Posts mit dem Label Tagebuchbloggen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tagebuchbloggen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, September 08, 2026

Woche 37/2026 - Ich, das Konsumopfer, oder wie ich einen äußerst günstigen Sky-Tarif erbeutete

Gelernt

Ich dachte bisher, meine Geografiekenntnisse wären knapp überdurchschnittlich. Aber offenbar sind sie das doch nicht. Ich habe gerade gelernt, dass Russland und Nordkorea eine gut 17 Kilometer lange gemeinsame Grenze haben, deren Existenz mir bisher völlig unbekannt war.

Eingekauft

Es herbstet. Und danach ist Winter. Und meine Liebste, eigentlich ein Wald- und Wiesen-Wesen, wird dann wieder mehr Zeit im heimischen Wohnzimmer verbringen wollen. In den letzten Jahren wurde bei uns dann gerne Wintersport eingeschaltet. Oder die Premier League, um gemeinsam Liverpool anzufeuern, wie ich es selbst seit dem letzten Jahrtausend tue.


In den vergangenen Jahren hatte ich bei WOW das Bundesliga-/Sport-Paket gebucht. Erst für einen einzelnen Monat, dann, in einem Anflug von Größenwahn, fürs ganze Jahr. Nun waren mal wieder zwölf Monate vorbei und ich auf der Suche nach neuen Angeboten. Bei WOW war es eher mau. (Schlechter Reim intended!)

Bei Sky allerdings bekommt man momentan – in Kombination mit einem Rabattcode und Payback-Punkten – für 21 Euro im Monat: Sky Bundesliga, Sky Sport, Sky Cinema und Paramount+ dazu.

Da habe ich zugeschlagen. Ich altes Konsumopfer.

Geärgert

So unproblematisch die Sky-Paketbucherei war, das ganze Unternehmen schien dann fast daran zu scheitern, dass die Verifizierungs-Mail bei mir nicht ankam. Trotz ausgeschaltetem Spamfilter.

Der Sky-Service (irgendwas zwischen AI-Chatbot und eigentlich englischsprachigem Kundencenter in Bengaluru) war natürlich auch nicht hilfreich. Da beschloss ich, nur für diesen Zweck eine Mailadresse bei Proton anzulegen.

Und puff: Die Nachricht kam durch.

Ich wollte hier schon abbrechen, da fütterte ich meinen regulären Mailaccount noch mit der Absenderadresse für die Whitelist und dann … kam tatsächlich auch dort die Mail an.

Muss ich nicht verstehen. Stöhn!

Freitag, September 04, 2026

Woche 31/2026 - Von Bären, Schwiegereltern und fehlendem Strom

„Das zieht über uns hinweg!“, sagt die Schwiegermama.

Eine Frau, die in ihrem nicht schnittfesten Bikini mit einer Kettensäge gerne mal Bäume zerlegt, hat keine Angst vor einem siebenbürgischen Sommergewitter.

Der Schwiegervater hingegen, ein belesener Mann der Wissenschaft, traut dann doch lieber dem rumänischen Wetterdienst. Und dieser hatte satte 25 Liter Wasser pro Quadratmeter vorhergesagt. Innerhalb einer Stunde.

Daher treibt der Schwiegervater uns an. Und da ich nicht einer bin, der sich mit seinen Schwiegereltern anlegt (weder den eigenen, noch mit denen von meiner Ehefrau), räume ich hastig Gartenmöbel ins Haus. Natürlich immer möglichst so, dass die Schwiegermama nicht merkt, dass ich diesen Akt des Widerstands gegen ihren (Zweck)optimismus unterstützte.

Zehn Minuten später, der Regen wird bereits horizontal über unseren grünen Hügel im Wald geblasen, sitzen wir dann gemütlich im trockenen Haus und lassen die Natur Natur sein. Können wir ja auch. Wir sind ja schließlich keine transsilvanischen Bären, die gerade in ihrem Wald den Waschgang ihres Lebens erhalten.

Störend ist allerdings der Stromausfall, der kurz darauf unser Tal erreicht. Und die Situation wird auch nicht besser dadurch, dass meine Liebste ihre Mutter mal wieder daran erinnert, wie wir unser Lieblingshaus schon seit Jahren mit einer PV-Anlage und Speicher ausstatten möchten, dies aber grundsätzlich von der älteren Generation mit der Argumentation „Das ist nicht zuverlässig,“ abgebügelt wird.

Zwanzig Prozent Strom fehlen im Land momentan.“, erzählt mein Schwager in einer Lautstärke, dass man es sicher in allen Räumen des nicht kleinen Sommerhauses hört. Wir haben ja auch gerade kein Lagerfeuer in das man Öl gießen könnte. "Es gibt zu wenig Wasser in den Flüssen für das Wasserkraftwerk und natürlich auch für den Kernreaktor."

Ich schweige.

Im Gegensatz zu meinem Schwager plane ich ja noch zwei Wochen in diesem Domizil verbringen.



Donnerstag, August 13, 2026

Woche 30/2026 - Lose Enden und Nolans Odyssee

Bevor ich zur bereits vorurlaubenden Familie stieß, habe ich mich in dieser Woche um lose Enden gekümmert.

So eine Woche ohne familiäre Verpflichtungen ist für mich immer eine ziemliche Umstellung: Kein Frühstück machen, kein Daueraufräumen der Wohnung, kein Kinderrumkutschieren. Wirklich stressfrei ist sie aber trotzdem nicht: Diesmal etwa musste ich um die bisher vernachlässigten Steuererklärungen kümmern.

Ich finde es ja schön, dass Vater Staat an meinen Dauererfolg als Schriftsteller glaubt, aber meine jährlichen Einnahmen sind sehr schwankend und immer im unteren vierstelligen Bereich bei dieser Nebentätigkeit, und es nervt bisweilen, dass man mal ein paar Hundert Euro Lohnsteuervorauszahlung  leisten darf und mal nicht. Immer davon abhängig, wie Buchverkäufe und Ausschüttungen von VG Wort so liefen. Zumindest fällt mittlerweile die Gewerbesteuererklärung für Kleinunternehmer weg. Ein Formular weniger.

Trotzdem war ich zwischenzeitlich so gerädert vom Hardcore-Excelwesen – ja, bei mir geht es um 'ne Menge Kleinbeträge –, dass ich spontan beschloss, eine Wand in der Küche zu streichen. (In der „freien“ Woche renoviere ich sonst eigentlich immer, 2026 hatte ich das nicht geplant.) Das Ergebnis war ganz zufriedenstellend. (Also bei Steuer und Wand.)

