Sonntag, Juni 23, 2024

Woche 25/2024 - The Smashing Pumpkins

In den 90ern seine eigene Pubertät erlebt zu haben, geht mit ganz seltsamen Erinnerungen an Musik einher. Klar, da waren neue Kanäle für Heranwachsende wie Viva und NJoy Radio, aber auch ganz viel Fragwürdiges, wie Gummistiefeltechno, Boybandgedöns und das Dancefloorgrauen.

Bei mir lagen im tragbaren CD-Spieler Garth Brooks und Police, Jewel und Alanis Morissette, Grönemeyer und Bruce Springsteen. Und dann gab es da Bands, die ein gewisses Grundrauschen erzeugten: R.E.M., Beastie Boys, die Smashing Pumpkins. Nicht ganz so innig geliebt wie meine Favoriten, aber auf jeder Party und bei jedem Herzbruch dabei.

Durch glückliche Umstände kam ich an ein Ticket und konnte gestern die gut gealterten Herren in der Wuhlheide erleben. Achtzig Euronen waren eine ganz schöne Investition, aber mit den Special Guests "Interpol" bekam man quasi auch zwei Konzerte zum Preis von zwei.

Die Indie-Rocker aus New York hatten ein sehr hörbares Set zusammengestellt, was mich sehr dazu motiviert, ihr Oeuvre mal auf Spotify nachzuhören. Ich fühlte mich sehr an Britpopnächte in einem gewissen Liverpooler Club anno 2000 erinnert. Nur der Gesang des Leads war etwas gewöhnungsbedürftig, oder wie es meine sehr nette Begleitung ausdrückte: "Haben die Strohhalme gezogen, wer singen muss?!".

Spätestens beim Hauptact war die Location vollgepackt mit 17.000 Menschen mittleren Alters, die sicherlich auch problemlos als Publikum bei Peter Maffay durchgegangen wären. Der körperliche Zerfall ist halt ein ungeliebtes Massenphänomen. Über diesen und andere Schocks half der eine oder andere Joint hinweg, der um uns konsumiert wurde und meine Fahrtüchtigkeit als unfreiwilliger Passivraucher hoffentlich nicht beeinträchtigte.

Die Pumpkins 3.0 bzw. 4.0 - wir waren uns nicht ganz sicher, wie wir das zählen sollten - lieferten eine recht routinierte Show ab, brachten aber alle Klassiker unter (1979, Disarm, Tonight, Tonight etc. pp.), die man sich so erhofft hatte, und mit Springtimes sogar eine nette Melodie, die ich noch nicht kannte und den Rest des Abends vor mich hinsummte.

Es war auch noch ziemlich viel vom Tag übrig, als man den Konzertbetrieb - ohne Zugabe - vor durchschnittlich motiviertem Publikum kurz vor 22 Uhr ohne großes Tamtam einstellte.

Die Soundqualität hatte fernab vom Innenraum die gewohnte Schwammigkeit der Wuhlheide, trotzdem nervte das Geschrammel zwischendurch ein wenig. Ein Keyboarder hätte dem Abend sicherlich auch gut getan, so kam diese Spur durchgehend und etwas sehr unromantisch vom Band.

In zehn Jahren komme ich vielleicht mit den Kids noch mal zur Abschiedstour der Kürbisse. Bis dahin kann Billy an seinen Guildo-Horn-Gedächtnis-Moves für die Bühne noch feilen. Bis dahin höre ich ab und zu in die gut abgehangen Alben der frühen 90er rein und denke an den lieben M., den wir nun schon seit 15 Jahren vermissen.

Freitag, Juni 21, 2024

Woche 24/2024 - Literarische DDR-Krypto-Akkuratesse

Nachgedacht

Kürzlich war ich auf einem Seminar, bei dem ich einen Plot pitchte, der in den 1960er und 1970er Jahren in der DDR spielen sollte. Erst beim Präsentieren fiel mir auf, dass ich der einzige "Ossi" in der Runde war, und obwohl die anderen Autorinnen und Autoren bedeutend älter waren als ich (Jg. 79), merkte ich plötzlich, wie wenig man über die damaligen Lebensumstände wusste. Am "schrägsten" empfand ich die Frage, was man denn in der DDR mit Geld anfangen wollte. Man hätte sich dafür ja eh "nichts" kaufen können. Puh. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Schon bei der Debatte um "Gittersee" und der berüchtigten "Mängelliste", die dem Buch fehlende historische Akkuratesse vorwarf, frage ich mich, ob es wirklich notwendig ist, aus jeder Diskussion um einen fiktionalen Roman, der die DDR behandelt, sofort ein Proseminar am Historischen Institut zu machen. Gut, ich bin in der Belletristik ein absoluter Gegner von durchrecherchierten Szenarien – dafür gibt es meiner Meinung nach Sachbücher und Reiseliteratur. Und wenn es nicht zu absurd wird, kann ich auch damit leben, dass man in einer in Paris spielenden Handlung im Supermarkt mit Rupien bezahlt. Ich behaupte, der "Alte Mann und das Meer" wäre kein Stück schlechter, wenn er ein dreimeter großes Huhn aus der See gezogen hätte.

