'll know each other when we die?
The sky is grey and I'm blue
Have I told you that I love you?"

Ich mag ihre Stimme, ihre Texte, die Verspieltheit, der immer etwas unrunde Sound. Ach, mögen. Große Liebe.