Dienstag, Dezember 31, 2019

Jahresabschlußgedanken #bestof2019

Das Jahr 2019 trudelt so langsam aus. Das nehme ich mal wieder zum Anlaß ein paar Gedanken (v.a. bezüglich meines Medienkonsums und der Netzwelt im allgemeinen) einzufangen. 

Beruflich war dieses Jahr sehr anstrengend. Der Weggang der Lieblingskollegin war wie erwartet nicht nur ein menschlicher Verlust, auch brauchten wir 13 Monate und drei Stellenausschreibungen, um jemanden zu finden, der mich im Büro unterstützt. Es wird immer schwerer qualifizierte Leute zu finden, wenn irgendwas im Gesamtbild der Stelle (Gehalt, Aufstiegschancen, Befristungen o.ä.) nicht stimmt. Der Mehrbelastung machte sich in Form von Überstunden, ungenutzten Urlaubstagen und erhöhtem Zuckerkonsum bemerkbar. Im Dezember hatte ich allerdings eine sehr, sehr gute Fortbildung, die inhaltlich voll überzeugte und bei der ich eine ganze Reihe neuer, kompetenter und netter Kolleginnen und Kollegenen kennenlernen durfte. Mal ganz davon abgesehen, daß sich durch sie vielleicht noch andere berufliche Perspektiven eröffnen.

Die beschränkte Freizeit versuchte ich so gut es ging zu nutzen: Weniger mit Netflix und Kino, sondern vor allem mit der Familie und den Freunden. Bei dem wenigen Filmen, die ich in diesem Jahr gesehen habe, war nichts dabei was ich unbedingt empfehlen würde, allerdings gab es ein paar Serien, die mir gut gefallen haben, v.a. das brillante "Fleabag*". Darüber werde ich kürze im Podcast ein paar Worte verlieren.

Ja, der Podcast war sicherlich eine der schönsten Überraschungen der letzten Monate. Sich mit einem netten Menschen über nerdige Themen austauschen zu können und dann auch noch ein paar Zuhörer zu haben ist eine sehr befriedigende Angelegenheit. Gleiches gilt für die Fertigstellung das kleinen Bilderbuchs, welches das Töchterchen zum Geburtstag bekam.


Gelesen habe ich 2019 v.a. Kinderbücher und Graphic Novels. Ich wurde schon schlechter unterhalten. Sehr empfehlen möchte ich die Hilda-Reihe von Luc Pearson, die Moomin-Klassiker zum Vorlesen, das wunderbare Bärenbuch von Kiki und das bewegenden und informative Agentterrorist* von Deniz Yücel.  

Gespielt wurde 2019 auch wenig. Es gab ein bißchen Anno im Frühling, Super Mario im Sommer und ansonsten eine gelegentliche Runde Concrete Jungle und Dominion (online). 

Sehr zufrieden war ich mit meinem Schreibpensum bis zum Winter: Die anvisierten 100 Blogbeiträgen lagen in greifbarer Nähe  bevor quasi acht Wochen lang immer irgendwer in der Familie krank war und sich das Zeitfenster für die Bloggerei fast vollständig schloß. Gerade auf dieser Plattform hier hätte ich mich gern noch häufiger geäußert. Ich werde aber auch im kommenden Jahr versuchen am "Dreistelligen" zu kratzen. Dabei werde ich noch öfter lieber Halbgares veröffentlichen, bevor am Ende des Jahres die Liste der "fast fertigen" Posts länger ist als die der tatsächlichen geposteten.


Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch! Wir lesen uns!

Freitag, Oktober 11, 2019

Tipp: Wie man sich die erste Folge der neuen Short Treks ansehen kann


Als wäre es nicht schon blöd genug, den zweiten Tag total verrotzt im Bett rumzuliegen, da muß man auch noch überall auf den einschlägigen Seiten die Reviews für die neuen Star Trek: Short Treks umschiffen. Wie auch im letzten Jahr gibt es wieder keine Möglichkeit sich außerhalb von Nordamerika die neuen Folge legal anzuschauen und selbst in den schmuddligeren Ecken des Netzes - wie gut, daß ich hier anonym blogge und deshalb hier berichten kann - sieht es momentan mau aus.

Dachte ich zumindest.



Dann entdeckte ich, daß man bei CTV in Kanada ohne Zahlung/Registrierung, die erste Folge namens "Q&A" schauen kann. Man braucht nur ein VPN-Programm mit einem Server in Kanada (wie den großartigen Tunnelbear, dessen kostenloses Volumen von 500 MB pro Monat problemlos dafür ausreicht) und schon kann die Reise in 23. Jahrhundert losgehen.

(Und die erste Folge lohnt sich wirklich!)

P.S. Spoiler: Wie geil ist bitte der eigentliche Name von "Number One"?!

Donnerstag, Oktober 10, 2019

Rpunkt spielt... Anno 1404

Nach anderthalb Jahrzehnten Bloggerei habe ich mich entschlossen unter "Rpunkt spielt..." eine neue Kolumne zu starten. Ich bin überzeugter Gelegenheits-PC- und Brettspieler, eine Nische, die bei Reviews im Netz viel zu selten bedient wird. (Sorry, ich habe keine 20 Stunden die Woche Zeit alle Sidequests in irgendwelchen mittelmäßigen Titeln abzugrasen.) Daher werde ich versuchen 2-3 Mal im Jahr meine 2cents zum Thema beizutragen. Mal sehen, wie lange ich durchhalte. 

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In meiner Nachwendejugend gab es nicht allzu viel elektronisches Gerät im Freundes- und Bekanntenkreis. Der Nachbarsjunge unter uns hatte einen C64, die Patentante einen Atari und nach der Jugendweihe besaß auch der liebe M. ein IBM-kompatiblen PC. Und da der M. ein netter Mensch war, scharrten wir uns um den Bildschirm und spielten in den Ferien tagelang zusammen Anstoss (er mit Schalke, ich mit Werder Bremen) und Colonization. So haben mich seit 1994 Aufbaustrategiespiele, am liebsten rundenbasiert, fest in ihren Bann gezogen.

Im Frühling stieß ich vermehrt auf Werbung für das neue Anno 1800* und da ich über Ostern zwei Wochen  "Strohwitwer" war, beschloß ich, der Reihe mal wieder eine Chance zu geben. Den letzten Teil, den ich noch nicht gespielt hatte, war 1404, so freute ich mich, daß ich ihn bereits für ein Zehner bei Steam erwerben konnte.

