Sonntag, Juli 27, 2025

Woche 24/2025 - Schreiben & Schreddern & Kinderbücher

Ich schreibe wirklich gern an meinen Büchern. Egal, ob es realistisch ist, dass sie jemals gedruckt werden oder ein Publikum finden. Das Schreiben wäre allerdings um einiges einfacher, wenn ich nicht nur regelmäßiger Freiräume für mein Lieblingshobby finden würde – für das ich etwas Abstand von der Welt und Ruhe brauche –, sondern mir nicht regelmäßig die Frage „Taugt das überhaupt?“ durch den Kopf spuken würde.

Über die Jahre habe ich drei Strategien entwickelt, um mit den Selbstzweifeln klarzukommen. Wobei „klarkommen“ übertrieben ist – wenn ich das Thema hinter mir gelassen hätte, bräuchte es dieses Posting mit nachfolgender Liste nicht.

(1) Weiterschreiben. Wie sagte schon Churchill: If you're going through hell, keep going. Der Nachteil dieses Ansatzes: Man braucht noch Restenergie im Tank – und die ist nicht immer vorhanden. Trotzdem gilt: Wenn man keine Buchstaben aufs Blatt bringt, ist sowieso alles Gezeter über Qualität und Quantität hinfällig.

(2) Ein Besuch bei der Bundesakademie in Wolfenbüttel, die ich gerne als meinen literarischen Therapiestandort meines Vertrauens bezeichne. Ich kann dort abschalten, treffe Gleichgesinnte, lerne viel, probiere Formen und Themen aus, auf die ich sonst nicht gekommen wäre – und entdecke, dass viele meiner Texte doch ein Publikum finden.

(3) Ich freue mich immer, von Autor:innen zu lesen oder zu hören, wie sie ihren Schreiballtag gestalten und womit sie sich so herumschlagen. Die Probleme sind gar nicht so verschieden – egal, ob man 500 oder 500.000 Exemplare verkauft.

In Bezug auf (3) hat mir der Podcast Schreiben & Schreddern viel Freude bereitet. Normalerweise nehme ich Podcastempfehlungen nur mit Vorsicht an, denn meine Playlist ist ohnehin gut gefüllt – und es stresst mich, wenn ich sie nicht leergehört bekomme. (Ja, mein innerer Monk ist da ziemlich streng.) Aber bei einem Hinweis meines Lieblingsillustrators mit dem Vermerk „bin grad mit Staffel 1 durch, musste bei der mit Andreas Steinhöfel an dich denken :)“ mache ich gerne eine Ausnahme. Auch wenn meine erste, mit Selbstbewusstsein vollgepackte Reaktion war: „Andreas Steinhöfel?! Hoffentlich ist das kein Serienkiller.“ Spoiler: Ist er nicht – soweit wir wissen. Sondern der sehr sympathische Schöpfer der Rico und Oskar-Reihe. Das hat mich dann in eine wohlige Decke aus Wertschätzung gepackt: mit der Arbeit solcher tollen Menschen assoziiert zu werden! Auch sonst konnte ich mit vielen Einschätzungen zur Kinderbuchwelt konform gehen.

Ich finde ja, Kinderbücher sind das Beste, was man schreiben kann.“ – Marc-Uwe Kling

Kinder sind wirklich ein angenehmes Publikum. Die Filterlosigkeit der Halblinge zeigt einem sehr schnell, ob man unterhaltsam geschrieben hat. Und unterhaltsam heißt bei ihnen: lustig und spannend (oder zumindest: interessant).

Tatsächlich finde ich – wie die beiden Podcaster – das Plotten bei Kinderbüchern besonders herausfordernd. Einen Spannungsbogen aufzubauen und gleichzeitig regelmäßig kleine Highlights einzustreuen, selbst wenn die Handlung gerade ruhiger verläuft, ist eine der größten Hürden, die man als Kinderbuchautor nehmen muss.

Jetzt habe ich das gemacht, jetzt muss ich irgendwie damit klarkommen.“ – Andreas Steinhöfel

Und dann muss das Ganze ja auch noch bei den Bucheinkäufer:innen ankommen. Gags für die Eltern zu schreiben ist also nicht nur Vergnügen, sondern fast Pflicht. Ähnlich wie Marc-Uwe – er darf mich gerne duzen – nähere auch ich mich meinen Charakteren szenisch: Irgendwann tauchen Handlungs- oder Dialogfetzen in meinem Kopf auf, und dann muss ich das Ganze irgendwie in die Handlung einbauen. Die Puzzelei beginnt. Das ist ziemlich anstrengend – und manchmal nervig. Die größte Angst dabei: liebgewonnene Passagen rauswerfen zu müssen, weil sie nicht funktionieren. Obwohl: Ersatzloses Streichen ist oft die beste Medizin gegen miese Absätze. Dagegen stinken konservative Behandlungsmaßnahmen wie wiederholtes Umformulieren einfach ab.

