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Mittwoch, Juli 22, 2026

Woche 27/2026 - Wie "cringe" ist es, wenn ich "Bist Du nicht ganz acker?!" sage? - Über Jugendsprache

„Papa, sag nicht immer ‚Butterbrotbüchse‘!“, beschwert sich meine Tochter. „Was ist denn das überhaupt für ein Wort? Kommt das noch aus den Siebzigern?!“

Unrecht hat die zeternde Zehnjährige nicht. Wahrscheinlich hat es sich, wie „Kaufhalle“ auch, längst überlebt. Wahrscheinlich habe ich von meinen Eltern nicht nur die Aussprache der Wörter „ölf“ und „Kürche“ übernommen.

Also sprechen das Kind und ich plötzlich über Jugendsprache. Über „cringe“, „das crazy“ und andere Begriffe, die hier im Haushalt mittlerweile tatsächlich öfter zu hören sind. Währenddessen krame ich in meinem Hirn nach den Dingen, die wir in den 1980er- und 1990er-Jahren als Kinder und Jugendliche so sagten. "Urst" fällt mir da relativ schnell ein. Da mein Gedächnis allerdings endlich ist, stöbere ich schnell in Fachliteratur herum und stoße auf das „Kleine Wörterbuch der Jugendsprache“ von Margot Heinemann aus dem Jahr 1989, das noch in der DDR erschien.


Eher regional geprägte Ausdrücke wie das rhetorische „Bist du nicht ganz acker?!“ und das damals unvermeidliche "hoschig" finde ich darin nicht. Dafür einiges, das bei mir noch immer im Sprachschatz festsitzt, etwa die Adjektive „a*schlos“ und „übelst“. „Das fetzt ja!“ hingegen habe ich seit Jahrzehnten weder gesagt noch gehört.

Ich denk', mein Hamster bohnert!“ ist heute ebenfalls eher erklärungsbedürftig. Früher musste man im Schulhaus noch einmal pro Woche aufpassen, dass man sich nach dem Bohnern nicht die „Gräten“ brach. Heute ist man froh, wenn dort überhaupt mal gefegt wird … Ein bisschen kulturpessimistische Jammerei muss bei dem Thema "Moderne Zeiten" schließlich auch sein.

Dann stoße ich beim Lesen auf den Begriff „Buschplahudi“, den ich noch nie gehört habe. Soooo groß war die DDR doch gar nicht, dass man das nicht hätte mitbekommen können. Oder?! Auch im Internet finde ich dazu nichts beziehungsweise nur Rückverweise auf jenes Wörterbuch



.

Vielleicht müsste ich Simon Meier-Vieracker einmal beknien, sich des Falls anzunehmen. Apropos: Sein Buch Sprache ist, was du draus machst!* möchte ich an dieser Stelle sehr empfehlen.

Während unser aller Fußballlinguist höchst spannend über Simsen, Posten, Gendern, Fluchen und anderen gegenwärtigen Sprachgebrauch berichtet, erläutert er quasi nebenbei zentrale sprachwissenschaftliche Konzepte. Zudem behandelt er den Unterschied zwischen sprachlichen Regeln und dem tatsächlichen Sprachgebrauch, die regionale und soziale Variation des Deutschen sowie den stetigen Sprachwandel.

      


Anhand alltäglicher Beispiele zeigt er, wie Linguist*innen mit großen Sammlungen echter Sprachdaten – sogenannten Korpora – arbeiten, um Dialekte, neue Wörter oder typische Formulierungen zu untersuchen. Ziemlich er- und einleuchtend fand ich die Beispiele dafür, wie aus vermeintlichen „Fehlern“ irgendwann regelhafte Standardsprache wird. Sie müssen sich eben nur weit genug verbreiten und oft genug wiederholt werden.

Ui, jetzt habe ich das Internet fast vollgeschrieben. Schluß für heute.

Ich meine natürlich: „Ich mach jetzt lieber mal die Flocke!

Samstag, Juli 11, 2026

Woche 26/2026 - Deutschstunde, Bloggiges und Heart fürs Herz

Nachgedacht

Über die Jahre schwankten die Lesendenzahlen hier immer mal. Nun ja, der Weg vom therapeutischen, fiktionierten Microblogging zu dem heutigen wöchentlichen Tagebuchblogformat war ja auch ein langer. 22 Jahre stehen mittlerweile auf dem Schreibkilometerzähler. 

Äußerst positiv auf die Statistiken - im Endeffekt schreibt man ja schon nicht nur für sich selbst - wirkt sich seit letzten Jahr die Teilnahme am deutschsprachigen "UberBlogr Webring" aus. Und also habe ich mich auch gleich bei Bubbles angemeldet, sofort nachdem ich bei Wirres über die neue Startseite für die Blogosphere mit Up-und-Download-Funktion gelesen hatte.

Ein To-Do bleibt bei mir: Eure Blogs und Seite selbst mehr lesen und darunter kommentieren.

Gesehen

Ich gehöre ja zu den weirden Kids, die im Teenageralter mit der meisten Schullektüre etwas anfangen konnten: Nathan, der Weise; Faust - Erster Teil, Death of a Salesman, Die Leiden des Jungen Werther und Die neuen Leiden des jungen W. (Genervt war ich eigentlich nur von Kabale und Liebe und Lord of the Flies.) Auch später hatte ich an vielen Klassikern eine Menge Spaß: Don Quichote, Moby Dick, der Zauberberg oder die Schachnovelle.

Lenz' Deutschstunde war an mir bisher aber irgendwie vorbeigegangen, bis ich diese Woche mir die Verfilmung von 2019 ansah. Ein wirklich beklemmendes, brillant gespieltes, emotionales und bildgewaltiges Werk. Aber man muß dafür in richtige, emotional ausgeglichener Stimmung sein.

Gehört

Vielleicht sogar besser als das Original.

Mittwoch, Juli 08, 2026

Woche 25/2026 - Remington Noiseless 7 (Portable) und der Widerrufsbutton

Gelernt

Seit unserem Besuch im "Museum für Kommunikation" hat unser großes Kind (10) einen Wunsch: eine eigene Schreibmaschine. Und natürlich ist diese Bitte nichts, was mein stolzes, väterliches Autorenherz ablehnen kann. Da die Erika meiner Eltern momentan nicht auffindbar ist, musste ich mich - leider, leider - auf Kleinanzeigen umsehen, um ein Maschinchen zu finden, das den Zweck erfüllen, aber das Budget nicht sprengen würde. Es gibt härtere Schicksale.