Gelesen

Nach dem Gratis-Comic-Tag haben die Kinder die ersten zwei Bände von Hans Jørgen Sandnes' "Krypto – Geheimnisvolle Meereswesen"-Reihe* verschlungen. Und natürlich habe ich gut gelauscht – und die Bilder betrachtet – als das große Kind dem jüngeren Kind vorlas.

Mir ist die Handlung tatsächlich etwas zu flach und vorhersehbar – wahrscheinlich haben Margo Maloo und Hilda die Hürden einfach zu hoch gesetzt – aber die Kinder hatten wirklich Spaß daran und der dritte Band ist schon in der Bibliothek vorbestellt.

Gehört

Dienstag, Juni 18, 2024

Woche 23/2024 - Alles gesagt, Literaturliteratur und Tauschticket

Angehört

Ich bin ja ein Fan von langen Interviews. Oder vielleicht eher ein Gegner kurzer, vorabgesprochener Gespräche à la NDR Talkshow? 

Jedenfalls habe ich sehr viel Freude am Zeit-Podcastformat "Alles gesagt?", bei dem Prominente gern auch mal vier, fünf, sechs, sieben Stunden zu Wort kommen. Zunächst fand ich die Gastgeber ziemlich anstrengend, mittlerweile mag ich aber ihre Art und die gute Vorbereitung der Redaktion. 

Zum Einstieg empfehle ich die Sendungen mit Armin Maiwald und Christine Westermann.

Nachgedacht 

Dass Christine Westermann, die gut informierte und einfühlsame Interviewerin aus Zimmer frei, auch als Buchrezensentin jenseits des "Zwei Seiten"-Podcasts bekannt ist, war an mir total vorbeigegangen. Grundsätzlich ist es wohl aber so, dass unser Buchgeschmack nicht so furchtbar kompatibel ist, bzw. ich zu wählerisch bin, was auf meine Leseliste kommt.

Aber es ist schon heftig, wie sehr sich der Buchmarkt in "Literatur" und "Literatur Literatur" teilt, wie es Westermann im Podcast formuliert. Ich bin auch beim Lesen jemand, der eher über Plot und Charaktere kommt und den Sprachsperenzien eher nerven. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich mich schwer bei den Einreichungen bei Anthologien tue bzw. warum mich die Bewertenden berechtigterweise doof finden, schließlich haben sie auch eine ganz bestimmte Leserschaft im Blick.

Neulich habe ich versucht, einen vorliegenden Text "auf Publikum" zu schreiben, und das Ergebnis empfand ich einfach als furchtbar. Dann probiere ich lieber weiterhin mit Genres und Themen herum, bleibe aber meinem Stil treu. Seelenlose, formal richtige Texte verfasse ich auch im Büro.

(Nicht) getauscht

Seit langer Zeit benutze ich Tauschticket, um aussortierte Bücher an neue Lesende zu bringen. Wie lange das allerdings ist, wurde mir erst in dieser Woche bewusst, als ein Buch angefordert wurde, das ich 2007, also vor 17 (!) Jahren, einstellte.

Ich kann die Plattform sehr empfehlen, wenn es in der Nähe keinen Bücherschrank gibt, die Werke wenig monetären Restwert haben und es, wie bei mir, da Bibliothekarinnnensohn, größtmögliche Recyclinghemmungen gibt. 

(Ich habe eben noch mal nachgeschaut, ich habe seit 2004 150 Bücher getauscht. Das ist schon ein bisschen was.)




Montag, Juni 17, 2024

Woche 22/2024 - Voice Cloning, Pokémon, Comixology und OSKA

Ausprobiert

Aus Gründen habe ich kürzlich testweise Software zum Voice Cloning benutzt. Ein 30-Sekunden-Soundschnipsel reicht schon aus, um eine ziemlich überzeugende Schablone für einzusprechende Texte zu erzeugen. 

