
Anno 2000 war ich Betreuer bei einer internationalen Jugendbegegnung. Neben Deutschen, Italienern, Letten und angehörigen vieler weiterer Nationen gab es auch zwei Studentinnen aus Weißrussland in "meiner" Jugendgruppe. Um das Kennenlernen zu erleichtern hatte ich Namensschilder anfertigen lassen, auf denen auch die Flaggen der Heimatländer plaziert waren. Gleich am ersten Abend war das ein Grund zur Freude und Anlaß zur Verbrüderung mit den Weißrussinnen. Zufällig hatte ich nämlich die alte Staatsflagge verwendet, die der Oppositionsbewegung als Erkennungszeichen dient. Die neue Staatsflagge, die sowohl auf folkloristische wie auch alte SU-Symbolik zurückgreift, wurde nämlich erst unter Lukaschenko eingeführt. So wurde das Demokratiedefizit in Minsk eines der Hauptdiskussionsthemen in diesem Sommer. Schon damals, so wurde mir berichtet, wurden die Studenten der Minsker Uni von staatlichen Stellen in ihren Fakultäten eingeschlossen, wenn nachmittags regimekritische Demonstrationen anstanden...