Schon nach kurzer Zeit stieß ich auf eine Remington Noiseless 7 (Portable) aus den frühen 1930er Jahren, die der Vorbesitzer zu einem äußerst günstigen Preis abzugeben gedachte. Die Maschine machte denn auch vor Ort einen äußerst guten Eindruck, nur an den Cannabisgeruch, der vom Gehäuse ausgeht, habe ich mich noch nicht gewöhnt.


Die Mechanik der Remington überzeugte  dann auch bei der Inaugenscheinnahme am heimischen Arbeitsplatz. Ich löste die vier Schrauben, die die Maschine mit dem Koffer verbanden und konnte dann gut mit einem fusselfreien Tuch und Waffenöl alle Hebelchen, Federn und Konsorten reinigen. Die zuerst angedachte Nutzung von Wattestäbchen verwarf ich zugunsten der einer sehr weichen Zahnbüste, da erstere durch wildes Herumfusseln mehr Schaden als Nutzen zu bringen schien.



Den Koffer reinigte ich mit KFZ-Cockpitspray und Lederreiniger, ohne aber zu einem abschließenden Befund zu kommen, was besser funktionierte.

Nachdem ich alles wieder zusammenmontiert hatte, legte ich das bikolore Farbband richtig ein. (Das hatte der Vorbesitzer nicht geschafft.) Hilfreich war dabei die Gebrauchsanleitung vom Gerät.

Die Remington sieht nicht nur phantastisch aus, sondern ist wirklich leise und hat eine wunderschöne Schriftart. Nur die automatische Rechtschreibkorrektur scheint nicht zu funktionieren.


Geärgert

Dass ich im Jahr 2026 noch beim Konsum der Tagesschau aufschrecke, spricht nicht für mein momentanes Nervenkostüm. Aber wie ich erfuhr, gibt es tatsächlich eine neue EU-Verordnung zum Widerruf bei Online-Käufen. Irgendwie war das an mir total vorbeigegangen.

Nachdem ich versuchte, das Problem mit einem weiteren Plugin für WordPress/WooCommerce zu lösen (ja, Bücher wollen auch online verkauft werden), war ich kurz davor, die Wand anzuschreien. Das Plugin funktionierte so mittel, dafür hatten potenzielle Käufe plötzlich eine Bezahlmethode zur Verfügung, die ich niemals eingerichtet hatte. Aus Ermangelung einer eigenen Luftwaffe, die ich für Vergeltungsmaßnahmen hätte einsetzen können, schmiss ich das Plugin kurzerhand wieder raus. Und überlegte noch einmal. Was kann man tun, wenn man die Hausaufgabe nicht versteht? Richtig, man schreibt sie ab! Und so schaute ich u.a. bei Kiki vorbei, wie sie das Problem löste. Am Ende entschied ich mich für ein simples Textformular und einen statischen Link. Wieder einmal hatte simples HTML den Tag gerettet ... 

Freitag, Juni 26, 2026

Woche 24/2026 - Ist denn Fußball immer noch wichtig? #WM2026

Braucht jemand noch Gründe, die FIFA-Fußball-WM doof zu finden?

Falls ja, habe ich Euch eine Liste erstellt. Da wären u.a.

  • die Anbiederung an Autokraten und Diktatoren (Trump),

  • das Ignorieren von Menschenrechten und Klimawandel (WMs in Katar, USA, Saudi-Arabien),

  • die Durchkommerzialisierung jedes Aspekts des Spiels ("Trinkpausen"),

  • die Überhöhung von Einzelspielern (CR7, Kane, Messi, Mbappé),

  • das unreflektierte Abfeiern von Offensivfußball.


Am Tag des Eröffnungsspiels hatte ich also tatsächlich nur 0,34 Bock auf der nach oben offenen Begeisterungsskala. Und dann passierte es. Der Lütte (7) kam ganz aufgeregt ins Wohnzimmer geschlichen und nahm neben mir Platz. Ich wechselte von der staatstragenden Betroffenheitsvorberichterstattung auf dem ZDF (Ja, ich weiß, Bildungsauftrag und so. Aber warum gerade dann, wenn eigentlich ein bisschen Stimmung aufkommen sollte?!) zu MagentaTV, für das ich zwei Gratismonate erburgert hatte. Und dann geschah es: Die Moderatoren waren in bester Laune und mit langen Schalten in das gut besuchte Aztekenstadion kam plötzlich so etwas wie ausgelassene Fußballstimmung in mir auf. Ja, die WM 2026 ist nicht nur das Turnier in den USA (und Kanada), sondern auch ein Wettbewerb im fußballtraditionsreichen und begeisterungsfähigen Mexiko!

Und bevor ich meine Gedanken sortieren konnte, gab es eine Eröffnungsveranstaltung, die nicht sofort Fremdschämen verursachte. Ja, der übergroße Pokal auf dem Feld war eine trumpeske Peinlichkeit, aber die Co-Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, anstelle von standardisierter nordamerikanischer Popmusik mit ganz viel Lokalkolorit zu spielen. Das mitsingende Stadion dankte es ihnen und ich ihnen auch.

Also bin ich doch moderat positiv gestimmt, dass der Lütte eine schöne erste Fußballweltmeisterschaft hat. Mein Arbeitsauftrag in den nächsten Wochen: Nicht nur das Taschengeld des Nachwuchses, sondern auch mein eigenes für Fußballsticker ausgeben (So ein Päckchen liegt mittlerweile bei 1,50 €. Aber wenn wir ehrlich sind, war das auch 1994 preislich äquivalent zu einer Kugel Eis.), Begeisterung für Defensivfußball und Underdogs ("I am from Bosnia...") wecken und Patriotismus eindämmen.

Apropos Patriotismus eindämmen: Wen unterstütze ich denn am besten in diesem Jahr? Die DFB-Elf tolerierte ich in guten Jahren und normalerweise bin ich ein England-Supporter, aber die aktuelle Selbstverliebtheit, der Trainer (Tuchel, würg) und die  Harrykanisierung der Berichterstattung führen dazu, dass ich 2026 das St.-George's-Cross im Schrank lasse und es nicht wie gewohnt aus dem Wohnzimmer wehen lasse. Es gibt Schlimmeres.