Der Spaß konnte beginnen. Das dachte ich zumindest. Ich Naivling! Denn wer wäre darauf gekommen, daß Steam/Ubisoft ein Spiel vertreibt, daß unter Windows 10 nicht laufen würde. Und dies zudem ohne Warnung. Am ersten Tag gab es gleich zwei Probleme zu lösen: Das Erste bestand darin, die Software so zum Laufen zu bringen, daß man alle Bildschirmbereiche klicken konnte, was mir nach viel Rumprobieren mit folgenden Systemeinstellungen gelang:


Kaum lief das Spiel, trat Problem Nr. 2 auf den Plan: Alle paar Minuten lief der Hauptspeicher voll. Die Verwendung von 64Bit-Systemen hatte bei Ubisoft niemand vorhergesehen. (Und auch keinen Fix bereitgestellt, obwohl man das Projekt bis heute weiter vertreibt.) Aber diese Links aus dem Netz halfen mir weiter (Link 1, Link 2, Link 3).

Das Spiel als solches ist gewohnt großartig, aufgrund der oben beschriebenen Schwierigkeiten sollte man aber vielleicht doch eher zu einem der aktuelleren Titel der Reihe greifen. Es muß ja nicht jeder so bekloppt sein, wie ich.

Montag, September 30, 2019

15 Jahre Bloggerei

In diesem Monat wurde dieses kleine, unbedeutende Blog 15 Jahre alt.

Ich habe mich sehr über all die Glückwunschschreiben, Telegramme und Blumen gefreut. Und als dann die EU-Kommissarin für Blogosphärenangelegenheiten anrief, um persönlich zu gratulieren, fühlte ich mich natürlich sehr geehrt.

"Rpunkt!", sagte sie. (Seit der Erwähnung dieses Onlinetagebuches bei der FAS anno 2007 gehört sie zur Stammleserschaft, daher dutzen wir uns. Damals war sie allerdings noch Unterstaatssekretärin für Internetereien in Elbonia.)

"Warum können wir nach Dir immer noch keine Straße benennen? Immer diese Anonymität! Dabei passen Deine total subjektiven, verkürzten und wenig recherchierten Beiträge so gut in unsere Zeit!", platze es in ihrem bezaubernden elbonischen Akzent aus ihr heraus. 

"Tja", antwortete ich. "Wer hätte gedacht, daß das so eine langwierige Geschichte wird, als Herr. A. mich damals zum Tagebuchbloggen über den neuen Job angestiftet hat! Eigentlich wollte ich nur einen Platz für meine "Mentalhygiene", um die Begrifflichkeit vom Nuf und wirres.net aufzugreifen. Eine Internetseite hatte ich ja schon. Nun gab es auch einen Ort um die ganze negative Energie aus dem Berufsleben zu verbloggen und später auch zu vertwittert.

Und nebenbei fand ich zufällig, viele nette Kontakte, denen ich auch teilweise im RL begegnen durfte. Die Grundgedanken von "verwaltet" ist nach all den Jahren immer noch der selbe: Alles was mich so bewegt, vor allem der Ärger, wird zu Postings verwurstet. Meist relativ unkontrolliert und filterfrei, was dann auch mal schon zu Magenverstimmungen bei der Leserschaft führen kann. (Sorry! Not sorry!)

Man stelle sich aber vor, jemand würde sich nicht nur unterhalten fühlen, sondern sich selbst in einer der vielen Überspitzungen wiederfinden oder noch schlimmer, Dritte würden anfangen, nach den beschriebenen Personen und Institutionen zu suchen. Angenehm wie eine Tiefenprüfung des Finanzamts wäre das. Nee, nee, nee, ich bleibe hier bei meiner orthografiefreien Kladde im Internet. Das hat auch den netten Effekt, daß man sich nicht um Stalker, Wahrheitsüberprüfer (ja, ein Teil des Geschriebenen hier ist tatsächlich fiktiv!), DSGVO-Vorgaben, Abmahnern und sich potentiell beleidigt fühlender Vorgesetzten, Kollegen, Nachbarn, Studenten und Familienmitglieder kümmern muß.

Allerdings bleibt mir durch die ganze Anonymisierungschose ein verfrühte Luxuspensionierung auf den Bahamas vorenthalten, da ich so dieses äußerst wertvolle Stück der deutschen Kulturgeschichte nicht vergolden kann, da niemand weiß, wohin er die Millioneneinnahmen aus Sponsoringpartnerschaften, Tantiemen und Affiliatelinks schicken soll.

Das Leben ist eines der Härtesten!"

Donnerstag, September 19, 2019

F*ck off, Bildungsbürgertum!

Ich habe mich geärgert. So richtig. Über diesen Post hier:

Der Grund dafür ist natürlich nicht der Umstand, daß jemand mehr Spaß im Lateinunterricht hatte als ich und ich bitte auch darum, dies nicht als Angriff auf die Autorin zu verstehen, aber dieser Tweet bringt meinen inneren Klaus Kinski zum Tanzen, da er einfach nicht meine persönliche Lebenserfahrung widerspiegelt.

Was nervt mich daran genau? Zwei Dinge.

Als jemand, der im Studium jahrelang Lateinstunden "genießen" durfte, finde die Sprache endlos überhöht. Ja, die Grammatik einiger mitteleuropäischer Sprachen läßt sich durch sie einfacher verstehen, aber erschließt sich dadurch Rumänisch, Spanisch und Französisch im Nu? Eher nicht. Wie sagte Michael Mittermaier einmal: "Ich habe bayrisches Hardcorelatinum und kann nicht mal auf Italienisch eine Pizza bestellen.". Ich habe das für mein Geschichtsstudium obligatorische Latein in meinen Übungen, Seminaren, Vorlesungen genau null Mal benötigt. Und ich bin sicher aus der Konsum von Asterixalben hätte mir ohne Latein kein bißchen weniger Spaß gemacht. Ich kann mir auch vorstellen, daß es für andere Schüler und Studenten Vorteile hätte, mit gleicher Intensität eine lebende Sprache zu lernen. Und vielleicht auch ein bißchen den an geisteswissenschaftlichen Fakultäten deutscher Hochschulen gepflegten Eurozentrismus abzulegen. Chinesisch, Persisch oder Igbo scheren sich wenig um lateinische Einflüsse. Auch wenn es Vertreter der katholische Kirche vielleicht traurig macht, daß ihre Amtssprache immer mehr an Einfluß verliert. Seine Position als Weltstandard im wissenschaftlichen Fachbetrieb hat Latein ja schon lange verloren. (Wer von Euch hätte nicht gern sein Diplom auf diese Weise mündlich verteidigt?!)

Aber das selbsternannte "klassische Bildungsbürgertum" hält gern an seinen überholten Kanon fest. Als jemand, der aus einer alles anderen als bildungsfernen, aber nicht bürgerlich-intellektuellen, Familie kommt, habe da im Wissenschaftsbetrieb einige unschöne Erfahrungen gemacht. So saß ich vor zwanzig Jahren in einem Mittelalterseminar und der Prof erzählte uns, daß drei Arten von Studierenden in seinen Lehrveranstaltungen eigentlich nicht zu suchen haben: Menschen mit Sportwissenschaften im Nebenfach, weil es kein klassische Universitätsfach sei; Studierenden aus Ostdeutschland, weil ihnen das christliche Grundverständnis fehle und Frauen, weil diese an Unis eigentlich nicht zu suchen hätten. Ich wünschte, er hätte gescherzt oder seine Aussagen hätten irgendwelche negative Konsequenzen für ihn gehabt.

