Donnerstag, August 06, 2026

Woche 28/2026 - Rico und das löchrige Nerd-T-Shirt

Geärgert 

Als Träger legerer Freizeitkleidung wurde ich im letzten Jahrzehnt in Sachen Motivshirts regelmäßig bei Qwertee fündig: Egal ob „Zurück in die Zukunft“, „X-Files“ oder Bücherdrachen – ungewöhnliche, gern nerdige Aufdrucke von talentierten Illustrierenden machten mir oft Freude. Zuletzt lässt allerdings die Stoffqualität mehr und mehr zu wünschen übrig, und der Blick auf die Motive lässt zudem den vermehrten Einsatz von KI vermuten. Oder das Eingereichte wird einfach weniger gut kuratiert als in der Vergangenheit. Zuletzt musste ich erstmals auch Zollgebühren zahlen, obwohl ich schwören könnte, dass die Ware – zumindest zeitweise – auch mal aus der EU verschickt wurde. Jedenfalls habe ich jetzt wirklich mal einen Anlass, mich auf dem Shirt-Markt umzusehen. Vielleicht wisst ihr ja was? 

Gelesen 

Ich erwähnte bereits, dass ich den ersten Band der „Rico und Oscar“ sehr mochte. Seit einiger Zeit gibt es eine Prequel-Reihe*, die unser Erstleser sehr gerne mag, und auch ich finde sie durchaus gelungen. Die Illus kommen diesmal nicht von Peter Schössow, sondern von Lena Winkel, was eine ganz bewusste Entscheidung des Autors war. Und ich mag ihre Bilder sehr. 

Gelernt 

Dank des NDR weiß ich jetzt, dass das Naziregime in den letzten Kriegsmonaten das besetzte Dänemark zwang, rund 250.000 deutsche Flüchtlinge aufzunehmen: "Oksbøl in Westjütland ist zwischen 1945 und 1949 das größte Flüchtlingslager in Dänemark. Mit mehr als 35.000 Bewohnern gilt es vorübergehend als fünftgrößte Stadt des Landes. Auf dem ehemaligen Lagergelände befindet sich neben dem Lagerfriedhof seit 2022 das FLUGT Refugee Museum of Denmark, das einerseits die Geschichte der deutschen Flüchtlinge in Dänemark aufarbeitet und andererseits Flucht als allgemeines Menschheitsthema behandelt."

Gehört

Mittwoch, Juli 22, 2026

Woche 27/2026 - Wie "cringe" ist es, wenn ich "Bist Du nicht ganz acker?!" sage? - Über Jugendsprache

„Papa, sag nicht immer ‚Butterbrotbüchse‘!“, beschwert sich meine Tochter. „Was ist denn das überhaupt für ein Wort? Kommt das noch aus den Siebzigern?!“

Unrecht hat die zeternde Zehnjährige nicht. Wahrscheinlich hat es sich, wie „Kaufhalle“ auch, längst überlebt. Wahrscheinlich habe ich von meinen Eltern nicht nur die Aussprache der Wörter „ölf“ und „Kürche“ übernommen.

Also sprechen das Kind und ich plötzlich über Jugendsprache. Über „cringe“, „das crazy“ und andere Begriffe, die hier im Haushalt mittlerweile tatsächlich öfter zu hören sind. Währenddessen krame ich in meinem Hirn nach den Dingen, die wir in den 1980er- und 1990er-Jahren als Kinder und Jugendliche so sagten. "Urst" fällt mir da relativ schnell ein. Da mein Gedächnis allerdings endlich ist, stöbere ich schnell in Fachliteratur herum und stoße auf das „Kleine Wörterbuch der Jugendsprache“ von Margot Heinemann aus dem Jahr 1989, das noch in der DDR erschien.


Eher regional geprägte Ausdrücke wie das rhetorische „Bist du nicht ganz acker?!“ und das damals unvermeidliche "hoschig" finde ich darin nicht. Dafür einiges, das bei mir noch immer im Sprachschatz festsitzt, etwa die Adjektive „a*schlos“ und „übelst“. „Das fetzt ja!“ hingegen habe ich seit Jahrzehnten weder gesagt noch gehört.

