Sonntag, Oktober 12, 2025

Woche 29/2025 - Von Büchern, Astronauten und T-Shirts

Geärgert

Ich habe ja die Theorie, dass ich zur ersten Generation gehöre, die im fortgeschrittenen Erwachsenenalter ganz selbstverständlich bedruckte T-Shirts trägt. (Nein, das wird jetzt kein Rant über eine mögliche Infantilisierung der Gesellschaft.) Seit Ewigkeiten schieße ich Teile meiner Freizeitkleidung bei Qwertee: Die Qualität ist okay und der Preis auch. Und ich freue mich darüber, dass die Motive täglich wechseln. Zuletzt finde ich diese allerdings weniger ansprechend. Die Stile sind zu generisch, die Bildaufteilung nicht wirklich überzeugend. Ich befürchte, das ist eine Sache mehr, die AI auf dem Gewissen hat.

Gefreut

Ich bin – nicht nur als Autor – ein großer Fan von kleinen, unabhängigen Buchhandlungen. Wir haben hier gleich zwei davon, die sich kulturell sehr in den „Kiez“ einbringen. Allerdings hat auch der böse Großkonzern mit dem grünen Logo etwas, das ich total toll finde: diese Buchabholstation, bei der man 24/7 seine Vorbestellungen abholen kann. Ich muss ganz stark sein, da nicht allzu viel Umsatz hin zu verlagern, denn die Dinger sind echt bequem.

Gelesen

Meine Sommerlektüre Der Astronaut* ist ein klassischer Andy Weir, und wer am Marsianer* Spaß hatte, wird auch dieses Buch mögen. Ich brauchte allerdings etwas, um mit dem Band warm zu werden, bereue es aber nicht, dass ich ihn nicht weggelegt habe. Denn nachdem die Geschichte Fahrt aufnimmt, lernt man viel über Raumfahrt und Physik. Der eine oder andere Kniff, um die bekannte Naturwissenschaft mit der Handlung in Übereinstimmung zu bringen, ist manchmal zu viel, aber man wird durchgängig gut unterhalten.



Samstag, Oktober 11, 2025

Woche 28/2025 - Riccos Familienstand und bockmistiger Killerschnee aus dem All

Gelernt

Als Verwaltungsangestellter ist es sehr befreiend, auch mal über Amtsschimmligkeiten anderer Länder – ach was, anderer Kontinente – den Kopf schütteln zu können. So durfte ich erfahren, dass man in Australien, wenn man einreisen möchte, auch für Siebenjährige den „Familienstand“ (verheiratet, geschieden etc. pp.) angeben muss.

Gelesen

Ja, ich bin ziemlich spät dran für den Parteitag, aber nachdem ich – wie erwähnt – sehr viel Spaß mit einem Podcast mit Andreas Steinhöfel hatte, musste ich unbedingt Rico, Oskar und die Tieferschatten* lesen. Nun ja, der Öffentlichkeit hier zu erzählen, dass es sich um ein ziemlich tolles Kinderbuch mit lustigen und spannenden Passagen und hervorragender Charakterzeichnung handelt, nachdem es hunderttausendfach über den Ladentisch gewandert ist, ist etwas … naiv. Aber vielleicht gibt es ja noch andere, die wie ich „aus dem Mustopf kommen“, wie meine Oma gesagt hätte.

Gesehen

Ich hatte Lust auf etwas Sci-Fi – gerne mal aus einem anderen Kulturkreis. Dystopie störte mich nicht. Also fing ich an, die ersten Folgen von Eternaut zu schauen, einer argentinischen Netflix-Serie, die aufgrund der Verwendung von KI einen zweifelhaften Ruf genoss. (Identifizieren konnte ich die Szenen nicht; vielleicht war es auch nur ein Marketinggag.) Vielleicht kam aber auch das Drehbuch komplett aus der Maschine? Ich hatte mir eine neue Perspektive auf den Planeten, das Leben und das Universum an sich erhofft. Was allerdings dabei herauskam, war ziemlich generischer Hollywood-Sh*t mit holzschnittartigen Charakteren und einer absolut unlogischen Story.
SPOILER! Als sei die Bedrohung durch Berührung von tödlichem Schnee – aber nicht, wenn mal eine Flocke in die Wohnung geweht wird oder noch an der Kleidung klebt – nicht schon absurd genug, mussten es ab Folge 3 auch noch menschenfressende Allkäfer sein. Das war dann endgültig der Punkt, an dem ich abgeschaltet habe. Was für ein Bockmist.

