Es ist zu meinem festen Freitagsritual geworden: Für die Liebste und mich Korma kochen, während ich der neuesten Folge von "Nerds at work" lausche. Allwöchentlich berichten die Doktores Christian Scharun und Jens Foell ("Grüße gehen raus!") dabei Neues, Interessantes und Humorvolles aus der Welt der Wissenschaft.
Nach 50 Folgen ist die Grundgesamtheit groß genug, dass ich mal einer Forschungsfrage nachgehen kann: Handelt es sich bei "Nerds at work" um meinen Lieblingsfilmpodcast?
Um das herauszufinden, habe ich mich selbst aus meinem sozialwissenschaftlichen Ruhestand in den aktiven Dienst an der Statistik zurückbeordert. Es wäre doch gelacht, wenn wir bei der genauen Betrachtung der halben Zenturie von Sendungen zu keinem Befund kommen würden.
Bei meiner Fliegenbeinzählerei, wie mein Doktorvater es immer nannte, machte ich folgende Beobachtungen:
(1) Als weltweit führender Experte für meinen eigenen Geschmack kann ich versichern, dass ich bei keinem (anderen) Filmpodcast mehr Freude habe als bei "Nerds at work".
(2) In mehr als der Hälfte aller Folgen (30 von 50) wird über Filme gesprochen. Es könnte sich also tatsächlich um einen Filmpodcast handeln. (Der Anteil von Marmor in Marmorkuchen liegt deutlich unterhalb von 60 % und dessen Benamsung ist in der Wissenschaft absolut unumstritten.)
(3) "The trend is your friend", sagen nicht nur Börsianer, sondern auch so manche Sozialwissenschaftler. Und dieses Mantra könnte auch hier Anwendung finden: Der Anteil der Folgen, in denen dies Thema ist, wie auch die Anzahl der genannten Filme, nimmt nach den ersten zehn Folgen deutlich zu. Wenn "Nerds at work" noch kein Filmpodcast ist, könnte er dies in naher Zukunft werden.
(4) Darauf, dass die Referenzen in unserem Untersuchungsgegenstand nicht von zufälliger Natur sind, deutet auch folgender Umstand hin: Es lassen sich in den bisherigen 50 Folgen an 125 Stellen Kinoreferenzen belegen, dabei werden 84 verschiedene Filme und Filmreihen genannt.
(5) Zu Häufungen kommt es nur selten. Aber es gibt sie auch. In "Biologie-Facts mit Liyang Zhao" werden gleich 13 verschiedene Titel erwähnt.
(6) Auffällig ist, dass Filmreihen bei "Nerds at work" besonders oft im Fokus stehen. In dieser Kategorie liegen James Bond (6 Folgen) und Star Wars (5 Folgen) an der Spitze.
(7) Wenig Überraschungen gibt es bei den häufigsten Einzelfilmnennung. Hier sind "wissenschaftsnahe" Streifen wie Oppenheimer, A Beautiful Mind und *hüstel* Titanic (alle 3×) die Spitzenreiter.
Das bringt mich zu folgenden – zugegebenermaßen vorläufigen – Schlussfolgerungen:
Falls "Nerds at work" noch nicht mein Lieblingsfilmpodcast sein sollte, dann ist er auf dem besten Weg dorthin. Ich bedanke mir artig und innig für viele Stunden gute Unterhaltung und Denkanstöße.
Absolut erschreckend ist allerdings die Unterrepräsentierung von "Star Trek" im ersten Lebensabschnitt des Podcasts. Auch wenn ich nur ein unbeteiligter Beobachter bin, kann ich nicht ausschließen, dass die Nerd-Akkreditierung der beiden Moderatoren irgendwann suspendiert wird, wenn dieser Zustand anhält. Es wäre echt schade um den schönen Podcast. Ich freue mich doch so sehr auf die geplanten, nächsten 950 Folgen.
Gratulor vobis ad iubilæum vestrum!
Disclaimer:Der Autor dieser Zeilen mag nicht ausschließen, dass er sich aufgrund akuten Matemangels hier und da verzählt hat. Zudem war es durchaus schwierig, einige der Grundbegriffe – z. B. den der Filmreihe – abschließend zu klären. Im Zweifelsfall wurde diese immer weitestmöglich gefasst. Beispielsweise wurden die "Magischen Tierwesen" der Harry-Potter-Reihe zugeschlagen, wie auch die "Zwei Weihnachtsmänner" und "Don't Look Up?" als Filme gewertet wurden, obwohl es sich dabei um keine Kinostreifen handelt.