In diesem Monat wurde dieses kleine, unbedeutende Blog 15 Jahre alt.
Ich habe mich sehr über all die Glückwunschschreiben, Telegramme und Blumen gefreut. Und als dann die EU-Kommissarin für Blogosphärenangelegenheiten anrief, um persönlich zu gratulieren, fühlte ich mich natürlich sehr geehrt.
"Rpunkt!", sagte sie. (Seit der
Erwähnung dieses Onlinetagebuches bei der FAS anno 2007 gehört sie zur Stammleserschaft, daher dutzen wir uns. Damals war sie allerdings noch Unterstaatssekretärin für Internetereien in Elbonia.)
"Warum können wir nach Dir immer noch keine Straße benennen? Immer diese Anonymität! Dabei passen Deine total subjektiven, verkürzten und wenig recherchierten Beiträge so gut in unsere Zeit!", platze es in ihrem bezaubernden elbonischen Akzent aus ihr heraus.
"Tja", antwortete ich. "Wer hätte gedacht, daß das so eine langwierige Geschichte wird, als Herr. A. mich damals zum Tagebuchbloggen über den neuen Job angestiftet hat! Eigentlich wollte ich nur einen Platz für meine "Mentalhygiene", um die Begrifflichkeit vom
Nuf und
wirres.net aufzugreifen. Eine Internetseite hatte ich ja schon. Nun gab es auch einen Ort um die ganze negative Energie aus dem Berufsleben zu verbloggen und später auch zu vertwittert.
Und nebenbei fand ich zufällig, viele nette Kontakte, denen ich auch teilweise im RL begegnen durfte. Die Grundgedanken von "verwaltet" ist nach all den Jahren immer noch der selbe: Alles was mich so bewegt, vor allem der Ärger, wird zu Postings verwurstet. Meist relativ unkontrolliert und filterfrei, was dann auch mal schon zu Magenverstimmungen bei der Leserschaft führen kann. (Sorry! Not sorry!)
Man stelle sich aber vor, jemand würde sich nicht nur unterhalten fühlen, sondern sich selbst in einer der vielen Überspitzungen wiederfinden oder noch schlimmer, Dritte würden anfangen, nach den beschriebenen Personen und Institutionen zu suchen. Angenehm wie eine Tiefenprüfung des Finanzamts wäre das. Nee, nee, nee, ich bleibe hier bei meiner orthografiefreien Kladde im Internet. Das hat auch den netten Effekt, daß man sich nicht um Stalker, Wahrheitsüberprüfer (ja, ein Teil des Geschriebenen hier ist tatsächlich fiktiv!), DSGVO-Vorgaben, Abmahnern und sich potentiell beleidigt fühlender Vorgesetzten, Kollegen, Nachbarn, Studenten und Familienmitglieder kümmern muß.
Allerdings bleibt mir durch die ganze Anonymisierungschose ein verfrühte Luxuspensionierung auf den Bahamas vorenthalten, da ich so dieses äußerst wertvolle Stück der deutschen Kulturgeschichte nicht vergolden kann, da niemand weiß, wohin er die Millioneneinnahmen aus Sponsoringpartnerschaften, Tantiemen und Affiliatelinks schicken soll.
Das Leben ist eines der Härtesten!"