Freitag, November 09, 2018

Emil

Als Emil 19 Jahre alt war, kam er zum preußischen Militär. Mit einer Körpergröße von 1,60m und Erfahrung im Umgang mit Pferden machten ihn zu einem guten Kandidaten für die Kavallerie. So wurde er ein Ziethen-Husar. Während in den letzten zwei Jahren schon Hundertausende junger Männer in den Schützengräben Belgiens und Frankreichs im Artilleriehagel starben, wurde Emil noch am Kavalleriesdegen und der Stahlrohrlanze ausgebildet. Aber eigentlich konnte einen sowieso nichts auf die Grauen des 1. Weltkrieges vorbereiten.

Emil kämpfte in Roye-Noyan, an der Somme, in Arras, in Verdun und an vielen anderen Kriegsschauplätzen, bevor bei Villers Bretonneux, wo er als Meldegänger eingesetzt war, schwer verwundet wurde. Für seine militärische Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz. Emil litt ein Leben lang unter den Folgen seiner Verletzung und er sprach mit uns über den Krieg bis er im Alter von 92 starb.

Im Sommer nach dem Abitur besuchte ich die Plätze von denen uns mein geliebter Urgroßvater erzählt hatte. Mit anderen Jugendlichen arbeitete ich auf Kriegsgräberstätten, besuchte Museen und versuchte wenigsten annähernd zu begreifen, wie so etwas geschehen konnte. Menschen, die so jung waren wie wir - aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den USA, den Kolonien - ließen in einem sinnlosen Gemetzel ihr Leben.

Vor 100 Jahren schwiegen endlich die Waffen. Zeit an die zu denken, die nicht mehr nach Hause kamen, an die, die tiefe körperliche und seelische Wunden heim trugen, an die, die ihre Liebsten verloren. Und Zeit, dankbar zu sein, für die friedliche Union in der wir leben und dafür zu kämpfen, daß sie erhalten bleibt.



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