Dienstag, Juli 02, 2019

Auf dem Weg nach Liverpool?

Da sitzt man gemütlich mit der Familie bei einem Geburtstagsessen zusammen und wartet auf den ersten großen Familienstreit des Sommers und anstelle dessen steht  plötzlich eine Englandreise mit der Lieblingsnichte (dann 16) für 2020 auf dem Reiseprogramm. Bzgl. London legte meine bessere Hälfte ein Veto ein, also warum nicht stattdessen knapp 20 (in Worten: Zwanzig!) Jahren mal wieder Liverpool unsicher machen?

Und da die Lieblingsnichte ein großer Fußballfan ist und ich den #LFC liebe, reifte in den letzten Wochen der Gedanke zu versuchen, Fußballtickets zu besorgen. Über meine naiven Bemühungen möchte ich hier berichten.



Nach dem Studium des Premier League Spielplans (ja, der steht tatsächlich schon Mitte Juni für die komplette kommende Saison fest), fiel mein Wahl auf das Spiel der Reds gegen die frisch wieder aufgestiegenen Jungs von Aston Villa am 11.04.2020. Ein Hoch auf die Osterferien! Als altgedienten DDR-Oberliga-, Bundesliga 1-3-, DFB-Pokal-, Länderspiel-, und Regionalliga Nordost-Zuschauer hielt ich Ticketbeschaffung als solches für kein großes Problem.

Völlig naiv googelte ich nach der Möglichkeit Tickets im freien Verkauf zu erwerben. Bei Preise um die 300 Pfund pro Ticket wurde mir leicht schwindelig wie nach der zweiten Lynchburg Lemonade. Bei der hochgelobte Agentur FastFWD, die tollen, verlässlichen Service anbieten sollen, waren es sogar noch 100 mehr. So viele überschüssige Nieren habe ich dann doch nicht für den offenen Verkauft.

Zufällig erfuhr ich allerdings, daß mind. 10.000 Tickets pro Spiel für Vereinsmitglieder reserviert sein. Plötzlich war sie wieder da, meine Hoffnung für doch max. 150 EUR (Ja, ich bin so bescheuert!) pro Person mal wieder ins Anfield zu gehen. Die "light membership" kostet 27 Pfund/Jahr und nach knapp zehn Tagen lag eine recht ansehnliche Mitgliedskarte in meinem Briefkasten. Diese ermöglicht es mir nicht nur vor meinen englischen Freunden mächtig anzugeben, sondern auch 10% bei dem Einkauf von Merch zu sparen und am exklusiven Verkauf von Eintrittskarten für die Ligaspiele teilzunehmen, der zweimal jährlich stattfindet (im Juli für die Hin- und im Dezember für die Rückrunde).



Hier könnte nach meinem Geschmack der Eintrittskartenbeschaffungsprozess enden, aber das wäre noch nicht kompliziert genug. Denn nicht jeder Fan kann für jedes Spiel Karten beziehen, nein, man muß sich über den Kauf von Tickets für "uninteressanten" Partien für die Ligaknaller und die Pokalwettbewerbe qualifizieren. Hätte ich doch nur schon im Jahr 2000 begonnen, Tickets zu kaufen!

Nun muss ich bis Dezember das Beste hoffen (oder wahlweise im Lotto gewinnen). Ich werde berichten!

Montag, Juni 03, 2019

Arte.tv Empfehlungen Juni 2019

Meine Empfehlungsliste für den Juni ist klein, aber fein.

01.06. 21:45 Uhr
Der gefälschte Mond von Galileo Galilei  
Dokumentation über eine fast perfekte Fälschung.

02.06. 20:15 Uhr
Land and Freedom

Spielfilm über einen britischen Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg

11.06. 00:50 Uhr
Digital Afrika
Sechs Kurzdokus über Start-ups in Afrika.

16.06. 12:05  Uhr
Die großen Mythen
Wiederholung der großartigen Serie um antike Sagengestalten

23.06. 20:15 Uhr
Mississippi Burning
Politthriller mit Gene Hackman und Willem Dafoe

Mittwoch, Mai 08, 2019

Time, time, time, what has become of us - Einzelhandelsblues

Seit sieben Jahren wohnen wir in der innerstädtischen Gegend, die wie in meiner Kindheit ,Stadt‘ nannten und in die wir fuhren, um alles zu besorgen, was in unseren Neubaugebietskaufhallen nicht angeboten wurde.
Heute ist das unsere kleine "Hood". Wir werden vom älteren Pärchen gegrüßt, das das Waschmaschinengeschäft betreibt, im Weinladen vor der Haustür wird jede Flasche besorgt, die wir verschenken, und im Restaurant, das auf dem halben Weg zwischen Büro und Wohnung liegt, kennt man die Namen unserer Kinder und hat auch einen Tisch für uns, wenn der Laden an Valentinstag zu zerbersten droht und wir vergessen haben zu reservieren.
All diese Dienstleister, diese netten Menschen in ihren Geschäften tun mindestens so viel für mein persönliches Wohlbefinden (und das vieler Anwohner), wie die sauberen und sicheren Straßen und die gute ÖVPN-Anbindung.
Leider sind viele Geschäfte meiner Kindheit, die 40 Jahre DDR mühsam überlebt und auch noch die ersten, schweren Wendejahre überstanden haben, verschwunden, wie etwa der Eisladen aus der Kaiserzeit mit den weiß gekachelten Boden, das Fischfachgeschäft und der Fotograf bei dem man noch wunderbare Glassplattenabzüge von Stadtporträts aus den Zwischenkriegsjahrne kaufen konnte.
Woher kommt meine spontaner Einzelhandelsblues? Gestern besuchte ich - auf der Suche nach neuem Vorlesematerial für den Nachwuchs - nach langer Zeit mal wieder das Lieblingsantiquariat. Die Institution mit edlem, hanseatischen Namen besteht seit den 1950er Jahren und war als Kind mein wichtigster Bezugspunkt, wenn es um das Füllen der Lücken in meiner Mosaiksammlung ging. Und während des Studiums erwarb ich hier kostengünstig das eine oder andere Fachbuch. Der Laden war immer hell, die Wende hoch, die Bücherwände hoch und Erfurcht erbietend.

Heute ist es auf einer anderen Etage des Hauses beheimatet. Die Decken niedriger, der Laden immer noch liebevoll gepflegt, aber vollgestellt und schon nach wenigen Minuten kommt man im Gespräch mit der langjährigen Inhaberin auf die mageren Besucherzahlen zu besprechen. Die Leute bleiben aus: Trotz fairer Preise, tollem Angebot und kompetenter und freundlicher Bedienung.

Das betrübt mich sehr, denn ich hoffe, dieser magische Ort noch sehr lange fortbesteht. Den tollen, alten Büchern ein Domizil bietet, bevor sie ein neues Zuhause gefunden haben. Also kaufe ich als kleine ,Kulturabgabe‘ für schmales Geld einen Mark Twain, den ich noch nicht kenne und nehme mir fest vor: Du kommst jetzt wieder öfter vorbei.