Sonntag, Dezember 30, 2018

Jahresabschlußgedanken #Bestof2018

Oh, war das ein betriebsames Jahr! Ein guter Anlaß für ein bißchen Reflektion und Jahresabschlußgedanken. (Und nebenbei werde ich noch ein paar #Bestof2018 einflechten, wie der Herr Kowski es so schön vorgemacht hat.)

Im Sommer hatte sich die Anzahl der Kinder geplant verdoppelt, aber die anstrengenden - und teilweise beängstigenden - Sommerwochen waren dann so doch nicht geplant. Umso glücklicher waren wir über das Happy End und die viele, selbstlose Unterstützung, die wir von Freunden und Familie erfahren haben.

Beruflich gab es auch ein paar Veränderungen. Meine hochqualifizierte, liebe und trotzdem total unterschätze, Lieblingskollegin wechselte in den (direkten) Staatsdienst, wo es ihr viel besser ergeht. Allerdings hatte dies nicht nur hängende Ohren bei mir zur Folge, sondern beinhaltet auch, daß ich momentan 1 1/2 Stelle bekleide und das mit wenig Hoffnung auf kurzfriste Abhilfe, denn der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Mal davon abgesehen, daß es Menschen im "Mangement" gibt, die diesen Umstand nicht als Problem ansehen.

Natürlich hatten die neuen privaten und beruflichen Herausforderungen auch Auswirkungen auf die Hobbies: wir waren quasi nicht im Kino, auch Netflix blieb kalt. Freunde sahen uns eher selten und auch ehrenamtlich fand ich 2018 nicht statt. Aber das sind hoffentlich alles nur temporäre Erscheinungen.

Ein bißchen lesen konnte ich in diesem Jahr dann doch. Ich hatte viel Spaß mit Erich Kästner*, Graham Norton* und Flake*. (Ein bißchen ausführlicher berichtete ich bei der Montagsfrage.) Dank Herr Kowski (Ja, der Mann ist zuletzt für einige coole Dinge in meinem Leben verantwortlich.) schaute ich  zudem regelmäßig bei Comixology vorbei. Ich stehe ja nicht so Marvel und DC-Comics, ich habe einfach keinen Nerv mich in den 28sten Reboot einer Figur einzulesen, fand aber trotzdem einige "Bildergeschichten", die mich sehr unterhalten haben. Nennen möchte ich an diser Stelle "The Wild Storm" und auch die ersten zwei der TNG-Mirror-Universum-Serien (die dritte liegt noch auf meinen virtuellen Lesestapel).
Zudem habe ich zuletzt vermehrt vorgelesen, ich werde im nächsten Jahr mal im Elternblog über meine Favoriten schreiben.
2018 war auch das Jahr, in dem ich meine eReader-Skepsis abgelegt habe. Zum Geburtstag bekam ich einen neuen Kindle Paperwhite*, der mein altes Modell ersetzte. Ein dickes Pro ist definitiv der beleuchtete Bildschirmund auch die Touchscreeneingabe hat Vorteile, aber ich vermisse auch die Vor-und-Zurück-Tasten an den Seiten. Die hätten man gern beibehalten dürfen.

Gespielt wurde zuletzt leider auch weniger. T.I.M.E. Stories liegt nach wie vor ungeöffnet bei mir rum, genau so wie Machi Koro, das ich zum Geburtstag bekam. Viel Spaß hatten wir aber im Frühjahr mit einem Exit-Game* und AZUL. Und da ich gerne auch rundenbasierte "Vollpreis"titel auf dem Telefon spiele, gab ich Concrete Jungle eine Chance und hatte damit viele schöne Stunden, v.a. wartenderweise im Krankenhaus.

Auf die Ohren gab es weniger Podcasts. Es gab einfach weniger ungestörte Zeit und wenn sie doch da war, mußten ein paar Dinge durchdacht oder die Ruhe genossen werden. Also habe ich nicht wirklich neue Musik für mich entdeckt und außer dem Zeitzeichen nichts regelmäßig durchgehört. Alternativ erfolgte dann eher der Griff zum Buch oder dem eReader.


Zufrieden und auch etwas überrascht bin ich mit meinem Schreibpensum: Die anvisierten 100 Blogbeiträgen habe ich - trotz der Zwangspause im Sommer - fast geschafft habe. Etwas mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte. Neujahrsvorsätze können manchmal doch funktionieren! Über den Output hier und im Legoblog bin ich zu frieden. Das Elternblog haben wir leider viel zu sehr vernachlässigt, wohl auch, weil ich den Podcastblog relativ häufig bedienen mußte/konnte/wollte. Mal sehen, ob ich mir bei letzterem Hilfe hole, denn die Reichweite ist so hoch, daß ich ihn nicht einschlafen lassen möchte. Auch weil die Community sehr nett ist und die A-Links mir monatlich ein kleines Taschengeld einbringen. (Man sollte das aber nicht gegen die Arbeitsstunden rechnen, dann muß man weinen. ;) Trotzdem wird alles natürlich ordnugsgemäß versteuert. Wozu so ein Gewerbeschein mit der Eintragung "Internetdienstleistungen" doch alles gut ist!


Dank der Herren Merlin und Kowski bin ich auch ein ganzes Stück mit dem Kinderbuch vorangekommen. Ich bin mir sicher: 2019 werde ich es fertig bekommen und mindestens einen Blogpost mehr verfassen als in diesem Jahr. Und damit das alles zeitlich klappt, möchte ich meine Freizeit effektiv nutzen und weiterhin sehr selektiv bei Büchern, Filmen, Podcasts und Co. sein. So hat man nämlich auch immer das Gefühl, nur da beste, spannendste und inspirierendste zu konsumieren.

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch! Wir lesen uns!

Dienstag, Dezember 11, 2018

Montagsfrage #15 - Weihnachtsempfehlungsbuch

"Welches Buch gehört dieses Jahr auf jeden Fall auf die Weihnachtswunschliste?"

Wenn ich mir meine Leseliste des Jahres 2018 so durchschaue, finde ich da eine Menge Literatur die nicht mainstreamtauglich ist.

Eine Ausnahme bildet - neben den Autobiographien von Flake, die ich an anderer Stelle schon mal empfohlen habe - vielleicht "Ein irischer Dorfpolizist*" vom wunderbaren Graham Norton.

Das Buch ist für wahre Krimifans wahrscheinlich zu seicht und nicht schockierend genug. Ich hingegen mochte, wie die Handlung langsam dahinplätscherte und sich über die Charaktere entwickelte. Es ist sicherlich kein Shakespeare, aber trotzdem gute Unterhaltung.

Montag, November 26, 2018

Montag, November 12, 2018

Warum ich den Ersten Weltkrieg gewann und Herr Gauland ihn verlor

Alexander Gauland argumentierte kürzlich, daß es man als Deutscher sich nicht an den Feierlichkeiten zum Ende des 1. Weltkriegs beteiligen könnte.

Ich dachte eigentlich, daß solches Gewinner-Verlierer-Denken zumindest seit der Rede von Weizsäcker über das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1985 vorbei sein sollten.

Aber nein, wir leben leider in Zeiten in denen solch hanebüchener Unsinn gute Verbreitung findet und mich so aufregt, daß ich mich genötigt sehe, ein paar Zeilen ins Internet zu schreiben.

Ich weiß von zwei Urgroßvätern, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben: Emil als Meldegänger vor Verdun, Karl als Maschinengewehrschütze in Flandern. Beide haben sich im November 1918 sicherlich nicht als Sieger gefühlt. Ich mich als direkter Nachfahre aber heute mit 100 Jahren Abstand schon. Und das hat erst einmal den Hintergrund, daß ich mich nicht über meinen Pass definiere. Meine Verbundenheit zu Wilhelm I. ist nicht größer als die zu George V. Und so feiere ich auch nicht den Sedantag und denke „Den Franzosen haben wir es 1870 aber ordentlich gegeben! Und den Römern bei Kalkriese erst!“

Ohne viel Nachdenken fallen mir sofort drei Gründe zum (Mit-)Feier ein, aber ich bin ja auch nicht den ganzen Tag mit Hetze und Revanchismusfantasien beschäftigt:

  • Die Einstellung der Kampfhandlungen begrüße ich schon aus dem Grund, weil doch tatsächlich noch genug männliche Bevölkerung übrig geblieben ist, um meine Vorfahren zu zeugen. In meinem Fall ein klares Plus, in dem Fall von dem Gauland .... . 
  • Die Seite mit den (eher) demokratischen Regierungen hat gewonnen. So konnten sich in Deutschland und Österreich auch Demokratien (zumindest zeitweise) durchsetzen. Wenn der verlorene Krieg vielleicht nicht ursächlich war, so hat er den Demokratisierungsprozess zumindest beschleunigt. 
  • Der Erste Weltkrieg öffnete die Tür für internationale Institutionen wie den Völkerbund und später auch für die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Und so wurden sieben Jahrzehnte mit drei Kriegen zwischen Deutschland und Frankreich von sieben friedliche Jahrzehnte abgelöst. 

Darüber hinaus ist es immer gut, ein Zeichen für Aussöhnung, Verbundenheit und Frieden zu setzen. Naja, zumindest in meiner Welt.