Im Büro halte ich es seit einiger Zeit so, dass ich in den letzten 10 Arbeitstagen vor dem Jahresurlaub mich nur noch um offene Vorgänge kümmere. Der Unmut von manchem im mittleren Management halte ich gerne aus. Denn selbst das reguläre Abarbeiten frißt genug Ressourcen, der Rest geht für Übergaben und Kollegen – ja, es sind immer Männer – drauf, denen ich einen rhetorischen Mittelfinger zeigen muss, weil sie mit irgendwelchem nebensächlichen Quatsch und Torschlusspanik vor mir stehen.

Gesehen

Was Schönes gönnte ich mir dann noch zum Wochenabschluss. Ganz allein gingen meine Cola light und ich ins Kino und schauten uns die Odyssee an. Nach einigen Minuten war klar, das Minimalziel würde erreicht werden: eine Verfilmung besser als die Wolfgang-Petersen-Version von Troja. Der viel vermisste M. und ich litten damals beide sehr u. a. unter Mr. Jeanswerbung als Achilles und darunter, wie man den armen Ajax darstellte. Da konnte auch Peter O'Toole wenig retten.

Auch im Vorfeld dieses Films hatte ich ein bisschen Angst beim Blick aufs Nolan'sche Casting. Da waren sehr viele der hollywoodtypischen „Milchbrötchen“ zu finden. Matt „Ich finde in keinem meiner Filme nach Hause“ Damon als Hauptdarsteller schlug sich erstaunlich gut und auch Anne Hathaway und Tom Holland schlugen sich besser als von mir erwartet. Himesh Patel hätte ich mehr Redezeit bzw. Tiefe gegönnt und auch Elliot Page macht seine Sache mehr als ordentlich. Deutlich unzufrieden war ich mit der Darstellung des Agamemnon, der wie ein antiker Darth Vader inszeniert wurde. Trotzdem: Die Odyssee ist gutes Popcornkino, für einen echten Klassiker hätte es aber ein bisschen mehr Mut und v. a. Metaebene bedurft.



Montag, August 10, 2026

Woche 29/2026 - Das sicherheitslückige Podlove und die wenig verbreitete Trümmerfrau

Geärgert

Podlove hatte mal wieder eine Sicherheitslücke. So sehr ich die Software mag, aber dass es nun schon zum zweiten Mal eine Sicherheitslücke gab, die für Unbefugte nahezu unbeschränkten Zugriff zum Serverspeicherplatz der betroffenen WordPress-Installationen ermöglicht, ist kaum erträglich. Ich hoffe, ich konnte jeglichen Schaden abwenden, befürchte aber, dass es eventuell bald ständiges AI-optimiertes Trommelfeuer auf jegliche Server geben könnte. Aber was weiß ich schon.

Gelernt

Letzte Woche erfuhr ich Neues über deutsche Flüchtlinge in Dänemark in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, diese Woche, dass die „Trümmerfrauen“ gar nicht flächendeckend in Deutschland tätig waren, um das zerstörte Land wieder aufzurichten. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig (a) Geschichtswissenschaft ist und (b) gut gepflegte Narrative gelegentlich zu überprüfen. 

Gehört

Donnerstag, August 06, 2026

Woche 28/2026 - Rico und das löchrige Nerd-T-Shirt

Geärgert 

Als Träger legerer Freizeitkleidung wurde ich im letzten Jahrzehnt in Sachen Motivshirts regelmäßig bei Qwertee fündig: Egal ob „Zurück in die Zukunft“, „X-Files“ oder Bücherdrachen – ungewöhnliche, gern nerdige Aufdrucke von talentierten Illustrierenden machten mir oft Freude. Zuletzt lässt allerdings die Stoffqualität mehr und mehr zu wünschen übrig, und der Blick auf die Motive lässt zudem den vermehrten Einsatz von KI vermuten. Oder das Eingereichte wird einfach weniger gut kuratiert als in der Vergangenheit. Zuletzt musste ich erstmals auch Zollgebühren zahlen, obwohl ich schwören könnte, dass die Ware – zumindest zeitweise – auch mal aus der EU verschickt wurde. Jedenfalls habe ich jetzt wirklich mal einen Anlass, mich auf dem Shirt-Markt umzusehen. Vielleicht wisst ihr ja was? 

Gelesen 

Ich erwähnte bereits, dass ich den ersten Band der „Rico und Oscar“ sehr mochte. Seit einiger Zeit gibt es eine Prequel-Reihe*, die unser Erstleser sehr gerne mag, und auch ich finde sie durchaus gelungen. Die Illus kommen diesmal nicht von Peter Schössow, sondern von Lena Winkel, was eine ganz bewusste Entscheidung des Autors war. Und ich mag ihre Bilder sehr. 

Gelernt 

Dank des NDR weiß ich jetzt, dass das Naziregime in den letzten Kriegsmonaten das besetzte Dänemark zwang, rund 250.000 deutsche Flüchtlinge aufzunehmen: "Oksbøl in Westjütland ist zwischen 1945 und 1949 das größte Flüchtlingslager in Dänemark. Mit mehr als 35.000 Bewohnern gilt es vorübergehend als fünftgrößte Stadt des Landes. Auf dem ehemaligen Lagergelände befindet sich neben dem Lagerfriedhof seit 2022 das FLUGT Refugee Museum of Denmark, das einerseits die Geschichte der deutschen Flüchtlinge in Dänemark aufarbeitet und andererseits Flucht als allgemeines Menschheitsthema behandelt."

Gehört

Mittwoch, Juli 22, 2026

Woche 27/2026 - Wie "cringe" ist es, wenn ich "Bist Du nicht ganz acker?!" sage? - Über Jugendsprache

„Papa, sag nicht immer ‚Butterbrotbüchse‘!“, beschwert sich meine Tochter. „Was ist denn das überhaupt für ein Wort? Kommt das noch aus den Siebzigern?!“

Unrecht hat die zeternde Zehnjährige nicht. Wahrscheinlich hat es sich, wie „Kaufhalle“ auch, längst überlebt. Wahrscheinlich habe ich von meinen Eltern nicht nur die Aussprache der Wörter „ölf“ und „Kürche“ übernommen.

Also sprechen das Kind und ich plötzlich über Jugendsprache. Über „cringe“, „das crazy“ und andere Begriffe, die hier im Haushalt mittlerweile tatsächlich öfter zu hören sind. Währenddessen krame ich in meinem Hirn nach den Dingen, die wir in den 1980er- und 1990er-Jahren als Kinder und Jugendliche so sagten. "Urst" fällt mir da relativ schnell ein. Da mein Gedächnis allerdings endlich ist, stöbere ich schnell in Fachliteratur herum und stoße auf das „Kleine Wörterbuch der Jugendsprache“ von Margot Heinemann aus dem Jahr 1989, das noch in der DDR erschien.


