Freitag, Juni 26, 2026

Woche 24/2026 - Ist denn Fußball immer noch wichtig? #WM2026

Braucht jemand noch Gründe, die FIFA-Fußball-WM doof zu finden?

Falls ja, habe ich Euch eine Liste erstellt. Da wären u.a.

  • die Anbiederung an Autokraten und Diktatoren (Trump),

  • das Ignorieren von Menschenrechten und Klimawandel (WMs in Katar, USA, Saudi-Arabien),

  • die Durchkommerzialisierung jedes Aspekts des Spiels ("Trinkpausen"),

  • die Überhöhung von Einzelspielern (CR7, Kane, Messi, Mbappé),

  • das unreflektierte Abfeiern von Offensivfußball.


Am Tag des Eröffnungsspiels hatte ich also tatsächlich nur 0,34 Bock auf der nach oben offenen Begeisterungsskala. Und dann passierte es. Der Lütte (7) kam ganz aufgeregt ins Wohnzimmer geschlichen und nahm neben mir Platz. Ich wechselte von der staatstragenden Betroffenheitsvorberichterstattung auf dem ZDF (Ja, ich weiß, Bildungsauftrag und so. Aber warum gerade dann, wenn eigentlich ein bisschen Stimmung aufkommen sollte?!) zu MagentaTV, für das ich zwei Gratismonate erburgert hatte. Und dann geschah es: Die Moderatoren waren in bester Laune und mit langen Schalten in das gut besuchte Aztekenstadion kam plötzlich so etwas wie ausgelassene Fußballstimmung in mir auf. Ja, die WM 2026 ist nicht nur das Turnier in den USA (und Kanada), sondern auch ein Wettbewerb im fußballtraditionsreichen und begeisterungsfähigen Mexiko!

Und bevor ich meine Gedanken sortieren konnte, gab es eine Eröffnungsveranstaltung, die nicht sofort Fremdschämen verursachte. Ja, der übergroße Pokal auf dem Feld war eine trumpeske Peinlichkeit, aber die Co-Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, anstelle von standardisierter nordamerikanischer Popmusik mit ganz viel Lokalkolorit zu spielen. Das mitsingende Stadion dankte es ihnen und ich ihnen auch.

Also bin ich doch moderat positiv gestimmt, dass der Lütte eine schöne erste Fußballweltmeisterschaft hat. Mein Arbeitsauftrag in den nächsten Wochen: Nicht nur das Taschengeld des Nachwuchses, sondern auch mein eigenes für Fußballsticker ausgeben (So ein Päckchen liegt mittlerweile bei 1,50 €. Aber wenn wir ehrlich sind, war das auch 1994 preislich äquivalent zu einer Kugel Eis.), Begeisterung für Defensivfußball und Underdogs ("I am from Bosnia...") wecken und Patriotismus eindämmen.

Apropos Patriotismus eindämmen: Wen unterstütze ich denn am besten in diesem Jahr? Die DFB-Elf tolerierte ich in guten Jahren und normalerweise bin ich ein England-Supporter, aber die aktuelle Selbstverliebtheit, der Trainer (Tuchel, würg) und die  Harrykanisierung der Berichterstattung führen dazu, dass ich 2026 das St.-George's-Cross im Schrank lasse und es nicht wie gewohnt aus dem Wohnzimmer wehen lasse. Es gibt Schlimmeres.

Freitag, Juni 19, 2026

Woche 23/2026 - Von Armin, Asterix und einem außergewöhnlich unterhaltsamen Podcast

Geärgert

„Ich bin nicht verärgert! Ich bin enttäuscht!“, sollte ich wahrscheinlich schreiben. Der Lütte (7 Jahre alt und großer Asterix- und Sportfan) hatte beschlossen, es wäre Zeit, dass wir als Familie gemeinsam mal „Asterix bei den Olympischen Spielen“ anschauen könnten.