Freitag, November 09, 2018

Emil

Als Emil 19 Jahre alt war, kam er zum preußischen Militär. Mit einer Körpergröße von 1,60m und Erfahrung im Umgang mit Pferden machten ihn zu einem guten Kandidaten für die Kavallerie. So wurde er ein Ziethen-Husar. Während in den letzten zwei Jahren schon Hundertausende junger Männer in den Schützengräben Belgiens und Frankreichs im Artilleriehagel starben, wurde Emil noch am Kavalleriesdegen und der Stahlrohrlanze ausgebildet. Aber eigentlich konnte einen sowieso nichts auf die Grauen des 1. Weltkrieges vorbereiten.

Emil kämpfte in Roye-Noyan, an der Somme, in Arras, in Verdun und an vielen anderen Kriegsschauplätzen, bevor bei Villers Bretonneux, wo er als Meldegänger eingesetzt war, schwer verwundet wurde. Für seine militärische Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz. Emil litt ein Leben lang unter den Folgen seiner Verletzung und er sprach mit uns über den Krieg bis er im Alter von 92 starb.

Im Sommer nach dem Abitur besuchte ich die Plätze von denen uns mein geliebter Urgroßvater erzählt hatte. Mit anderen Jugendlichen arbeitete ich auf Kriegsgräberstätten, besuchte Museen und versuchte wenigsten annähernd zu begreifen, wie so etwas geschehen konnte. Menschen, die so jung waren wie wir - aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den USA, den Kolonien - ließen in einem sinnlosen Gemetzel ihr Leben.

Vor 100 Jahren schwiegen endlich die Waffen. Zeit an die zu denken, die nicht mehr nach Hause kamen, an die, die tiefe körperliche und seelische Wunden heim trugen, an die, die ihre Liebsten verloren. Und Zeit, dankbar zu sein, für die friedliche Union in der wir leben und dafür zu kämpfen, daß sie erhalten bleibt.



Montag, November 05, 2018

Montagsfrage #10 – Biografien

"Montagsfrage #10 – Unterhalten dich Biografien, oder findest du die non-fiction Geschichten anderer Menschen eher öde?"

Ich gehöre nicht zu den enthusiastischsten Lesern von Biografien, trotzdem füllen diese einen kleinen Bereich in meiner "Bibliothek". In diesem Jahr las ich bisher die beiden Biografien von Flake und die von Gregor Gysi mit ganz unterschiedlichen Befunden.

Beiden Bücher von Rammstein-Keyboarder Flake waren persönlich, interessant und sehr unterhaltsam, allerdings leider etwas redundant, wenn man beide Autobiographien hintereinander liest. Das erste ("Der Tastenficker*") war etwas tiefer gehender und interessanter, während das zweite ("Heute hat die Welt Geburtstag"*) deutlich besser strukturiert und lektoriert war. Trotzdem haben beide Bände Spaß gemacht, auch wenn man mit der Musik wenig anfangen kann, wie ich.

Die Autobiographie "Ein Leben ist zu wenig*" von Gregor Gysi versprüht nicht den Charme und Witz, den man von einem der talentiertesten Redner im Bundestag kennt. Auch der historische oder politische Erkenntnisgewinn hält sich nach der Lektüre in Grenzen. Man hat das Gefühl, Gysi erzählte die ganze Zeit mit "angezogener Handbremse". Es ist kein schlechtes Buch, aber sein selbst gewähltes Credo war sicherlich hinderlich dabei, diese Autobiographie zu etwas Außergewöhnlichem zu machen: "Ich habe beim Schreiben dieses Buches versucht, möglichst persönlich zu werden, ohne privat zu ein." 

Auf meiner Leseliste fürs nächste Jahr stehen noch die Biographien von Alexander von Humboldt* und Fritz Bauer*.


Montag, Oktober 29, 2018

Montagsfrage #9 - Halloween-Lektüre

Heute "Schaurig schön: Was ist für dich die ultimative Halloween-Lektüre?"

Grusel ist ja nicht mein Genre, trotzdem tippe ich hier trotzdem mal kurz den Klassiker "Der Hund der Baskervilles*". Ein Buch, das man gern alle 10 Jahre mal lesen kann.

Montag, Oktober 22, 2018

Montagsfrage #8 – Bibliothekennutzung

Leihst du Bücher aus Bibliotheken aus? Wenn ja: warum, wenn nein: warum nicht? 

Ja! Denn wir haben eine wunderbare öffentliche Bibliothek: Nettes Personal, ein kleines aber feines Sortiment und angenehme Öffnungszeiten (samstags!). Entleihen tue ich v.a. Fachliteratur (Stadtgeschichte), online oder fürs Kind. Also eher Dinge, die ich nicht kaufen würde (da ich sie nur einmal lese) oder kann (Fachliteratur ist manchmal schweineteuer oder auch einfach vergriffen).

Mittwoch, Oktober 17, 2018

Montagsfrage #7 - Rezensionen

Es ist zwar nicht mehr Montag, aber immerhin auch ein Wochentag mit "M". Warum also nicht noch schnell die "heutige" Frage beantworten:

"Schreibst du überwiegend Rezensionen über Bücher, die dir gefallen, oder auch über Bücher, die dir nicht gefallen?"

"Rezension" ist vielleicht etwas hochtrabend für die kurzen Einschätzungen, die ich - früher im Blog und auf Lovelybooks, heute bei Goodreads - im Internet festhalte, aber ja, jedes Buch, das ich gelesen habe, bekommt eine kurze Bewertung. Denn obwohl ich, wie der Herr Kowski, ordentlich vorfiltere, gibt es doch ab und zu etwas, was ich ganz schrecklich finde. In diesem Jahr ist mir etwa "Dienstags bei Morrie*" in außerordentlich schlechter Erinnerung geblieben.

Ein netter Nebeneffekt ist, daß solche Listen auch eine toller Erinnerungsstüze für einen selbst sind, z.B. wenn man ein gutes Buch als schnelles Geschenk sucht. (An dieser Stelle fiel mir zum ersten Mal ein, daß man vielleicht bestimmten Menschen im Umfeld auch einfach super schlechte Bücher schenken könnte...)

Mittlerweile  führe ich sogar über die Kinderbücher "Protokoll", vielleicht folgen auch irgendwann mal eine "Sammelempfehlung" im vernachlässigten Elternblog.

Insgesamt betrachtet ist meine Leseliste ein sehr bunter Haufen, da ich selbst meine gelegentlichen Ausflüge in die Comicwelt - zuletzt las ich mich ein bißchen in Spirou ein - dort verzeichnet sind.

P.S. Für Filmrezensionen verwende ich übrigens Letterboxd. Auch ganz nett!

Dienstag, Oktober 09, 2018

Stöckchenrevival #ourhouse

Früher - also so um 2005 - flogen ab und zu Stöckchen durch die Blogosphäre. Das war ein schöner Brauch, denn so kam man ins Erzählen mit den paar Verrückten, die wie man selber, regelmäßig ins Internet schrieben. Kürzlich weinten Hulalena und ich dieser Tradition hinter. Warum diesen Brauch also nicht wieder aufnehmen? Am liebsten mochte ich Stöckchen, die (vielleicht schon fast etwas zu) persönlich waren, bei denen man etwas über die Menschen und ihre Lebenssituation erfuhr. Also habe ich so ein Stöckchen rund ums Wohnen gestrickt. Kürzlich berichtete ja das Wortschnittchen  Interessantes über ihre Wohnsituation und auch bei mir war das schon einmal Thema.

Ich wohne zur Miete auf 95qm mit meiner Frau, zwei Kindern, einer Katze und ziemlich viel Büchern und Legosteinen.

Ich mag besonders die hohen Decken, den Zuschnitt der Zimmer, den Parkettboden, die dicken, gemauerten Wände, den großen Dachboden (20qm!) und die Innenstadtlage durch die man alles fußläufig erreicht.

Dahingegen nerven die Parkplatzsituation, der fehlende Aufzug (72 Stufen, fast immer mit einem der Kinder auf dem Arm), eine ausstehende Sanierung des Bads und der Toilette durch den Vermieter (zuletzt ca. 1998), sowie die halbjährliche Überflutung des Kellers nach Starkregen.



Mein Lieblingsplatz ist auf der Couch mit dem Blick auf die Häuser auf der anderen Straßenseite. Ja, ich bin eher von der gemütlichen Sorte..

Der seltsamste Gegenstand in meiner Wohnung ist dieses Inklinometer. Als mein Vater noch zur See fuhr, brachte er allerlei ausgemustertes seemännisches Gerät mit: Ein Fernrohr, eine alte Schiffsuhr, diverse Seekarten, einen Kartenzirkel...