Eher regional geprägte Ausdrücke wie das rhetorische „Bist du nicht ganz acker?!“ und das damals unvermeidliche "hoschig" finde ich darin nicht. Dafür einiges, das bei mir noch immer im Sprachschatz festsitzt, etwa die Adjektive „a*schlos“ und „übelst“. „Das fetzt ja!“ hingegen habe ich seit Jahrzehnten weder gesagt noch gehört.

Ich denk', mein Hamster bohnert!“ ist heute ebenfalls eher erklärungsbedürftig. Früher musste man im Schulhaus noch einmal pro Woche aufpassen, dass man sich nach dem Bohnern nicht die „Gräten“ brach. Heute ist man froh, wenn dort überhaupt mal gefegt wird … Ein bisschen kulturpessimistische Jammerei muss bei dem Thema "Moderne Zeiten" schließlich auch sein.

Dann stoße ich beim Lesen auf den Begriff „Buschplahudi“, den ich noch nie gehört habe. Soooo groß war die DDR doch gar nicht, dass man das nicht hätte mitbekommen können. Oder?! Auch im Internet finde ich dazu nichts beziehungsweise nur Rückverweise auf jenes Wörterbuch



.

Vielleicht müsste ich Simon Meier-Vieracker einmal beknien, sich des Falls anzunehmen. Apropos: Sein Buch Sprache ist, was du draus machst!* möchte ich an dieser Stelle sehr empfehlen.

Während unser aller Fußballlinguist höchst spannend über Simsen, Posten, Gendern, Fluchen und anderen gegenwärtigen Sprachgebrauch berichtet, erläutert er quasi nebenbei zentrale sprachwissenschaftliche Konzepte. Zudem behandelt er den Unterschied zwischen sprachlichen Regeln und dem tatsächlichen Sprachgebrauch, die regionale und soziale Variation des Deutschen sowie den stetigen Sprachwandel.

      


Anhand alltäglicher Beispiele zeigt er, wie Linguist*innen mit großen Sammlungen echter Sprachdaten – sogenannten Korpora – arbeiten, um Dialekte, neue Wörter oder typische Formulierungen zu untersuchen. Ziemlich er- und einleuchtend fand ich die Beispiele dafür, wie aus vermeintlichen „Fehlern“ irgendwann regelhafte Standardsprache wird. Sie müssen sich eben nur weit genug verbreiten und oft genug wiederholt werden.

Ui, jetzt habe ich das Internet fast vollgeschrieben. Schluß für heute.

Ich meine natürlich: „Ich mach jetzt lieber mal die Flocke!

Samstag, Juli 11, 2026

Woche 26/2026 - Deutschstunde, Bloggiges und Heart fürs Herz

Nachgedacht

Über die Jahre schwankten die Lesendenzahlen hier immer mal. Nun ja, der Weg vom therapeutischen, fiktionierten Microblogging zu dem heutigen wöchentlichen Tagebuchblogformat war ja auch ein langer. 22 Jahre stehen mittlerweile auf dem Schreibkilometerzähler. 

Äußerst positiv auf die Statistiken - im Endeffekt schreibt man ja schon nicht nur für sich selbst - wirkt sich seit letzten Jahr die Teilnahme am deutschsprachigen "UberBlogr Webring" aus. Und also habe ich mich auch gleich bei Bubbles angemeldet, sofort nachdem ich bei Wirres über die neue Startseite für die Blogosphere mit Up-und-Download-Funktion gelesen hatte.

Ein To-Do bleibt bei mir: Eure Blogs und Seite selbst mehr lesen und darunter kommentieren.

Gesehen

Ich gehöre ja zu den weirden Kids, die im Teenageralter mit der meisten Schullektüre etwas anfangen konnten: Nathan, der Weise; Faust - Erster Teil, Death of a Salesman, Die Leiden des Jungen Werther und Die neuen Leiden des jungen W. (Genervt war ich eigentlich nur von Kabale und Liebe und Lord of the Flies.) Auch später hatte ich an vielen Klassikern eine Menge Spaß: Don Quichote, Moby Dick, der Zauberberg oder die Schachnovelle.

Lenz' Deutschstunde war an mir bisher aber irgendwie vorbeigegangen, bis ich diese Woche mir die Verfilmung von 2019 ansah. Ein wirklich beklemmendes, brillant gespieltes, emotionales und bildgewaltiges Werk. Aber man muß dafür in richtige, emotional ausgeglichener Stimmung sein.

Gehört

Vielleicht sogar besser als das Original.

Mittwoch, Juli 08, 2026

Woche 25/2026 - Remington Noiseless 7 (Portable) und der Widerrufsbutton

Gelernt

Seit unserem Besuch im "Museum für Kommunikation" hat unser großes Kind (10) einen Wunsch: eine eigene Schreibmaschine. Und natürlich ist diese Bitte nichts, was mein stolzes, väterliches Autorenherz ablehnen kann. Da die Erika meiner Eltern momentan nicht auffindbar ist, musste ich mich - leider, leider - auf Kleinanzeigen umsehen, um ein Maschinchen zu finden, das den Zweck erfüllen, aber das Budget nicht sprengen würde. Es gibt härtere Schicksale.

Schon nach kurzer Zeit stieß ich auf eine Remington Noiseless 7 (Portable) aus den frühen 1930er Jahren, die der Vorbesitzer zu einem äußerst günstigen Preis abzugeben gedachte. Die Maschine machte denn auch vor Ort einen äußerst guten Eindruck, nur an den Cannabisgeruch, der vom Gehäuse ausgeht, habe ich mich noch nicht gewöhnt.


Die Mechanik der Remington überzeugte  dann auch bei der Inaugenscheinnahme am heimischen Arbeitsplatz. Ich löste die vier Schrauben, die die Maschine mit dem Koffer verbanden und konnte dann gut mit einem fusselfreien Tuch und Waffenöl alle Hebelchen, Federn und Konsorten reinigen. Die zuerst angedachte Nutzung von Wattestäbchen verwarf ich zugunsten der einer sehr weichen Zahnbüste, da erstere durch wildes Herumfusseln mehr Schaden als Nutzen zu bringen schien.



Den Koffer reinigte ich mit KFZ-Cockpitspray und Lederreiniger, ohne aber zu einem abschließenden Befund zu kommen, was besser funktionierte.

Nachdem ich alles wieder zusammenmontiert hatte, legte ich das bikolore Farbband richtig ein. (Das hatte der Vorbesitzer nicht geschafft.) Hilfreich war dabei die Gebrauchsanleitung vom Gerät.

Die Remington sieht nicht nur phantastisch aus, sondern ist wirklich leise und hat eine wunderschöne Schriftart. Nur die automatische Rechtschreibkorrektur scheint nicht zu funktionieren.