Ich denk', mein Hamster bohnert!“ ist heute ebenfalls eher erklärungsbedürftig. Früher musste man im Schulhaus noch einmal pro Woche aufpassen, dass man sich nach dem Bohnern nicht die „Gräten“ brach. Heute ist man froh, wenn dort überhaupt mal gefegt wird … Ein bisschen kulturpessimistische Jammerei muss bei dem Thema "Moderne Zeiten" schließlich auch sein.

Dann stoße ich beim Lesen auf den Begriff „Buschplahudi“, den ich noch nie gehört habe. Soooo groß war die DDR doch gar nicht, dass man das nicht hätte mitbekommen können. Oder?! Auch im Internet finde ich dazu nichts beziehungsweise nur Rückverweise auf jenes Wörterbuch



.

Vielleicht müsste ich Simon Meier-Vieracker einmal beknien, sich des Falls anzunehmen. Apropos: Sein Buch Sprache ist, was du draus machst!* möchte ich an dieser Stelle sehr empfehlen.

Während unser aller Fußballlinguist höchst spannend über Simsen, Posten, Gendern, Fluchen und anderen gegenwärtigen Sprachgebrauch berichtet, erläutert er quasi nebenbei zentrale sprachwissenschaftliche Konzepte. Zudem behandelt er den Unterschied zwischen sprachlichen Regeln und dem tatsächlichen Sprachgebrauch, die regionale und soziale Variation des Deutschen sowie den stetigen Sprachwandel.

      


Anhand alltäglicher Beispiele zeigt er, wie Linguist*innen mit großen Sammlungen echter Sprachdaten – sogenannten Korpora – arbeiten, um Dialekte, neue Wörter oder typische Formulierungen zu untersuchen. Ziemlich er- und einleuchtend fand ich die Beispiele dafür, wie aus vermeintlichen „Fehlern“ irgendwann regelhafte Standardsprache wird. Sie müssen sich eben nur weit genug verbreiten und oft genug wiederholt werden.

Ui, jetzt habe ich das Internet fast vollgeschrieben. Schluß für heute.

Ich meine natürlich: „Ich mach jetzt lieber mal die Flocke!

Samstag, Juli 11, 2026

Woche 26/2026 - Deutschstunde, Bloggiges und Heart fürs Herz

Nachgedacht

Über die Jahre schwankten die Lesendenzahlen hier immer mal. Nun ja, der Weg vom therapeutischen, fiktionierten Microblogging zu dem heutigen wöchentlichen Tagebuchblogformat war ja auch ein langer. 22 Jahre stehen mittlerweile auf dem Schreibkilometerzähler. 

Äußerst positiv auf die Statistiken - im Endeffekt schreibt man ja schon nicht nur für sich selbst - wirkt sich seit letzten Jahr die Teilnahme am deutschsprachigen "UberBlogr Webring" aus. Und also habe ich mich auch gleich bei Bubbles angemeldet, sofort nachdem ich bei Wirres über die neue Startseite für die Blogosphere mit Up-und-Download-Funktion gelesen hatte.

Ein To-Do bleibt bei mir: Eure Blogs und Seite selbst mehr lesen und darunter kommentieren.

Gesehen

Ich gehöre ja zu den weirden Kids, die im Teenageralter mit der meisten Schullektüre etwas anfangen konnten: Nathan, der Weise; Faust - Erster Teil, Death of a Salesman, Die Leiden des Jungen Werther und Die neuen Leiden des jungen W. (Genervt war ich eigentlich nur von Kabale und Liebe und Lord of the Flies.) Auch später hatte ich an vielen Klassikern eine Menge Spaß: Don Quichote, Moby Dick, der Zauberberg oder die Schachnovelle.

Lenz' Deutschstunde war an mir bisher aber irgendwie vorbeigegangen, bis ich diese Woche mir die Verfilmung von 2019 ansah. Ein wirklich beklemmendes, brillant gespieltes, emotionales und bildgewaltiges Werk. Aber man muß dafür in richtige, emotional ausgeglichener Stimmung sein.

Gehört

Vielleicht sogar besser als das Original.