Das große Kind (8) hatte Geburtstag und hatte eine Horde befreundeter Halblinge eingeladen. Damit diese Ansammlung von Kreativität und Energie nicht verpufft, hatte ich mir eine Schnitzeljagd ausgedacht, deren Grundkonzept ich hiermit gerne teilen möchte.
Alle Anwesenden bekamen einen an sie adressierten und mit einer Briefmarke und Stempel versehenen Brief. Jeder Brief enthielt den Vermerk, diesen gut aufzubewahren, und einen kleinen Code. Dieser bestand aus einer Farbe und einer Zahlenfolge, z.B. Rot 5-12-13-23-29.
Der Lütte (5) bekam als Einziger eine andere Nachricht: Er wurde zum "Hüter der Tasche" bestimmt. Er sollte diese (ich gab eine eindeutige Beschreibung) in der Wohnung suchen und den Umschlag mit dem Symbol "&" öffnen. In der Tasche befanden sich viele andere Umschläge mit unterschiedlichen Symbolen.
Neben der Nachricht mit "&" konnte man im ersten gemeinsamen Umschlag auch eine Codekarte finden. Und nach ganz kurzer Beratung fanden die Kinder selbst heraus, wie die "Geheimbotschaft" zu entschlüsseln war. In der Zeile mit der entsprechenden Farbe mussten sie die entsprechenden Buchstaben markieren. Das funktionierte besser als erwartet, vor allem, weil wirklich jedes Kind kurz mitmachte. Die Logik der folgenden Karten war immer die gleiche: Zuerst wurden die Kinder aufgefordert, einen bestimmten Ort in der Stadt aufzusuchen, und dann mussten sie eine Aufgabe lösen, bei der sie herausfanden, welcher Umschlag mit welchem Symbol als nächstes zu öffnen war.
Auf diese Weise konnte ich vermeiden, die Stadt mit Symbolen etc. vollzupflastern, und hatte sogar die Möglichkeit, das Spiel unter Umständen (z.B. schlechtem Wetter) abzukürzen. (An einer Stelle bestimmte ich, welches das nächste Symbol sei.)
Manchmal erweiterte ich die Aufgabe um das Auffinden eines bestimmten Ortes, wie zum Beispiel die Bibliothek. Das war dann jedoch jeweils ein relativ einfaches Rätsel, z.B. danach wo man in dieser Straße Bücher bekommen kann, wenn man sie nicht kaufen möchte (=Bibliothek). Oder es wurde eine Aktivität in die Geschichte, die alle Stationen miteinander verband, eingeflochten. So mußten die Kinder eine Runde rückwärts um den Platz laufen und dem gefährlichen, fliegendem Krokodil zu entkommen.
Ansonsten sahen die Aufgaben/Fragen z.B. so aus:
- Wie viele Stufen hat die Treppe X?(4 Antwortmöglichkeiten)
- Wann fährt eine Tram NICHT zu einer bestimmten Haltestelle? (8 Antwortmöglichkeiten)
- Welcher Name steht auf dem Denkmal? (3 Antwortmöglichkeiten)
- Rechenrätsel (ohne Antwortmöglichkeiten; ich entscheide, welches Symbol; mögliche "Schlechtwetterabkürzung" s.o.)
- Welche Buchtitel ist im Schaufenster zu sehen? (3 Antwortmöglichkeiten)
- Wie viele Schritte sind es mindestens zwischen Punkt A und B? (3 Antwortmöglichkeiten)
Ein großer Spaß war auch die Ausgabe der "Expeditionsausweise" am Anfang unseres Spiels. Diese mussten die Kinder ausschneiden und mit einem Geheimnamen versehen. Im Laufe des Tages gab es dann vom "Hüter der Tasche" Stempel für bestimmte Aufgaben: "Hinweis geöffnet", "Etwas gezählt", "Nicht gefressen worden" usw. Das war der Teil des Tages, den ich total unterschätzt hatte. Die Kinder waren absolut begeistert von dem Ausweis und den Stempeln. (Und auch davon, dass jeder mal einen Umschlag öffnen und die Aufgabe vorlesen durfte.)
Problematisch erwies sich bei der Vorbereitung der "Schatz" bzw. die "Belohnung", die die Kinder finden sollten (Umschläge mit Aufklebern, einem Pin und ein paar Gummibärchen). Die Lösung kam mir spät, war aber simpel und super praktikabel: Der Zielpunkt des letzten Umschlags war unser Briefkasten, in dem ich alles zuvor gebunkert hatte. So waren wir wieder zu Hause und konnten die ganze Expedition mit Proviant versorgen.






