Freitag, April 17, 2026

Woche 10/2026 - Ein bißchen Indie Rock zwischen Thriller und Familienfilm

Gelesen

Ich bin kein Krimileser. Ein bisschen Miss Marple, ein bisschen Sherlock Holmes und eine Prise Flavia de Luce. Dann hört es schon auf bei mir.

Natürlich lohnt es sich gelegentlich auch mal, seine Lesegewohnheiten abzuklopfen, und nach einem sehr gelungenen Schreibseminar mit Ursula Poznanski in Wolfenbüttel habe ich mir ihren neuesten Thriller „Das Signal“ geschnappt und – Überraschung! – auch gelesen. Ursula schreibt sehr unterhaltsam und eingängig. Einmal in den „Signal“-Zug eingestiegen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Am Ende fühlt man sich als Leser weder übertölpelt noch zu sehr an der Nase herumgeführt, sondern hat einfach eine gute, spannende Zeit. Ach so, ich sollte noch erwähnen, worum es in dem Buch geht: „Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.“

Es handelt sich allerdings um keine lahme „Fenster zum Hof“-Variante, sondern um eine Geschichte, die geschickt mit modernen Technologien („Tracker“) und uralten Ängsten spielt. Besonders erfrischend fand ich, dass die Ich-Erzählerin auch regelmäßig ihre nicht ganz so sympathischen Seiten zeigt.

Etwas parteiische 4 von 5 Mordversuchen.

Gesehen

Etwas familienfreundlicher ging es bei der Wahl unseres abendfüllenden Kinofilms zu, den meine Liebste, die zwei Halblinge und ich ansahen. Über „Hoppers“ aus dem Hause Pixar hatten wir im Vorfeld viel Positives gehört.

Der Film erzählt die Geschichte der tierliebenden Mabel, deren Bewusstsein in einen lebensechten Roboterbiber übertragen wird, um mit Tieren zu kommunizieren. Die Teenagerin möchte so den Plan des Bürgermeisters vereiteln, der den lokalen Lebensraum der Tiere zerstören will.

Die Protagonistin ist extrem sympathisch, viele der Tiere sehr lustig und alles – wie vom Marktführer gewohnt – visuell hervorragend umgesetzt. Wenn ich etwas zu meckern habe, dann am Plot, am Spannungsbogen und vor allem an der klischeehaft schlechten Darstellung von Politikern. Davon müssen wir irgendwann mal wegkommen, wenn das mit dem Demokratiedingens langfristig klappen soll. Das ist Euch auch klar, oder?

So reiht sich der Film für mich nicht ganz zwischen „Findet Nemo“, „Toy Story“ und „Monster AG“ ein, ist aber wirklich gute Unterhaltung und viel, viel besser als das, was sonst momentan so über die Kinoleinwand flimmert.

Gehört

Freitag, April 10, 2026

Woche 09/2026 - Betriebssystemschmerzen und schlechter Laune

Geärgert

Bisher bin ich niemandem begegnet, der sich am 7. Februar 2009 morgens bei einer Tasse Kakao hingesetzte und als Tagesaufgabe formulierte: Heute entscheide ich mich rational für ein mobiles Betriebssystem.

In der Realität stolpert man eher in die ganze Sache hinein. Gerät gekauft, eingerichtet, fünf Apps installiert – und zack – zwei Jahrzehnte später sitzt man in einem goldenen Käfig, weil man wenig bis keinen Bock hat, seine Daten umzuziehen, Apps und Spiele neu zu kaufen oder Alternativen zu finden und neue Accounts einzurichten.

So bin ich seit Jahren bei Apple. Nicht aus Überzeugung, eher aus Trägheit, mit gelegentlichen Momenten freudiger Überzeugung. Diverse iPads im Haushalt mit einmal gekaufter Software versorgen zu können, empfinde ich als praktisch. Auch das großartige und unglaublich günstige Procreate, mit dem alle meine digitalen Zeichnungen entstehen, liebe ich innig. Vom Dateimanagement unter iOS – das sich kaum nutzerunfreundlicher gestalten ließe – bekomme ich allerdings immer noch regelmäßig schlechte Laune.

Mein größtes Ärgernis sind aber die aufgezwungenen Design- und Funktionsänderungen, die die Kalifornier regelmäßig ausrollen (ich gender das hier bewusst nicht, weil vermutlich nur Männer auf so größenwahnsinnige Sch*iße kommen). Oder man ändert einfach mal Standardeinstellungen – und das Telefon beginnt selbstständig, Apps zu deinstallieren. Nicht schlimm? Nicht, wenn man sich nicht neu einloggen muss. Dann ist es nur nervig. Richtig unerquicklich wird es, wenn die deinstallierte App schlicht nicht mehr reinstalliert wird, weil sie aus dem Store genommen wurde. Da möchte man gerne etwas anzünden. Vorzugsweise etwas in Cupertino.

Gelesen

Bleiben wir bei meiner schlechter Launen. 

Mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat Moers einst eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Trotzdem würde ich mich nicht als Fan beschreiben, sondern als jemand, der die stets toll gestalteten, wertig daherkommenden Bücher stets schätzt, aber auch des Öfteren wenig Freude mit ihnen hat. 

 „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist leider so ein Fall. Die Geschichten plätschern alle dahin und sind weder besonders unterhaltsam noch wirklich humorvoll. Da hilft auch das Selbstlob im Nachwort nicht. („Die extrem verdichteten Erzählungen waren nicht nur unterhaltsam, scharfsinnig, originell und humorvoll, sondern vor allen Dingen nicht moralinsauer.“) Nun ja, zumindest der letzte Punkt stimmt. Ansonsten gibt es viel Weltenbau und wenig Plot. Sehr wohlgemeinte 2 1/2 von fünf Buchlingen.

Gehört

Montag, März 23, 2026

Woche 08/2026 - Von Wildschweinen, The Weight-Covers und Muffin & Tört (zum Zweiten)

Gelesen

Kürzlich lobte ich an dieser Stelle den ersten Teil von Muffin & Tört. Die Fortsetzung "Bei den Rittern*" fällt ein bisschen hinter der Qualität des Ersten ab. V. a. wegen des – meiner Meinung nach – etwas schwächeren Plots. Trotzdem bleibt es gutes (Vor-)Lesematerial.

Gesehen

Die Asterix-Serie auf Netflix fand ich ja richtig gut. Allerdings stieß ich erst jetzt aufgrund Eurer Mastodon-(Re-)Posts auf diesen sehr unterhaltsamen Kurzfilm von Netflix France namens: Astérix & Obélix: Mission Potager. (Die Wildschweine waren doch schon immer die heimlichen Co-Stars der Comicreihe.)

Gehört