Freitag, Juni 19, 2026

Woche 23/2026 - Von Armin, Asterix und einem außergewöhnlich unterhaltsamen Podcast

Geärgert

„Ich bin nicht verärgert! Ich bin enttäuscht!“, sollte ich wahrscheinlich schreiben. Der Lütte (7 Jahre alt und großer Asterix- und Sportfan) hatte beschlossen, es wäre Zeit, dass wir als Familie gemeinsam mal „Asterix bei den Olympischen Spielen“ anschauen könnten.

Das Heft war mir durchaus in positiver Erinnerung geblieben, und auch wenn ich kein großer Fan der Realverfilmungen der Geschichten um Galliens unbeugsamstes Dorf bin, wollte ich dem Streifen aus dem Jahr 2008 eine Chance geben. War das ein Abend. Wenn ich Alkohol trinken würde, hätte mir vielleicht ein Schnaps dabei geholfen, um diesen fürchterlichen Film zu überstehen. Das mit Asterix-Content jeglicher Art in Zukunft unterbieten zu können, wird schwierig werden. Chapeau!



Gelesen

Ich hätte mir auch nicht erträumen lassen, dass ich mal der Mensch sein würde, der mit Freude Bildbände durchblättert. In meinem fünften Lebensjahrzehnt habe ich tatsächlich wirklich Spaß daran, und das liegt u. a. an solch liebevoll gestalteten Büchern wie dem jüngsten Werk von Schauspiellegende Armin Müller-Stahl namens „Selbst in Filmen, Farben und Formen*“. Schon allein das Cover ist mindestens eine 4,8 von 5. Gut, vielleicht bin ich parteiisch, weil Fan.


Gehört

„Noch jemand ohne Podcast?“, dachten sich wohl Schauspieler Brent Spiner und Regisseur Jonathan Frakes, beide bekannt aus Star Trek: The Next Generation. Aber anstatt ihre Sendungen um dieses und andere Franchises rotieren zu lassen, gingen sie nicht den einfachen – und wahrscheinlich ermüdenden – Weg, in der eigenen Blase zu verweilen, sondern erzählen 1001 lustige Geschichten aus ihren langen Hollywoodleben, und ihre Gäste tun das Übrige. „Dropping Names“ ist witzig, kurzweilig und die richtige Unterhaltung für alle, die mal ein paar Stunden vom deprimierenden Weltgeschehen abgelenkt werden möchten.

Dienstag, Juni 09, 2026

Woche 22/2026 - Von Waldmöpsen und Familientreffen

"Wir sollten uns öfter sehen!", sagte mein Onkel und begann mit der Planung eines großen Familientreffens. "Es kann ja nicht sein, dass wir uns nur noch zu Beerdigungen treffen." Tragischerweise verstarb er kurz darauf selbst überraschend. Er war kaum 50 Jahre alt und hatte noch keine einzige Einladungskarte verschickt.


Was nach dem Einstieg in einen ehere mittelmäßigen Generationenroman klingt, ist die Zusammenfassung der realen Ereignisse, die meine Familie väterlicherseits alle zwei Jahre zusammenführen. Und das mittlerweile in der dritten Dekade. Vier Generationen der Nachfahren meines Urgroßvaters treffen sich dann irgendwo zwischen dem Breisgau und der vorpommerschen Ostseeküste, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu klönen.



Dieses Jahr ging die Reise nach Brandenburg an der Havel, einen Ort, den ich sonst wahrscheinlich nie besucht hätte, wenn ich ehrlich bin. Als Rest-DDR-Sozialisierter war mir natürlich Stahl Brandenburg ein Begriff, als Ausflugsziel hatte ich den Ort allerdings nicht auf dem Radar. Vollkommen zu Unrecht!



Wer ein ruhiges, hübsches Städtchen mit viel Wasser besuchen möchte, sollte diesen Blogpost für zukünftige Urlaubsplanungen im Hinterkopf behalten. Unser Hotel gehörte zwar zu keiner international agierenden Kette, lag dafür aber direkt an einem See und hatte nagelneue Tretboote am Steg. Für ausdauernde Eltern-Kind-Bespaßung war - außerhalb einer sehr zu empfehlenden Waldmops-Stadtführung - also auch gesorgt.


Absolutes Highlight – und das war aufgrund einer eher unscheinbaren Webseite nicht zu erahnen – war für alle Teilnehmenden zwischen 7 und 83 Jahren der Besuch des Industriemuseums. An der Führung durch das alte Stahlwerk war einfach alles interessant, beeindruckend und fotografierenswert.



Samstag, Juni 06, 2026

Woche 21/2026 - re:publica 2026 #rp26

Der Mai verlief bisher ereignisreich: Erst eine Dienstreise von mir nach Warschau, dann flog die Liebste nach Tallinn und zwischendurch ganz viel Möbelzusammengeschraube und Wandmalerei. Und damit wir diese Schlagzahl auch beibehielten, machte ich mich am Sonntag auf den Weg zur re:publica.

Nach guten Erfahrungen mit dem Hotel in fußläufiger Distanz zum Tagungsort hatte ich mich auch dieses Jahr dort eingecheckt. Das Zimmer war so gut, wie ich es in Erinnerung hatte, obwohl ich mich auch 2026 fragte, warum ein „Executive Room“ keinen Schreibtisch besitzt. Also schob ich meinen Dienstrechner auf das schmale Sideboard unterm Fernseher, um in den Tagen wenigstens ein paar Dienstmails schreiben zu können. Zumindest musste ich diesmal nicht parallel zur Konferenz eine europaweite Ausschreibung betreuen.

Am Montag stand ich dann schon um 9 Uhr gut gelaunt am Einlass, was eine sehr gute Entscheidung war. So konnte ich schon vor dem erwartbaren Massenansturm mein Namensschild in Empfang nehmen. Auch war es sehr schön, mit den Leuten in der Exhib Area entspannt zu plaudern, bevor der Wahnsinn begann.

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Inhaltlich überzeugte mich z.B. die aufrüttelnde Keynote von Karen Hao („Empire of AI“), die aufzeigte, was der ausufernde Einsatz von LLMs sozial, ökonomisch und ökologisch anrichtet. Sie plädiert auf sehr nachvollziehbare Art u.a. für den Einsatz kleinerer Modelle für begrenzte Probleme, die bedeutend ressourcenschonender sind. Wo letztes Jahr noch deutliche Skepsis herrschte, wurden vielerorts schon konkrete Vorschläge gemacht, wie man wieder den Deckel auf Pandoras Büchse bekommt. 