Zurück zum Podcast: Warm ums Herz wurde mir bei dem Punkt, an dem es um die Zusammenarbeit mit Illustrator:innen ging. Diese als „eine der schönsten Phasen“ zu bezeichnen – da kann ich nur zustimmen.

„Dann kommen die Bilder zurück und dann wird es noch mal auf eine ganz andere Art lebendig.“ – Marc-Uwe Kling

Auch die Adjektive „beglückend“ und „irrwitzig“ möchte ich hier unterstreichen. Es ist, als hätte man einen Song geschrieben, und bevor man ihn selbst das erste Mal spielt, hört man – im besten Fall – eine fantastische Interpretation eines anderen Musikers davon. Falls ich tatsächlich mal eine wirtschaftlich relevante Menge an Büchern verkaufen sollte, würde ich mir für jede große Neuauflage eine:n andere:n Illustrator:in wünschen. Am liebsten jemanden, der bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist. Man wird ja noch träumen dürfen... 

Gehört

Donnerstag, Juli 10, 2025

Woche 23/2025 - Wie man einen gesperrter Facebook-Account (nicht) entsperrt, Rotzhase & Schnarchnase und Oehl

Ich könnte jetzt schon wieder drei Absätze darüber schreiben, wie schrecklich Facebook ist. Mach ich  aber nicht. Nur so viel: Es gibt familiäre und betriebliche Gründe, warum ich die Plattform weiterhin nutzen "möchte". Wenn man mich denn lassen würde. 

Vor drei Monaten bin ich auf eine Phishing-Mail hereingefallen. Ich habe den Fehler schnell bemerkt – aber leider nicht schnell genug. In der Zwischenzeit hatte schon jemand mit meinem Account ein Instagram-Profil erstellt, das gegen Metas Nutzungsbedingungen verstieß. Mein eigener Instagram-Zugang war nicht betroffen, auch mein Facebook-Passwort habe ich rasch zurückgesetzt. Es entstand kein unmittelbarer Schaden. Dachte ich zunächst. Allerdings sperrten die Zuckerbergians automatisch meinen Facebook-Account wegen eben jenes "Verstoßes" gegen die Nutzungsbedingungen. Automatisch, versteht sich. Warum denn noch mit Menschen arbeiten?! 

In den folgenden, frustrierenden Wochen schrieb ich in viele Foren und noch mehr Mails. Immer gab es die selbe automatische Antwort, dass man mir nicht helfen könne. Oder manchmal auch gar keine. Der erste Monat verging, der zweite, der dritte. So langsam fing ich an, mich mit meinem Schicksal abzufinden. Ohne FB kann ich schon leben, aber die Kommunikation mit Teilen der Familie würde damit schwieriger werden. Zudem gab es zwei FB-Seiten, die ich – im Gegensatz zu meinem eigenen Profil (auf dem seit Jahren ohnehin nichts passiert) – nicht mitgesichert hatte. Weil ich dort der einzige Admin war – schön blöd von mir – wurden sie ebenfalls offline genommen...

Irgendwann schrieb ich noch einmal eine E-Mail. Wieder an ein generisches Postfach. Wieder mit dem gleichen Text, den ich schon dutzendfach versendet hatte. Und dann – wie aus dem nichts – bekam ich Zugriff auf mein Profil zurück. Einfach so. Absolut verrückt. Was mich das gelehrt hat? 

Eigentlich nichts, was ich nicht schon wusste: (1) Abhängigkeit von Big Tech ist doof und evil. Und ich habe Mitleid mit all denen, die die Plattform z. B. für ihre Selbstständigkeit brauchen. (Meine Schwippschwägerin im anderen Kulturkreis macht darüber 90 % ihrer Kundenaquise und -kommunikation. Kann und will man sich nicht vorstellen... aber das ist eine andere Geschichte.) (2) Es ist pures Glück, wenn sich jemand findet, der einem mit seinem Problem weiterhilft. Man ist dem Zufall und dem Chaos ausgeliefert. Es gibt keine nachvollziehbaren, verlässlichen Weg, wie man einen gesperrter Facebook-Account wieder entsperrt.

Gelesen 

Das jüngere Kind bekam Rotzhase & Schnarchnase von Julian Gough geschenkt. Und wir haben es zusammen gelesen. Ich bin ja kein großer Fan von „Was-lehrt-uns-das?“-Kinderliteratur. Aber wenn sie schon sein muss – dann bitte so.

Gehört 

Aus der Reihe „Dinge, über die ich mich wundere“: Dass Oehl nicht bekannter und erfolgreicher ist.

Montag, Juli 07, 2025

Woche 22/2025 - Rückblick auf die re:publica 2025

Kaum aus Finnland zurückgekehrt, fuhr ich gleich nach Berlin weiter. Und wieder ging es (zumindest am Rande) um Trolle: Die re:publica stand an.