Wenn man wirklich schnell nur einen kurzen Vorlesetext (z.B. für ein Tutorial) braucht, sind selbst (teilweise) kostenlose Tools wie Elevenlabs schon ziemlich gut. Aber alles in allem ist es schon beängstigend, darüber nachzudenken, was man damit alles für einen Unfug treiben kann. Da kommt noch einiges auf uns zu. Herrje.

Gespielt

Ich erwähnte, dass bei den Kindern das Pokémon-Fieber ausgebrochen ist? Ich bin ja immer noch ein Lehrling in allem, was japanische Knuddelkampfmonster angeht, aber ich mache Fortschritte. 

Die kostenlose iOS-App half mir sehr dabei, die Spielregeln zu erfassen, und ich habe tatsächlich Spaß an einer gelegentlichen Partie. (Auch weil ich seit Monaten keine vernünftige Spiele-App mehr auf dem Gerät hatte. Ich nehme gerne Tipps in den Kommentaren entgegen.) Die Performance der App nervt manchmal, z.B. was gelegentliche Spielabbrüche und immensen Energieverbrauch angeht, aber das ist schon ein solides Ding. Meine Kids (6 und fast 9) würde ich aber noch nicht ranlassen. 

In der realen Welt habe ich Pokémon-Kartenbestellungen via Cardmarket ausprobiert und bin sehr angetan von der Plattform, die, glaube ich, viel Taschengeld sparen hilft.

Gelesen 


Mir war in dieser Woche nach "leichter" Literatur, und ich habe mir dazu mal wieder meine zusammengekaufte Comixology-Bibliothek angeschaut. Die Plattform war für viele Jahre die Anlaufstelle für kostengünstige bebilderte Literatur, aber seitdem Amazon sie schluckte und in sein Kindle-Imperium integrierte, macht es dort nur noch wenig Spaß. Echt doof, denn ich mochte die iPad-App sehr und wie man dort die Titel sortieren konnte. Zudem hatte man alles im Blick und konnte Titel gut löschen bzw. wieder aus dem Cloudspeicher hochladen. Nun kaufe ich nur noch sehr selten mal ein Bändchen, und dann eher bei Humble Bundle.

Gehört 

Sonntag, Juni 16, 2024

Woche 21/2024 - Copytrans, Läuteordnung und Radiowissen

Ausprobiert

Ich gehöre ja zu den Leuten, die Unmengen an Fotos auf ihrem iPhone umherschleppen. Das hat zur Folge, dass ab und zu mein Speicherplatz zu Neige geht und ich dann ein paar Gigabyte Bildmaterial auf mein Notebook verschieben muss. Da mich die gesamte Dateiverwaltung unter Apple hart nervt, umgehe ich iCloud und iTunes und nutze dafür CopyTrans, das nur wenige Euronen kostet und den Job zuverlässig durchführt. (Kurzer Tipp: Die Software braucht beim Löschen einige Minuten Wartezeit, bevor sie den Vorgang zulässt. Ich vergesse das jedes Mal und ärgere mich dann.) Die Software kann man auch gut dazu verwenden, ein komplettes Backup von Apple-Geräten zu machen.

Gelernt

Kirchen besitzen eine Läuteordnung:

"Von dem Hinweis auf die - ein besonderes läutetechnisches Können erfordernden - Anschlagsarten nach Abschnitt B Unterabschnitt I Nummer 2 bis 5 darf daher nur mit Vorsicht und nur dort Gebrauch gemacht werden, wo geeignete Glöckner eingesetzt werden können.

Willkommen in Deutschland!

Gehört

Herr Buddenbohm, einer der unterhaltsamen deutschen Blogger, empfahl kürzlich einen Beitrag des BR zu Konsalik, was dazu führte, dass ich in das Rabbithole des "Radiowissen"-Podcasts fiel. Herzlichen Dank dafür!

Gelesen

"I hope you'll be as happy as our cruel world allows."



Samstag, Juni 15, 2024

Woche 20/2024 - Der nackte Mann auf dem Sportplatz und Tod unter Gurken (Teil 3 & 4)

Gesehen

Als wir noch Kinder waren, gingen unsere Eltern gelegentlich abends ins Kino. Und wenn wir wissen wollten, welchen Film sie sich angesehen hatten, gab es immer die gleiche Antwort: "Der nackte Mann auf dem Sportplatz". Es vergingen ungefähr 20 Jahre, bis ich begriff, dass es diesen Film wirklich gibt, und weitere 20 Jahre, bis ich ihn mir endlich angeschaut habe.