Gelungen fand ich auch viele Beiträge auf den kleinen Bühnen, wie den der Berliner Bibliotheken zur Archivierung von Webseiten. 

Was blieb sonst so? Der subjektive Eindruck, dass wieder mehr Fachbesucher als Erlebnistouristen auf der #rp26 waren. Zudem große Freude, die Kohlenstoffversionen von einigen von Euch kennenzulernen (Loosy & Kuchenschwarte) bzw. wiederzutreffen (Patricia). 

Nostalgische Gefühle kamen beim Panel mit den Blogosphären-Urgesteinen auf, ohne die Geschehnisse von damals künstlich zu erhöhen. 

Die dümmliche Berichterstattung vom Spiegel (ich zitiere mich selbst: „Wenn der Artikel nicht so böswillig wäre – und all die anderen, wirklich wichtigen Aspekte der #rp26 ausklammern würde, wie den verantwortungsvollen Umgang mit AI und digitale Souveränität –, könnte man sich darüber amüsieren, wie unwohl sich René Pfister in einer diversen, progressiven Umgebung fühlt.“) konnte auch meine Laune nach so tollen Tagen nicht verderben. Einige Tabs werden im Kopf noch eine Weile offen sein.

Donnerstag, Mai 14, 2026

Woche 13/2026 - LCARS, Merkel und Spitzkohl

Gekocht

Kompliziert lautet der Beziehungsstatus zwischen dem SPIEGEL und mir. Vergleichbar mit einer nur noch dahinplätschernden langen Ehe bin ich mal mehr, mal weniger von ihm genervt. Den allwöchentlich ausgerufenen Untergang der Zivilisation kann ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr ernst nehmen. Trotzdem gibt es immer noch das eine oder andere, was ich an ihm schätze.

So deckt mein S+-Abo meinen täglichen Grundbedarf an Information ab; den Rest übernehmen Lokal- und Fachpresse sowie meine sehr belesene Timeline, die immer gute Links empfiehlt.

Ach, warum fasele ich hier eigentlich vor mich hin? Ich mag die pragmatischen Kochkolumnen der Hamburger. Der Empfehlung für japanischen Spitzkohl möchte ich mich zum Beispiel anschließen.

Ausprobiert

Womit testet man neue großformatige Bildschirme und Beamer am besten? Als Trekkie natürlich mit Robs unglaublich detailliertem LCARS-Nachbau.

Er läuft ruckelfrei im Browser, ist komplett kostenfrei und bietet verschiedenste Einstellungen — von Sternenkartografie bis zur Darstellung unterschiedlichster Föderationsraumschiffe. Dazu kommen originalgetreue Soundeffekte, die das Ganze perfekt abrunden.


Gelesen

Die Autobiographie unserer einzigen Kanzlerin a. D. erschien bereits 2024 und tatsächlich habe ich fast zwei Jahre gebraucht, um mich durch das über 700 Seiten starke Werk zu arbeiten.

„Freiheit. Erinnerungen 1954–2021“ ist sehr lang, detailverliebt und in seinem Protokollstil bisweilen ermüdend. Man hätte es auf die Hälfte kürzen können, vielleicht sogar müssen.

Spannend und interessant wird das Buch immer dann, wenn Merkel nicht nur Ereignisse und Umstände referiert, sondern sie einordnet, ihre eigenen Gedankengänge offenlegt und politische Zwänge erklärt. Wie ihre Kanzlerinnenschaft ist auch dieses Buch ein Werk des Fleißes, der wissenschaftlichen Nüchternheit und der Disziplin.

Eine politische Vision bleibt es ebenso schuldig wie allzu private Einblicke in ihr Leben. Aber dafür braucht es vielleicht Menschen mit einem anderen Naturell.

Apropos, Angela... Dieser Sketch ist nachwievor großartig.

Mittwoch, Mai 13, 2026

Woche 12/2026 - Mette, Musik und multiple Emojis

Gelernt

Für genau solchen Quatsch wurde das Internet erfunden. Glaube ich zumindest. Auf Google kann man verschiedene Emoji miteinder fusionieren. Ich könnte mich damit stundenlang beschäftigen.






Gelesen

Vielleicht gibt es tatsächlich da draußen wirklich noch Leute, die nicht wissen, dass Herr Kowski ein Buch geschrieben hat. Eines, das wunderbar zu den aktuellen Mondmissionen paßt. 

Mette ist Prinzessin im kleinsten Königreich der Welt. Das wäre nicht schlimm, würde sie deshalb nicht von den anderen Königssöhnen und -töchtern andauernd geärgert werden. "Eingezwängt" zwischen den Nachbarstaaten bleibt nur eine Option: Man expandiert nach oben. Also wird aus dem Schlossturm eine Rakete gebaut und der Mond als Reiseziel ausgegeben. Aber das ist erst der Anfang dieser fantastisch-heiteren Reise mit starken Anleihen an die "wahren" Raumflüge zum Erdtrabanten.

Von mir gibt es - total parteiische - fünf von fünf Raumanzügen.

Gehört

Donnerstag, Mai 07, 2026

Woche 11/2026 - Garden Cricket in Up Over

Wenn ich das mit dem Bloggen im vergangenen Jahr kontinuierlicher hinbekommen hätte, wüsstet ihr, dass wir im Sommer, anstatt wie gewohnt zu den Schwiegers ins schöne Siebenbürgen zu fliegen, all unsere Barreserven erst im Wohnzimmer aufschichteten, um anschließend Tickets für einen Flug nach Australien zu kaufen.

Was für eine Reise! Was für ein Urlaub! (Vielleicht hole ich den Bericht noch mal irgendwann nach. Im Falle eines selbstgeschriebenen Bestsellers, zum Beispiel. Oder etwas Profanerem, wie ein Hauptgewinn im Lotto oder dem Ableben einer bisher unbekannten, abstoßend superreichen Erbtante.)