Gehört

Freitag, September 19, 2025

Woche 37/2025: Mein liebster Filmpodcast feiert Jubiläum - Fünfzig Folgen Nerds at Work

Es ist zu meinem festen Freitagsritual geworden: Für die Liebste und mich Korma kochen, während ich der neuesten Folge von "Nerds at work" lausche. Allwöchentlich berichten die Doktores Christian Scharun und Jens Foell ("Grüße gehen raus!") dabei Neues, Interessantes und Humorvolles aus der Welt der Wissenschaft.

Nach 50 Folgen ist die Grundgesamtheit groß genug, dass ich mal einer Forschungsfrage nachgehen kann: Handelt es sich bei "Nerds at work" um meinen Lieblingsfilmpodcast? 

Um das herauszufinden, habe ich mich selbst aus meinem sozialwissenschaftlichen Ruhestand in den aktiven Dienst an der Statistik zurückbeordert. Es wäre doch gelacht, wenn wir bei der genauen Betrachtung der halben Zenturie von Sendungen zu keinem Befund kommen würden. 

Bei meiner Fliegenbeinzählerei, wie mein Doktorvater es immer nannte, machte ich folgende Beobachtungen: 

(1) Als weltweit führender Experte für meinen eigenen Geschmack kann ich versichern, dass ich bei keinem (anderen) Filmpodcast mehr Freude habe als bei "Nerds at work". 

(2) In mehr als der Hälfte aller Folgen (30 von 50) wird über Filme gesprochen. Es könnte sich also tatsächlich um einen Filmpodcast handeln. (Der Anteil von Marmor in Marmorkuchen liegt deutlich unterhalb von 60 % und dessen Benamsung ist in der Wissenschaft absolut unumstritten.)

(3) "The trend is your friend", sagen nicht nur Börsianer, sondern auch so manche Sozialwissenschaftler. Und dieses Mantra könnte auch hier Anwendung finden: Der Anteil der Folgen, in denen dies Thema ist, wie auch die Anzahl der genannten Filme, nimmt nach den ersten zehn Folgen deutlich zu. Wenn "Nerds at work" noch kein Filmpodcast ist, könnte er dies in naher Zukunft werden. 

(4) Darauf, dass die Referenzen in unserem Untersuchungsgegenstand nicht von zufälliger Natur sind, deutet auch folgender Umstand hin: Es lassen sich in den bisherigen 50 Folgen an 125 Stellen Kinoreferenzen belegen, dabei werden 84 verschiedene Filme und Filmreihen genannt. 

(5) Zu Häufungen kommt es nur selten. Aber es gibt sie auch.  In "Biologie-Facts mit Liyang Zhao" werden gleich 13 verschiedene Titel erwähnt. 

(6) Auffällig ist, dass Filmreihen bei "Nerds at work" besonders oft im Fokus stehen. In dieser Kategorie liegen James Bond (6 Folgen) und Star Wars (5 Folgen) an der Spitze. 

(7) Wenig Überraschungen gibt es bei den häufigsten Einzelfilmnennung. Hier sind "wissenschaftsnahe"  Streifen wie Oppenheimer, A Beautiful Mind und *hüstel* Titanic (alle 3×) die Spitzenreiter. 

Das bringt mich zu folgenden – zugegebenermaßen vorläufigen – Schlussfolgerungen: 

Falls "Nerds at work" noch nicht mein Lieblingsfilmpodcast sein sollte, dann ist er auf dem besten Weg dorthin. Ich bedanke mir artig und innig für viele Stunden gute Unterhaltung und Denkanstöße.

Absolut erschreckend ist allerdings die Unterrepräsentierung von "Star Trek" im ersten Lebensabschnitt des Podcasts. Auch wenn ich nur ein unbeteiligter Beobachter bin, kann ich nicht ausschließen, dass die Nerd-Akkreditierung der beiden Moderatoren irgendwann suspendiert wird, wenn dieser Zustand anhält. Es wäre echt schade um den schönen Podcast. Ich freue mich doch so sehr auf die geplanten, nächsten 950 Folgen. 

Gratulor vobis ad iubilæum vestrum!



Disclaimer:

Der Autor dieser Zeilen mag nicht ausschließen, dass er sich aufgrund akuten Matemangels hier und da verzählt hat. Zudem war es durchaus schwierig, einige der Grundbegriffe – z. B. den der Filmreihe – abschließend zu klären. Im Zweifelsfall wurde diese immer weitestmöglich gefasst. Beispielsweise wurden die "Magischen Tierwesen" der Harry-Potter-Reihe zugeschlagen, wie auch die "Zwei Weihnachtsmänner" und "Don't Look Up?" als Filme gewertet wurden, obwohl es sich dabei um keine Kinostreifen handelt.