Irgendwie passte meine Lieblingskonferenz in den letzten Jahren nicht in den dienstlichen und/oder privaten Terminkalender, umso froher war ich, 2025 endlich mal „heimzukehren“.

Es hat sich in den letzten Jahren so einiges getan. Der Wunsch, die Veranstaltung in der Mitte der Öffentlichkeit zu verankern, ist wahr geworden. Davon zeugte nicht nur das enorme Medieninteresse, sondern auch die große Anzahl von Ministern, die kontinuierlich rhetorisch durch die Hallen stolperten. Allerdings hat das auch den Nebeneffekt, dass die rp mittlerweile auch eine Vielzahl von Teilnehmenden anzieht, die inhaltlich kaum etwas zur Veranstaltung beitragen können. Böse Menschen würden von Eventtourismus sprechen. Ich bin so ein böser Mensch. Allerdings auch ein positiv eingestellter: Und daher habe ich mich sehr über die zwischenmenschlichen Begegnungen gefreut. :) (Ihr wisst, wer ihr seid. Herzlichen Dank für die netten Gespräche.) Grundsätzlich bleibe ich aber dabei, dass man mittlerweile am absoluten Maximum ist, was Größe und Teilnehmendenzahl angeht.

Rein inhaltlich hatte ich zu diversen Sessions auch etwas zu sagen:

Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon

Und mein Schlüsselband hatte ich natürlich auch wieder daheim liegen lassen...

Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon



Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon

Man munkelt, der Minister sei eine Simulation, die nicht außerhalb der rp lauffähig ist...

Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon


Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon

Welchen Vortrag ich besonders empfehlen möchte? Vielleicht diesen, wegen seiner Allgemeingültigkeit und andauernden gesellschaftlichen Relevanz.

Samstag, Juli 05, 2025

Woche 21/2025 - Von Reisen und Mumins

Der Montag war der Auftakt zu den großen (Dienst-)Reisefestspielen: Vier Reisen innerhalb eines Monats gab es bei mir seit Corona nicht mehr. Ich habe es allerdings auch nur bedingt vermisst.

Gleich zum Anfang hatte ich eine große Konferenz vor der Brust, aber erstens hatte ich – obwohl ich zum Veranstalterteam gehörte – eher einen Beobachterstatus (größte Gefahr: Handgelenksschmerzen durch exzessives Händeschütteln), zweitens treiben solche Veranstaltungen in meiner dritten Dekade im Brotberuf kaum noch den Blutdruck hoch.

Die Anreise tat es allerdings. Da einige Fluglinien in Finnland streikten, mussten wir nicht nur um 03:00 Uhr aufbrechen, sondern auch noch einen Umweg über Riga einlegen. Dort hatten wir dann wenigstens zehn Stunden fürs Sightseeing und Teambuilding. Besonders schön: Meine Liebste, auch Kollegin, und ich waren in der gleichen Reisegruppe. (Die Schwiegereltern passten derweil auf unsere Hobbits auf.) Und tatsächlich waren wir noch nie gemeinsam in der lettischen Hauptstadt. So konnten wir uns gegenseitig Lieblingsecken zeigen, was nach 15 Jahren Beziehung schön ein wildes Gefühl war.

Irgendwann ging dann unser Trip weiter und wir kamen wir in Tampere an, das ich bisher nur vom Durchreisen kannte. Die Stadt machte einen sehr angenehmen Eindruck, ist aber momentan auch die hipste Location des Landes. Und die Finnen mag ich ja eh. Grundentspannt, professionell und wortkarg – da fühle ich mich als Norddeutscher wohl.

Der Konferenzverlauf war sehr viel „business as usual“, trotzdem gab es eine sehr angenehme Überraschung: Im gleichen Gebäude wie das Veranstaltungszentrum befand sich ein „Mumin“-Museum, das mir sehr gefallen hat. Die Innengestaltung gab die Atmosphäre der Bücher sehr schön wieder. Man hatte das Gefühl, sich in einem Märchenwald zu befinden, und die Idee, bekannte Szenen aus der Buchreihe von Tove Jansson mit 3D-Modellen und Dioramen wiederzugeben, hatte einen besonderen Charme.

Ich bin nicht der größte Fan der Trolle, finde es aber sehr interessant, wie sich das „Moomiversum“ seit dem ersten – nicht sehr starken – Band entwickelt hat. Und auch ich konnte mich dem besonderen Zauber einzelner Geschichten und Comic-Strips nicht entziehen. Da wurde wirklich etwas Einzigartiges, ganz Tolles geschaffen, das nicht nur die finnische Seele anspricht.

Und so passierte dann, was fast zu erwarten war: Als mich die Kolleg:innen mit Stift sahen, baten sie reihenweise um eigene Porträts mit den kleinen Trollen.