Geärgert

Dass ich im Jahr 2026 noch beim Konsum der Tagesschau aufschrecke, spricht nicht für mein momentanes Nervenkostüm. Aber wie ich erfuhr, gibt es tatsächlich eine neue EU-Verordnung zum Widerruf bei Online-Käufen. Irgendwie war das an mir total vorbeigegangen.

Nachdem ich versuchte, das Problem mit einem weiteren Plugin für WordPress/WooCommerce zu lösen (ja, Bücher wollen auch online verkauft werden), war ich kurz davor, die Wand anzuschreien. Das Plugin funktionierte so mittel, dafür hatten potenzielle Käufe plötzlich eine Bezahlmethode zur Verfügung, die ich niemals eingerichtet hatte. Aus Ermangelung einer eigenen Luftwaffe, die ich für Vergeltungsmaßnahmen hätte einsetzen können, schmiss ich das Plugin kurzerhand wieder raus. Und überlegte noch einmal. Was kann man tun, wenn man die Hausaufgabe nicht versteht? Richtig, man schreibt sie ab! Und so schaute ich u.a. bei Kiki vorbei, wie sie das Problem löste. Am Ende entschied ich mich für ein simples Textformular und einen statischen Link. Wieder einmal hatte simples HTML den Tag gerettet ... 

Freitag, Juni 26, 2026

Woche 24/2026 - Ist denn Fußball immer noch wichtig? #WM2026

Braucht jemand noch Gründe, die FIFA-Fußball-WM doof zu finden?

Falls ja, habe ich Euch eine Liste erstellt. Da wären u.a.

  • die Anbiederung an Autokraten und Diktatoren (Trump),

  • das Ignorieren von Menschenrechten und Klimawandel (WMs in Katar, USA, Saudi-Arabien),

  • die Durchkommerzialisierung jedes Aspekts des Spiels ("Trinkpausen"),

  • die Überhöhung von Einzelspielern (CR7, Kane, Messi, Mbappé),

  • das unreflektierte Abfeiern von Offensivfußball.


Am Tag des Eröffnungsspiels hatte ich also tatsächlich nur 0,34 Bock auf der nach oben offenen Begeisterungsskala. Und dann passierte es. Der Lütte (7) kam ganz aufgeregt ins Wohnzimmer geschlichen und nahm neben mir Platz. Ich wechselte von der staatstragenden Betroffenheitsvorberichterstattung auf dem ZDF (Ja, ich weiß, Bildungsauftrag und so. Aber warum gerade dann, wenn eigentlich ein bisschen Stimmung aufkommen sollte?!) zu MagentaTV, für das ich zwei Gratismonate erburgert hatte. Und dann geschah es: Die Moderatoren waren in bester Laune und mit langen Schalten in das gut besuchte Aztekenstadion kam plötzlich so etwas wie ausgelassene Fußballstimmung in mir auf. Ja, die WM 2026 ist nicht nur das Turnier in den USA (und Kanada), sondern auch ein Wettbewerb im fußballtraditionsreichen und begeisterungsfähigen Mexiko!

Und bevor ich meine Gedanken sortieren konnte, gab es eine Eröffnungsveranstaltung, die nicht sofort Fremdschämen verursachte. Ja, der übergroße Pokal auf dem Feld war eine trumpeske Peinlichkeit, aber die Co-Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, anstelle von standardisierter nordamerikanischer Popmusik mit ganz viel Lokalkolorit zu spielen. Das mitsingende Stadion dankte es ihnen und ich ihnen auch.

Also bin ich doch moderat positiv gestimmt, dass der Lütte eine schöne erste Fußballweltmeisterschaft hat. Mein Arbeitsauftrag in den nächsten Wochen: Nicht nur das Taschengeld des Nachwuchses, sondern auch mein eigenes für Fußballsticker ausgeben (So ein Päckchen liegt mittlerweile bei 1,50 €. Aber wenn wir ehrlich sind, war das auch 1994 preislich äquivalent zu einer Kugel Eis.), Begeisterung für Defensivfußball und Underdogs ("I am from Bosnia...") wecken und Patriotismus eindämmen.

Apropos Patriotismus eindämmen: Wen unterstütze ich denn am besten in diesem Jahr? Die DFB-Elf tolerierte ich in guten Jahren und normalerweise bin ich ein England-Supporter, aber die aktuelle Selbstverliebtheit, der Trainer (Tuchel, würg) und die  Harrykanisierung der Berichterstattung führen dazu, dass ich 2026 das St.-George's-Cross im Schrank lasse und es nicht wie gewohnt aus dem Wohnzimmer wehen lasse. Es gibt Schlimmeres.

Freitag, Juni 19, 2026

Woche 23/2026 - Von Armin, Asterix und einem außergewöhnlich unterhaltsamen Podcast

Geärgert

„Ich bin nicht verärgert! Ich bin enttäuscht!“, sollte ich wahrscheinlich schreiben. Der Lütte (7 Jahre alt und großer Asterix- und Sportfan) hatte beschlossen, es wäre Zeit, dass wir als Familie gemeinsam mal „Asterix bei den Olympischen Spielen“ anschauen könnten.

Das Heft war mir durchaus in positiver Erinnerung geblieben, und auch wenn ich kein großer Fan der Realverfilmungen der Geschichten um Galliens unbeugsamstes Dorf bin, wollte ich dem Streifen aus dem Jahr 2008 eine Chance geben. War das ein Abend. Wenn ich Alkohol trinken würde, hätte mir vielleicht ein Schnaps dabei geholfen, um diesen fürchterlichen Film zu überstehen. Das mit Asterix-Content jeglicher Art in Zukunft unterbieten zu können, wird schwierig werden. Chapeau!



Gelesen

Ich hätte mir auch nicht erträumen lassen, dass ich mal der Mensch sein würde, der mit Freude Bildbände durchblättert. In meinem fünften Lebensjahrzehnt habe ich tatsächlich wirklich Spaß daran, und das liegt u. a. an solch liebevoll gestalteten Büchern wie dem jüngsten Werk von Schauspiellegende Armin Müller-Stahl namens „Selbst in Filmen, Farben und Formen*“. Schon allein das Cover ist mindestens eine 4,8 von 5. Gut, vielleicht bin ich parteiisch, weil Fan.


Gehört

„Noch jemand ohne Podcast?“, dachten sich wohl Schauspieler Brent Spiner und Regisseur Jonathan Frakes, beide bekannt aus Star Trek: The Next Generation. Aber anstatt ihre Sendungen um dieses und andere Franchises rotieren zu lassen, gingen sie nicht den einfachen – und wahrscheinlich ermüdenden – Weg, in der eigenen Blase zu verweilen, sondern erzählen 1001 lustige Geschichten aus ihren langen Hollywoodleben, und ihre Gäste tun das Übrige. „Dropping Names“ ist witzig, kurzweilig und die richtige Unterhaltung für alle, die mal ein paar Stunden vom deprimierenden Weltgeschehen abgelenkt werden möchten.

