Mein Großvater war Tischler. Da hatte man beruflich schöne Werkzeuge, die man einmal im Eisenwarenladen kaufte, ein paar Jahrzehnte benutzte und dann vielleicht sogar über Generationen weitervererben konnte.
Tatsächlich benutze ich privat und beruflich hier und da Software, die man historisch nenne könnte, d.h. die ich vor mehr als 10 Jahren als Vollversion erwarb und die immmer noch genau tut, was sie soll. Die Wahrscheinlichkeit, daß diese vielleicht von meinen Kindern irgendwann genauso geschätzt wird, wie von mir, hält sich aber selbst bei meiner Einschätzung als alten Optimisten in Grenzen.
Das sich Werzeuge und Lizenzmodelle weiterentwickeln ist nicht per se schlimm, zumindest wenn man kein kleingeistiger Kulturpessimist von seehoferschen Ausmaßen ist. Allerdings hat die einsetzende Dominanz von Onlinedienstleistungen, Cloudlösungen, Abomodellen und SaaS aber auch eine Seite, die mich zwar nicht verängstigt, aber zumindest ziemlich nervt.
Oder man wird bei bei Apps und anderer Software zu Zwangsupdates gezwungen, die dazu führt, daß bestimmte Features nicht mehr funktionieren, wie zu vor. Danke, Microsoft. Danke, Adobe.
Mein aktueller Aufreger ist aber ein anderer: Vor drei Jahren gönnte mir mein Arbeitgeber - und damit irgendwie auch ihr, liebe Steuerzahler - ein Jahresabo bei Lynda. Ein Anbieter mit sehr guten Onlinetrainingangeboten in verschiedensten Gebieten. Die Art der Dokumentation und Präsentation gefiel mir auch recht gut, aber der Preis war auch nicht ohne: 375 USD pro Jahr. Nach Ablauf des Jahres tat man mir kund:
"If you come back and reactivate your membership, your certificates of completion, course history, and playlists will be waiting for you."
Über die Feiertage wollte ich tatsächlich wieder mal in meinen Account einloggen, ein bißchen rumstöbern und bei Gelegenheit auch meine Zertifikate archivieren - ich war mir nicht sicher alles gesichert zu haben - und war.... nicht erfolgreich. Ich kontrollierte meine registrierte E-Mail-Adresse und konnten keinen Fehler feststellen. Also schrieb ich den Helpdesk an und erhielt folgende Auskunft.:
"Thanks so much for reaching out to us! After reviewing your provided information, I can confirm that your account details have been deleted from Lynda.com databases.
Per the Lynda.com privacy policy, if you're an individual subscriber, we may delete your account and all its details (including your learning history, certificates, course progress, etc.) if you haven't been an active paid member for over two years. Once your account is deleted, you won't be able to reactivate it."
Die Firma, die wegen jedem Sche*ß ne Werbemail schickt, löscht meine Daten ohne Vorankündigung bzw. Warnung. Und das nicht etwa wegen Inaktivität - ich war letztes Jahr auch schon mal eingeloggt -, sondern weil ich zwei Jahre nicht gezahlt habe. Was für ein Sche*ßverein! (Was netteres fällt mir dazu echt nicht ein.)
Ich wünschte, mein Erlebnis wäre ein Einzelfall, aber wenn man ehrlich ist, gibt es eine Vielzahl von Situationen in denen es blöd wäre, Daten oder Services zu verlieren: Meinen Kurse bei Codecademy, meinen Playlisten bei Spotify, meinen Modelle bei Mecabricks, Tweets - und viel wichtiger: Kontakte - bei Twitter würde ich sehr hinterhertrauern.
Und es gibt vielerlei Szenarien, in denen man sich solche "Datenverluste" vorstellen kann: Firmenübernahmen, Geschäftsaufgabe, Konkurse und wie im oberen Fall: sehr, sehr seltsame AGBs.
In den wenigsten Fällen gibt es Alternativen für die Services mit besseren Konditionen oder Möglichkeiten die eigenen Daten von Plattformen zu sichern. Und so bleiben wir meist gefangen: In digitaler Geiselhaft.
Oh, war das ein betriebsames Jahr! Ein guter Anlaß für ein bißchen Reflektion und Jahresabschlußgedanken. (Und nebenbei werde ich noch ein paar #Bestof2018 einflechten, wie der Herr Kowski es so schön vorgemacht hat.)
Beruflich gab es auch ein paar Veränderungen. Meine hochqualifizierte, liebe und trotzdem total unterschätze, Lieblingskollegin wechselte in den (direkten) Staatsdienst, wo es ihr viel besser ergeht. Allerdings hatte dies nicht nur hängende Ohren bei mir zur Folge, sondern beinhaltet auch, daß ich momentan 1 1/2 Stelle bekleide und das mit wenig Hoffnung auf kurzfriste Abhilfe, denn der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Mal davon abgesehen, daß es Menschen im "Mangement" gibt, die diesen Umstand nicht als Problem ansehen.