Nicht nur wegen dieser Erfahrung glaube ich nicht, daß Lateinkenntnisse ein "Marker" oder sogar ein Türöffner zwischen sozialen Schranken sind. Lateinkenntnisse sind meiner Erfahrung nach eher Teil einer vom klassischen Bürgertum errichteten, schwer durchlässigen "Firewall", um ihren exklusiven Stand im Wissenschaftsbetrieb zu verteidigen. Mein Doktorvater konnte es damals gar nicht glauben, daß es Erstsemester im Politikwissenschaftsstudium (!) gäbe, die nicht wüßten, wer Botho Strauß sei. Er selbst war dann aber total überrascht, daß es Leute gab, die wüßten, wie man seine Wohnung tapezierte...

Mittwoch, Juli 24, 2019

Die Mondlandung von Apollo 11 im Spiegel von DDR-Zeitungen

Der medialen Berichterstattung zum 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung im Juli 1969 kann man momentan kaum entkommen. (So ein erdnaher Himmelskörper ohne Donald Trump, Boris Johnson und Michael Wendler hat halt trotz fehlender Vegetation und atembare Atmosphäre eine gewisse Attraktivität.)

Besonders erwähnen möchte hier im deutschsprachigen Bereich nur die tollen Tweets von DLR_next, die Doku "Die Eroberung des Mondes" auf Arte und ein ausführliches Dossier vom Deutschlandfunk.

Das große Interesse an diesem Thema zeigt, welch' einschneidendes Erlebnis die erste Reise zum Erdrabanten für viele Zeitgenossen war, wie man z.B. auch dem Artikel "Der Fernseher lief 28 Stunden durch" auf ZEIT.de entnehmen kann. (Der Beitrag unserer Generation zum technischen Fortschritt beschränkt sich momentan noch auf Instagram und den Thermomix.)

Auch der MDR widmete dem Jubiläum einen kleinen Artikel, denn natürlich wurde die Mondlandung in der DDR anders bewertet als in Westeuropa. Anlaß genug für mich, mir mal die Presseberichterstattung in der DDR über das Ereignis des Jahres 1969 anzuschauen. Dies kann  natürlich nicht auf dem Niveau einer wissenschaftlichen Arbeit erfolgen, ein Blick in die Originalquellen Neues Deutschland, Berliner Zeitung und Neue Zeit, bereitgestellt von der Staatsbibliothek zu Berlin, erlaubt aber einen ersten Eindruck, den die Fachkollegen gern falsifizieren dürfen.

Die Mondlandung - nach dem Start des Sputnik und dem Flug von Jury Gagarin der dritte, frühe Höhepunkt des jungen Weltraumzeitalters - findet in allen drei Zeitung an prominenter Stelle statt: Auf den Titelseiten am 21. bzw. 22. Juli 1969 - die Neue Zeit erschien am Montag nicht - wurde über das Ereignis berichtet. ND und BZ vermelden in Überschrift und Artikel nüchtern und fast wortgleich: "Apollo-Mondfähre auf Erdtrabanten gelandet" (ND) bzw, "Mit Apollo-Fähre auf dem Mond gelandet" (BZ). In der "Neuen Zeit" heißt es am nächsten Tag etwas euphorischer "Erste Menschen auf dem Mond".

Im direkten zeitlichen Kontext findet in der Berichterstattung zur Mondlandung keine Herabsetzung oder Relativierung der Leistungen der NASA statt, wie man vielleicht in Hochzeiten des Kalten Krieges vermuten mag. Allerdings wird die Platzierung des Themas an zweiter Stelle, nach dem 25. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik Polen, der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Bedeutung des Ereignisses nicht gerecht. Gerade auch im Vergleich zur Berichterstattung zum Flug von Juri Gagarin acht Jahre zuvor.

1961 war für die Leistungen der sowjetischen Ingenieure die Titelseiten reserviert worden. Zudem fanden sich zahlreiche propagandistische Slogans wie "Triumph im Weltraum - Sieg des Kommunismus" darauf. 
Auffällig bei der Berichterstattung über Apollo 11 ist auch, daß im Gegenzug und teilweise prominenter positioniert, auch über Luna 15 berichtet wurde.

BZ vom 21.07.69, Seite 1.

Im Vorfeld der Landung wurden noch sehr unterschiedliche Töne angeschlagen. Im Mai hieß es in der Neuen Zeit (Ausgabe vom 28.05.69, Seite 1ff) über die Vorgängermission Apollo 10 sehr positiv:

„Der erfolgreiche Flug des bemannten amerikanischen Raumschiffs "Apollo 10" auf der Trasse Erde - Mond - Erde ist ein großes Ereignis in der Geschichte der Raumfahrt." Das erklärte der bekannte sowjetische Spezialist auf dem Gebiet der kosmischen Biologie Akademiemitglied Wassili Parin. Der Flug habe insbesondere die Zuverlässigkeit der Lebenssicherungssysteme bei bemannten Flügen von der Erde zum Mond und zurück demonstriert.
 „Ich hoffe, daß die kosmische Biologie bei der Auswertung der Daten des ganzen Fluges viele Aufschlüsse  erhalten wird. Mich persönlich hat der Mut der amerikanischen Kosmonauten tief beeindruckt, die sogar schwierige Situationen mit Humor meisterten. Beeindruckend ist auch die Präzision, mit der alle Manöver ausgeführt wurden, die zur Durchführung dieses komplizierten Experiments notwendig waren", sagte Parin."
Im Neuen Deutschland vom 20. Juli 1969 hatte auf Seite 2 hingegen eine Relativierung der Leistungen der NASA-Ingenieure stattgefunden, indem man die besondere Rolle von Juri Kondratjuk und seiner Grundlagenforschung unterstrich.



Allerdings war der Ton zehn Jahre zuvor noch viel, viel schärfer, wie die zwei nachfolgenden Beispiele zeigen:

Berliner Zeitung, 15.09.59, Seite 2.

"Mit Hysterie und Propaganda suchen die USA ihren Weg in den Weltraum. Die echten, dauerhaften Leistungen aber sind unbestritten bei denen, die. ungestört und unbeschwert durch solche Erscheinungen, am Fortschritt der Wissenschaft und damit am Fortschritt der Menschheit arbeiten können, die ständig neue ökonomische und wissenschaftliche Taten vollbringen, die Taten und Zeugnisse des Sozialismus sind, weil nur dieser die Basis für wahrhaft schöpferische Arbeit gibt. Wir dürfen stolz darauf sein, mit zu den Erbauern dieser neuen Welt zu gehören." - Neue Zeit, 14.10.58, Seite 1. 

1969 war dann der Kommentar zum eigentlichen Ereignis nüchtern verfaßt und hätte auch aus einer westdeutschen Publikation stammen können:

Neue Zeit, 22.07.69, Seite 2.

Erst in den Folgetagen kehrten die Zeitungen der DDR vermehrt zu propagandistischeren Tönen - etwa mit Schlagzeilen wie "Mondlandung kann inhumane Politik nicht verdecken", ND, 24.07.69, Seite 2 und "Krisengeschüttelte USA brauchten den Erfolg", ND vom 23.07.69, S.2 - zurück.

Dienstag, Juli 02, 2019

Arte.tv Empfehlungen Juli 2019

Das Arte-Programm ist im Juli pickepacke voll mit tollen Sendungen, hier meine Empfehlungen.

03.07. 20:15 Uhr
Mr. Holmes 
Spielfilm mit Ian McKellen

05.07. 21:45 Uhr
John und Yoko
Dokumentation

06.07. 20:15 Uhr
Ozeanriesen
Dokumentation 

08.07. 20:15 Uhr
Philadelphia
Drama mit Tom Hanks und Denzel Washington

16.07. 20:15 Uhr
Die Eroberung des Mondes 
3-teilige Dokumentation 

17.07. 14:00 Uhr
Die Akte Grüninger
Drama um einen Schweizer Grenzbeamten, der jüdischen Flüchtlingen hilft

19.07. 21:45 Uhr
Amy
Dokumentation 

21.07. 22:10 Uhr
Jack Nickelson - Einer flog über Hollywood
Dokumentation

23.07. 22:05 Uhr
D-Mark, Einheit, Vaterland: Das schwierige Erbe der Treuhand
Dokumentation

24.07. 20:15
Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt
Verfilmung des Romans von Sven Regener

30.07. 22:45 Uhr
Rachels Rettungsduens: Ultraorthodoxe Jüdinnen im Einsatz
Dokumentation über etwas andere Feministinnen

Auf dem Weg nach Liverpool?

Da sitzt man gemütlich mit der Familie bei einem Geburtstagsessen zusammen und wartet auf den ersten großen Familienstreit des Sommers und anstelle dessen steht  plötzlich eine Englandreise mit der Lieblingsnichte (dann 16) für 2020 auf dem Reiseprogramm. Bzgl. London legte meine bessere Hälfte ein Veto ein, also warum nicht stattdessen knapp 20 (in Worten: Zwanzig!) Jahren mal wieder Liverpool unsicher machen?

Und da die Lieblingsnichte ein großer Fußballfan ist und ich den #LFC liebe, reifte in den letzten Wochen der Gedanke zu versuchen, Fußballtickets zu besorgen. Über meine naiven Bemühungen möchte ich hier berichten.



Nach dem Studium des Premier League Spielplans (ja, der steht tatsächlich schon Mitte Juni für die komplette kommende Saison fest), fiel mein Wahl auf das Spiel der Reds gegen die frisch wieder aufgestiegenen Jungs von Aston Villa am 11.04.2020. Ein Hoch auf die Osterferien! Als altgedienten DDR-Oberliga-, Bundesliga 1-3-, DFB-Pokal-, Länderspiel-, und Regionalliga Nordost-Zuschauer hielt ich Ticketbeschaffung als solches für kein großes Problem.

Völlig naiv googelte ich nach der Möglichkeit Tickets im freien Verkauf zu erwerben. Bei Preise um die 300 Pfund pro Ticket wurde mir leicht schwindelig wie nach der zweiten Lynchburg Lemonade. Bei der hochgelobte Agentur FastFWD, die tollen, verlässlichen Service anbieten sollen, waren es sogar noch 100 mehr. So viele überschüssige Nieren habe ich dann doch nicht für den offenen Verkauft.

Zufällig erfuhr ich allerdings, daß mind. 10.000 Tickets pro Spiel für Vereinsmitglieder reserviert sein. Plötzlich war sie wieder da, meine Hoffnung für doch max. 150 EUR (Ja, ich bin so bescheuert!) pro Person mal wieder ins Anfield zu gehen. Die "light membership" kostet 27 Pfund/Jahr und nach knapp zehn Tagen lag eine recht ansehnliche Mitgliedskarte in meinem Briefkasten. Diese ermöglicht es mir nicht nur vor meinen englischen Freunden mächtig anzugeben, sondern auch 10% bei dem Einkauf von Merch zu sparen und am exklusiven Verkauf von Eintrittskarten für die Ligaspiele teilzunehmen, der zweimal jährlich stattfindet (im Juli für die Hin- und im Dezember für die Rückrunde).



Hier könnte nach meinem Geschmack der Eintrittskartenbeschaffungsprozess enden, aber das wäre noch nicht kompliziert genug. Denn nicht jeder Fan kann für jedes Spiel Karten beziehen, nein, man muß sich über den Kauf von Tickets für "uninteressanten" Partien für die Ligaknaller und die Pokalwettbewerbe qualifizieren. Hätte ich doch nur schon im Jahr 2000 begonnen, Tickets zu kaufen!

Nun muss ich bis Dezember das Beste hoffen (oder wahlweise im Lotto gewinnen). Ich werde berichten!

Montag, Juni 03, 2019

Arte.tv Empfehlungen Juni 2019

Meine Empfehlungsliste für den Juni ist klein, aber fein.

01.06. 21:45 Uhr
Der gefälschte Mond von Galileo Galilei  
Dokumentation über eine fast perfekte Fälschung.

02.06. 20:15 Uhr
Land and Freedom

Spielfilm über einen britischen Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg

11.06. 00:50 Uhr
Digital Afrika
Sechs Kurzdokus über Start-ups in Afrika.

16.06. 12:05  Uhr
Die großen Mythen
Wiederholung der großartigen Serie um antike Sagengestalten

23.06. 20:15 Uhr
Mississippi Burning
Politthriller mit Gene Hackman und Willem Dafoe

Mittwoch, Mai 08, 2019

Time, time, time, what has become of us - Einzelhandelsblues

Seit sieben Jahren wohnen wir in der innerstädtischen Gegend, die wie in meiner Kindheit ,Stadt‘ nannten und in die wir fuhren, um alles zu besorgen, was in unseren Neubaugebietskaufhallen nicht angeboten wurde.
Heute ist das unsere kleine "Hood". Wir werden vom älteren Pärchen gegrüßt, das das Waschmaschinengeschäft betreibt, im Weinladen vor der Haustür wird jede Flasche besorgt, die wir verschenken, und im Restaurant, das auf dem halben Weg zwischen Büro und Wohnung liegt, kennt man die Namen unserer Kinder und hat auch einen Tisch für uns, wenn der Laden an Valentinstag zu zerbersten droht und wir vergessen haben zu reservieren.
All diese Dienstleister, diese netten Menschen in ihren Geschäften tun mindestens so viel für mein persönliches Wohlbefinden (und das vieler Anwohner), wie die sauberen und sicheren Straßen und die gute ÖVPN-Anbindung.
Leider sind viele Geschäfte meiner Kindheit, die 40 Jahre DDR mühsam überlebt und auch noch die ersten, schweren Wendejahre überstanden haben, verschwunden, wie etwa der Eisladen aus der Kaiserzeit mit den weiß gekachelten Boden, das Fischfachgeschäft und der Fotograf bei dem man noch wunderbare Glassplattenabzüge von Stadtporträts aus den Zwischenkriegsjahrne kaufen konnte.
Woher kommt meine spontaner Einzelhandelsblues? Gestern besuchte ich - auf der Suche nach neuem Vorlesematerial für den Nachwuchs - nach langer Zeit mal wieder das Lieblingsantiquariat. Die Institution mit edlem, hanseatischen Namen besteht seit den 1950er Jahren und war als Kind mein wichtigster Bezugspunkt, wenn es um das Füllen der Lücken in meiner Mosaiksammlung ging. Und während des Studiums erwarb ich hier kostengünstig das eine oder andere Fachbuch. Der Laden war immer hell, die Wende hoch, die Bücherwände hoch und Erfurcht erbietend.

Heute ist es auf einer anderen Etage des Hauses beheimatet. Die Decken niedriger, der Laden immer noch liebevoll gepflegt, aber vollgestellt und schon nach wenigen Minuten kommt man im Gespräch mit der langjährigen Inhaberin auf die mageren Besucherzahlen zu besprechen. Die Leute bleiben aus: Trotz fairer Preise, tollem Angebot und kompetenter und freundlicher Bedienung.

Das betrübt mich sehr, denn ich hoffe, dieser magische Ort noch sehr lange fortbesteht. Den tollen, alten Büchern ein Domizil bietet, bevor sie ein neues Zuhause gefunden haben. Also kaufe ich als kleine ,Kulturabgabe‘ für schmales Geld einen Mark Twain, den ich noch nicht kenne und nehme mir fest vor: Du kommst jetzt wieder öfter vorbei.

Donnerstag, Mai 02, 2019

Watchlisttipps für Netflix & Amazon Prime

Es soll ja Menschen geben, die haben so viel Freizeit, daß sie regelmäßig nicht wissen, was sie demnächst schauen möchte. Für alle die ARTE schon durchgespielt haben, hier ein paar Empfehlungen von meiner vernachlässigten Watchlist:

NETFLIX



AMAZON PRIME

Zudem empfehle ich innigst VODSPY, einen Dienst, der regelmäßig über alle Neuerscheinung auf den beiden Plattformen informiert.

Montag, April 29, 2019

Ketten-Kurzgeschichte, Teil 3



Viel zu sehen gab es im Katen nicht: einen kurzen Tresen, einen Dielenboden, der zwar abgenutzt war, aber überraschend sauber wirkte, zwei Tische in der Mitte des Raums und ein weiterer am Fenster. Das Zentrum des "Heringsschuppens" - so schien laut Speisekarte das „Etablissement“ zu heißen - bildete ein Billardtisch an dem sich gerade drei Jugendliche betätigten.

Billard. Das hatte Özlem seit zwanzig Jahren nicht mehr gespielt. Damals als solche Spelunken noch total verräuchert waren und sie nach spätestens einer halben Stunde Kopfschmerzen bekam.
Kopfschmerzen hatte sie jetzt auch. Sie rieb sich die Schläfen. Inzwischen hatte sie das Foto vom Strand der Person geschickt, die sie auf diesem Planeten am meisten vertraute. Nun starte Özlem auf ihr Smartphone und hoffte, daß sie ausnahmsweise mal eine schnelle eine Antwort bekam. Eine Antwort, die ihr irgendwie weiterhalf, denn momentan fühlte sie sich sehr verloren.

Nach einer halbe Stunde wartete sie immer noch. Eigentlich hatte sie Hunger, aber in diesem Laden wollte sie lieber nichts essen. Die anderen sitzenden Gästen - zwei Opas am Tresen, die sich miteinander unterhielten und einem Mann im Blaumann, der Zeitung las – hielten es ähnlich. So trank Özlem lieber ein Bier. Und dann noch eins und dann ein drittes.

Die Jungs vom Billardtisch hatten versucht, mir ihr zu flirten, was sie eher amüsierte als schmeichelte. Trotzdem war sie auf ihr Angebot eingegangen und spielte nun auch eine Runde Pool. Man hatte sie wohl für ein leichtes Opfer gehalten, aber nach drei, vier Stößen machten die polierten Kugeln das, was Özlem wollte und sie konnte gut mithalten. Zwei der Jungen erzählten die ganze Zeit, während der Dritte, ein langer Kerl mit kindlichem Gesicht, schwieg. Es schien ihm gar nicht recht zu sein, daß Özlem nun mit von der Partie war.

Und obwohl das Spiel anfing Spaß zu machen, drehte sich in Özlems Kopf alles um ihr „Luftschloss“. Ein kreativerer Namen mochte ihr momentan dafür einfallen, obwohl die Erscheinung definitiv das Seltsamste war, was ihr je passiert war. Aber wie schon die Tage zuvor waren ihre Gedanken momentan langsam, träge, leer, verdreht. Wie aus einem Fiebertraum. Aber sie war sich sicher: Dem Bier traf keine Schuld.

Immer wieder überprüfte sie ihr Telefon. Die Jungs machten sich einen Spaß daraus, zu versuchen, ihr über die Schulter zu schauen, wenn sie es überprüfte oder sich noch mal das Bild anzuschauen. Irgendwann steckte Özlem das Gerät genervt in die Tasche ihrer Jacke, die an einem der einzigen zwei Haken an der Wand des Lokals hing.

Als die Jungen aufbrachen, entschied auch sie sich ebenfalls dazu, zu gehen. Sie bezahlte bei der Wirtin, verließt den Heringsschuppen und lief die Straße herunter. Automatisch griff sie in ihre Jackentasche. Aber da war nichts. Sie überprüfte die andere Seite. Auch diese Tasche war leer. Panik überkam sie. Wo war ihr Telefon? Sie rannte zurück.

Als sie an der Kate ankam, war der Laden geschlossen. Sie war doch gerade erst vor zehn, ach, fünf Minuten hier gewesen und nun war niemand mehr da? Sie griff nochmals in die Jackentasche. Diesmal zog sie einen Zettel heraus, den sie vorher nicht bemerkt hatte. Auf ihm stand: „Triff mich um 23:00 Uhr an der alten Post“ Unterzeichnet war die Nachricht mit „Der Kommandant der Fliegende Affen“.

.... die Fortsetzung könnt Ihr hier lesen. 

Freitag, April 26, 2019

Arte.tv Empfehlungen Mai 2019

Das neue Arte-Magazin ist da und auch der Mai schaut schon nervös um die Ecke. Meine Empfehlungen sind:


02.05. 22:35 Uhr
The Wrong Mans 
Sechsteilige Dramedy mit Mathew Baynton und James Corden

05.05. 22:45 Uhr
Fritz Lang - Der Andere in uns
Dokumentation über die Entstehung des Filmklassikers "M-Eine Stadt sucht einen Mörder"

10.05. 21:45
Sting - Grenzgänger und Freigeist
Porträt über meinen Lieblingsbasisten (Sorry, Paul!)

19.05. 20:15
Enemy Mine - Geliebter Feind
Ob der SciFi-Film aus meiner Jugend gut gealtert ist?

21.05. 00:35 Uhr
Durch die Nacht mit.... Pamela Anderson und Srecko Horvat
Eine neue Folge der großartigen Dokumentarfilmserie, die jeweils zwei sehr unterschiedliche Prominente zusammenbringt

29.05. 22:05 Uhr
Putins Zeugen 
Dokumentarfilm über die Politik in Russland

Donnerstag, April 25, 2019

Wieder was gelernt

Was das Internet für ein wundervoller Ort sein kann, zeigte in dieser Woche ein toller Twitter-Thread von Toni:
Ich habe so viel gelernt (und gelacht). Hier meine persönlichen Highlights:

Donnerstag, April 18, 2019

Selbstermutigungs- und Selbstbeleuchtungsposts

Seit 15 Jahren existiert dieses kleine Blog. Seit nunmehr 10 Jahren bin ich bei Twitter, so daß die Anzahl der Beiträge in der Folge hier signifikant abnahm, genauso wie die Nutzerzahlen (-95% gegenüber den Spitzenzeiten!). Trotzdem kann ich mich von dieser kleinen Internetkladde nicht trennen. Und werde es auch nicht tun.

Das Schreiben hier macht mir nach wie vor Spaß, auch wenn ich mich dazu zwingen muß, daß die Zensur im Kopf nicht alle Texte verhindert, sonst gibt es auf dieser Spielwiese und Textwerkstatt gar keine Inhalte mehr. Denn schon heute befindet mein Kleinhirn zu oft, daß die Inhalte - selbst für diese semi-anonyme Umgebung - zu banal, umstritten oder irrelevant sind. Daher muß ich mir immer ganz fest vornehmen, hier wenigstens gelegentlich etwas unterzubringen, wofür ich im Netz sonst keinen anderen Platz habe.

Dieser Blogpost ist also eine Selbstermutigung.

Roland überdenkt momentan die Struktur seiner Webseite. Das ist Anlass genug auch für mich zu schauen, was ich hier regelmäßiger verbloggen könnte.

Das sind meiner ersten Ideen:

  • Die Montagsfragen werde ich nicht weiter beantworten. Die Fragen waren mir zuletzt zu repetitiv.
  • Trotzdem werde ich versuchen zweimal Jahr "Verbrauchertipps" zu verfassen, in dem ich natürlich trotzdem gern Bücher empfehlen werde. 
  • Monatlich möchte ich zukünftig über die Highlights auf ARTE berichten, meinem Lieblingsfernsehsender. 
  • Und da man vermehrt über das bloggen soll, über das man auch lesen möchte, werde ich irgendwann eine Rubrik "Rpunkt spielt..." ins Leben rufen, in der es um Brett- und Videospiele für den geneigten Gelegenheitszocker (wie mich) geht.
Das Ende diese Selbstermutigungs- und Selbstbeleuchtungsposts möchte ich für eine kurze Danksagung nutzen: Ich freue mich über jede Rückmeldung, die mich erreicht: Egal ob als E-Mail (gelegentlich), Twitter-DMs (häufig) oder Blogkommentar (witzigerweise mit Abstand am seltensten). Ich schätze dies wirklich sehr!

Freitag, April 05, 2019

Arte.tv Empfehlungen April 2019

Ich habe mal wieder ein Arte Magazin in die Hände bekommen und freue mich schon auf folgende Programmhighlights im April.

08.04. 22:10
Benjamin Netanjahu - Der Medienprofi und die Macht 
Ein Porträt über einen der Prototypen der neuen Populisten, westlicher Prägung.

10.04. 20:15
A Most Wanted Man
Thriller mit dem unvergessenen Philip Seymour Hoffman

17.04. 20:15
Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt
Als großer Sven Regener Fan kann ich mir die Verfilmung seines vorletzten Romans nicht entgehen lassen.

21.04. 22:25
Mit Schwertern und Sandalen
Eine Kulturdoku zur Geschichte der sogenannten Sandalenfilmen

22.04. 20:15
Ihre Majestät, Mrs. Brown
Ein Biopic über Königin Victoria, gespielt von Judi Dench

28.04. 20:15
Was vom Tage übrig blieb
Ein moderner Klassiker mit Emma Thompson und Anthony Hopkins.

29.04. 20:15
Die Faust im Nacken & Marlon Brando - Der Harte und der Zarte 
Erst ein längst fälliges Rewatch, dann eine Doku, die ich noch nicht kenne

Dienstag, März 19, 2019

Openbook, das Internet, die 90er und ich

Ich erzähle gerne, wie ich 1995 als Austauschschüler in Idaho von meiner Gastmutter gefragt wurde, ob ich eine E-Mail schreiben möchte. Ich antwortete mit einem begeisterten "Ja!", bevor mir einfiel, daß ich niemanden kannte, der eine E-Mail-Adresse hatte.

Das Erlebnis ist schon etwas symptomatisch für meine Teenagerjahre: Die Präsenz des Internets machte sich in der nordostdeutschen Provinz erst ganz langsam bemerkbar. Die einzigen Fenster in die weite Welt waren für den pupertären Herrn R. das Fernsehen und der örtliche Zeitschriften- bzw. Buchhändler. Was dort nicht stattfand, existierte quasi nicht. Selbst die Cinema - die ich gern von der ersten bis zur letzten Seite las - war oft genug ausverkauft. Daneben gab es einmal ein Jahr ein Comicbuch und vielleicht mal ne Programmzeitschrift mit einem Raumschiff auf dem Cover.

Über Baseballergebnisse informierte ich mich über Videotext und freute mich, wenn einmal die Woche bei NBC eine Spiel lief, das ich - unabhängig von den präferierten Mannschaften - auf eine VHS bannte.

Als meine Schwester ihr Studium anfing, überließ sie mir gelegentlich ihren Studentenausweis, so konnte ich meine ersten Gehversuche im WWW machen. Eine Internetcafe hatte unsere Großstadt damals noch nicht.

Ich war sofort hin und weg von dem freundlichen Ort namens Internet. Egal wie weit man voneinander weg wohnte und egal was man mochte, hier fand man Gleichgesinnte. Man loggte sich in Foren ein, erstellte Webseiten bei Geocities oder schrieb sich sehr lange E-Mails.

Warum mir das gerade jetzt wieder einfällt? 

Letztes Jahr unterstütze ich die Kickstarter-Kampagne von Openbook, eine open-source Alternative zu anderen Social Media Plattformen. Seit Sonntag gehöre ich zu den Testern der Alpha und momentan ist die Community noch so klein und freundlich, daß ich sofort ein 90er Jahre Flashback hatte.