Die Nachbarn setzen sich bei uns aus zwei alten Ehepaaren, zwei WGs, einer alleinstehende alte Dame, drei Familien mit kleinen und zwei mit großen Kindern zusammen. Die Seele des Hauses ist Herr H., ehemaliger Ingenieur, 88 Jahre alt und munterer Zeitgenosse, der mit wunderbaren thüringischen Dialekt auch nach Jahrzehnten im Norden immer noch einen "Schönen guden Dag!"wünscht und den man oft laut lachen hört. Er betont immer, daß er nicht seit Anfang an in unserem Haus wohnt, sondern erst seit 1960.
Von eher nerviger Natur ist Frau M. Mitte 70, mit wenigen Hobbies außer dem einen: Sich hinter verschlossener Tür zu verstecken und darauf zu warten, daß ein Nachbar vorbeiläuft um ihm dann ein Gespräch z. B. über ihren letzten Zahnarztbesuch aufzudrängen. Man würde sie ja trotzdem  mal zum Kaffee einladen, wäre sie nicht zusätzlich sehr aufdringlich und anmaßend. Letztes Jahr hatte sie sich ein Bein gebrochen. Sie ist aber inzwischen genesen. Es sind nur böse Gerüchte, daß sie jemand die Treppe heruntergeschubst haben soll...

Der letzte Umzug war ziemlich verrückt und beinhaltete das Streichen einer kompletten 65qm Wohnung innerhalb eines Tages, der Ankunft in der neuen Wohnung und den Abflug nach Australien innerhalb von 1 1/2 Tagen. Ein Megastress, trotz Umzugsfirma, auch weil unsere Vormieterin uns erst eine Woche nach dem vereinbarten Termin in die neue Wohnung ließ.

Der nächste Umzug läßt hoffentlich noch auf sich warten. Allerdings bräuchten wir ein Zimmer mehr, wenn das große Kind in ein paar Jahren in die Schule kommt. Wir haben zwar eine große Grundfläche, aber die Wohnung ist für zwei Kinderzimmer zu ungünstig geschnitten.

Ich werfe dieses Stöckchen zu Hulalena (der guten alten Zeiten Willen) und zu Herrn Kowski (weil er mich sonst immer zu irgendwelchem Quatsch anstiftet) und hoffe, daß es beide aufnehmen. Natürlich dürfen auch alles anderen Leserinnen und Leser den Faden hier aufnehmen!

Montag, Oktober 08, 2018

Montagsfrage: Lesepensum #6

"Was ist dein ultimativer Trick, um mehr und regelmäßiger zu lesen?"

Hach, wie gern hätte ich ne Lösung für das Problem. Anstatt dessen wächst mein "Pile of Shame", oder wie Merlin es neulich so schön nannte "Pile of Anticaption":

Eigentlich habe ich nur drei Maßnahmen - mit druchwachsenem Erfolg - für mehr verarbeiteten Lesestoff getroffen:

(1) Am Jahresanfang habe ich mir bei GoodReads ein Pensum gesetzt, daß ich versuche "abzuarbeiten" ohne das dies in Stress ausartet.

(2) Ich bin bei der Wahl der Bücher viel selektiver als früher. Denn wenn ich nur die Bücher lese, auf die ich wirklich heiß bin, lese ich vielleicht schneller bzw. mehr.

(3) Ich versuche konsequent Bücher "auszulesen" und nicht fünf Bände gleichzeitig. Hierbei versage ich aber regelmäßig.

Montag, Oktober 01, 2018

Montagsfrage #5 – Grusel

"Musstest du schon mal ein Buch abbrechen, weil es zu gruselig war?"

Kurz: Nein. Allerdings gibt es Genres die ich einfach links liegen lasse. Das gilt bei mir z. B. auch für Filme etc. Um so älter ich werde, desto selektiver werde ich. Und mir tut es nur bedingt leid um all die Vampire, Monster, Kriminalistinnen, Elben und Ratgeberschreiber.

Montag, September 24, 2018

Die Montagsfrage #4 – Bücherordnungssystem

Die heutige Montagsfrage lautet: "Ordnest du deinen Bücherschrank oder geht bei dir alles kreuz und quer?"

Wenn man aus einem Bibliothekarinnenhaushalt kommt, stellt sich eigentlich nur die Frage, WELCHES Ordnungssystem man benutzt. Größte Sympathie habe ich für die Idee aus "High Fidelity*, die in der Praxis aber dann doch etwas unkomfortabel ist.

Für die Regensburger Klassifikation - von Frau Mama früher auch gerne scherzhaft "Rügenwalder" genannt - bin ich weder nerdig noch gelangweilt genug.

Also habe ich die zwei Regale mit Fachliteratur grob thematisch sortiert so stehen etwa Nachschlagewerke, Theorie, Fachgeschichte jeweils zusammen. Ähnlich halte ich es mit der Belletristik. Auch hier gibt es eine Grobgliederung nach Kinder- und Jugendliteratur, Biographien, Klassiker, Sci-Fi usw. Des weiteren habe ich nur die Regeln, daß die Bücher eines Autors/einer Autorin zusammenstehen und ich es vermeide, Bücher zweireihig zu stellen. Es soll keinen Zweifel für mich geben, wo ein ausgelesenes Buch abzustellen ist bzw. wo man eine bestimmte Lektüre finden kann. Zudem benutze ich Endnote um eine Liste alle meiner Bücher zu pflegen. Das ist auch ganz praktisch, denn wegen der Kinder mußte wir einiges Lesematerial auf den Boden auslagern und manchmal vergißt man dann halt doch, was man besitzt. Auch von Bücherschenkenden hörte ich nur gutes darüber, daß man auf meiner Webseite nachschlagen kann, was ich schon so habe.

Total ungeordnet sind nur meine Lesestapel. Denn Dinge suchen, macht mich wahnsinnig!

Montag, September 17, 2018

Die Montagsfrage #3 – Verfilmungen

Die heutige Montagsfrage lautet: Gab es schon einmal einen auf einem Buch basierten Film, den du besser fandest als das Buch? 

"Aber natürlich!", lautet meine Antwort auf die Frage, die auf den alten Mythos "Das Buch ist immer besser als der Film." anspielt. Ich erinnere mich zum Beispiel mit Grauen an Winston Grooms Vorlage* für Forrest Gump und weigere mich auch nur ein Wort über dieses Buch zu verlieren.

Die Verfilmung hingegen ist bestes Popcornkino. Und wenn ich heute etwas mehr Zeit hätte, würde ich jetzt ein Loblied auf Robert Zemeckis anstimmen...

Montag, September 10, 2018

Die Montagsfrage #2 – Hörbuch

Die heutige Sonntagsfrage lautet: Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Ich muß sagen, ich finde die Frage etwas schräg. Wenn ich eine schlechte Faust-Aufführung sehe, wird die literarische Vorlage nicht schlechter. Ich glaube, das ist ein Umstand, den ein "geschulter" Leser problemlos erkennt. Umgekehrt wird aus einen furchtbaren Buch auch kein Meisterwerk, selbst wenn es Stephen Fry oder Otto Mellies einlesen.

Ich höre eine handvoll Podcasts - am liebsten das Zeitzeichen - und zusätzlich vielleicht ein bis zwei Hörbücher pro Jahr. Sie sind dabei immer Begleitmedium, v.a. beim Kochen und Putzen. Es muß sich dabei bei mir aber um ungekürzte Ausgaben handeln. Hörspiele kommen mir nur ganz, ganz selten auf die Ohren. (Für Karl May mache ich da mal ne Ausnahme.) Besonders gerne höre ich Autorenlesungen. Ganz vorne dabei sind hier die Bücher von Sven Regener, wie z. B. Neue Vahr Süd*. (Ich könnte dem Mann tagelang zuhören und tue es auch.)

Donnerstag, September 06, 2018

Journalismus gegen Geld? Gern, aber bitte nicht so! #SpiegelPlus #Blendle

Der Strukurwandel in den Printmedien ist ein altes Thema. Zudem ist es so unterhaltsam wie die die alljährliche Zahnarztuntersuchung. Und um beides kommt man selten rum.

Ich lese schon lange und oft SPIEGEL. Online, offline. Ich fühle mich informiert, ärgere mich aber dann auch regelmäßig, wenn dank des nächsten Skandals zum 10. Mal in diesem Jahr der Weltuntergang ausgerufen wird. Trotzdem: Das Blatt bleibt für mich von Interesse. Gerne bezahle ich auch für guten Content, der mich interessiert. Wenn ich denn den Preis angemessen finde. Und da fängt mein Dilemma an. Im Mai hatten die Hamburger, mit relativ kurzer Vorwarnzeit, ihr Abomodell umgestellt. Einzelne Artikel legal und gegen Cash zu lesen ist unmöglich. Ich muß ein Abo für 20 bis 35€ abschließen. Mein Probemonat beim sogenannten Spiegel+ war dann auch ernüchternd. Ich las ca. 4 Artikel pro Woche. Ja, ich hätte grundsätzlich auch mehr Interessantes gefunden, wenn ich Zeit gehabt hätte, aber darum geht es nicht. Ich habe auch noch andere Nachrichtenquellen. Vielmehr werde ich dazu gezwungen für ein Abendessen für zwei Personen bei dem Kroketten die Beilagen sind, einen Sack Kartoffeln zu kaufen. Und das jeden Monat wieder. Sehr unbefriedigend das Ganze.