Im Unterland hatten wir mit unseren Gastgebern, den wunderbaren Pateneltern der Kids, sehr viel Spaß. Einer der Gründe für die ausgedehnte Freude war, dass jemand, dem ich an dieser Stelle nur den Codenamen „Coach“ geben möchte, uns ins Cricket-Spiel einführte. Abendelang saßen wir zusammen, klönten und beobachteten die Profis bei diesem wunderbaren Schlagspiel. (Ins Melbourne Cricket Ground, das mehr als 100.000 Menschen fasst, schafften wir es auch, aber da wurde saisonbedingt gerade Aussie Rules Football gespielt.)

Und da wir nicht nur gutes Zuschauermaterial sind, organisierte der Coach für uns im rückwärtigen Bereich des Hauses eine Spielstätte für Garden Cricket. Was folgte, waren einige der vergnüglichsten Stunden dieses Urlaubs. Mit der richtigen Mischung aus Ehrgeiz und kompletter Ahnungslosigkeit wurde gebowlt und geschlagen, bis die Anzahl der Bälle in den Nachbargrundstücken eine kritische Anzahl erreicht hatte. Also verlegten wir die nächsten Runden in eine öffentliche Grünanlage und begannen, unsere eigenen Familienregeln festzulegen. (Sie sind bedeutend verständlicher, wenn man die Grundprinzipien von Cricket bereits kennt.)

Hier klicken zum Ausklappen unserer🏏Garden Cricket  Regeln

1. Spielfeld

  • Gespielt wird auf einem Rasenstück, der umlaufende Weg bildet die Spielfeldgrenze
  • Abstand zwischen Abwurflinie (Bowling Line) und Wicket beträgt zehn Meter

2. Spielgeräte

  • ein Schläger
  • ein Wicket (richtiges Wicket/Kasten/Tonne etc.)
  • mind. ein Tennisball

3. Spieler & Reihenfolge

  • Mindestens 3 Spieler
  • Jeder Spieler sammelt eigene Punkte
  • Schlagreihenfolge: Fest rotierend (A → B → C → D → …)
  • Wurfreihenfolge: Ebenfalls rotierend (B → C → D → …)
  • Spieler, die gerade schlagen, werden als Werfer übersprungen und holen ihre Würfe nach, sobald sie nicht mehr schlagen und der aktuelle Werfer mit seinen zwölf Würfen (“Over”) fertig ist

4. Bowling (Werfen)

  • Der Ball muss gebowlt werden, d.h. in einer kreisförmigen Bewegung mit durchgestrecktem Arm
  • Der Ball muss vor dem Wicket aufspringen, damit ein Wicket-Treffer zum Aus („Out“) führen kann
  • Ungültiger Wurf (No-Ball): Regelwidrige Würfe werden wiederholt, sie zählen nicht zu den zwölf Würfen eines “Over”

5. Ablauf eines Durchgangs

  • Jeder Werfer hat 12 gültige Würfe (ein “Over”), danach wechselt der Werfer
  • Ein “Over” wird nicht unterbrochen, auch wenn ein Spieler ausscheidet

6. Spielende

  • Das Spiel endet, wenn alle Schläger „out“ sind.
  • Es können mehrere Durchgänge gespielt werden.

7. Runs (Punkte)

  • Nach einem Treffer läuft der Schläger zwischen: Abwurflinie ↔ Wicket
  • Es zählen nur gerade Runs (2, 4, 6, …), 
  • Ein Run zählt erst nach Hin- und Rückweg
  • Mehrfachläufe sind erlaubt, solange der Ball im Spiel ist
  • Ein Spieler ist sicher, wenn: er selbst oder sein Schläger (Bat) die Linie am Wicket berührt
  • Boundary-Regel:
    • Berührt der Ball den Weg: 4 Runs, wenn der Ball rollt
    • 6 Runs, wenn der Ball direkt (ohne Bodenkontakt) dort landet
  • +1 Run (Wide), wenn: der Ball vom Werfer so geworfen wird, dass der Schläger unter realistischen Umständen nicht schlagbar

8. Weiteres Extras

  • Überwürfe (“Overthrows”) durch den Werfer, d.h. der Ball passiert  dass Wicket ohne, dass er dahinter gefangen wird), führen zu keinen zusätzlichen Runs.

9. „Out“-Regeln

  • Ein Schläger ist aus, wenn:
    • Das Wicket wird getroffen, während der Spieler sich zwischen den Linien befindet (nicht „sicher“)
    • Direkter Wicket-Treffer durch den Werfer: Der Ball trifft das Wicket nach vorherigem Aufprall
    • Der Schläger wirft selbst das Wicket um
    • Der Spieler verdeckt beim Schlagen das Wicket mit dem Körper und wird dabei vom Ball getroffen bevor er ihn mit dem Schläger berührt hat
    • Der Ball wird nach dem Schlag direkt aus der Luft gefangen

10. Kooperationsregel

  • Alle Regel- und Streitfragen werden friedlich und freundlich gemeinsam entschieden. Spaß und Fairness haben immer Vorrang. 

Also, wenn ihr ein paar Verrückte mitten auf einer Grünfläche in einer norddeutschen Innenstadt Garden Cricket spielen seht … sagt einfach mal Hallo.


Freitag, April 17, 2026

Woche 10/2026 - Ein bißchen Indie Rock zwischen Thriller und Familienfilm

Gelesen

Ich bin kein Krimileser. Ein bisschen Miss Marple, ein bisschen Sherlock Holmes und eine Prise Flavia de Luce. Dann hört es schon auf bei mir.

Natürlich lohnt es sich gelegentlich auch mal, seine Lesegewohnheiten abzuklopfen, und nach einem sehr gelungenen Schreibseminar mit Ursula Poznanski in Wolfenbüttel habe ich mir ihren neuesten Thriller „Das Signal“ geschnappt und – Überraschung! – auch gelesen. Ursula schreibt sehr unterhaltsam und eingängig. Einmal in den „Signal“-Zug eingestiegen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Am Ende fühlt man sich als Leser weder übertölpelt noch zu sehr an der Nase herumgeführt, sondern hat einfach eine gute, spannende Zeit. Ach so, ich sollte noch erwähnen, worum es in dem Buch geht: „Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.“

Es handelt sich allerdings um keine lahme „Fenster zum Hof“-Variante, sondern um eine Geschichte, die geschickt mit modernen Technologien („Tracker“) und uralten Ängsten spielt. Besonders erfrischend fand ich, dass die Ich-Erzählerin auch regelmäßig ihre nicht ganz so sympathischen Seiten zeigt.

Etwas parteiische 4 von 5 Mordversuchen.

