Wobei das auch nicht ganz stimmt. Während ich mich - beruflich wie privat - durch das Anlesen bestimmter Dinge fröhlich durch Leben deletiere, gibt es mindestens eine Sache in der ich ein Totalversager bin: Dem Zeichnen.
Der elterlichen Erzählung nach wurde mir diesbezüglich schon im Kindergarten absolute Talentfreiheit bescheinigt. Auch in der Schule hatte ich am Kunstunterricht wenig bis keine Freude. Kein Wunder: Wir erlernten nie irgendwelche Techniken oder beschäftigten uns mit Kunstgeschichte oder ähnlichem. In 10 von 12 Schuljahren - zum Abitur hin hatte ich das Fach abgewählt - sah der Unterricht so aus: Die Lehrkraft betrat den Raum und sagte: "Wir malen jetzt mit Tinte und Feder eine Herbstlandschaft." Und dann malten wir fünf Wochen lang mit Tinte und Feder eine Herbstlandschaft, während die Fachkraft ein Buch las oder Monologe über Lady Di hielt.
Ich kann mich auch nicht erinnern, mal irgendwas außerhalb des Klassenzimmers gezeichnet zu haben, obwohl mein Vater z.B. bis heute hobbymäßig malt. Nur zum Fotoaparat griff ich seit der Teenagerzeit viel und gerne und auch in Sachen Bildbearbeitung (und ein bißchen Grafikdesign) bin ich nun schon ein paar Jahrzehnte unterwegs, ansonsten war mir aber der Text immer näher als das Bild.
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| Eine kleine Grafik hier und da war bisher das Höchste der Gefühle |
Vor nicht allzu langer Zeit entwickelte sich dann allerdings bei mir doch der Wunsch mal ein Schwein oder ein Haus zeichnen zu können, ohne daß der Betrachter (oder die Betrachterin) vor Mitleid anfangen würde zu weinen. Und ja, wahrscheinlich hatte dieser Wunsch auch mit der Ankunft des Nachwuchses zu tun, auf jeden Fall fing ich irgendwann damit an, Tiere zu malen, die dann auf einem Plakat über dem Wickeltisch endeten.
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| "Figürliches" Zeichnen, die allerersten Gehversuche |
Wie schon bei dem Tierposter verwendete ich hierbei meinen Finger und die tolle iOS-App Tayasui Sketches.
— Herr Rpunkt (@herrrpunkt) September 9, 2016
Und während ich da so vor mich hinschmierte, lernte ich tatsächlich drei simple Dinge, die mir vorher nicht bewußt waren. Etwas, daß man mir eigentlich schon in der Grundschule hätte vermitteln sollen:
Erstens: Umso mehr man zeichnet, desto besser wird man. (Das gilt auch für talentfreie Nasen wir mich.)
Zweitens: Sich anzuschauen, wie andere Zeichnen, ist kein dummes Plagiieren, sondern lernen. Man kopiert ja auch nicht Yotam Ottolenghi, wenn man seine Rezepte nachkocht und anschließend anfängt zu variieren.
Drittens: Man darf auf zeichnen, auch wenn man darin schecht darin ist. Ich singe ja auch zum Spaß, obwohl ich dabei meistens eher wie Helge Schneider klinge als wie Luciano Pavarotti.
>>> Fortsetzung folgt in Teil 2






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