Openbook ist irgendwas zwischen G+, Reddit und facebook. Total werbefrei und ohne störende Algorithmen kann man einerseits in seine Profiltimeline/Circle posten, andererseits auch in Communities. Der bekannte Effekt von neuen Plattformen, daß man also erst mal den bekannten Nasen folgt und sich dann langweilt, entfällt hier.

Wird Openbook der nächste, große Sch*iß? Ich bezweifele es, aber wenn die Community auf ein für die Betreiber wirtschaftlich rentables Niveau wächst, reicht es meiner Meinung nach auch. Wenige, aktive Mitglieder sind mir lieber als Facebook, wo die Nachbarin meiner Schwiegermutter gerne mit mir befreundend sein möchte, sie aber nie etwas postet und ich nie etwas mit ihr teilen möchte. Ich möchte nicht nur passiv lesen, sondern interessante Tipps - Bücher, Artikel, Musik, Filme etc. - von anderen erhalten und mich mit ihnen darüber austauschen...

Momentan ist Openbook ein Riesenspaß für mich. Ich wünschte, es würde so bleiben.

Donnerstag, Januar 31, 2019

Herr Broders Worte und mein Senf

Henryk M. Broder hat sich nicht nur Alice Weidel umarmend ablichten lassen, sondern auch vor der AfD eine Rede gehalten.

Ich lese Broder gerne. Intelligent und witzig sind seine Worte meist. Inhaltlich habe ich ungefähr eine Deckungsgleichheit von 60%, Tendenz deutlich abnehmend. Aber Dissens kann ja auch inspirierend sein. 

Broders in der WELT abgedruckte Rede habe ich darum ebenfalls gern und interessiert gelesen. Auch wenn ich, z.B. mit seiner Haltung zum Klimawandel wenig anfangen kann.
"Ich glaube nicht einmal daran, dass es einen Klimawandel gibt, weil es noch keinen Tag in der Geschichte gegeben hat, an dem sich das Klima nicht gewandelt hätte. Klimawandel ist so neu wie die ewige Abfolge von Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst. Neu ist nur, dass das Klima zum Fetisch der Aufgeklärten geworden ist, die weder an Jesus noch an Moses oder Mohammed glauben (..)"

Bei der AfD rennt er mit solchem, die akute Bedrohung  jüngere und nachfolgende Generationen ignorierenden, Formulierungen offene Tür ein. Das gleich gilt für seine - drücken wir es mal nett aus - erzkonservative Meinung in Geschlechterfragen.
"Politische Korrektheit setzt da ein, wo die Realität endet, bei den inzwischen über 70 Gender-Optionen, bei der ziemlich witzigen Behauptung, Mann und Frau seien keine biologischen Tatschen, sondern „soziale Konstrukte“, die jedem Menschen die Wahl lassen, ob er ein Mann oder eine Frau sein möchte oder heute das und morgen das."
Ja, "Politische Korrektheit" hat der Autor als Thema für seine Rede gewählt. Aber warum gerade vor diesem Publikum? Vor allem weil ihm ja klar ist, was da für Leute sitzen. Da hilft auch keine satirische Überspitzung.
"Ein Besuch bei Ihnen stand nicht auf meiner Liste, ich habe die Einladung trotzdem gerne angenommen, wann bekommt ein Jude schon die Gelegenheit, in einem Raum voller Nazis, Neo-Nazis, Krypto-Nazis und Para-Nazis aufzutreten?"
Broder beruft sich im Folgenden auf den Aufruf des Bundespräsidenten zum Dialog und erklärt:
"Ich bin tolerant bis an die Grenze der Selbstverleugnung, nur gegenüber einer Gruppe von Menschen will ich nicht tolerant sein: gegenüber den Intoleranten (...)."
Es folgt kein ernsthafte Mahnung an die Abgeordneten der AfD es ihm gleichzutun, sondern bestärkt die Partei noch in ihrer Opferrolle in der sich diese so gut gefällt.
"(...) der Umgang mit Ihrer Partei ist alles andere als fair. " 

Broder "Ordnungsrufe" sind lediglich alibihaft und verfehlen das Ziel. Zum Bespiel, wenn er das Durchschimmern von rechtsradikalen Gedankengut mit Anstand und Manieren auf eine Stufe stellt.
"Man legt die Füße nicht auf den Tisch, man rülpst nicht beim Essen, und man nennt die zwölf schlimmsten Jahre der deutschen Geschichte nicht einen „Vogelschiss“."
Nun könnte man zu Entschuldigung von Broder sagen, er weiß selbst nicht, was sich gehört. Ich kenne auch solche Leute, die denken, daß man Wahrheite immer und überall aussprechen kann und sollte. Und die nicht verstehen, daß es einen Unterschied macht, ob ich die Aussage "Bertra trinkt zu viel Alkohol" gegenüber Bertas Mann in einem persönlichen Gespräch tätige, oder in einem Personalgespräch mit ihrem Arbeitgeber oder in einer öffentlichen Rede bei Bertas 60. Geburtstag. Wahrheit hin oder her. Wenn der Inhalt König ist, dann ist Kontext zumindest der Papst. Und jemand mit Broders Intelligenz weiß das.

Daher mutmaße ich, daß Broder nicht nur mediale Aufmerksamkeit genießt, sondern sich sogar gerne mit den drei Erzkonservativen in der AfD unterhält, weil sie zu weilen seine Ansichten teilen. Damit trägt er aber zu einem Imagegewinn der ganzen Partei bei und ignoriert, daß diese Rechtsradikalen und Neonazis ein schönes Deckmäntelchen und ein Zuhause bietet. Oder schlimmer: Es scheint ihm total egal zu sein:
"Als ich vor ein paar Tagen einem alten Freund sagte, dass ich heute bei Ihnen auftreten würde, machte er ein Gesicht, als hätte ich ihm gebeichtet, dass ich vom Handel mit Drogen lebe. „Du wirst doch nur instrumentalisiert“, sagte er, „weißt du es nicht?“ Natürlich weiß ich es. Und wissen Sie was? Es ist mir wurscht."
Das finde ich bedauerlich, denn wir benötigen jede Stimme für den Erhalt unserer Demokratie. Destruktive Kräfte gibt es genug. Es hilft nur ein gemeinschaftliches Dagegenstemmen. Und bei einer drohenden  Gefährdung der Grundrechte, ist es für mich dann total unerheblich, ob die AfD "fair" in dieser politischen Auseinandersetzung behandelt wird, solange rechtsstaatliche Regeln eingehalten werden. Die Partei symbolisiert für mich alles, was ich politische verhindern möchte. Denn sie ist meiner Meinung momentan der prominenteste Wegbereiter für Diktatur und Nationalsozialismus.

Herr Broder glaubt daran nicht. Aber er glaubt ja auch nicht an den Klimawandel und seine Folgen.

Montag, Januar 21, 2019

Staffelauftakt zu "Star Trek Discovery": Geht doch!

Das Ende der ersten Staffel von Star Trek Discovery ist ja schon ein bißchen her. Obwohl ich diese eher durchwachsen fand, freute ich mich auf eine Fortsetzung.

