Mittwoch, Juli 08, 2026

Tagebuchbloggen in Woche 25/2026 - Remington Noiseless 7 (Portable) und der Widerrufsbutton

Gelernt

Seit unserem Besuch im "Museum für Kommunikation" hat unser großes Kind (10) einen Wunsch: eine eigene Schreibmaschine. Und natürlich ist diese Bitte nichts, was mein stolzes, väterliches Autorenherz ablehnen kann. Da die Erika meiner Eltern momentan nicht auffindbar ist, musste ich mich - leider, leider - auf Kleinanzeigen umsehen, um ein Maschinchen zu finden, das den Zweck erfüllen, aber das Budget nicht sprengen würde. Es gibt härtere Schicksale.

Schon nach kurzer Zeit stieß ich auf eine Remington Noiseless 7 (Portable) aus den frühen 1930er Jahren, die der Vorbesitzer zu einem äußerst günstigen Preis abzugeben gedachte. Die Maschine machte denn auch vor Ort einen äußerst guten Eindruck, nur an den Cannabisgeruch, der vom Gehäuse ausgeht, habe ich mich noch nicht gewöhnt.


Die Mechanik der Remington überzeugte  dann auch bei der Inaugenscheinnahme am heimischen Arbeitsplatz. Ich löste die vier Schrauben, die die Maschine mit dem Koffer verbanden und konnte dann gut mit einem fusselfreien Tuch und Waffenöl alle Hebelchen, Federn und Konsorten reinigen. Die zuerst angedachte Nutzung von Wattestäbchen verwarf ich zugunsten der einer sehr weichen Zahnbüste, da erstere durch wildes Herumfusseln mehr Schaden als Nutzen zu bringen schien.



Den Koffer reinigte ich mit KFZ-Cockpitspray und Lederreiniger, ohne aber zu einem abschließenden Befund zu kommen, was besser funktionierte.

Nachdem ich alles wieder zusammenmontiert hatte, legte ich das bikolore Farbband richtig ein. (Das hatte der Vorbesitzer nicht geschafft.) Hilfreich war dabei die Gebrauchsanleitung vom Gerät.

Die Remington sieht nicht nur phantastisch aus, sondern ist wirklich leise und hat eine wunderschöne Schriftart. Nur die automatische Rechtschreibkorrektur scheint nicht zu funktionieren.


Geärgert

Dass ich im Jahr 2026 noch beim Konsum der Tagesschau aufschrecke, spricht nicht für mein momentanes Nervenkostüm. Aber wie ich erfuhr, gibt es tatsächlich eine neue EU-Verordnung zum Widerruf bei Online-Käufen. Irgendwie war das an mir total vorbeigegangen.

Nachdem ich versuchte, das Problem mit einem weiteren Plugin für WordPress/WooCommerce zu lösen (ja, Bücher wollen auch online verkauft werden), war ich kurz davor, die Wand anzuschreien. Das Plugin funktionierte so mittel, dafür hatten potenzielle Käufe plötzlich eine Bezahlmethode zur Verfügung, die ich niemals eingerichtet hatte. Aus Ermangelung einer eigenen Luftwaffe, die ich für Vergeltungsmaßnahmen hätte einsetzen können, schmiss ich das Plugin kurzerhand wieder raus. Und überlegte noch einmal. Was kann man tun, wenn man die Hausaufgabe nicht versteht? Richtig, man schreibt sie ab! Und so schaute ich u.a. bei Kiki vorbei, wie sie das Problem löste. Am Ende entschied ich mich für ein simples Textformular und einen statischen Link. Wieder einmal hatte simples HTML den Tag gerettet ... 

Freitag, Juni 26, 2026

Woche 24/2026 - Ist denn Fußball immer noch wichtig? #WM2026

Braucht jemand noch Gründe, die FIFA-Fußball-WM doof zu finden?

Falls ja, habe ich Euch eine Liste erstellt. Da wären u.a.

  • die Anbiederung an Autokraten und Diktatoren (Trump),

  • das Ignorieren von Menschenrechten und Klimawandel (WMs in Katar, USA, Saudi-Arabien),

  • die Durchkommerzialisierung jedes Aspekts des Spiels ("Trinkpausen"),

  • die Überhöhung von Einzelspielern (CR7, Kane, Messi, Mbappé),

  • das unreflektierte Abfeiern von Offensivfußball.


