Viel zu sehen gab es im Katen nicht: einen kurzen Tresen,
einen Dielenboden, der zwar abgenutzt war, aber überraschend sauber wirkte, zwei Tische in der Mitte des Raums und ein weiterer am Fenster. Das Zentrum des "Heringsschuppens"
- so schien laut Speisekarte das „Etablissement“ zu heißen - bildete ein Billardtisch an dem
sich gerade drei Jugendliche betätigten.
Billard. Das hatte Özlem seit zwanzig Jahren nicht mehr gespielt.
Damals als solche Spelunken noch total verräuchert waren und sie nach
spätestens einer halben Stunde Kopfschmerzen bekam.
Kopfschmerzen hatte sie jetzt auch. Sie rieb sich die Schläfen. Inzwischen
hatte sie das Foto vom Strand der Person geschickt, die sie auf diesem Planeten
am meisten vertraute. Nun starte Özlem auf ihr Smartphone und hoffte, daß sie ausnahmsweise mal eine schnelle eine Antwort bekam. Eine Antwort, die ihr irgendwie weiterhalf, denn momentan fühlte sie sich sehr verloren.
Nach einer halbe Stunde wartete sie immer noch. Eigentlich
hatte sie Hunger, aber in diesem Laden wollte sie lieber nichts essen. Die
anderen sitzenden Gästen - zwei Opas am Tresen, die sich miteinander unterhielten und
einem Mann im Blaumann, der Zeitung las – hielten es ähnlich. So trank Özlem
lieber ein Bier. Und dann noch eins und dann ein drittes.
Die Jungs vom Billardtisch hatten versucht, mir ihr zu
flirten, was sie eher amüsierte als schmeichelte. Trotzdem war sie auf ihr
Angebot eingegangen und spielte nun auch eine Runde Pool. Man hatte sie wohl
für ein leichtes Opfer gehalten, aber nach drei, vier Stößen machten die
polierten Kugeln das, was Özlem wollte und sie konnte gut mithalten. Zwei der
Jungen erzählten die ganze Zeit, während der Dritte, ein langer Kerl mit
kindlichem Gesicht, schwieg. Es schien ihm gar nicht recht zu sein, daß Özlem nun mit
von der Partie war.
Und obwohl das Spiel anfing Spaß zu machen, drehte sich in Özlems Kopf alles um ihr „Luftschloss“. Ein kreativerer Namen mochte ihr momentan dafür einfallen, obwohl die Erscheinung definitiv das Seltsamste war, was ihr je passiert war. Aber wie schon die Tage zuvor waren ihre Gedanken momentan langsam, träge, leer, verdreht. Wie aus
einem Fiebertraum. Aber sie war sich sicher: Dem Bier traf keine Schuld.
Immer wieder überprüfte sie ihr Telefon. Die Jungs machten
sich einen Spaß daraus, zu versuchen, ihr über die Schulter zu schauen, wenn
sie es überprüfte oder sich noch mal das Bild anzuschauen. Irgendwann steckte Özlem
das Gerät genervt in die Tasche ihrer
Jacke, die an einem der einzigen zwei Haken an der Wand des Lokals hing.
Als die Jungen aufbrachen, entschied auch sie sich ebenfalls dazu, zu gehen. Sie bezahlte bei der Wirtin, verließt den
Heringsschuppen und lief die Straße herunter. Automatisch griff sie in ihre Jackentasche. Aber da
war nichts. Sie überprüfte die andere Seite. Auch diese Tasche war leer. Panik
überkam sie. Wo war ihr Telefon? Sie rannte zurück.
Als sie an der Kate ankam, war der Laden geschlossen. Sie war doch
gerade erst vor zehn, ach, fünf Minuten hier gewesen und nun war niemand mehr
da? Sie griff nochmals in die Jackentasche. Diesmal zog sie einen Zettel heraus, den sie vorher nicht bemerkt hatte. Auf ihm
stand: „Triff mich um 23:00 Uhr an der alten
Post“ Unterzeichnet war die Nachricht mit „Der Kommandant der Fliegende Affen“.
.... die Fortsetzung könnt Ihr hier lesen.