Natürlich hatten die neuen privaten und beruflichen Herausforderungen auch Auswirkungen auf die Hobbies: wir waren quasi nicht im Kino, auch Netflix blieb kalt. Freunde sahen uns eher selten und auch ehrenamtlich fand ich 2018 nicht statt. Aber das sind hoffentlich alles nur temporäre Erscheinungen.
Ein bißchen lesen konnte ich in diesem Jahr dann doch. Ich hatte viel Spaß mit Erich Kästner*, Graham Norton* und Flake*. (Ein bißchen ausführlicher berichtete ich bei der Montagsfrage.) Dank Herr Kowski (Ja, der Mann ist zuletzt für einige coole Dinge in meinem Leben verantwortlich.) schaute ich zudem regelmäßig bei Comixology vorbei. Ich stehe ja nicht so Marvel und DC-Comics, ich habe einfach keinen Nerv mich in den 28sten Reboot einer Figur einzulesen, fand aber trotzdem einige "Bildergeschichten", die mich sehr unterhalten haben. Nennen möchte ich an diser Stelle "The Wild Storm" und auch die ersten zwei der TNG-Mirror-Universum-Serien (die dritte liegt noch auf meinen virtuellen Lesestapel).
Zudem habe ich zuletzt vermehrt vorgelesen, ich werde im nächsten Jahr mal im Elternblog über meine Favoriten schreiben. 2018 war auch das Jahr, in dem ich meine eReader-Skepsis abgelegt habe. Zum Geburtstag bekam ich einen neuen Kindle Paperwhite*, der mein altes Modell ersetzte. Ein dickes Pro ist definitiv der beleuchtete Bildschirmund auch die Touchscreeneingabe hat Vorteile, aber ich vermisse auch die Vor-und-Zurück-Tasten an den Seiten. Die hätten man gern beibehalten dürfen.
Gespielt wurde zuletzt leider auch weniger. T.I.M.E. Stories liegt nach wie vor ungeöffnet bei mir rum, genau so wie Machi Koro, das ich zum Geburtstag bekam. Viel Spaß hatten wir aber im Frühjahr mit einem Exit-Game* und AZUL. Und da ich gerne auch rundenbasierte "Vollpreis"titel auf dem Telefon spiele, gab ich Concrete Jungle eine Chance und hatte damit viele schöne Stunden, v.a. wartenderweise im Krankenhaus.
Auf die Ohren gab es weniger Podcasts. Es gab einfach weniger ungestörte Zeit und wenn sie doch da war, mußten ein paar Dinge durchdacht oder die Ruhe genossen werden. Also habe ich nicht wirklich neue Musik für mich entdeckt und außer dem Zeitzeichen nichts regelmäßig durchgehört. Alternativ erfolgte dann eher der Griff zum Buch oder dem eReader.
Zufrieden und auch etwas überrascht bin ich mit meinem Schreibpensum: Die anvisierten 100 Blogbeiträgen habe ich - trotz der Zwangspause im Sommer - fast geschafft habe. Etwas mit dem ich nicht mehr gerechnet hätte. Neujahrsvorsätze können manchmal doch funktionieren! Über den Output hier und im Legoblog bin ich zu frieden. Das Elternblog haben wir leider viel zu sehr vernachlässigt, wohl auch, weil ich den Podcastblog relativ häufig bedienen mußte/konnte/wollte. Mal sehen, ob ich mir bei letzterem Hilfe hole, denn die Reichweite ist so hoch, daß ich ihn nicht einschlafen lassen möchte. Auch weil die Community sehr nett ist und die A-Links mir monatlich ein kleines Taschengeld einbringen. (Man sollte das aber nicht gegen die Arbeitsstunden rechnen, dann muß man weinen. ;) Trotzdem wird alles natürlich ordnugsgemäß versteuert. Wozu so ein Gewerbeschein mit der Eintragung "Internetdienstleistungen" doch alles gut ist!
Dank der Herren Merlin und Kowski bin ich auch ein ganzes Stück mit dem Kinderbuch vorangekommen. Ich bin mir sicher: 2019 werde ich es fertig bekommen und mindestens einen Blogpost mehr verfassen als in diesem Jahr. Und damit das alles zeitlich klappt, möchte ich meine Freizeit effektiv nutzen und weiterhin sehr selektiv bei Büchern, Filmen, Podcasts und Co. sein. So hat man nämlich auch immer das Gefühl, nur da beste, spannendste und inspirierendste zu konsumieren.
Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch! Wir lesen uns!
"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist."