Ich schreibe wirklich gern an meinen Büchern. Egal, ob es realistisch ist, dass sie jemals gedruckt werden oder ein Publikum finden. Das Schreiben wäre allerdings um einiges einfacher, wenn ich nicht nur regelmäßiger Freiräume für mein Lieblingshobby finden würde – für das ich etwas Abstand von der Welt und Ruhe brauche –, sondern mir nicht regelmäßig die Frage „Taugt das überhaupt?“ durch den Kopf spuken würde.
Über die Jahre habe ich drei Strategien entwickelt, um mit den Selbstzweifeln klarzukommen. Wobei „klarkommen“ übertrieben ist – wenn ich das Thema hinter mir gelassen hätte, bräuchte es dieses Posting mit nachfolgender Liste nicht.
(1) Weiterschreiben. Wie sagte schon Churchill: If you're going through hell, keep going. Der Nachteil dieses Ansatzes: Man braucht noch Restenergie im Tank – und die ist nicht immer vorhanden. Trotzdem gilt: Wenn man keine Buchstaben aufs Blatt bringt, ist sowieso alles Gezeter über Qualität und Quantität hinfällig.
(2) Ein Besuch bei der Bundesakademie in Wolfenbüttel, die ich gerne als meinen literarischen Therapiestandort meines Vertrauens bezeichne. Ich kann dort abschalten, treffe Gleichgesinnte, lerne viel, probiere Formen und Themen aus, auf die ich sonst nicht gekommen wäre – und entdecke, dass viele meiner Texte doch ein Publikum finden.
(3) Ich freue mich immer, von Autor:innen zu lesen oder zu hören, wie sie ihren Schreiballtag gestalten und womit sie sich so herumschlagen. Die Probleme sind gar nicht so verschieden – egal, ob man 500 oder 500.000 Exemplare verkauft.
In Bezug auf (3) hat mir der Podcast Schreiben & Schreddern viel Freude bereitet. Normalerweise nehme ich Podcastempfehlungen nur mit Vorsicht an, denn meine Playlist ist ohnehin gut gefüllt – und es stresst mich, wenn ich sie nicht leergehört bekomme. (Ja, mein innerer Monk ist da ziemlich streng.) Aber bei einem Hinweis meines Lieblingsillustrators mit dem Vermerk „bin grad mit Staffel 1 durch, musste bei der mit Andreas Steinhöfel an dich denken :)“ mache ich gerne eine Ausnahme. Auch wenn meine erste, mit Selbstbewusstsein vollgepackte Reaktion war: „Andreas Steinhöfel?! Hoffentlich ist das kein Serienkiller.“ Spoiler: Ist er nicht – soweit wir wissen. Sondern der sehr sympathische Schöpfer der Rico und Oskar-Reihe. Das hat mich dann in eine wohlige Decke aus Wertschätzung gepackt: mit der Arbeit solcher tollen Menschen assoziiert zu werden! Auch sonst konnte ich mit vielen Einschätzungen zur Kinderbuchwelt konform gehen.
„Ich finde ja, Kinderbücher sind das Beste, was man schreiben kann.“ – Marc-Uwe Kling
Kinder sind wirklich ein angenehmes Publikum. Die Filterlosigkeit der Halblinge zeigt einem sehr schnell, ob man unterhaltsam geschrieben hat. Und unterhaltsam heißt bei ihnen: lustig und spannend (oder zumindest: interessant).
Tatsächlich finde ich – wie die beiden Podcaster – das Plotten bei Kinderbüchern besonders herausfordernd. Einen Spannungsbogen aufzubauen und gleichzeitig regelmäßig kleine Highlights einzustreuen, selbst wenn die Handlung gerade ruhiger verläuft, ist eine der größten Hürden, die man als Kinderbuchautor nehmen muss.
„Jetzt habe ich das gemacht, jetzt muss ich irgendwie damit klarkommen.“ – Andreas Steinhöfel
Und dann muss das Ganze ja auch noch bei den Bucheinkäufer:innen ankommen. Gags für die Eltern zu schreiben ist also nicht nur Vergnügen, sondern fast Pflicht. Ähnlich wie Marc-Uwe – er darf mich gerne duzen – nähere auch ich mich meinen Charakteren szenisch: Irgendwann tauchen Handlungs- oder Dialogfetzen in meinem Kopf auf, und dann muss ich das Ganze irgendwie in die Handlung einbauen. Die Puzzelei beginnt. Das ist ziemlich anstrengend – und manchmal nervig. Die größte Angst dabei: liebgewonnene Passagen rauswerfen zu müssen, weil sie nicht funktionieren. Obwohl: Ersatzloses Streichen ist oft die beste Medizin gegen miese Absätze. Dagegen stinken konservative Behandlungsmaßnahmen wie wiederholtes Umformulieren einfach ab.
Zurück zum Podcast: Warm ums Herz wurde mir bei dem Punkt, an dem es um die Zusammenarbeit mit Illustrator:innen ging. Diese als „eine der schönsten Phasen“ zu bezeichnen – da kann ich nur zustimmen.
„Dann kommen die Bilder zurück und dann wird es noch mal auf eine ganz andere Art lebendig.“ – Marc-Uwe Kling
Auch die Adjektive „beglückend“ und „irrwitzig“ möchte ich hier unterstreichen. Es ist, als hätte man einen Song geschrieben, und bevor man ihn selbst das erste Mal spielt, hört man – im besten Fall – eine fantastische Interpretation eines anderen Musikers davon. Falls ich tatsächlich mal eine wirtschaftlich relevante Menge an Büchern verkaufen sollte, würde ich mir für jede große Neuauflage eine:n andere:n Illustrator:in wünschen. Am liebsten jemanden, der bisher noch nicht in Erscheinung getreten ist. Man wird ja noch träumen dürfen...
Gehört




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