Leider gibt es wenig Alternative. Grundsätzlich mag ich Blendle sehr gern. Und das  obwohl die Preise für die Artikel nicht gerade günstig sind- Aber wenn ich mir mein Angebot selbst zusammenstellen möchte, bin ich bereit das zu zahlen. Leider bietet Blendle nicht alle Artikel von Spiegel+ zum Kauf an. Auch ist die ZEIT wohl letztes Jahr aus dem Angebot gestiegen. Und die BlendleApp wurde wohl von Taugtnix, dem gallischen Cousin des vierten Apokalyptischen Reiters, entworfen. Costumization ist ein Fremdwort. Zudem kann man versehentlich Artikel kaufen, da schon ein (!) falscher Klick für einen Kaufvorgang genügt. Und haben Sie schon die Suchfunktion gefunden? Ich auch nicht. Die scheint es nur im Desktopbrowser zu geben. Kuratierte Artikel sind ja toll, aber selbst entscheiden, was ich lesen möchte, möchte ich dann doch noch. Aber sobald es nicht besseres gibt, werde ich wohl trotzdem Kunde bleiben (müssen).

Mittwoch, September 05, 2018

Montagsfrage: Lesestoff

Bei "Lauter & Leiser" wird ab sofort die Montagsfrage gestellt und ich beuge mich einmal mehr dem durch Herrn Kowski generierten Gruppenzwang ;) und versuche nun auch immer dabei zu sein.

„Was ist das letzte Buch, das du gelesen hast, was liest du momentan und welches Buch steht dieses Jahr auf jeden Fall noch auf deiner Leseliste? Wieso?“

Ausgelesen habe ich gerade "Unserer kleine Stadt*". Irgendwie gab es mit dem Stück immer wieder Berührungspunkte in der Vergangenheit, ohne daß ich es je gesehen oder gelesen hätte. Höchste Zeit also, diese Bildungslücke zu schließen. Ich fühlte mich gut unterhalten und hatte anschließend noch genügend Fragen im Kopf um ein bißchen länger über Herrn Wilders Worte nachzudenken. 



Inzwischen hat mein innerer Nerd übernommen und ich lese "Star Trek Federation: The First 150 Years*". Es ist quasi eine Ersatzdroge bis die neue Star Trek Serie um Jean-Luc Picard an den Start geht. (Bei Discovery habe ich ja nach wie vor Störgefühle.) Mein Zwischenfazit lautet: Der wäre noch mehr gegangen, v.a. was die Illustrationen angeht. Es sieht alles eher nach Fanart aus.



Als nächstes ist dann Sherlock* dran, der seit 4(!) Jahren auf meinem Lesestapel liegt. Höchste Zeit ihn zu erlösen...


Mittwoch, August 15, 2018

Tipp: FTPManager für iOS

Kürzlich war ich längere Zeit fern der Heimat. Blöderweise mußte ich kurzfristig eine sehr alte Webseite bearbeiten. Alles noch selbst mit der Hand gestrickt. HTML und so. Die Neandertaler unter Ihnen werden sich erinnern.

Mein PC war daheim. Und auch die passenden Dateien. Schon etwas mutlos schaute ich in Apples AppStore und fand tatsächlich eine ftp Software, die mir bei meinem Problem half: ftp-Zugriff auf meine Dateien und einen kleinen Texteditor um die fraglichen beiden html-Files anzupassen. Und das ganze für 0€. Ich war super glücklich und empfehle deshalb an dieser Stelle mal wärmstens den FTPManager. (Die Vollversion kann noch viel mehr, die brauchte ich aber nicht für mein kleines Updates der Webseite.)

Freitag, August 03, 2018

Wie wir den Jackpot gewannen

"Sie machen das alles ganz toll!", sagte die Ärztin.

Naja, wenn man schon ein bißchen Mist im Leben erdulden mußte, weiß man, daß man sich beim Segeln nach Wind und Gezeiten richten muß, ob man will oder nicht. Heulen, Schreien, Selbstmitleid und an die Decken starren kann man zwischendurch immer dann, wenn man Zeit hat und nicht noch irgendwie funktionieren muß.

Auch den twittererprobte Zynismus ließ ich in den letzten Wochen lieber eingepackt, dafür war die Lage zu ernst. Vielmehr konzentrierte ich mich auf das wahnsinnige Glück, das wir hatten. Eine tiefe Dankbarkeit erfüllte mich heute. Eine Dankbarkeit dafür,

  • daß wir zur rechten Zeit am rechten Ort waren,
  • daß es aufmerksame Hebammen und Ärzte gibt,
  • daß es Rettungshubschrauber gibt,
  • daß es Ersatzrettungshubschrauber gibt, 
  • daß es Freunde gibt, die für einen kochen, die Katze füttern, Hotels buchen, Zuspruch geben oder sich nach 30 Stunden Flug sofort ins Auto setzen und zu einem kommen,
  • daß wir Eltern und eine Tochter haben, die einfach alles mitmachten, was nötig war,
  • daß man sich im 21. Jahrhundert befindet, im richtigen Teil der Erde und ne Krankenkasse, die einfach alles zahlt, so absurd die Kosten auch sind,
  • daß es eine Burgerbraterei gibt, die günstige Unterkünfte für Eltern betreiben, deren Kinder wochenlang fern der Heimat behandelt werden müssen,
  • daß unser Sohn die Situation so gut überstanden hat...


Ja, die Zeit war hart. Aber wenn ich schwächelte, war meine Frau für mich da und umgekehrt. Nicht nur, daß ich meine Frau und unser verrücktes Leben liebe, wir funktionieren einfach gut als Team. "Im Gesundheits- und im Krankenheitsfall", wie der ungarische Priester damals bei der Trauung in seiner etwas ruckligen deutschen Übersetzung sagte.

Natürlich gibt es auch negative Momente, die man nicht vergisst: Das Verabschieden vom Kind im kritischen Zustand, das tagelange Warten, das Durchlaufen von sechs Krankenhausstationen innerhalb von vier Wochen, das kaserniert sein, die Pendelei von 200+km, Zimmertemperaturen jenseits der 30 Grad ohne ein Fenster öffnen zu können, die Erkenntnis, daß man in einen Neugeborenen wirklich so viel Kabel stecken kann, daß es fast wie ein kleiner Borg aussieht...  

Das ist aber vorbei. Jetzt wohnt wieder das Glück in diesem Haus. Vielleicht war es nie weg. Zwei fast gesunde Kinder und viel Liebe für alle. Wir gewannen den Jackpot. 

    Donnerstag, Juni 21, 2018

    Tipp: Neuer Spaß mit altem Kindle

    Ich habe mir einen gebrauchten Amazon Kindle gekauft und beschreibe - etwas weiter unten - wie man die Klippen bei der Neueinrichtung umschifft.
    Bücher sind Fenster und Spiegel, Ort unser Sehnsüchte und Ängste. 
    Vielleicht liegt daran, daß ich als Sohn einer Bibliothekarin eine besondere Beziehung zum Medium Buch habe. Vielleicht ist das aber auch nur eine praktische Ausrede, wenn ich mal wieder mehr Bücher kaufe als ich lesen kann: Bücher füllen unsere Wohnung (zuletzte eher weniger) und die Kisten auf dem Dachboden (zuletzt eher mehr).

    Obwohl ich Geruch und Haptik vor physischen Büchern nicht missen möchte, vergrößert sich in den letzten Jahren auch der Bestand meiner e-books kontinuierlich. Ganz unschuldig ist daran auch die tolle Bibliothek meiner Heimatstadt nicht.
    Während ich mir angewöhnt habe, Graphic Novels & Comics via Comixology zu beschaffen und auf meinem iPhone zu lesen - ein Verhalten, für das ich voll umfänglich die Kollegen Reumeier und Herr Kowski verantwortlich mache - empfinde ich das Lesen langer, reiner Textpassagen auf dem Gerät als eher unpraktisch: Das Display spiegelt oft, das Akku wird schnell leer und andere Apps lenken mich mit ihren Benachrichtigungen schnell ab.
    So entschied ich mich für schmales Geld - ca. 30€ inkl. Versand - ein gebrauchtes Amazon Kindle (5. Gen) zu erwerben. Und bisher habe ich diesen Schritt nicht bereut: Akkulaufzeit, Gewicht, Größe, Speicher und die Lesbarkeit des Displays überzeugte mich sehr. Selbst bei starker Sonneneinstrahlung am Strand und getragenere Sonnenbrille machte das Schmökern Spaß.


    Nicht ganz so viel Freude macht anfängliche die Einrichtung des Gerätes. Und dies ist der eigentliche Grund für dieses Posting. Das Gerät war schon von seiner Vorbesitzerin zurückgesetzt worden. Die Probleme begannen so erst mit der Einrichtung des obligatorischen WLAN-Zugangs. Hier bekam ich immer wieder eine unspezifische Fehlermeldung mit der Aufforderung den Vorgang später zu wiederholen. Zwölf Versuche und zwei Schreikrämpfe später, fand ich einen gut versteckten Hinweis in den Untiefen des Internets und tatsächlich: Die aktuelle Firmware runtergeladen und via USB auf das Gerät gespielt, behob das Problem. Ich war glücklich, wünschte den Programmierern aber für die nichtssagende Fehlermeldung und den Umstand, daß ein 0.1 Punkt Unterschied in der Software ein Gerät quasi unbrauchbar macht, einen großes Furunkel an den Allerwertesten.
    Kaum hatte ich meinen Jubel samt Beckerfaust beendet, stand ich vor der zweiten Hürde. Nach der Eingabe meines Passworts für mein Amazonkonto bekam ich zwar den PIN per E-Mail, aber nirgendswo gab es ein Eingabefeld hierfür auf dem Kindle. Eine weitere ausführliche Googlesuche später erfuhr ich, daß man als Nutzer der Zwei-Schritte-Anmeldung das Passwort und den PIN hintereinander in das Eingabefeld eintragen muß. Also in etwa "Superpasswort123456". Alternativ hätte ich das Sicherheitsfeature auch vorübergehend abschalten können, aber schon komisch, wenn man eine Amazonfunktion auf einem Amazongerät nur eingeschränkt nutzen kann.

    Trotz der kleinen Probleme bin ich mit meinem Kindle sehr, sehr zu frieden. Nur ist die Lesbarkeit in der Dämmerung - also gerade dann, wenn ich eigentlich Zeit habe - etwas eingeschränkt. Daher überlege ich ernsthaft, mich vielleicht bzgl. eines Paperwhite* an den Weihnachtsmann zu wenden.

    Bis dahin tut aber auch das Gebrauchtgerät genau das, was es soll. Und das Bibliotheken toll sind, brauche ich ja nun wirklich niemandem mehr zu erzählen:
    "Wer wegen Fake News besorgt ist, sollte den Zugang zu geprüftem Wissen zu schätzen wissen. Und wer von Integration spricht, sollte nicht das immense Potential verkennen, das im Besuch der Stadtbibliothek liegt, wo neben „Michel aus Lönneberga“ eben auch politische Zeitschriften liegen und Mädchen aus einem patriarchalischen Umfeld etwa die „Emma“ lesen können. Denn wenn es einen Ort gibt, an dem sich unsere Gesellschaft mit all ihren Werten und ihren Widersprüchen spiegelt samt der Freiheit, sich aus dem Angebot ganz allein und unbeobachtet das Passende herauszusuchen, ohne befürchten zu müssen, wie im Internet dabei auf Schritt und Tritt registriert zu werden, dann ist er hier."

    Freitag, Juni 08, 2018

    Unsere Platte

    Wir waren immer stolz auf unsere Wohnung. Nicht, daß meine Eltern große  Reichtümer angehäuft hätte und dort zu Schau stellten, nein, aber gleich aus drei Zimmern - dem Wohnzimmer, der Küche und meinem Kinderzimmer - konnte man direkt auf den Hafen sehen. Wann immer wie Besuch von Verwandten und Freunden aus dem Binnenland bekamen, versammelte man sich vor den Fenster und erklärte, was Fähre, Museumsschiff oder KüMo war. Im Hafen war immer was los. Oft lagen die Schiffe sogar zweireihig am Kai und brachten Waren aus aller Welt in unsere kleine Republik des Mangels.


    Die elterliche Küche 1982: Szene aus dem Polizeiruf 110 

    Die Aussicht war so schön, daß wir sogar zweimal Filmteams im Hause hatte. Das erste Mal – im Jahr 1982 - wurden Aufnahmen für den Polizeiruf gemacht. Die Grüntöne der Einrichtung der Anfangsjahre wich nach und nach Rauhfasertapete, die mühevoll – Raum für Raum – ranorganisiert werdern mußte. Ein Großteil der wenigen Devisen, die mein Vater als Seemann bekam, nutzen meine Eltern dafür, die schwarzen Plastikeinheitstürklinken der Wohnung durch westdeutsche aus Metall zu ersetzen.

    Wenn ich heute Geschichten von der Wohnungssuche aus München und Hamburg höre bzw. an meine Zeit an Heidelberg und Frankfurt denke, scheint es, als hätte die Ärä der Wohnsnot nicht nur nie aufgehört, sondern weitere Kreise gezogen. Die wohlwollende Einstellung vieler Ossis zu ihren Plattenbauen läßt sich nur verstehen, wenn man die Nöte der Menschen in den 1970er und 1980er Jahre kennt. Viele DDR-Bürger wohnten beengt und wenn sich das erste, zweite, dritte Kind einstellte, eröffnete sich endlich die Chance eine Wohnung in angemessener Größe zu bekommen. Für die Sanierung von Altbauten fehlte Geld, Personal - „Keine Leute, keine Leute!“ war ein geflügeltes Wort in der DDR – und Baustoffe. Wer aus maroden Häusern mit Klo auf dem Gang oder Hof kam, freute sich über Warmwasser, eigenes Bad und Fahrstuhl. So steckte der Staat sein weniges Geld, v.a. in die billige Plattenbauten der neuen Stadtviertel. Trotzdem war ein Großteil der Menschen stolz und froh, ein Lebensgefühl, was kürzlich in ARTEs Karambolage gut eingefangen wurde.



    Auch mein Vater war – gleich nach meiner Geburt – losgezogen, um eine größere Wohnung für unsere Familie zu beantragen. Die Aussichten dafür waren gut, denn erstens arbeite mein Vater für einen der großen Betriebe, die ein passables Wohnungskontingent hatte und zweitens hatte ich eine große Schwester, so daß die alte 2-Raum-Wohnung nun definitiv zu klein wurde. So zogen wir dann schon 1980 in eines der eilig errichteten Neubaugebiete, die den noch immer eklatanten Wohnungsmangel irgendwie entgegenwirken sollte. Die 2 2 ½ Raum Wohnung – die beiden Kinderzimmer waren so klein, daß man sie als halbe Zimmer „vermarktete“ - blieb mein zu Hause bis zum Studium. Und da nur Paare mit Kindern größere Wohnungen erhielten, gab es in jedem Hausaufgang des neuen Viertels zig Kinder. In unserem  waren es 19 in neun Wohnungen, alle in ähnlichem Alter. Es gab in der Straße genau zwei verschiedene Wohnungszuschnitte, was aber auch ganz praktisch war: Wann immer wenn man irgendwo zu Besuch war, wußte man ganz genau, wo sich Küche oder das Badezimmer befand.

    Oft spielten wir aber draußen. Und das war das reinste Abenteuer. Man spielte verstecken in den Hauseingängen – diese waren praktischerweise nie verschlossen – oder erkundete Matschpfützen und das nahe Flußufer. Die Außenanlage hinter dem Haus wurden erst kurz vor der Wende fertig, bis dahin gab es noch überall Erdhügel, Kuhlen und das eine oder andere Stück Dachpappe, daß nach dem Hausbau nicht ordentlich entsorgt wurde. Im Winter diente ein riesiger Sandberg, der aus dem Aushub der vielen Fundamente der Straßenzüge bestand, als Rodelbahn, den Weg zur Schule gingen wir zu Fuß und schon als Erstklässler allein. Denn wo es kaum Autos gab – ich mußte zudem auf 800m Weg lediglich zwei Straßen überqueren – mußte man keine Angst haben, überfahren zu werden. Oft spielten wir auch direkt auf der Straße Ball. Alle zehn Minuten mal von der Straße zu gehen, wenn ein Trabant, Wartburg oder Skoda kam, war für uns kein Problem. Oder man spielte hinter dem Haus Tischtennis. Jahrzehnte später erfuhr ich, daß im Haus bei „unserer“ Tischtennisplatte zu diesem Zeitpunkt ein Rapper aufwuchs, der heute Top-10 Alben verkauft.

    Die Veränderungen nach der Wende begannen schleichend. Zuerst war es das Sortiment in den Kaufhallen, von denen wir drei im Viertel hatten. Dann kamen mehr und mehr Autos, die dann auch schnell „wild“ geparkt wurden, etwas, was man sich früher nicht getraut hätte. Irgendwann standen die ersten Nazis an den Hauseingängen und wir wußten, um welche Blöcke wir lieber einen Bogen machten. Hier und da erschienen Graffitis, aber noch bis Mitte der 1990er Jahre hatte sich wenig an der sozialen Zusammensetzung im Viertel geändert. Noch immer wohnte der Hausmeister mit dem Professor Tür an Tür, der Krankenpfleger mit der Ärztin. Erst dann begannen die ersten Eltern meiner Freunde in das Umland zu ziehen und ihre Kinder in Schulen in den „besseren“ Stadtteilen zu schicken. Ein Prozess, der sich über mindestens 10 Jahre hinzog. Zurückblieben die, die sich einen Umzug nicht leisten konnten, oder – wie meine Eltern – das gewohnte soziale Umfeld und den Hafenblick nicht aufgeben wollten.

    Optisch wurde viel gemacht: Freiflächen begrünt, leerstehende Blocks abgerissen, Wohnungen wärmeisoliert und Fassaden aufgehübscht. Aber das Viertel ist ein anderes. Wie in vielen ostdeutschen Gemeinden kämpft es mit den Folgen der sozialen Segregation, wie diese neue Studie sie gut beschreibt: Jüngere Menschen mit höheren Einkommen wandern ab, die alten und älteren Erstbezieher bleiben zurück. Es gilt, aus diesen Viertel wieder einen lebenswerten Ort zu machen , v.a. für jüngere Menschen mit guten Jobs. So wie er es früher einmal war, als wir Kinder vor 30 Jahren von "unserer Platte" mit unseren Fahrräder richtig Norden fuhren, um uns bereits 25min später in die Fluten der Ostsee zu werfen.

    Montag, April 30, 2018

    Abhängig, ausgeliefert und ausgeflickrt?

    ​Samstag, der 22ste begann mit für mich mit einer überraschenden E-Mail. Man informierte mich darüber, daß Flickr von SmugMug gekauft worden sei:
    We’re excited to announce that Flickr has agreed to be acquired by SmugMug, the photography platform dedicated to visual storytellers.
    SmugMug has a long history of empowering people who love photography and who want to improve their craft, making them a perfect fit for Flickr and our creative community. With SmugMug, we’ll continue to focus on you, the Flickr members who inspire us all with your work.
    Nothing will change immediately with regard to your Flickr account. You will still access Flickr with your current login credentials and you will have the same Flickr experience as you do now. We will continue to work to make your Flickrexperience even better.
    We think you are going to love Flickr under SmugMug ownership, but you can choose to not have your Flickr account and data transferred to SmugMug until May 25, 2018. If you want to keep your Flickr account and data from being transferred, you must go to your Flickr account to download the photos and videos you want to keep, then delete your account from your Account Settings by May 25, 2018.
    If you do not delete your account by May 25, 2018, your Flickr account and data will transfer to SmugMug and will be governed by SmugMug’s Terms and Privacy Policy.
    Read more detailed FAQs about this transition on the Flickr Blog.
    We’re happy that Flickr is your home for photography and we look forward to the next chapter in our adventure together as we join the SmugMug family.
    Thanks,
    The Flickr Team
    Sofort machte ich auf Twitter meinen Unmut Luft. (Die therapeutischen Effekte des Kurznachrichtendienst sollte man nicht unterschätzen!)

    Ich setze das "Es ändert sich augenblicklich nichts." und das weiter unten aufgeführte Datum "25. Mai 2018" gedanklich in Beziehung. Und das brachte mein Blut in Wallung! Aber warum? Nicht nur weil ich Flickr seit 2005 als zahlenden Kunde sehr schätze, sondern mich von ihm auch sehr abhängig gemacht hatte, wie ich eigentlich erst in diesem Moment am besagten Samstag feststellte. Flickr dient mir als Backup-ort für meine wichtigsten Fotos, als Fotoalbum mit Passwortzugang für Familie und Freunde* und mit seiner Gruppen- und Kommentarfunktion und der wunderbaren Plattformsuche auch als Inspirationsquelle und Ort des Ideenaustauschs.


    Zudem fand ich die Bedienungsoberfläche und die Apps stets brauchbar. In dieser Kombination der Feature ist für mich FlickR alternativlos. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Ich habe eine Handvoll Webseiten, die sich aus meinen eigenen Fotopool bei FlickR bedienen. Spontan hatte ich wenig Böcke, die dutzende Verlinkungen zu suchen und zu ersetzen.

    Meiner Gemütslage zwischen Panik und Amoklauf setzte erstmal Tim ein vorläufiges Ende, indem er mich auf die Pressemitteilung aus dem Haus Flickr/SmugMug aufmerksam machte, die ebenfalls GOLEM aufgriff. Auch im FAQ von SmugMug war man viel präziser als in der Kunden-E-Mail:
    Will anything happen to my photos? Will they be moved?
    No, you’ll still be able to access your photos as you do currently and they’ll retain the same Flickr or SmugMug URL as always. Over time, we’ll be migrating Flickr onto SmugMug’s technology infrastructure, and your Flickr photos will move as a part of this migration—but the photos themselves will remain on Flickr.
    Meine erste Annahme, FlickR würde am 25. Mai 2018 seine Pforten schließen, schien also so nicht zu stimmen. Dies beruhigte mich einigermaßen, beschwichtigte mich aber nicht bis jetzt.

    Denn wer läßt bitte so wichtige Meldungen an die Nutzer so mehrdeutig formulieren? Diese Art der Kundenkommunikation lässt böses für die Zukunft erahnen. Obwohl ich mittlerweile meinen Blutdruck runtergefahren habe, bleibt eine leichte Irritierung zurück. Und das Bewußtsein, wie abhängig man von bestimmten Anbietern ist. Um nicht zu sagen "ausgeliefert". Und das Zeitalter der Mietmodelle á la ,Software as a service‘ hat gerade erst begonnen. Die von Kiki am Ende letzten Jahres formulierte Forderung nach der Rückeroberung des Internets läßt sich also auch in diese Richtung erweitern. Ich bleibe besorgt.

    *Dafür habe ich einen zweiten, kostenlosen Account erstellt, der mit mir "befreundet" ist und so auch auf nur für diesen Personenkreis zugängliche Fotos Zugriff hat. Die Logindaten habe ich dann an Freunde und Familie ohne FlickR-Account weitergegeben. Keine elegante, aber eine seit Jahren praktikable Lösung.

    Mittwoch, März 28, 2018

    Verbrauchertipps - Frühjahr 2018

    Das Hasenfest nähert sich mit großen Schritten. Und obwohl ich den meisten Ausprägungen von Konsumwahn kritisch gegenüberstehe und auf jeden Fall verhindern möchte, daß sich Ostern zu Weihnachten II entwickelt, sehe ich mich aus familienpolitischen Gründen (Eltern! Schwester!) doch stets gezwungen ein paar Kleinigkeiten für die Lieben zu besorgen. So auch 2018. Und da ich immer hoffe, mit meinem Leid nicht der Einzige zu sein, möchte meine Ostereinkaufsideen an dieser Stelle mit Euch teilen.

    [Wenn Du, liebe Leser, willensstärker bist als ich oder sogar Posts mit bösen, bösen Affilate-Links - man achte auf das * - umgehen möchtest, halte hier an und lies anderenorts ein paar Dilbert Cartoon.]

    BÜCHER
    Viel Spaß hatte ich im Winter beim Lesen der Biographien von Feeling B/Rammstein-Keyboarder Flake. Und das obwohl ich mit seiner Musik nichts bis gar nichts anzufangen weiß. Während der erste Band "Tastenficker"* sehr unterhaltsam, aber auch sehr chaotisch, ist - nicht nur ich bräuchte dringend einen Lektor oder besser eine Lektorin - ist der zweite Band "Heute hat die Welt Geburtstag"* viel geschliffener, aber auch etwas erkenntnisärmer. Wem Flakes Besuch in der Hörbar Rust oder die Arte-Doku gefallen hat, kommt voll auf seine Kosten.

    Das Buch der Stunde - und nicht nur weil es hasentechnisch so toll zu Ostern paßt - kommt natürlich von einem John Oliver & Team: Marlon Bundo* ist mein Held.



    BRETTSPIELE
    Beim Besuch meiner Lieblingsesten haben wir wieder einige Brettspiele ausprobiert, etwas das mir sehr fehlt seit sie weg sind und meine sozialen Aktivitäten familienbedingt etwas eingeschränkt sind.
    In "Azul"* habe ich mich gleich verliebte: eine tolle Mechanik, schöne Spielsteine und ein Konzept, daß der Vorgabe "Easy to learn, hard to master" kompromisslos folgt. Eine Empfehlung für alle, die Jaipur* und Carcassonne* mögen.
    Zum Aufwärmen hatten wir das Exit-Game "Die verlassene Hütte*" gespielt. Exit-Games verhalten sich wie Exit-Rooms: In einer Gruppe von Personen, muß man Rätsel lösen, um der Situation zu entkommen und das Spiel zu gewinnen. Man kann das Spiel genau einmal spielen, weil man es teilweise zerstören muß. Das ist aber nicht schlimm: Ein Preis von 10 bis 15€ für eine Stunde Spielspaß in einer größeren Gruppe fand ich angemessen.
    Wer grundsätzliche beim Brettspielkauf ein paar Euro sparen möchte, empfehle ich Brettspiel-Angebote.de. Einer tollen Plattform mit gut funktionierendem Preisvergleich zwischen den vielen Anbietern.
    Leuten, den der Spielpartner fehlt, möchte ich noch mal die App-Version von Star Realms ans Herz legen: Ein Deckbuilder, der mich schon seit Jahren fesselt. Und das für sehr wenige Euro. Es gibt kein Abo oder so ein Mist. Die Server sind fast immer online und selbst auf dem iPhone spielt sich das Spiel sehr zügig. (Dafür sollte man aber schon die Karten kennen.)

    ELEKTRONISCHES
    Wer ganz viel Kohle für sich oder andere ausgeben möchte, sollte das beim Pjöni tun. Dieser bastelt nämlich seit kurzem tolle Handhelds auf denen viele Spieleklassiker von PS1 über Gameboy bis C64 zocken kann. Einfach toll.

    KUNST
    Mein letzter Tipp ist gar kein geheimer. "Kauft mehr Kunst!", rufe ich ja schon seit Jahren in die Welt und das es große Meisterwerke für wenig Geld gibt, zeigt immer wieder Kiki mit ihrem Bärenabo. Kauft es, verschenkt es und macht die Menschheit glücklich damit!

    Donnerstag, März 08, 2018

    Tipp: Mediatheken

    Die Software MediathekView ist gefühlt seit Bismarckszeiten kein Geheimtipp mehr. Mit ihr kann man fix und sorglos Inhalte aus den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Anstalten herunterladen.

    Was zumindest mir neu war, daß es auch ohne Installation geht. Nämlich mit Hilde der Webseite Mediathekviewweb.