Dienstag, Juni 09, 2026

Woche 22/2026 - Von Waldmöpsen und Familientreffen

"Wir sollten uns öfter sehen!", sagte mein Onkel und begann mit der Planung eines großen Familientreffens. "Es kann ja nicht sein, dass wir uns nur noch zu Beerdigungen treffen." Tragischerweise verstarb er kurz darauf selbst überraschend. Er war kaum 50 Jahre alt und hatte noch keine einzige Einladungskarte verschickt.


Was nach dem Einstieg in einen ehere mittelmäßigen Generationenroman klingt, ist die Zusammenfassung der realen Ereignisse, die meine Familie väterlicherseits alle zwei Jahre zusammenführen. Und das mittlerweile in der dritten Dekade. Vier Generationen der Nachfahren meines Urgroßvaters treffen sich dann irgendwo zwischen dem Breisgau und der vorpommerschen Ostseeküste, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu klönen.



Dieses Jahr ging die Reise nach Brandenburg an der Havel, einen Ort, den ich sonst wahrscheinlich nie besucht hätte, wenn ich ehrlich bin. Als Rest-DDR-Sozialisierter war mir natürlich Stahl Brandenburg ein Begriff, als Ausflugsziel hatte ich den Ort allerdings nicht auf dem Radar. Vollkommen zu Unrecht!



Wer ein ruhiges, hübsches Städtchen mit viel Wasser besuchen möchte, sollte diesen Blogpost für zukünftige Urlaubsplanungen im Hinterkopf behalten. Unser Hotel gehörte zwar zu keiner international agierenden Kette, lag dafür aber direkt an einem See und hatte nagelneue Tretboote am Steg. Für ausdauernde Eltern-Kind-Bespaßung war - außerhalb einer sehr zu empfehlenden Waldmops-Stadtführung - also auch gesorgt.


Absolutes Highlight – und das war aufgrund einer eher unscheinbaren Webseite nicht zu erahnen – war für alle Teilnehmenden zwischen 7 und 83 Jahren der Besuch des Industriemuseums. An der Führung durch das alte Stahlwerk war einfach alles interessant, beeindruckend und fotografierenswert.



Samstag, Juni 06, 2026

Woche 21/2026 - re:publica 2026 #rp26

Der Mai verlief bisher ereignisreich: Erst eine Dienstreise von mir nach Warschau, dann flog die Liebste nach Tallinn und zwischendurch ganz viel Möbelzusammengeschraube und Wandmalerei. Und damit wir diese Schlagzahl auch beibehielten, machte ich mich am Sonntag auf den Weg zur re:publica.

Nach guten Erfahrungen mit dem Hotel in fußläufiger Distanz zum Tagungsort hatte ich mich auch dieses Jahr dort eingecheckt. Das Zimmer war so gut, wie ich es in Erinnerung hatte, obwohl ich mich auch 2026 fragte, warum ein „Executive Room“ keinen Schreibtisch besitzt. Also schob ich meinen Dienstrechner auf das schmale Sideboard unterm Fernseher, um in den Tagen wenigstens ein paar Dienstmails schreiben zu können. Zumindest musste ich diesmal nicht parallel zur Konferenz eine europaweite Ausschreibung betreuen.

Am Montag stand ich dann schon um 9 Uhr gut gelaunt am Einlass, was eine sehr gute Entscheidung war. So konnte ich schon vor dem erwartbaren Massenansturm mein Namensschild in Empfang nehmen. Auch war es sehr schön, mit den Leuten in der Exhib Area entspannt zu plaudern, bevor der Wahnsinn begann.

Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon
Post by @Rpunkt@mastodon.social
View on Mastodon

Inhaltlich überzeugte mich z.B. die aufrüttelnde Keynote von Karen Hao („Empire of AI“), die aufzeigte, was der ausufernde Einsatz von LLMs sozial, ökonomisch und ökologisch anrichtet. Sie plädiert auf sehr nachvollziehbare Art u.a. für den Einsatz kleinerer Modelle für begrenzte Probleme, die bedeutend ressourcenschonender sind. Wo letztes Jahr noch deutliche Skepsis herrschte, wurden vielerorts schon konkrete Vorschläge gemacht, wie man wieder den Deckel auf Pandoras Büchse bekommt. 

Gelungen fand ich auch viele Beiträge auf den kleinen Bühnen, wie den der Berliner Bibliotheken zur Archivierung von Webseiten. 

Was blieb sonst so? Der subjektive Eindruck, dass wieder mehr Fachbesucher als Erlebnistouristen auf der #rp26 waren. Zudem große Freude, die Kohlenstoffversionen von einigen von Euch kennenzulernen (Loosy & Kuchenschwarte) bzw. wiederzutreffen (Patricia). 

Nostalgische Gefühle kamen beim Panel mit den Blogosphären-Urgesteinen auf, ohne die Geschehnisse von damals künstlich zu erhöhen. 

Die dümmliche Berichterstattung vom Spiegel (ich zitiere mich selbst: „Wenn der Artikel nicht so böswillig wäre – und all die anderen, wirklich wichtigen Aspekte der #rp26 ausklammern würde, wie den verantwortungsvollen Umgang mit AI und digitale Souveränität –, könnte man sich darüber amüsieren, wie unwohl sich René Pfister in einer diversen, progressiven Umgebung fühlt.“) konnte auch meine Laune nach so tollen Tagen nicht verderben. Einige Tabs werden im Kopf noch eine Weile offen sein.

Donnerstag, Mai 14, 2026

Woche 13/2026 - LCARS, Merkel und Spitzkohl

Gekocht

Kompliziert lautet der Beziehungsstatus zwischen dem SPIEGEL und mir. Vergleichbar mit einer nur noch dahinplätschernden langen Ehe bin ich mal mehr, mal weniger von ihm genervt. Den allwöchentlich ausgerufenen Untergang der Zivilisation kann ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr ernst nehmen. Trotzdem gibt es immer noch das eine oder andere, was ich an ihm schätze.

So deckt mein S+-Abo meinen täglichen Grundbedarf an Information ab; den Rest übernehmen Lokal- und Fachpresse sowie meine sehr belesene Timeline, die immer gute Links empfiehlt.

Ach, warum fasele ich hier eigentlich vor mich hin? Ich mag die pragmatischen Kochkolumnen der Hamburger. Der Empfehlung für japanischen Spitzkohl möchte ich mich zum Beispiel anschließen.

Ausprobiert

Womit testet man neue großformatige Bildschirme und Beamer am besten? Als Trekkie natürlich mit Robs unglaublich detailliertem LCARS-Nachbau.

