Ich hab ’nen Knall, das wissen regelmäßige Leser*innen dieses Blogs. Mir nahestehende Menschen würden sagen: „Nur einen?!“
In diesem Jahr habe ich eine weitere Disposition meiner selbst festgestellt: die Neigung, Nebenprojekte aufzuziehen, wenn das reguläre Leben ärgert, langweilt und/oder stresst.
So entstanden kürzlich Schreibmonat.de und Wannwares.de, und anscheinend ist die Saure-Gurken-Zeit für die sinnvolle Kanalisierung von Kreativität und Wissbegierde noch nicht vorbei. Denn als mich meine Schwägerin kürzlich um ein längeres Video bat, aber per se kein geeignetes Abspielgerät oder Dateiformat nennen konnte, fiel mir ein kurzes Video der Schnäppchenjäger von MyDealz ein, in dem die Einrichtung ein eigener Streamingdienst geteasert wurde. Davon blieb mir nur die Nennung der Media-Server-Software Plex und Jellyfin in Erinnerung – und dass man die Software dort mit einem NAS, also einem netzgebundenen Speicher, nutzte.
Ein NAS besitze ich zwar, aber lediglich als Speicher aller Daten, die ich nicht unbedingt täglich brauche. (Das Ding macht furchtbaren Lärm und irgendwie bin ich mit ihm nie wirklich warm geworden. Daher läuft es tatsächlich nur bei Bedarf. Das spart Strom, Geld und Nerven.) Natürlich könnte ich das Ding nun mal standesgemäß einsetzen, und zwar um alle Videodaten, die auf internen und externen Festplatten herumliegen, endlich mal anzuschauen. Oder zumindest die Möglichkeit eröffnen, dies zu tun. Aber so einen Speicher ins Netz zu hängen, auf dem auch Daten liegen, die ich dem Risiko des unbefugten externen Zugriffs nicht aussetzen möchte, finde ich eine semigute Idee.
Daher fragte ich mich, ob es nicht möglich sei, einfach einen externen, virtuellen Server anzumieten und die abzuspielenden Dateien in meine Dropbox zu werfen. Spoiler: Das funktioniert. Sehr gut sogar und für interessierten IT-Laien mit sehr überschaubarem Aufwand!
Was habe ich getan?
Zunächst habe ich 10€/Monat in die Hand genommen und einen virtuellen Server gemietet. Meine Wahl fiel auf einen Windows-Server mit 2 Cores, 2GB RAM und 80GB Speicherplatz. Da ich nur mit wenigen Accounts gleichzeitig streamen werde (max. 2, denke ich), reicht die Rechenpower total aus und - wie ich bereits schrieb - war der Plan, die Mediendateien auszulagern, so dass ich wirklich nur Speicherplatz für die Dienstprogramme brauchte.
Der Windowsserver war binnen Minuten eingerichtet. Danach installierte ich die kostenfreie Open-Source-Software Jellyfin, was ebenfalls sehr intuitiv zu bedienen war.
Nun war es an der Zeit, einen Ordner in Dropbox anzulegen und die gewünschten Mediadaten zu hinterlegen. (Hier habe ich gleich weitere Unterordner für ungarischsprachigen Content, Familievideos etc. pp. angelegt, um die ganze Sache übersichtlicher zu gestalten.)
Um diesen Dropbox-Ordner als Laufwerk mouten zu können, habe ich RClone runtergeladen und nach C:\rclone kopiert.
Für die langweiligen, technischen Details zur Konfiguration von Rclone bitte hier klicken.
(1) cmd öffnen
(2) "bashcd C:\rclone"
(3) "rclone config"
(4) Folgende Auswahl treffen
- n (new remote)
- Name: dropbox
- Storage: dropbox
- Client ID/Secret: Enter (leer lassen)
- Advanced config: n
- Auto config: y
(6) cmd nochmals öffnen
(7) rclone mount dropbox:/ORDNERNAME Z: --vfs-cache-mode full --vfs-cache-max-size 30G
Anschließend kann der Dropbox-Ordner über Jellyfin eingebunden werden. Das lief bei mir und meinen rund 200 Dateien schnell und zuverlässig. Sehr schön finde ich z. B. die Funktion, einzelne Unterordner/Bibliotheken nur für bestimmte Nutzer zuzulassen.
Nach etwa 2 bis 3 Stunden hatte ich ein sehr ansehnliches Interface mit allen gewünschten Inhalten online. Alle Dateien lassen sich z. B. über IMDb identifizieren und erhalten dann sofort die passenden Coverbilder und Begleittexte. Diese kann man anschließend auch noch manuell anpassen.
Ich bin mit der Softwarelösung absolut zufrieden: Sowohl Installation als auch Performance und die Einbindung neuer Inhalte funktionieren in meinem Use Case problemlos. Ich würde 9 von 10 Sternen vergeben. Selbst das Streamen auf uralte Geräte, wie vom iPhone auf meinen Apple TV der 3. Generation (mein Fernseher ist noch älter, er ist mittlerweile volljährig), gelingt.




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