    Ganz viel Liebe für das Tool und die dazugehörende Webseite!

    Donnerstag, Februar 08, 2018

    Mein Herz, ein Ort an dem die olympische Flamme lodert

    Als jemand, der in den letzten Tagen der 1970er Jahre geboren wurde, sehe ich mich nicht unbedingt als DDR-Kind. Ich glaube, daß mich die Nachwendejahre mit seiner  - teils chaotischen - Transition vielmehr geprägt haben als die zehn Jahre meiner jüngsten Kindheit.

    Es gibt da gewiss Ausnahmen, so weiß ich natürlich noch was Knusperflocken, Schlangestehen oder Pioniernachmittage sind. Und alle zwei Jahre kommt so eine Vorfreude in mir hoch: Die olympischen Spiele stehen vor der Tür!

    Ja, ich gebe es zu: Mein Herz ist ein Ort, in dem die olympische Flamme lodert. Die Jugend der Welt kommt an einem Platz zusammen, zelebrieren Völkerfreundschaft, erweitern ihren Horizont und messen sich in fairen Wettkämpfen. Welch' schöner Traum! Ein Traum, den man bisher weder Sponsoren mit ihrer dümmlichen Werbung, noch Dopingvergehen, politischen Irrungen und Wirrungen oder auch fehlender Nachhaltigkeitskonzepte madig machen konnten.

    Das erste sportliche Großereignis, daß ich bewußte wahrnahm und heute auch noch erinnere, waren die Spiele von Calgary 1988: Matti Nykänen, Wolfgang Hoppe, Bogdan Musiol und Jens Müller hießen meine Helden. Als 8jährigen schrieb ich jeden Tag den Medaillenspiegel in ein kleines Buch mit hartem, blauem Einband.

    Und so sitze ich seitdem bei allen Spielen, ob Sommer, ob Winter vor dem Fernseher. Und freue mich auf Momente wie, die Siege von Bjørn Dæhlie...



    ... die Wiederauferstehung von Hermann Maier...



    ... die Tränen von Gunda Niemann....



    ... und zwischendurch vielleicht der eine oder andere musikalische Beitrag, den man sich sonst nicht anhören würde:



    Halten Sie mich verrückt, aber ich freue mich verrückt auf die nächsten zwei Wochen und schaue schon mal sehnsüchtig auf das Autogramm von Oskars Melbardis und seiner Crew an meiner Pinwand.

    Freitag, Januar 26, 2018

    Wo ist nur der Content hin?

    Irgendwas läuft hier schief. Ich meine in unserer kleinen, bunten Netzwelt. Und ich scheine nicht der Einzige zu sein, der das spürt und was dagegen unternehmen möchte.

    Ich gehörte nie zu den „Viel-Bloggern“ . Trotzdem „verteile“ ich seit einem Studienaufenthalt fern der Heimat im Jahr 2001 hier  und  da tagebuchartige Gedankensammlungen im Netz. Das fühlte sich immer heimelig und kuschlig an, v.a. als ich 2004 den warmen Schoß meiner Alma Mater verließ und erstmal irgendwie meinen Frust und meine Irritation loswerden mußte. Überall gab es nette Leute, die einem – fern von jeglicher Öffentlichkeit - an ihrem Leben teilhaben ließen. Egal ob es nun um das Berufsleben, Kinder oder den Einbau eines Jacuzzi ging.

    Über die Jahre professionalisierte sich dieses kleine Biotop. Der (oder die) eine oder andere dachte  nun anscheinend viel länger nach, bevor man den „Publish“-Knopf drückte. Die Schere im Kopf erschien. Denn die Öffentlichkeit hatte unsere Nische erreicht. Bloginhalte wurden weniger, Social Media Riesen lockten mit ihren großen Reichweiten…

    Aber was erzähle ich Euch das? Ihr kennt die Story. Oft habt ihr bessere oder tiefergehende Einblicke. Die Anfangseuphorie ist längst verflogen. Es überwiegen Werbung oder redaktionelle Inhalte. Die Situation ist so schlimm, daß fb selbst die Notbremse ziehen möchte. Das kann man verstehen: Denn irgendwie scheinen gute Inhalte heute bei den großen Diensten verschenkt: Facebook ist nichts mehr als der schlechteste Feedreader der Welt, den ich persönlich nur noch nutze, um der weit verteilten Familie Lebenszeichen von dem Kind und uns in Form von Bildern zu übermitteln. Twitter ist ohne Third-Party-Client eigentlich nicht mehr vernünftig nutzbar. Instagram hat so viel Charme wie die bekannte Hochglanzwartezimmerlektüre.

    Dazu kommt der Umstand, daß man sich von den Riesen unheimlich abhängig macht. In erster Linie natürlich monetär. Die kleinsten Änderungen an den Geschäftsbedingungen führt dazu, daß das eigene Geschäftsmodell implodieren kann. Das erleben gerade eine Vielzahlvon kleineren Youtube-Channel-Betreibern.  Für Privatnutzer ist das vielleicht nicht so schlimm, trotzdem besteht immer die Gefahr, eigene Inhalte und natürlich lieb gewonnenen Besucher/Nutzer und mit ihnen die Reichweite zu verlieren, falls der eine oder andere Landen doch mal zu machen sollte.

    Das einige von Euch die Sorgen um die Inhalte im Netz teilen, freut mich allerdings. Eure Postings zum Thema habe ich in den letzten Wochen gerne gelsen. Daher habe ich beschlossen, Eurem guten Beispiel zu folgen. Ich plane in diesem Jahr:

    •          mehr zu bloggen und zu kommentieren (siehe Nerdlicht), 
    •         Inhalte mehr im eigene Blog zu publizieren („Zuhause ist’s am Schönsten!“ lt.  Kiki), und 
    •         einfach öfter frei weg von der Leber zu schreiben, als ob niemand mit liest ("Mehr Realität in 2018!“, siehe Pia

    Und damit sich das auch quantitativ messen läßt, nehme ich mir vor, 2018 einhundert verschiedene Beiträge im Netz zu veröffentlichen. Hierfür werde ich die ganze Breite der von mir geführten Blogs und Internetseiten nutzen. Und wer Interesse am Fortschritt von Projekt #100in2018 hat, kann rechts im Menu jetzt einen kleinen Counter finden. Das ist quasi eine logische Fortsetzung der Schreibmaschinennovembers.


    Dienstag, Januar 16, 2018

    Tipp: Kalender

    Immer wieder praktisch, diese kostenlosen Kalender von Kalenderpedia.

    Weitere Tipps findet man hier.


    Sonntag, Januar 07, 2018

    „Star Trek Discovery“: Gar nicht mal so gut

    Im November legte Star Trek Discovery nach der ersten, halben Staffel eine Pause ein. Das Schiff samt Besatzung trieb orientierungslos in einem unbekannten Sonnensystem und ich muß sagen, ich konnte dies nach dem Schauen der ersten Folgen von Discovery emotional gut nachvollziehen.

    Warum? Dazu muß ich ausholen. Also holt Euch lieber schnell eine Tasse Raktajino. Eine Rezension sagt oftmals genauso viel über den Rezensenten aus, wie über den Rezensionsgegenstand. Das ist hier nicht anders. Was waren meine Erwartungen an Discovery an denen sich die arme Fernsehserie hat messen müssen? Diese lassen sich bei mir auf zwei Ebenen reduzieren: Ich wollte (a) gutes, modernes Fernsehen und (b) Star Trek. Soviel vorab: Bezüglicher beider Aspekte bin ich momentan noch nicht glücklich geworden.

    Star Trek war für mich immer eine inspirierende, positive Sicht der Zukunft. Ja, es gab immer Kriege und gewalttätige Auseinandersetzungen, letztendlich standen aber immer die Personen und ihre persönlichen Konflikte und Entwicklungen im Vordergrund. Es gab nie das „absolute Böse“. Sondern Außerirdische, die aus kulturellen, persönlichen oder politischen Zwängen einfach anders handelten als die Menschen in der Föderation. Discovery hat diese Aspekte zwar auch schon angekratzt, setzt für meinen Geschmack aber noch viel zu sehr Action. Bis jetzt gab es keine Folge, die ohne Gewalt und/oder Phaserfeuer auskommt. Dabei liegt in den leisen Tönen eigentlich die Stärke des Franchises. (Zuletzt sah ich die Enterprise „Breaking the ice“, welche mich daran erinnerte, warum ich die Serien eigentlich so liebe) Auch finde ich es momentan sehr ermüdend, daß jede einzelne Folge der Weiterentwicklung der übergeordneten Handlung dient. Mir fehlen Episoden, die für sich stehen und aus sich heraus einfach wirken und funktionieren. Ganz ehrlich, wenn man nicht hier und da die - meist doch sehr liebevollen - Rückbezüge auf den Star Trek Canon hätte, könnte es auch ein Remake von „Battlestar Galactica“ sein. Nichts gegen das BSG, aber es ist halt kein Star Trek. Natürlich erfüllen auch nicht alle „alten“ Star Trek Folgen und Filme diese Ideale - man brauch sich ja nur die letzten TNG-Kinofilme anschauen (oder lieber nicht). Und natürlich muß man bei Discovery auch den gewählten Zeithorizont beachten: Die Serie zu Zeiten des jungen Kirk, als die oberste Direktive weniger wichtig war, die Kapitäne freier entscheiden konnten. Hierzu kommt die Kriegssituation. Trotzdem gefällt mir der Grundtenor momentan nicht. Auf diesem Schiff scheint alles möglich. Der Tod von Shuttlepiloten, die als Kollateralschäden hingenommen werden; ein Captain, der ständig nach neuen Waffensysteme geifert; Klingonen, die man, um so noch ein bißchen gruseliger zu machen, mal eben zu Menschenfressern mutieren läßt.