Er läuft ruckelfrei im Browser, ist komplett kostenfrei und bietet verschiedenste Einstellungen — von Sternenkartografie bis zur Darstellung unterschiedlichster Föderationsraumschiffe. Dazu kommen originalgetreue Soundeffekte, die das Ganze perfekt abrunden.


Gelesen

Die Autobiographie unserer einzigen Kanzlerin a. D. erschien bereits 2024 und tatsächlich habe ich fast zwei Jahre gebraucht, um mich durch das über 700 Seiten starke Werk zu arbeiten.

„Freiheit. Erinnerungen 1954–2021“ ist sehr lang, detailverliebt und in seinem Protokollstil bisweilen ermüdend. Man hätte es auf die Hälfte kürzen können, vielleicht sogar müssen.

Spannend und interessant wird das Buch immer dann, wenn Merkel nicht nur Ereignisse und Umstände referiert, sondern sie einordnet, ihre eigenen Gedankengänge offenlegt und politische Zwänge erklärt. Wie ihre Kanzlerinnenschaft ist auch dieses Buch ein Werk des Fleißes, der wissenschaftlichen Nüchternheit und der Disziplin.

Eine politische Vision bleibt es ebenso schuldig wie allzu private Einblicke in ihr Leben. Aber dafür braucht es vielleicht Menschen mit einem anderen Naturell.

Apropos, Angela... Dieser Sketch ist nachwievor großartig.

Mittwoch, Mai 13, 2026

Woche 12/2026 - Mette, Musik und multiple Emojis

Gelernt

Für genau solchen Quatsch wurde das Internet erfunden. Glaube ich zumindest. Auf Google kann man verschiedene Emoji miteinder fusionieren. Ich könnte mich damit stundenlang beschäftigen.






Gelesen

Vielleicht gibt es tatsächlich da draußen wirklich noch Leute, die nicht wissen, dass Herr Kowski ein Buch geschrieben hat. Eines, das wunderbar zu den aktuellen Mondmissionen paßt. 

Mette ist Prinzessin im kleinsten Königreich der Welt. Das wäre nicht schlimm, würde sie deshalb nicht von den anderen Königssöhnen und -töchtern andauernd geärgert werden. "Eingezwängt" zwischen den Nachbarstaaten bleibt nur eine Option: Man expandiert nach oben. Also wird aus dem Schlossturm eine Rakete gebaut und der Mond als Reiseziel ausgegeben. Aber das ist erst der Anfang dieser fantastisch-heiteren Reise mit starken Anleihen an die "wahren" Raumflüge zum Erdtrabanten.

Von mir gibt es - total parteiische - fünf von fünf Raumanzügen.

Gehört

Donnerstag, Mai 07, 2026

Woche 11/2026 - Garden Cricket in Up Over

Wenn ich das mit dem Bloggen im vergangenen Jahr kontinuierlicher hinbekommen hätte, wüsstet ihr, dass wir im Sommer, anstatt wie gewohnt zu den Schwiegers ins schöne Siebenbürgen zu fliegen, all unsere Barreserven erst im Wohnzimmer aufschichteten, um anschließend Tickets für einen Flug nach Australien zu kaufen.

Was für eine Reise! Was für ein Urlaub! (Vielleicht hole ich den Bericht noch mal irgendwann nach. Im Falle eines selbstgeschriebenen Bestsellers, zum Beispiel. Oder etwas Profanerem, wie ein Hauptgewinn im Lotto oder dem Ableben einer bisher unbekannten, abstoßend superreichen Erbtante.)

Im Unterland hatten wir mit unseren Gastgebern, den wunderbaren Pateneltern der Kids, sehr viel Spaß. Einer der Gründe für die ausgedehnte Freude war, dass jemand, dem ich an dieser Stelle nur den Codenamen „Coach“ geben möchte, uns ins Cricket-Spiel einführte. Abendelang saßen wir zusammen, klönten und beobachteten die Profis bei diesem wunderbaren Schlagspiel. (Ins Melbourne Cricket Ground, das mehr als 100.000 Menschen fasst, schafften wir es auch, aber da wurde saisonbedingt gerade Aussie Rules Football gespielt.)

Und da wir nicht nur gutes Zuschauermaterial sind, organisierte der Coach für uns im rückwärtigen Bereich des Hauses eine Spielstätte für Garden Cricket. Was folgte, waren einige der vergnüglichsten Stunden dieses Urlaubs. Mit der richtigen Mischung aus Ehrgeiz und kompletter Ahnungslosigkeit wurde gebowlt und geschlagen, bis die Anzahl der Bälle in den Nachbargrundstücken eine kritische Anzahl erreicht hatte. Also verlegten wir die nächsten Runden in eine öffentliche Grünanlage und begannen, unsere eigenen Familienregeln festzulegen. (Sie sind bedeutend verständlicher, wenn man die Grundprinzipien von Cricket bereits kennt.)

Hier klicken zum Ausklappen unserer🏏Garden Cricket  Regeln

1. Spielfeld

  • Gespielt wird auf einem Rasenstück, der umlaufende Weg bildet die Spielfeldgrenze
  • Abstand zwischen Abwurflinie (Bowling Line) und Wicket beträgt zehn Meter

2. Spielgeräte

  • ein Schläger
  • ein Wicket (richtiges Wicket/Kasten/Tonne etc.)
  • mind. ein Tennisball

3. Spieler & Reihenfolge

  • Mindestens 3 Spieler
  • Jeder Spieler sammelt eigene Punkte
  • Schlagreihenfolge: Fest rotierend (A → B → C → D → …)
  • Wurfreihenfolge: Ebenfalls rotierend (B → C → D → …)
  • Spieler, die gerade schlagen, werden als Werfer übersprungen und holen ihre Würfe nach, sobald sie nicht mehr schlagen und der aktuelle Werfer mit seinen zwölf Würfen (“Over”) fertig ist

4. Bowling (Werfen)

  • Der Ball muss gebowlt werden, d.h. in einer kreisförmigen Bewegung mit durchgestrecktem Arm
  • Der Ball muss vor dem Wicket aufspringen, damit ein Wicket-Treffer zum Aus („Out“) führen kann
  • Ungültiger Wurf (No-Ball): Regelwidrige Würfe werden wiederholt, sie zählen nicht zu den zwölf Würfen eines “Over”

5. Ablauf eines Durchgangs

  • Jeder Werfer hat 12 gültige Würfe (ein “Over”), danach wechselt der Werfer
  • Ein “Over” wird nicht unterbrochen, auch wenn ein Spieler ausscheidet

6. Spielende

  • Das Spiel endet, wenn alle Schläger „out“ sind.
  • Es können mehrere Durchgänge gespielt werden.

