Ich habe ein offenes Ohr für Hör- und Lesehinweise von Menschen, die ich sehr schätze, und unterliege dabei des Öfteren folgender Fehleinschätzung: 'Wenn Leute, die man toll findet, etwas empfehlen, dann gefällt mir das sicherlich auch.'
Bei Christine Westermann, Elke Heidenreich und Flix bin ich diesbezüglich schon mehrfach auf die Nase gefallen, aber ich kann jetzt nicht garantieren, dass (1) ich aus diesen Fällen lerne und (2) das meine Liebe und Wertschätzung in irgendeiner Art beeinflusst.
Gelesen
Für den ersten, ausführlichen Strandtag des Jahres hatte ich mir "Professor Andersens Nacht" von Dag Solstad aus dem Bücherregal gegriffen. Der Roman oxidierte schon deutlich über ein Jahrzehnt ungelesen vor sich hin, sodass ich gar keine Erinnerung mehr daran hatte, wie er dort genau hingekommen war. Innerhalb eines Nachmittags hatte ich das Bändchen dann durch. Das war äußerst positiv, denn meinen Geschmack traf er so gar nicht.
Der alleinlebende, namensgebende Professor Andersen beobachtet in der Weihnachtsnacht einen mutmaßlichen Mord, und was dann passiert, hätte auch für eine Kurzgeschichte gereicht. Der Plot war überschaubar, die Pointe mau, und dazwischen viel hochtrabendes, wenig berührendes Zeug. Wahrscheinlich bin ich nicht distinguiert genug für diese Art Lesestoff.
Gehört
Seit Jahren versuchte ich, in diversen Online-Antiquariaten die preisgekrönte "Parabel der Macht" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2003) zu einem vernünftigen Preis zu erbeuten. Teilweise wurde Ryszard Kapuścińskis "König der Könige"* für einen dreistelligen Betrag gehandelt. Es handelt sich, wie gesagt, um keinen seltenen, vorzüglich mundenden Rotwein, sondern um eine zwei Jahrzehnte alte Doppel-CD. In diesem Sommer wurde ich endlich fündig, und leider hielt auch in diesem Fall meine Erwartung dem Hörerlebnis nicht stand. Die Idee, das Leben am Hofe von Äthiopiens letztem Kaiser Haile Selassie anhand von unzähligen Interviews mit ehemaligen Hofdienern und Bediensteten nachzuzeichnen, ist eine hervorragende Anfangsidee, aber mir persönlich fehlten Fakten zur "Unterfütterung" all der Zeitzeugenberichte. Das Ganze war mir also zu "literarisch", während ich mein Hirn gerne mit etwas Wissen gefüllt hätte. Zudem ist die ganze Produktion mit ihren dominanten Soundeffekten nicht wirklich gut gealtert.





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