Es geht um den Bildhauer Kemmel, der in der DDR der 1970er Jahre versucht, seine Auffassung von Kunst und das Kunstverständnis der Betrachter in Einklang zu bringen, und natürlich auch um die ökonomischen und politischen Zwänge, die damit einhergehen.

Mir hat der Film von Regielegende Konrad Wolf unheimlich gut gefallen. Die (für heutige Sehgewohnheiten) gemächliche Erzählweise, die Konflikte, die Charaktere und der subtile Humor. Ein Stoff, der eigentlich nach einer Fortsetzung schreit, in der die Konflikte der heutigen Künstler in den aktuellen gesellschaftlichen Umständen beleuchtet werden.

(Erschreckendes Detail: Hauptdarsteller Kurt Böwe war in dem Film noch jünger als ich heute, was Klamotten so ausmachen.)

Geärgert

Gern hätte ich den oben erwähnten Film verlinkt, aber leider verschwinden manche Dinge viel zu schnell aus den öffentlich-rechtlichen Mediatheken.

Gehört

Ich habe mir den dritten und vierten Teil der "Tod unter Gurken"-Reihe angehört. Während ich den ersten Teil sehr mochte, haben mir alle Fortsetzungen immer weniger gefallen, und Teil 4 habe ich tatsächlich nur vollständigkeitshalber zu Ende gehört. Ein gutes Beispiel dafür, wie man eine ursprünglich gute Idee aus ökonomischen (?) Gründen zu Tode reitet.


Freitag, Juni 14, 2024

Woche 19/2024 - Wir sind Helden, Blogger, Google Cache und Nähen

Nun ja, dieses Wordpress-Template ist älter als Twitter, soweit ich mich erinnern, kann. (Man sieht es ihm auch an.) Trotzdem bin ich mal dem guten Beispiel von Roland gefolgt und habe in die Sidebar ein Plugin mit den jüngsten Kommentaren eingebaut. Es war gar nicht so furchtbar frickelig, wie befürchtet. Nur wie man den html-code für den Header ändert, musste ich mir wieder ins Gedächtnis rufen. (Auch das lege ich hier mal wieder unter "Tipp" ab.)


So sah diese Seite übrigens mal in früher Vorzeit aus. 

Gesehen
Wir sind Helden waren hier ja kürzlich schon einmal Thema hier. Auf deren Youtube-Kanal findet man zwei nette Dokus über die Band. In dem ersten Film geht es um das Debutalbum "Die Reklamation", der zweite Film namens "Tausend wirre Bilder" behandelt die "ganze" Bandgeschichte. 


Geärgert

Gelernt
Das große Kind (8) hat momentan im Hort einen Nähkurs und so haben wir beide am Wochenende fleißig an der Nähmaschine gearbeitet. Einiges - wie die ganze Einfädelei - kann sie schon besser (=schneller) als ich. Gut, dass das ganze Internet voll von Nähideen ist.

Freitag, Juni 07, 2024

Woche 18 - MiniDisc, das Schulgespenst, gifs und veganer Kartoffelsalat

Zur Erinnerung: Man findet mich weiterhin (nahezu inhaltsgleich) auf Mastodon, Bluesky und (aus Gründen) bei der irren SpaceKaren auf Mordor


Gesehen

Mit dem großen Kind (8) und der Liebsten die DDR-Komödie "Das Schulgespenst" gesehen, die immer noch ziemlich gut in der ursprünglichen Zielgruppe funktioniert. Schön, dass es mittlerweile eine ganze Reihe DEFA-Produktionen in ganze Länge, völlig legal auf Youtube gibt. 



Gelernt 

Aus Gründen mußte ich neulich fix mit ausschließlich Online-Mitteln ein gif aus einem Youtube-Video herstellen. Eine Kombination aus Ezgif & Makeagif erlaubten mir, die Aufgabe schnell und mit zufriedenstellendem Ergebnis duchzuführen. (Ich lege das mal hier als Tipp ab, damit ich es im Falle selbst wiederfinde. ;) ) 

Gekocht

Die Garten und Grillsaison hat begonnen und zur Feier des Ereignisses habe ich gleich mal einen veganen Kartoffelsalat ausprobiert (bekommt noch ein besonderen Kick, wenn man Gewürzgurken mit Chili nutzt). Und dann gibt es ja noch den schnellsten Nudelsalat der Welt. (Man kann auch noch ein bißchen Raukensalat reinwerfen und gleich getrocknete Tomaten in Streifen nehmen.)