7. Runs (Punkte)

  • Nach einem Treffer läuft der Schläger zwischen: Abwurflinie ↔ Wicket
  • Es zählen nur gerade Runs (2, 4, 6, …), 
  • Ein Run zählt erst nach Hin- und Rückweg
  • Mehrfachläufe sind erlaubt, solange der Ball im Spiel ist
  • Ein Spieler ist sicher, wenn: er selbst oder sein Schläger (Bat) die Linie am Wicket berührt
  • Boundary-Regel:
    • Berührt der Ball den Weg: 4 Runs, wenn der Ball rollt
    • 6 Runs, wenn der Ball direkt (ohne Bodenkontakt) dort landet
  • +1 Run (Wide), wenn: der Ball vom Werfer so geworfen wird, dass der Schläger unter realistischen Umständen nicht schlagbar

8. Weiteres Extras

  • Überwürfe (“Overthrows”) durch den Werfer, d.h. der Ball passiert  dass Wicket ohne, dass er dahinter gefangen wird), führen zu keinen zusätzlichen Runs.

9. „Out“-Regeln

  • Ein Schläger ist aus, wenn:
    • Das Wicket wird getroffen, während der Spieler sich zwischen den Linien befindet (nicht „sicher“)
    • Direkter Wicket-Treffer durch den Werfer: Der Ball trifft das Wicket nach vorherigem Aufprall
    • Der Schläger wirft selbst das Wicket um
    • Der Spieler verdeckt beim Schlagen das Wicket mit dem Körper und wird dabei vom Ball getroffen bevor er ihn mit dem Schläger berührt hat
    • Der Ball wird nach dem Schlag direkt aus der Luft gefangen

10. Kooperationsregel

  • Alle Regel- und Streitfragen werden friedlich und freundlich gemeinsam entschieden. Spaß und Fairness haben immer Vorrang. 

Also, wenn ihr ein paar Verrückte mitten auf einer Grünfläche in einer norddeutschen Innenstadt Garden Cricket spielen seht … sagt einfach mal Hallo.


Freitag, April 17, 2026

Woche 10/2026 - Ein bißchen Indie Rock zwischen Thriller und Familienfilm

Gelesen

Ich bin kein Krimileser. Ein bisschen Miss Marple, ein bisschen Sherlock Holmes und eine Prise Flavia de Luce. Dann hört es schon auf bei mir.

Natürlich lohnt es sich gelegentlich auch mal, seine Lesegewohnheiten abzuklopfen, und nach einem sehr gelungenen Schreibseminar mit Ursula Poznanski in Wolfenbüttel habe ich mir ihren neuesten Thriller „Das Signal“ geschnappt und – Überraschung! – auch gelesen. Ursula schreibt sehr unterhaltsam und eingängig. Einmal in den „Signal“-Zug eingestiegen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Am Ende fühlt man sich als Leser weder übertölpelt noch zu sehr an der Nase herumgeführt, sondern hat einfach eine gute, spannende Zeit. Ach so, ich sollte noch erwähnen, worum es in dem Buch geht: „Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.“

Es handelt sich allerdings um keine lahme „Fenster zum Hof“-Variante, sondern um eine Geschichte, die geschickt mit modernen Technologien („Tracker“) und uralten Ängsten spielt. Besonders erfrischend fand ich, dass die Ich-Erzählerin auch regelmäßig ihre nicht ganz so sympathischen Seiten zeigt.

Etwas parteiische 4 von 5 Mordversuchen.

Gesehen

Etwas familienfreundlicher ging es bei der Wahl unseres abendfüllenden Kinofilms zu, den meine Liebste, die zwei Halblinge und ich ansahen. Über „Hoppers“ aus dem Hause Pixar hatten wir im Vorfeld viel Positives gehört.

Der Film erzählt die Geschichte der tierliebenden Mabel, deren Bewusstsein in einen lebensechten Roboterbiber übertragen wird, um mit Tieren zu kommunizieren. Die Teenagerin möchte so den Plan des Bürgermeisters vereiteln, der den lokalen Lebensraum der Tiere zerstören will.

Die Protagonistin ist extrem sympathisch, viele der Tiere sehr lustig und alles – wie vom Marktführer gewohnt – visuell hervorragend umgesetzt. Wenn ich etwas zu meckern habe, dann am Plot, am Spannungsbogen und vor allem an der klischeehaft schlechten Darstellung von Politikern. Davon müssen wir irgendwann mal wegkommen, wenn das mit dem Demokratiedingens langfristig klappen soll. Das ist Euch auch klar, oder?

So reiht sich der Film für mich nicht ganz zwischen „Findet Nemo“, „Toy Story“ und „Monster AG“ ein, ist aber wirklich gute Unterhaltung und viel, viel besser als das, was sonst momentan so über die Kinoleinwand flimmert.

Gehört

Freitag, April 10, 2026

Woche 09/2026 - Betriebssystemschmerzen und schlechter Laune

Geärgert

Bisher bin ich niemandem begegnet, der sich am 7. Februar 2009 morgens bei einer Tasse Kakao hingesetzte und als Tagesaufgabe formulierte: Heute entscheide ich mich rational für ein mobiles Betriebssystem.

In der Realität stolpert man eher in die ganze Sache hinein. Gerät gekauft, eingerichtet, fünf Apps installiert – und zack – zwei Jahrzehnte später sitzt man in einem goldenen Käfig, weil man wenig bis keinen Bock hat, seine Daten umzuziehen, Apps und Spiele neu zu kaufen oder Alternativen zu finden und neue Accounts einzurichten.

So bin ich seit Jahren bei Apple. Nicht aus Überzeugung, eher aus Trägheit, mit gelegentlichen Momenten freudiger Überzeugung. Diverse iPads im Haushalt mit einmal gekaufter Software versorgen zu können, empfinde ich als praktisch. Auch das großartige und unglaublich günstige Procreate, mit dem alle meine digitalen Zeichnungen entstehen, liebe ich innig. Vom Dateimanagement unter iOS – das sich kaum nutzerunfreundlicher gestalten ließe – bekomme ich allerdings immer noch regelmäßig schlechte Laune.

Mein größtes Ärgernis sind aber die aufgezwungenen Design- und Funktionsänderungen, die die Kalifornier regelmäßig ausrollen (ich gender das hier bewusst nicht, weil vermutlich nur Männer auf so größenwahnsinnige Sch*iße kommen). Oder man ändert einfach mal Standardeinstellungen – und das Telefon beginnt selbstständig, Apps zu deinstallieren. Nicht schlimm? Nicht, wenn man sich nicht neu einloggen muss. Dann ist es nur nervig. Richtig unerquicklich wird es, wenn die deinstallierte App schlicht nicht mehr reinstalliert wird, weil sie aus dem Store genommen wurde. Da möchte man gerne etwas anzünden. Vorzugsweise etwas in Cupertino.