    Das bringt mich zur zweiten Dimension meiner Bewertung: Hat sich das Redesign gelohnt? Half es, eine modere, gute Fernsehserie zu erschaffen? Auch hier bin ich noch nicht überzeugt. Modernes (aber eher durchschnittliches) CGI und lens-flares haben die Serie erzählerisch noch nicht auf eine neue Ebene gehoben, wie es mit DS9 und den späteren TNG-Staffeln war. Die Klingonen sind für mich weiterhin v.a. ein Ärgernis: Eindimensional, nuschelnd, nicht nachvollziehbar und jetzt auch noch Menschenfresser. (Ja, dies ärgert mich so, daß ich es zweimal erwähnen muß!) Während der Chefingenieur endlich etwas mehr Kontur gewinnt und nicht mehr wie der intergalaktische Zwilling von Guido Cantz wirkt, bleibt die Figur der Tilly überzeichnet und nervig. Überzeichnung ist ein gutes Schlagwort. Einige der Szenen in Folge vier wirkten derart plakativ und effekthascherisch, daß bei mir Fremdschämen einsetzen. Dies gilt vor allem für die Hilferufe und die Rettung der Bergbaukolonie. Auch das Schulterklopfen der Besatzung der Discovery nach gelungener Operation wirkte wie eine Parodie. Das ist einfach kein gutes, modernes Fernsehen oder Storytelling. Auch die Figur der Michael bleibt momentan noch eindimensional. Zudem verliert sich Discovery hier und da  noch in mittelmäßigen Ideen und billigen Effekten. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die mich stören: die Feierszene in „Magic to Make the Sanest Man go Mad“ die wirkt, als ob sie aus einem Collegefilm genommen wurde oder der absurde Spezialeffekt, der zeigen sollten, wie Cmd. Saro „wirklich schnell“ läuft.


    Trotzdem: Man muß die Kirche im Dorf lassen. Bisher gab es zweimal große „Schaffenspausen“ im Star Trek-Universum. Bei beiden (vor dem 1. Kinofilm und vor TNG) gab es ein großes Redesign, daß in der ersten Zeit ebenfalls nicht ganz überzeugen konnte. Also lassen wir den Machen etwas Zeit, sich zu finden und auf die Stärken des Franchises zu besinnen. Es gibt noch viel Luft nach oben! Bis dahin freue ich mich trotzdem jeden Montag mit Freunden eine neue Episode sehen zu können und bin schon ganz gespannt (Spoiler!), wie es mit Ash Tylor weitergeht. Ist er „lediglich“ ein umgedrehter, klingonischer Agent oder sogar der chirurgisch veränderte Voq?

    Dienstag, Januar 02, 2018

    2017 - Mein digitaler Jahresrückblick

    Wortschnittchens Jahresrückblicke lese ich nun schon seit über einem Jahrzehnt. Und jedes Jahr denke ich, in irgendeiner Form sollte zumindest mal die letzten 12 Monate meines Internetlebens und Medienkonsumentendaseins reflektieren. Heute unternehme ich endlich mal diesen Versuch.

    Gelesen
    Mein Vorsatz war, im vergangen Jahr endlich mal wieder mehr zu lesen. Na gut, lesen tue ich beruflich und privat andauernd, zuletzt aber weniger Gebundenes, so daß mein „pile of shame“ deprimierende Höhen annahm. Am Ende des Jahres waren es doch eine Reihe von Titeln, die ich „abarbeiten“ konnte. Am besten hat mir dabei „Ich und die anderen“* von Matt Ruff gefallen. Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehle. (Aber laßt Euch nicht von Rezensionen spoilern!)
    Die Unmengen von interessanten Zeitungsartikeln und Blogeinträgen, die mir wöchentlich begegnen, versuche ich mit Refind Herr zu werden. Nettes Nebenprodukt: Einmal wöchentlich veröffentliche ich eine Auswahl von Links auf meiner Webseite (Sorry, aus Anonymitätsgründen kein Link an dieser Stelle.).

    Gehört
    Die Leserei im sehr geschäftigen 2017 ging leider zu Lasten des Podcastshörens. Sowohl beim Zeitzeichen als auch bei „Der Weisheit“ bin ich arg im Verzug.
    Traurig machte mich ein wenig das Ende von „Die drei Vogonen“. Ich werde die Altmeister des Halbwissens vermissen.
    Regelrecht begeistert bin ich in der Zwischenzeit von Spotify, obwohl ich damit anfänglich gar nichts anfangen konnte. Streamingdienste sind ein toller Weg, neue (und alte!) Musik zu entdecken.

    Geschrieben
    Wie ich bereits schrieb, gab es in den letzten 12 Monaten wenig Zeit zum Durchatmen. Das war allerdings absehbar, so daß ich meinen recht gut laufenden Webshop erstmal auf Eis legte. Auch bekleidete ich seit gut 20 Jahren erstmals kein Ehrenamt. Das erzeugte einerseits ein seltsames Gefühl des „Nichtstuns“, allerdings brachte es auch nicht wirklich Abhilfe in Sachen Zeitgewinn. Denn neben Familie und Beruf hielt mich der im April aus einer Laune gestartete Viertblog auf Trap. Nach sehr kurzer Anlaufzeit habe ich dort nun täglich mehrere Hundert Besucher und mehr als 2.000 Follower auf Twitter, die betreut werden müssen. Neben dem Spaß, den das bringt, schüttet das Amazon Partner Programm auch noch monatlich ein Taschengeld an mich aus. Also bleibe ich mit wöchentlichen Updates am Ball.

    Andere Projekte sind deswegen etwas ins Hintertreffen geraten. Das Kinderbuch, das ich 2017 abschließen wollte, ist zumindest zu Ende geplottet. Das Lego- und das Elternblog liegen allerdings weiterhin etwas brach, obwohl diverse Artikel (13!) im Rohstadium auf der Festplatte verstauben. Mein Hobby Familienforschung habe ich momentan total aus den Augen verloren. Für 2018 sollte aber zumindest ein Artikel zu meinem 1918 vor Verdun schwer verwundeten Urgroßvater entstehen.
    Angefangen und unvollendet bliebt auch ein kleine Sci-Fi-Projekt für das mein Mitstreiter und ich ein sehr ungewöhnliches Medium wählten. Allerdings ging mir mein Co-Autor - ein ansonsten feiner Mensch – leider verloren und allein fehlt mir etwa der „Zug zum Tor“.

    Erfolgreich war hingegen die Migration meiner alterWebseite.

    Gesehen
    Ich habe zuletzt wenig ferngesehen und genetflixt. Zwar macht das gelegentliche Anschauen von Comicverfilmungen mit Freunden im Kino Spaß – immerhin gibt es mittlerweile hier in der Provinz auch eine OV-Vorstellung im Monat – aber Hängengeblieben ist von dieser „Fast Food Unterhaltung“ nichts. „April and the Extraordinary World“ ist wahrscheinlich der Film, der mir im letzten Jahr am besten gefallen hat. Die letzten Staffeln von „House of Cards” sind eine Zumutung und „Star Trek – Discovery“ hat mich auch noch nicht überzeugt.

    Besucht
    Mit unserem Sommerdomizil in Schweden haben wir tatsächlich einen kleinen Sehnsuchtsort für uns entdeckt. Diese Ruhe, dieser Ausblick! Unvergesslich!

    Angeschafft
    Bei meinen Anschaffungen bewies ich ein goldenes Händchen. So haben wir uns einen neuen Staubsauger zugelegt, der um Längen besser ist als das Gerät aus Studienzeiten. Und auch mein Yoga, mein erstes privates Notebook seit 10 Jahren, macht mir sehr viel Freude. (Eine Rezension folgt!)

    Geärgert
    … habe ich mich v.a. beruflich. Dort gab es zuletzt eine Menge Probleme, die man mit sauberen Management einfach hätte vermeiden können. Das muß definitiv anders werden und steht ganz oben auf meiner Liste für mein Personalentwicklungsgespräch. Denn meine Aufgaben machen mir weiterhin sehr viel Spaß, auch wenn im Sommer die Frustration so hoch war, daß ich das erste Mal seit Jahren wieder Bewerbungen geschrieben habe.

    Gefreut…
    … habe ich mich 2017 besonders über die Reiseberichte vomWortschnittchen, den Daily Bär von Kiki, die RP17 und ein gemeinsames Mittagessen mit Andres und Roland.

    Vorgenommen…
    … habe ich mir, beim Lesen/Hören/Ansehen noch selektiver zu sein, denn Zeit ist ein kostbares Gut. Zudem stehen in diesem Jahr ein Familien- und ein Klassentreffen an, die es vorzubereiten gilt.

    *Achtung! Böser Affil.link!