Das Heft war mir durchaus in positiver Erinnerung geblieben, und auch wenn ich kein großer Fan der Realverfilmungen der Geschichten um Galliens unbeugsamstes Dorf bin, wollte ich dem Streifen aus dem Jahr 2008 eine Chance geben. War das ein Abend. Wenn ich Alkohol trinken würde, hätte mir vielleicht ein Schnaps dabei geholfen, um diesen fürchterlichen Film zu überstehen. Das mit Asterix-Content jeglicher Art in Zukunft unterbieten zu können, wird schwierig werden. Chapeau!



Gelesen

Ich hätte mir auch nicht erträumen lassen, dass ich mal der Mensch sein würde, der mit Freude Bildbände durchblättert. In meinem fünften Lebensjahrzehnt habe ich tatsächlich wirklich Spaß daran, und das liegt u. a. an solch liebevoll gestalteten Büchern wie dem jüngsten Werk von Schauspiellegende Armin Müller-Stahl namens „Selbst in Filmen, Farben und Formen*“. Schon allein das Cover ist mindestens eine 4,8 von 5. Gut, vielleicht bin ich parteiisch, weil Fan.


Gehört

„Noch jemand ohne Podcast?“, dachten sich wohl Schauspieler Brent Spiner und Regisseur Jonathan Frakes, beide bekannt aus Star Trek: The Next Generation. Aber anstatt ihre Sendungen um dieses und andere Franchises rotieren zu lassen, gingen sie nicht den einfachen – und wahrscheinlich ermüdenden – Weg, in der eigenen Blase zu verweilen, sondern erzählen 1001 lustige Geschichten aus ihren langen Hollywoodleben, und ihre Gäste tun das Übrige. „Dropping Names“ ist witzig, kurzweilig und die richtige Unterhaltung für alle, die mal ein paar Stunden vom deprimierenden Weltgeschehen abgelenkt werden möchten.

Dienstag, Juni 09, 2026

Woche 22/2026 - Von Waldmöpsen und Familientreffen

"Wir sollten uns öfter sehen!", sagte mein Onkel und begann mit der Planung eines großen Familientreffens. "Es kann ja nicht sein, dass wir uns nur noch zu Beerdigungen treffen." Tragischerweise verstarb er kurz darauf selbst überraschend. Er war kaum 50 Jahre alt und hatte noch keine einzige Einladungskarte verschickt.


Was nach dem Einstieg in einen ehere mittelmäßigen Generationenroman klingt, ist die Zusammenfassung der realen Ereignisse, die meine Familie väterlicherseits alle zwei Jahre zusammenführen. Und das mittlerweile in der dritten Dekade. Vier Generationen der Nachfahren meines Urgroßvaters treffen sich dann irgendwo zwischen dem Breisgau und der vorpommerschen Ostseeküste, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu klönen.



Dieses Jahr ging die Reise nach Brandenburg an der Havel, einen Ort, den ich sonst wahrscheinlich nie besucht hätte, wenn ich ehrlich bin. Als Rest-DDR-Sozialisierter war mir natürlich Stahl Brandenburg ein Begriff, als Ausflugsziel hatte ich den Ort allerdings nicht auf dem Radar. Vollkommen zu Unrecht!



Wer ein ruhiges, hübsches Städtchen mit viel Wasser besuchen möchte, sollte diesen Blogpost für zukünftige Urlaubsplanungen im Hinterkopf behalten. Unser Hotel gehörte zwar zu keiner international agierenden Kette, lag dafür aber direkt an einem See und hatte nagelneue Tretboote am Steg. Für ausdauernde Eltern-Kind-Bespaßung war - außerhalb einer sehr zu empfehlenden Waldmops-Stadtführung - also auch gesorgt.


Absolutes Highlight – und das war aufgrund einer eher unscheinbaren Webseite nicht zu erahnen – war für alle Teilnehmenden zwischen 7 und 83 Jahren der Besuch des Industriemuseums. An der Führung durch das alte Stahlwerk war einfach alles interessant, beeindruckend und fotografierenswert.