Bisher störte mich v.a. die neuen Klingonen, die optisch - und teilweise inhaltlich - aus Kanonsicht wenig Sinn ergeben, die etwas blaß gebliebene Michael Burnham und die starke Actionbetonung der ersten Folgen. Umso mehr erfreute mich die sogenannten ShortTreks, kleine Kurzfilme aus dem bekannten Universum, die ohne meine drei Kritikpunkte daher kamen und ganz wunderbar funktionierten.

Und auch der Einstieg in Season 2 gefiel mir. Viel Zeit für die Charaktere und viel "Futter" für eingefleischte Fans: Die Enterprise, die grandios aufgepeppten Uniformen aus TOS und ein wunderbarer Captain Christopher Pike. Anson Mounts Interpretation des Charakters hat viel von den bekannten TOS-Offizieren und strahlt trotz des vielen 60ies Flair doch ganz viel Empathie und einen gewisse Sexiness aus. Auch James Frain als Sarek überzeugt wieder. Die Rolle der Michael Burnham bleibt undankbar. Gerade in den Dialogen mit Sarek zeigt sich, daß sie (noch?) eine "Frau ohne Eigenschaften" ist. Was für Verschwendung des Talents von Sonequa Martin-Green. Doug Jones als Saru muß man einfach lieben, das ist einfach so. Auch Tilly nervt nicht mehr, endlich hat man ein gesunde, glaubwürdiges Maß an "Nervosität" gefunden.

Ich bin gespannt, ob die neue Rahmenhandlung ("Laßt uns die sieben Anomalien jagen!") trägt. Zumindest enstpricht der Ton der ersten Folge noch etwas mehr "Star Trek" als der der vergangenen Staffel.

P.S. Ich wurde zurecht darauf hingewiesen, daß ich die tolle Tig Notaro/Jet Reno unterschlagen hätte. Das stimmt. Mea culpa!

Dienstag, Januar 08, 2019

Montagsfrage: Was sind deine Lesevorsätze für 2019?

Die Antworten auf die gestrige Montagsfrage kann ich in drei Gruppen unterteilen:

Erstens: Titel, die ich angefangen habe und beenden möchte



Zweitens:  Bildergeschichten auf Comixology

Drittes möchte ich im Sonderprojekt "40stes Lebensjahr" alle meine Mosaikbände mal en bloc lesen und meine Eindrücke verbloggen. 

Und dazu kommt dann noch alles auf die "Speisekarte", worauf ich gerade Bock habe.


Sonntag, Januar 06, 2019

Digitale Geiselhaft - #Lynda #FlickR und Co.

Mein Großvater war Tischler. Da hatte man beruflich schöne Werkzeuge, die man einmal im Eisenwarenladen kaufte, ein paar Jahrzehnte benutzte und dann vielleicht sogar über Generationen weitervererben konnte.

Tatsächlich benutze ich privat und beruflich hier und da Software, die man historisch nenne könnte, d.h. die ich vor mehr als 10 Jahren als Vollversion erwarb und die immmer noch genau tut, was sie soll. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese vielleicht von meinen Kindern irgendwann genauso geschätzt wird, wie von mir, hält sich aber selbst bei meiner Einschätzung als alten Optimisten in Grenzen.

Das sich Werzeuge und Lizenzmodelle weiterentwickeln ist nicht per se schlimm, zumindest wenn man kein kleingeistiger Kulturpessimist von seehoferschen Ausmaßen ist. Allerdings hat die einsetzende Dominanz von Onlinedienstleistungen, Cloudlösungen, Abomodellen und SaaS aber auch eine Seite, die mich zwar nicht verängstigt, aber zumindest ziemlich nervt.

Beispiele? Beispiele!

Da sichert man etwa jahrelang seine Fotos auf einer kostenlosen Plattform. Und dann werden die älteste von ihnen gelöscht. Oder der Pro-Tarif kostet plötzlich mehr als doppelt so viel. Danke, FlickR.

Oder man wird bei bei Apps und anderer Software zu Zwangsupdates gezwungen, die dazu führt, daß bestimmte Features nicht mehr funktionieren, wie zu vor. Danke, Microsoft. Danke, Adobe.

Mein aktueller Aufreger ist aber ein anderer: Vor drei Jahren gönnte mir mein Arbeitgeber - und damit irgendwie auch ihr, liebe Steuerzahler - ein Jahresabo bei Lynda. Ein Anbieter mit sehr guten Onlinetrainingangeboten in verschiedensten Gebieten. Die Art der Dokumentation und Präsentation gefiel mir auch recht gut, aber der Preis war auch nicht ohne: 375 USD pro Jahr. Nach Ablauf des Jahres tat man mir kund:

"If you come back and reactivate your membership, your certificates of completion, course history, and playlists will be waiting for you." 

Über die Feiertage wollte ich tatsächlich wieder mal in meinen Account einloggen, ein bißchen rumstöbern und bei Gelegenheit auch meine Zertifikate archivieren - ich war mir nicht sicher alles gesichert zu haben - und war.... nicht erfolgreich. Ich kontrollierte meine registrierte E-Mail-Adresse und konnten keinen Fehler feststellen. Also schrieb ich den Helpdesk an und erhielt folgende Auskunft.:
"Thanks so much for reaching out to us! After reviewing your provided information, I can confirm that your account details have been deleted from Lynda.com databases.
Per the Lynda.com privacy policy, if you're an individual subscriber, we may delete your account and all its details (including your learning history, certificates, course progress, etc.) if you haven't been an active paid member for over two years. Once your account is deleted, you won't be able to reactivate it."
Die Firma, die wegen jedem Sche*ß ne Werbemail schickt, löscht meine Daten ohne Vorankündigung bzw. Warnung. Und das nicht etwa wegen Inaktivität - ich war letztes Jahr auch schon mal eingeloggt -, sondern weil ich zwei Jahre nicht gezahlt habe. Was für ein Sche*ßverein! (Was netteres fällt mir dazu echt nicht ein.)

Ich wünschte, mein Erlebnis wäre ein Einzelfall, aber wenn man ehrlich ist, gibt es eine Vielzahl von Situationen in denen es blöd wäre, Daten oder Services zu verlieren: Meinen Kurse bei Codecademy, meinen Playlisten bei Spotify, meinen Modelle bei Mecabricks, Tweets - und viel wichtiger: Kontakte - bei Twitter würde ich sehr hinterhertrauern.

Und es gibt vielerlei Szenarien, in denen man sich solche "Datenverluste" vorstellen kann: Firmenübernahmen, Geschäftsaufgabe, Konkurse und wie im oberen Fall: sehr, sehr seltsame AGBs.

In den wenigsten Fällen gibt es Alternativen für die Services mit besseren Konditionen oder Möglichkeiten die eigenen Daten von Plattformen zu sichern. Und so bleiben wir meist gefangen: In digitaler Geiselhaft.