Am Tag des Eröffnungsspiels hatte ich also tatsächlich nur 0,34 Bock auf der nach oben offenen Begeisterungsskala. Und dann passierte es. Der Lütte (7) kam ganz aufgeregt ins Wohnzimmer geschlichen und nahm neben mir Platz. Ich wechselte von der staatstragenden Betroffenheitsvorberichterstattung auf dem ZDF (Ja, ich weiß, Bildungsauftrag und so. Aber warum gerade dann, wenn eigentlich ein bisschen Stimmung aufkommen sollte?!) zu MagentaTV, für das ich zwei Gratismonate erburgert hatte. Und dann geschah es: Die Moderatoren waren in bester Laune und mit langen Schalten in das gut besuchte Aztekenstadion kam plötzlich so etwas wie ausgelassene Fußballstimmung in mir auf. Ja, die WM 2026 ist nicht nur das Turnier in den USA (und Kanada), sondern auch ein Wettbewerb im fußballtraditionsreichen und begeisterungsfähigen Mexiko!

Und bevor ich meine Gedanken sortieren konnte, gab es eine Eröffnungsveranstaltung, die nicht sofort Fremdschämen verursachte. Ja, der übergroße Pokal auf dem Feld war eine trumpeske Peinlichkeit, aber die Co-Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, anstelle von standardisierter nordamerikanischer Popmusik mit ganz viel Lokalkolorit zu spielen. Das mitsingende Stadion dankte es ihnen und ich ihnen auch.

Also bin ich doch moderat positiv gestimmt, dass der Lütte eine schöne erste Fußballweltmeisterschaft hat. Mein Arbeitsauftrag in den nächsten Wochen: Nicht nur das Taschengeld des Nachwuchses, sondern auch mein eigenes für Fußballsticker ausgeben (So ein Päckchen liegt mittlerweile bei 1,50 €. Aber wenn wir ehrlich sind, war das auch 1994 preislich äquivalent zu einer Kugel Eis.), Begeisterung für Defensivfußball und Underdogs ("I am from Bosnia...") wecken und Patriotismus eindämmen.

Apropos Patriotismus eindämmen: Wen unterstütze ich denn am besten in diesem Jahr? Die DFB-Elf tolerierte ich in guten Jahren und normalerweise bin ich ein England-Supporter, aber die aktuelle Selbstverliebtheit, der Trainer (Tuchel, würg) und die  Harrykanisierung der Berichterstattung führen dazu, dass ich 2026 das St.-George's-Cross im Schrank lasse und es nicht wie gewohnt aus dem Wohnzimmer wehen lasse. Es gibt Schlimmeres.

Freitag, Juni 19, 2026

Woche 23/2026 - Von Armin, Asterix und einem außergewöhnlich unterhaltsamen Podcast

Geärgert

„Ich bin nicht verärgert! Ich bin enttäuscht!“, sollte ich wahrscheinlich schreiben. Der Lütte (7 Jahre alt und großer Asterix- und Sportfan) hatte beschlossen, es wäre Zeit, dass wir als Familie gemeinsam mal „Asterix bei den Olympischen Spielen“ anschauen könnten.

Das Heft war mir durchaus in positiver Erinnerung geblieben, und auch wenn ich kein großer Fan der Realverfilmungen der Geschichten um Galliens unbeugsamstes Dorf bin, wollte ich dem Streifen aus dem Jahr 2008 eine Chance geben. War das ein Abend. Wenn ich Alkohol trinken würde, hätte mir vielleicht ein Schnaps dabei geholfen, um diesen fürchterlichen Film zu überstehen. Das mit Asterix-Content jeglicher Art in Zukunft unterbieten zu können, wird schwierig werden. Chapeau!



Gelesen

Ich hätte mir auch nicht erträumen lassen, dass ich mal der Mensch sein würde, der mit Freude Bildbände durchblättert. In meinem fünften Lebensjahrzehnt habe ich tatsächlich wirklich Spaß daran, und das liegt u. a. an solch liebevoll gestalteten Büchern wie dem jüngsten Werk von Schauspiellegende Armin Müller-Stahl namens „Selbst in Filmen, Farben und Formen*“. Schon allein das Cover ist mindestens eine 4,8 von 5. Gut, vielleicht bin ich parteiisch, weil Fan.


Gehört

„Noch jemand ohne Podcast?“, dachten sich wohl Schauspieler Brent Spiner und Regisseur Jonathan Frakes, beide bekannt aus Star Trek: The Next Generation. Aber anstatt ihre Sendungen um dieses und andere Franchises rotieren zu lassen, gingen sie nicht den einfachen – und wahrscheinlich ermüdenden – Weg, in der eigenen Blase zu verweilen, sondern erzählen 1001 lustige Geschichten aus ihren langen Hollywoodleben, und ihre Gäste tun das Übrige. „Dropping Names“ ist witzig, kurzweilig und die richtige Unterhaltung für alle, die mal ein paar Stunden vom deprimierenden Weltgeschehen abgelenkt werden möchten.