Gesehen

Etwas familienfreundlicher ging es bei der Wahl unseres abendfüllenden Kinofilms zu, den meine Liebste, die zwei Halblinge und ich ansahen. Über „Hoppers“ aus dem Hause Pixar hatten wir im Vorfeld viel Positives gehört.

Der Film erzählt die Geschichte der tierliebenden Mabel, deren Bewusstsein in einen lebensechten Roboterbiber übertragen wird, um mit Tieren zu kommunizieren. Die Teenagerin möchte so den Plan des Bürgermeisters vereiteln, der den lokalen Lebensraum der Tiere zerstören will.

Die Protagonistin ist extrem sympathisch, viele der Tiere sehr lustig und alles – wie vom Marktführer gewohnt – visuell hervorragend umgesetzt. Wenn ich etwas zu meckern habe, dann am Plot, am Spannungsbogen und vor allem an der klischeehaft schlechten Darstellung von Politikern. Davon müssen wir irgendwann mal wegkommen, wenn das mit dem Demokratiedingens langfristig klappen soll. Das ist Euch auch klar, oder?

So reiht sich der Film für mich nicht ganz zwischen „Findet Nemo“, „Toy Story“ und „Monster AG“ ein, ist aber wirklich gute Unterhaltung und viel, viel besser als das, was sonst momentan so über die Kinoleinwand flimmert.

Gehört

Freitag, April 10, 2026

Woche 09/2026 - Betriebssystemschmerzen und schlechter Laune

Geärgert

Bisher bin ich niemandem begegnet, der sich am 7. Februar 2009 morgens bei einer Tasse Kakao hingesetzte und als Tagesaufgabe formulierte: Heute entscheide ich mich rational für ein mobiles Betriebssystem.

In der Realität stolpert man eher in die ganze Sache hinein. Gerät gekauft, eingerichtet, fünf Apps installiert – und zack – zwei Jahrzehnte später sitzt man in einem goldenen Käfig, weil man wenig bis keinen Bock hat, seine Daten umzuziehen, Apps und Spiele neu zu kaufen oder Alternativen zu finden und neue Accounts einzurichten.

So bin ich seit Jahren bei Apple. Nicht aus Überzeugung, eher aus Trägheit, mit gelegentlichen Momenten freudiger Überzeugung. Diverse iPads im Haushalt mit einmal gekaufter Software versorgen zu können, empfinde ich als praktisch. Auch das großartige und unglaublich günstige Procreate, mit dem alle meine digitalen Zeichnungen entstehen, liebe ich innig. Vom Dateimanagement unter iOS – das sich kaum nutzerunfreundlicher gestalten ließe – bekomme ich allerdings immer noch regelmäßig schlechte Laune.

Mein größtes Ärgernis sind aber die aufgezwungenen Design- und Funktionsänderungen, die die Kalifornier regelmäßig ausrollen (ich gender das hier bewusst nicht, weil vermutlich nur Männer auf so größenwahnsinnige Sch*iße kommen). Oder man ändert einfach mal Standardeinstellungen – und das Telefon beginnt selbstständig, Apps zu deinstallieren. Nicht schlimm? Nicht, wenn man sich nicht neu einloggen muss. Dann ist es nur nervig. Richtig unerquicklich wird es, wenn die deinstallierte App schlicht nicht mehr reinstalliert wird, weil sie aus dem Store genommen wurde. Da möchte man gerne etwas anzünden. Vorzugsweise etwas in Cupertino.

Gelesen

Bleiben wir bei meiner schlechter Launen. 

Mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat Moers einst eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Trotzdem würde ich mich nicht als Fan beschreiben, sondern als jemand, der die stets toll gestalteten, wertig daherkommenden Bücher stets schätzt, aber auch des Öfteren wenig Freude mit ihnen hat. 

 „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist leider so ein Fall. Die Geschichten plätschern alle dahin und sind weder besonders unterhaltsam noch wirklich humorvoll. Da hilft auch das Selbstlob im Nachwort nicht. („Die extrem verdichteten Erzählungen waren nicht nur unterhaltsam, scharfsinnig, originell und humorvoll, sondern vor allen Dingen nicht moralinsauer.“) Nun ja, zumindest der letzte Punkt stimmt. Ansonsten gibt es viel Weltenbau und wenig Plot. Sehr wohlgemeinte 2 1/2 von fünf Buchlingen.

Gehört

Montag, März 23, 2026

Woche 08/2026 - Von Wildschweinen, The Weight-Covers und Muffin & Tört (zum Zweiten)

Gelesen

Kürzlich lobte ich an dieser Stelle den ersten Teil von Muffin & Tört. Die Fortsetzung "Bei den Rittern*" fällt ein bisschen hinter der Qualität des Ersten ab. V. a. wegen des – meiner Meinung nach – etwas schwächeren Plots. Trotzdem bleibt es gutes (Vor-)Lesematerial.

Gesehen

Die Asterix-Serie auf Netflix fand ich ja richtig gut. Allerdings stieß ich erst jetzt aufgrund Eurer Mastodon-(Re-)Posts auf diesen sehr unterhaltsamen Kurzfilm von Netflix France namens: Astérix & Obélix: Mission Potager. (Die Wildschweine waren doch schon immer die heimlichen Co-Stars der Comicreihe.)

Gehört

Dienstag, März 17, 2026

Woche 07/2026 - Von Wäschekörben, fliegenden Walen und einer dorfromantischen Enterprise

Manchmal sind die einfachsten Ideen so peinlich, dass ich darüber gar nicht bloggen mag. Ein bekanntes Eltern-Meme heißt: "Nichts ist im Leben ewig da. Nur der Berg mit ungewaschener Wäsche." Das ist in diesem nicht-so-anständigen Hause nicht anders. Immer wird gewaschen, aufgehängt, abgehängt und in den Schrank gepackt. (Dass in der Aufzählung "Bügeln" fehlt, ist kein Zufall.) Im Februar haben wir festgestellt, dass eine Kleinigkeit den Stress ein bisschen minimiert: ein zweiter Wäschekorb, den man nutzen kann, wenn z. B. im ersten noch saubere Wäsche zum Weglegen ist. Ich sage doch: So einfach, so peinlich.

Gelesen

Vor ungefähr vier Jahren fragte ich Flix, ob er sich vorstellen könnte, einen Roman zu schreiben. Ich mag seine Comics sehr und dachte, dass er sicherlich eine Geschichte erdenken könnte, die auch ganz ohne Bilder und Blasen auskommt. Er druckste damals ein wenig herum, aber dermaßen charmant, dass mir klar war, dass dies irgendwann ein Thema wird.

Letztes Jahr ergatterte ich eines der ersten Exemplare von "Immerland*", ein schönes, abenteuerreiches Buch mit starken "Unendliche Geschichte"-Vibes. Mir hat es Spaß gemacht, und ich kann mir vorstellen, dass die angekündigte Fortsetzung mindestens ebenso unterhaltsam wird.

Absolut parteiische und voreingenommene 5 von 5 Flugwalen


Gespielt

Es müsste ein Spiel geben. Irgendetwas zwischen Tetris und Carcassonne. Mit toller Hintergrundmusik. Rundenbasiert. Gibt es: Dorfromantik!

Und nachdem ich damit sehr viel Spaß auf dem Rechner hatte, funktioniert es auch gut auf der Switch Lite. Noch ein absoluter Kauftipp.

Geschaut

Auf meiner Festplatte oxidierte schon viel zu lange die Doku "Inside Star Trek". Dank eigenem Streamingservice habe ich mir die Reihe über die Geschichte meiner absoluten SciFi-Lieblingsreihe angeschaut. Ich war positiv überrascht, wie wenig ewig wiedergekäute Narrative dort Platz fanden und dass sogar immer wieder die Konflikte zwischen den handelnden Personen (meist) hinter der Kamera beleuchtet wurden. Davon hätte ich mir tatsächlich gern noch mehr angeschaut.

Samstag, März 07, 2026

Woche 06/2026 - Kimchi Gyoza, gepodcasten Mosaiks und gefährlicher Fauna

Aufgezeichnet

Ich glaube nicht, dass mein Leben so recht in die klassische Geschlechterrolle für männlich, weiß, Ü40 passt, aber natürlich gibt es auch da Ausnahmen. Podcastaufzeichnungen gehören zum Beispiel dazu. ;) Da Herr Kowski und ich schon viel zu lange nicht mehr über die schönsten, nerdigsten Ablenkungen vom Alltag gesprochen haben, plaudern wir in der neuesten Folge über DAS deutsche Comic schlechthin: Das Mosaik. Kennst Du nicht? Dann hör doch einfach mal rein. (Eventuelle akustische Störgeräusche sind natürlich künstlerisches Ausdrucksmittel und Teil unserer Individualität – und nicht meiner toningenieurischen Unbeholfenheit.)

Gekocht

Nun, „gekocht“ ist eigentlich übertrieben, was wir diese Woche gemacht haben. Im Asia-Markt unseres Vertrauens haben wir diese wunderbaren Kimchi-Dumplings entdeckt. Die wurden dann bei 180 °C für zehn Minuten in den Speisefön – wie Kiki zu sagen pflegt – geschmissen, und heraus kamen knusprige Leckerbissen. Dazu ein bisschen süße Chili-Sauce und Kohlrabisalat. Mjam! (Merke: Dumplings, die man direkt aus dem Airfryer isst, zählen weder bei der Aufteilung noch bei der Kalorienberechnung, sagt die Liebste.)


Geärgert

Mein Lieblingsspielwarenhersteller – der dänische mit den schönen, bunten Bausteinen – meint plötzlich, mir täglich Werbemails schicken zu müssen. Wie betrunken kann man in einer Werbeabteilung sein? Man kann nicht mal die Frequenz herunterregeln, sondern die Dinger nur ganz abstellen. Das habe ich getan. Absolut irre.

Gesehen

Ich erwähnte, dass wir letztes Jahr in Australien waren? Der Kontinent ist ja bekannt für seine hochgefährliche Flora und Fauna. Zeit, Euch darüber fortzubilden.

Montag, März 02, 2026

Woche 05/2026 - Alte Meister, Aufbackbrötchen und Bodo Ramelow

Gelernt

Von den besten Freunden auf der Südhalbkugel bekam ich zum Geburtstag eine Heißluftfritteuse aka Speisefön (Herzlichen Dank an Kiki für die wunderbare Wortschöpfung).

In unserem Haushalt fritierten wir bisher nichts, aber Gemüse wird damit schon ziemlich toll. Oder vietnamesische Teigtaschen mit Kimchi. Und wie wir von unserer Szeklerfreunden gelernt haben: Aufbackbrötchen! Da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen.


Gesehen

Ich habe ja wenige Guilty Pleasures im Fernsehen. Aber "Kunst & Krempel" gehört dazu und auch "Das Geheimnis der Meister", bei dem zweitgenössische Künster*innen Meisterwerke kopieren. Einziger Kritikpunkt: Da könnte ruhig noch mehr gefachsimpelt werden. (Nicht, dass ich es verstehen würde, aber interessieren tut es mich.)

Gelesen

Abseits der Fragen von Leben und Tod und Diktatur und Demokratie finde ich ja Pragmatismus und Kompromiss bedeutend wichtiger als Grabenkämpfe. Daher finde ich es immer schön, von Freundschaften jenseits der Parteigrenzen zu lesen, wie bei Volker Bouffier und Bodo Ramelow.





Dienstag, Februar 24, 2026

Woche 04/2026 - Muffin & Tört und Artemis 2

Gelesen

Was soll man von einer Geschichte halten, die damit beginnt, dass ein gemütlicher Hauskater, der eigentlich nur an Snacks und Nickerchen denkt, plötzlich in wilde Parallelwelten gerät?

Sehr viel, denn das ist der Ausgangsplot von "Muffin & Tört*". Ersterer wohnt beim – nennen wir es „semibegabten“ – Zauberer Tatterich, und wäre das nicht schon gefährlich genug, führt die verwunschene Katzenklappe zu Wikingern, Rittern – sprich handfesten Abenteuern.

Meine Liebste brachte das Buch aus dem Spielwarengeschäft der Herzen heim, und wir alle (46, 40, 10 und 7 Jahre) hatten mächtig Spaß daran. Band 1 ist kurzweilig geschrieben, angenehm in der Länge, und die Zeichnungen (wie der Plot auch ein Werk von Adam Stower) sind sehr ansprechend. Besonders gelungen fand ich übrigens die Trolle. <3



Gesehen

Ich bin sichtlich überrascht, wie wenig – ansonsten sehr fachkundige – Menschen in meinem Umfeld von der „Artemis-2“-Mission gehört haben. Liebe Miterdlinge! „Wir“ fliegen bald um den Mond! Das ist schon ziemlich unglaublich. Auch eine Landung und eine Raumstation im Mondorbit sind geplant. Einsteiger*innen in das Thema empfehle ich diese ARD-Doku.

Gezeichnet




Montag, Februar 09, 2026

Woche 03/2026 - Von lässigen Lamas, bunten Marken und hoffnungsschenkenden Walen

In Sachen Post ist 2025/2026 einiges in Bewegung: Während in Dänemark der Briefversand komplett eingestellt wurde, gibt es seit dem Jahreswechsel in unserer Großstadt nach 150 Jahren tatsächlich keine Hauptpost mehr. Gut, für mich persönlich stellt das kein Problem dar: Es gibt in unserer Nähe fußläufig einige DHL-Shops, aber z.B. Briefmarken nur noch online zu bestellen, fühlt sich schon komisch an. 

Ja, ich benutze auch Online-Frankierung (warum es das nicht für alle Briefformate gibt, bleibt mir ein Rätsel), aber wenn ich einen ganzen Stapel von Sendungen habe (z.B. Weihnachtspost oder Buchversand), dann bin ich schon froh, kleine bunte Aufkleber raufpappen zu dürfen, anstatt lange Codes zu schreiben. 

Aber bei all meinem Gemeckere muss ich schon sagen: Es gibt da ein paar richtig schöne Motive im Versandshop der Post. Und ab 20 € bekommt man die Marken auch versandkostenfrei nach Hause. Das kann man schon mal machen.



Gelesen 

Man mag meinen, dass es nicht gerade stimmungsaufhellend ist, nach den Coronajahren und während man noch die letzten Erkältungsviren im eigenen Körper bekämpft, einen Roman zu lesen, in dem es (auch) um eine Pandemie geht, aber „Der Wal und das Ende der Welt“* war wirklich kurzweilig, unterhaltsam und erbaulich. Ein Buch, das einem mit einem guten Gefühl im Bauch zurücklässt und etwas mit dem Universum versöhnt, ohne kitschig zu werden. Ich habe es sehr gern genossen. 4 1/2 von 5 Meeressäugern! 

Gespielt 

Von den brettspielverrückten Freunden aus Estland bekamen wir zu Weihnachten „La.m.a. ... nimm's lässig“* geschenkt, und ich muss sagen, dass es ein leichtverständliches, unterhaltsames und null frustrierendes Kartenspiel ist. Etwas, das man mal schnell zwischendurch mit jemandem spielen kann, der die Regeln noch nicht kennt. Ein bisschen wie Mau-Mau in tiefenentspannt.

Gehört

Was für ein Lied!

Sonntag, Februar 01, 2026

Woche 02/2026 - Frisch serviert mit Kohlrabisalat, Lego City Undercover, Maurers Mission im Weltraum und einem Cover für die Ewigkeit

Die ganze Woche brauchte ich noch, um mich von dem Virus zu erholen. Weil ich ein bisschen blöd bin, habe ich dann natürlich trotzdem ab Mitte der Woche wieder gearbeitet, allerdings nur von daheim. Mein innerer, preußischer Hausmeister war mal wieder unerbittlich.

Trotzdem habe ich ein paar Dinge gefunden, die die Tage dann doch ganz aushaltbar gestaltet haben.

Gelesen

Sachbücher für Kinder sind ein schwieriges Terrain. Die richtige Balance, um Unter- bzw. Überforderung zu vermeiden, ist noch viel schwieriger zu finden. Ein Volltreffer war für unseren Zweitklässer „Was ist Was – Mission im Weltraum*“, welches ESA-Astronaut Matthias Maurer zusammen mit Sarah Konrad und Illustratorin Noa Sauer verfasst hat. Es hat eine wirklich angenehme Informationstiefe, und man kann es sehr gut zusammen lesen. „Ich werde es bestimmt noch ein paar Mal verschenken.“, ist sicherlich ein Lob, das jede:r Autor:in gerne liest.

Gekocht
Ich hatte noch gar nicht auf die leckere, gesunde Neuentdeckung hingewiesen, die hier seit November regelmäßig serviert wird.

Gespielt

In meinem Krankenlager überkam mich der Wunsch, mal wieder ein Videospiel in die Hand zu nehmen, und da ich eher ein Fan gutabgehangener Titel bin, verbrachte ich mal wieder ein paar vergnügliche Stunden mit „LEGO City Undercover“ auf der Switch. Man muß sich das Spiel wie eine sehr entspannte (und lustige) Variante von GTA vorstellen: mit einer Hauptgeschichte und jeder Menge Sidequests in einer Open-World, in der man Superbauten (aus Legosteinen natürlich), Fahrzeuge und Charaktere freischalten kann. Den Titel gibt es regelmäßig bei Sales und er ist eine echte Empfehlung. Dem großen Kind (10) macht es übrigens genauso Spaß, die riesige Stadt mit all ihren liebenswerten (und manchmal skurrilen) Einwohnern zu erkunden. Anders als bei GTA steht man natürlich auf der Seite von Recht und Gesetz und versucht als Chase McCain, den Verbrecher Rex Fury dingfest zu machen.


Gehört

Sonntag, Januar 25, 2026

Woche 01/2026 - Gehen Sie zurück ins Bett, ziehen Sie keine DM 4000 ein

Das Jahr begann mit einer entspannten Feier mit den Lieblingsnachbarn, gefolgt von einer absoluten "Entschärfung" durch einen Erreger, den ich mir wohl beim Neffen eingefangen hatte.

Ich lernte: Französische Kindergartenviren sind auch nicht besser als unsere. Es folgten ein paar fiebrige Tage und Nächte, Schnupfen, Husten und anfänglich Kopfschmerzen aus der Hölle. 

Das letzte Mal fühlte ich mich bei Corona so „großartig“. Die Tests blieben ohne Befund, aber wenigstens wurden sie so mal aufgebraucht.

Leider mußte ich deswegen auch die erste Lesung aus dem neuen Buch verschieben. Nun ja, viiiiiel Werbung hatte ich noch nicht gemacht. Es wird sich ein neuer Termin finden lassen und bei Twitch und Youtube bezahlt man keine Saalmiete.