Gelesen

Bleiben wir bei meiner schlechter Launen. 

Mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat Moers einst eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Trotzdem würde ich mich nicht als Fan beschreiben, sondern als jemand, der die stets toll gestalteten, wertig daherkommenden Bücher stets schätzt, aber auch des Öfteren wenig Freude mit ihnen hat. 

 „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist leider so ein Fall. Die Geschichten plätschern alle dahin und sind weder besonders unterhaltsam noch wirklich humorvoll. Da hilft auch das Selbstlob im Nachwort nicht. („Die extrem verdichteten Erzählungen waren nicht nur unterhaltsam, scharfsinnig, originell und humorvoll, sondern vor allen Dingen nicht moralinsauer.“) Nun ja, zumindest der letzte Punkt stimmt. Ansonsten gibt es viel Weltenbau und wenig Plot. Sehr wohlgemeinte 2 1/2 von fünf Buchlingen.

Gehört

Montag, März 23, 2026

Woche 08/2026 - Von Wildschweinen, The Weight-Covers und Muffin & Tört (zum Zweiten)

Gelesen

Kürzlich lobte ich an dieser Stelle den ersten Teil von Muffin & Tört. Die Fortsetzung "Bei den Rittern*" fällt ein bisschen hinter der Qualität des Ersten ab. V. a. wegen des – meiner Meinung nach – etwas schwächeren Plots. Trotzdem bleibt es gutes (Vor-)Lesematerial.

Gesehen

Die Asterix-Serie auf Netflix fand ich ja richtig gut. Allerdings stieß ich erst jetzt aufgrund Eurer Mastodon-(Re-)Posts auf diesen sehr unterhaltsamen Kurzfilm von Netflix France namens: Astérix & Obélix: Mission Potager. (Die Wildschweine waren doch schon immer die heimlichen Co-Stars der Comicreihe.)

Gehört

Dienstag, März 17, 2026

Woche 07/2026 - Von Wäschekörben, fliegenden Walen und einer dorfromantischen Enterprise

Manchmal sind die einfachsten Ideen so peinlich, dass ich darüber gar nicht bloggen mag. Ein bekanntes Eltern-Meme heißt: "Nichts ist im Leben ewig da. Nur der Berg mit ungewaschener Wäsche." Das ist in diesem nicht-so-anständigen Hause nicht anders. Immer wird gewaschen, aufgehängt, abgehängt und in den Schrank gepackt. (Dass in der Aufzählung "Bügeln" fehlt, ist kein Zufall.) Im Februar haben wir festgestellt, dass eine Kleinigkeit den Stress ein bisschen minimiert: ein zweiter Wäschekorb, den man nutzen kann, wenn z. B. im ersten noch saubere Wäsche zum Weglegen ist. Ich sage doch: So einfach, so peinlich.

Gelesen

Vor ungefähr vier Jahren fragte ich Flix, ob er sich vorstellen könnte, einen Roman zu schreiben. Ich mag seine Comics sehr und dachte, dass er sicherlich eine Geschichte erdenken könnte, die auch ganz ohne Bilder und Blasen auskommt. Er druckste damals ein wenig herum, aber dermaßen charmant, dass mir klar war, dass dies irgendwann ein Thema wird.

Letztes Jahr ergatterte ich eines der ersten Exemplare von "Immerland*", ein schönes, abenteuerreiches Buch mit starken "Unendliche Geschichte"-Vibes. Mir hat es Spaß gemacht, und ich kann mir vorstellen, dass die angekündigte Fortsetzung mindestens ebenso unterhaltsam wird.

Absolut parteiische und voreingenommene 5 von 5 Flugwalen


Gespielt

Es müsste ein Spiel geben. Irgendetwas zwischen Tetris und Carcassonne. Mit toller Hintergrundmusik. Rundenbasiert. Gibt es: Dorfromantik!

Und nachdem ich damit sehr viel Spaß auf dem Rechner hatte, funktioniert es auch gut auf der Switch Lite. Noch ein absoluter Kauftipp.

Geschaut

Auf meiner Festplatte oxidierte schon viel zu lange die Doku "Inside Star Trek". Dank eigenem Streamingservice habe ich mir die Reihe über die Geschichte meiner absoluten SciFi-Lieblingsreihe angeschaut. Ich war positiv überrascht, wie wenig ewig wiedergekäute Narrative dort Platz fanden und dass sogar immer wieder die Konflikte zwischen den handelnden Personen (meist) hinter der Kamera beleuchtet wurden. Davon hätte ich mir tatsächlich gern noch mehr angeschaut.

Samstag, März 07, 2026

Woche 06/2026 - Kimchi Gyoza, gepodcasten Mosaiks und gefährlicher Fauna

Aufgezeichnet

Ich glaube nicht, dass mein Leben so recht in die klassische Geschlechterrolle für männlich, weiß, Ü40 passt, aber natürlich gibt es auch da Ausnahmen. Podcastaufzeichnungen gehören zum Beispiel dazu. ;) Da Herr Kowski und ich schon viel zu lange nicht mehr über die schönsten, nerdigsten Ablenkungen vom Alltag gesprochen haben, plaudern wir in der neuesten Folge über DAS deutsche Comic schlechthin: Das Mosaik. Kennst Du nicht? Dann hör doch einfach mal rein. (Eventuelle akustische Störgeräusche sind natürlich künstlerisches Ausdrucksmittel und Teil unserer Individualität – und nicht meiner toningenieurischen Unbeholfenheit.)

Gekocht

Nun, „gekocht“ ist eigentlich übertrieben, was wir diese Woche gemacht haben. Im Asia-Markt unseres Vertrauens haben wir diese wunderbaren Kimchi-Dumplings entdeckt. Die wurden dann bei 180 °C für zehn Minuten in den Speisefön – wie Kiki zu sagen pflegt – geschmissen, und heraus kamen knusprige Leckerbissen. Dazu ein bisschen süße Chili-Sauce und Kohlrabisalat. Mjam! (Merke: Dumplings, die man direkt aus dem Airfryer isst, zählen weder bei der Aufteilung noch bei der Kalorienberechnung, sagt die Liebste.)


Geärgert

Mein Lieblingsspielwarenhersteller – der dänische mit den schönen, bunten Bausteinen – meint plötzlich, mir täglich Werbemails schicken zu müssen. Wie betrunken kann man in einer Werbeabteilung sein? Man kann nicht mal die Frequenz herunterregeln, sondern die Dinger nur ganz abstellen. Das habe ich getan. Absolut irre.

Gesehen

Ich erwähnte, dass wir letztes Jahr in Australien waren? Der Kontinent ist ja bekannt für seine hochgefährliche Flora und Fauna. Zeit, Euch darüber fortzubilden.