Vor 18 Stunden stand ich noch in der Halle der Arena Berlin und hielt den einen oder anderen netten Plausch über Bücher, die Ostsee und die Preise von Frittierkartoffeln.
Nun sitze ich wieder an meinem Schreibtisch und nutze den erwerbsarbeitsfreien Montag, um mich nicht nur um Wäsche und kaputte Mischbatterien zu kümmern, sondern auch, um all die Eindrücke von meinem ersten Buchmessenbesuch als Autor mit eigenem Stand zu sortieren.
Die BuchBerlin zählt rund 300 Aussteller aus der Indie- und Selbstpublisher-Szene, was sie zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art im Land macht.
Ich hatte einen Tisch für unseren Kleinverlag gebucht, und sowohl die Anmeldung als auch der restliche Administrationskram verliefen relativ unkompliziert. Allerdings hatten die Veranstalter im Vorfeld wohl ein paar Probleme mit dem Messebau, sodass es keine gewohnten Messestände gab. Stattdessen standen uns beispielsweise riesige Pinnwände zur Verfügung. Meine Befürchtung, die gesamte Veranstaltung würde dadurch das Flair eines Flohmarkts bekommen, bestätigte sich jedoch nicht. Auch die restliche Logistik war zufriedenstellend professionell: Die Regelungen und Wege zum Auf- und Abbau, die Toiletten- und Verpflegungssituation sowie die Beschilderungen waren gut organisiert.
Mein Stand befand sich in der Kinderbuchecke im Gang E, und ich hatte sehr nette Nachbarn, mit denen ich gerne ins Gespräch kam und Snacks tauschte. Die erwähnten Pinnwände erwiesen sich plötzlich sogar als Vorteil, denn sie machten die Dekoration der Stände deutlich einfacher. Dennoch war das Stressniveau hoch, bevor sich am Samstag um 10:00 Uhr die Tore öffneten. In den nächsten zwei Stunden strömten die meisten Besucher*innen des gesamten Wochenendes durch die Messe, und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch keine erprobte Strategie für die "Kundenansprache" hatte. Das Interesse an dem eher kleinen Angebot an Kinder- und Jugendliteratur war tatsächlich das ganze Wochenende über gering, was wohl eindeutig an der Zielgruppe lag. Diese war überwiegend weiblich und meist (noch) kinderlos. Der relativ hohe Eintrittspreis von 10 EUR (bzw. 8 EUR für Kinder ab 6 Jahren) war für viele Familien wahrscheinlich nicht zu stemmen, zumal es kein explizites Familienprogramm gab und selbst die Pommes mit 4,50 EUR pro Portion alles andere als günstig waren.
Am Samstag führte ich mit jedem Besucher, der an meinen Stand kam, ein Gespräch. Doch am Abend wurde mir klar, dass ich meine Strategie für den nächsten Tag definitiv anpassen musste, denn gerade am Nachmittag war in unserem Gang nicht mehr viel los, und der Ausflug in die Hauptstadt sollte sich bei den Investitionen in Standgebühren, Benzin und Unterkunft schon zumindest ein bisschen ökonomisch lohnen. Meine Strategie für den zweiten Tag sah dann so aus:
Ich entfernte alle Preisschilder. Da eine Buchmesse kein Supermarkt ist, verschreckten die Zettel die Kundschaft eher, als dass sie informierten. Leseproben gab ich nur noch heraus, wenn klar war, dass es zu keinem Kauf am selben Tag kommen würde, bzw. gab ich diese an Kinder in der Zielgruppe, die sonst an meinem Stand vorbeigelaufen wären. Ich bewarb ganz gezielt nur ein einzelnes Buch. Schon die Aufmerksamkeitsspanne der Kundschaft auf einen einzelnen Artikel zu lenken, war schwierig genug, und das Gesamtportfolio des Verlags war zu klein, um es als Ganzes zu bewerben.
Mit dieser neuen Strategie fühlte ich mich an Tag 2 deutlich wohler, auch wenn die großen Menschenmassen in unserer Kinderbuchecke weiterhin ausblieben. Beruhigend war jedoch, dass auch die deutlich besser vernetzten Kolleg*innen sowie die "Staubsaugervertreter" gegenüber – ein Team aus drei Leuten, die in aggressiver Manier versuchten, ein "Leselernbuch" zu verkaufen – nicht viel mehr Erfolg hatten als ich. Ein seltsamer Moment entstand, als ein deutscher D-Promi mit Kamerateam bei uns auftauchte, obwohl er nicht wirklich Interesse an Büchern zu haben schien. (Ich hoffe, das kurze Video von mir auf seinem Handy wird nie das Gerät verlassen.)
Und dann waren die zwei Tage auch schon wieder vorbei. Rein finanziell war mein Berlinausflug kein Plusgeschäft, aber so war er auch nicht angelegt. Der Austausch mit Gästen und Kolleg*innen war einfach großartig und herzerwärmend. Die Strategie des zweiten Tages war gut, und meinen Standaufbau würde ich jederzeit wieder genauso gestalten. Allerdings dann lieber bei einer reinen Sci-Fi- oder Kinderbuchmesse, oder an einem Ort, von dem ich am selben Tag an- und abreisen kann.
Mein Fazit: Es waren zwei grandiose Messetage und ich habe lange nicht mehr so viel gelernt, wie in diesen 48 Stunden.





