Donnerstag, August 13, 2026

Woche 30/2026 - Lose Enden und Nolans Odyssee

Bevor ich zur bereits vorurlaubenden Familie stieß, habe ich mich in dieser Woche um lose Enden gekümmert.

So eine Woche ohne familiäre Verpflichtungen ist für mich immer eine ziemliche Umstellung: Kein Frühstück machen, kein Daueraufräumen der Wohnung, kein Kinderrumkutschieren. Wirklich stressfrei ist sie aber trotzdem nicht: Diesmal etwa musste ich um die bisher vernachlässigten Steuererklärungen kümmern.

Ich finde es ja schön, dass Vater Staat an meinen Dauererfolg als Schriftsteller glaubt, aber meine jährlichen Einnahmen sind sehr schwankend und immer im unteren vierstelligen Bereich bei dieser Nebentätigkeit, und es nervt bisweilen, dass man mal ein paar Hundert Euro Lohnsteuervorauszahlung  leisten darf und mal nicht. Immer davon abhängig, wie Buchverkäufe und Ausschüttungen von VG Wort so liefen. Zumindest fällt mittlerweile die Gewerbesteuererklärung für Kleinunternehmer weg. Ein Formular weniger.

Trotzdem war ich zwischenzeitlich so gerädert vom Hardcore-Excelwesen – ja, bei mir geht es um 'ne Menge Kleinbeträge –, dass ich spontan beschloss, eine Wand in der Küche zu streichen. (In der „freien“ Woche renoviere ich sonst eigentlich immer, 2026 hatte ich das nicht geplant.) Das Ergebnis war ganz zufriedenstellend. (Also bei Steuer und Wand.)

Im Büro halte ich es seit einiger Zeit so, dass ich in den letzten 10 Arbeitstagen vor dem Jahresurlaub mich nur noch um offene Vorgänge kümmere. Der Unmut von manchem im mittleren Management halte ich gerne aus. Denn selbst das reguläre Abarbeiten frißt genug Ressourcen, der Rest geht für Übergaben und Kollegen – ja, es sind immer Männer – drauf, denen ich einen rhetorischen Mittelfinger zeigen muss, weil sie mit irgendwelchem nebensächlichen Quatsch und Torschlusspanik vor mir stehen.

Gesehen

Was Schönes gönnte ich mir dann noch zum Wochenabschluss. Ganz allein gingen meine Cola light und ich ins Kino und schauten uns die Odyssee an. Nach einigen Minuten war klar, das Minimalziel würde erreicht werden: eine Verfilmung besser als die Wolfgang-Petersen-Version von Troja. Der viel vermisste M. und ich litten damals beide sehr u. a. unter Mr. Jeanswerbung als Achilles und darunter, wie man den armen Ajax darstellte. Da konnte auch Peter O'Toole wenig retten.

Auch im Vorfeld dieses Films hatte ich ein bisschen Angst beim Blick aufs Nolan'sche Casting. Da waren sehr viele der hollywoodtypischen „Milchbrötchen“ zu finden. Matt „Ich finde in keinem meiner Filme nach Hause“ Damon als Hauptdarsteller schlug sich erstaunlich gut und auch Anne Hathaway und Tom Holland schlugen sich besser als von mir erwartet. Himesh Patel hätte ich mehr Redezeit bzw. Tiefe gegönnt und auch Elliot Page macht seine Sache mehr als ordentlich. Deutlich unzufrieden war ich mit der Darstellung des Agamemnon, der wie ein antiker Darth Vader inszeniert wurde. Trotzdem: Die Odyssee ist gutes Popcornkino, für einen echten Klassiker hätte es aber ein bisschen mehr Mut und v. a. Metaebene bedurft.



Montag, August 10, 2026

Woche 29/2026 - Das sicherheitslückige Podlove und die wenig verbreitete Trümmerfrau

Geärgert

Podlove hatte mal wieder eine Sicherheitslücke. So sehr ich die Software mag, aber dass es nun schon zum zweiten Mal eine Sicherheitslücke gab, die für Unbefugte nahezu unbeschränkten Zugriff zum Serverspeicherplatz der betroffenen WordPress-Installationen ermöglicht, ist kaum erträglich. Ich hoffe, ich konnte jeglichen Schaden abwenden, befürchte aber, dass es eventuell bald ständiges AI-optimiertes Trommelfeuer auf jegliche Server geben könnte. Aber was weiß ich schon.

Gelernt

Letzte Woche erfuhr ich Neues über deutsche Flüchtlinge in Dänemark in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, diese Woche, dass die „Trümmerfrauen“ gar nicht flächendeckend in Deutschland tätig waren, um das zerstörte Land wieder aufzurichten. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig (a) Geschichtswissenschaft ist und (b) gut gepflegte Narrative gelegentlich zu überprüfen. 

Gehört

Donnerstag, August 06, 2026

Woche 28/2026 - Rico und das löchrige Nerd-T-Shirt

Geärgert 

Als Träger legerer Freizeitkleidung wurde ich im letzten Jahrzehnt in Sachen Motivshirts regelmäßig bei Qwertee fündig: Egal ob „Zurück in die Zukunft“, „X-Files“ oder Bücherdrachen – ungewöhnliche, gern nerdige Aufdrucke von talentierten Illustrierenden machten mir oft Freude. Zuletzt lässt allerdings die Stoffqualität mehr und mehr zu wünschen übrig, und der Blick auf die Motive lässt zudem den vermehrten Einsatz von KI vermuten. Oder das Eingereichte wird einfach weniger gut kuratiert als in der Vergangenheit. Zuletzt musste ich erstmals auch Zollgebühren zahlen, obwohl ich schwören könnte, dass die Ware – zumindest zeitweise – auch mal aus der EU verschickt wurde. Jedenfalls habe ich jetzt wirklich mal einen Anlass, mich auf dem Shirt-Markt umzusehen. Vielleicht wisst ihr ja was? 

Gelesen 

Ich erwähnte bereits, dass ich den ersten Band der „Rico und Oscar“ sehr mochte. Seit einiger Zeit gibt es eine Prequel-Reihe*, die unser Erstleser sehr gerne mag, und auch ich finde sie durchaus gelungen. Die Illus kommen diesmal nicht von Peter Schössow, sondern von Lena Winkel, was eine ganz bewusste Entscheidung des Autors war. Und ich mag ihre Bilder sehr. 

Gelernt 

Dank des NDR weiß ich jetzt, dass das Naziregime in den letzten Kriegsmonaten das besetzte Dänemark zwang, rund 250.000 deutsche Flüchtlinge aufzunehmen: "Oksbøl in Westjütland ist zwischen 1945 und 1949 das größte Flüchtlingslager in Dänemark. Mit mehr als 35.000 Bewohnern gilt es vorübergehend als fünftgrößte Stadt des Landes. Auf dem ehemaligen Lagergelände befindet sich neben dem Lagerfriedhof seit 2022 das FLUGT Refugee Museum of Denmark, das einerseits die Geschichte der deutschen Flüchtlinge in Dänemark aufarbeitet und andererseits Flucht als allgemeines Menschheitsthema behandelt."

Gehört