Montag, Dezember 30, 2024

Woche 51/2024 - OTFs, Kein Pardon, The Holdovers und Star Trek

Die vorletzte Woche des Jahres haben wir intensiv mit Erkältungsbekämpfung und Geschenkeinpackungsorgien verbracht. Unser Sidequest war es, dies so entspannt wie möglich zu gestalten. Denn wir hatten ein paar Tage frei, bevor die Ferien der Kinder begannen.

Geärgert
Mit Verärgerung habe ich festgestellt, dass PPT keine (oder nur begrenzt) OTF akzeptiert. Dabei hatte ich gerade das beste XMAS-Sweater-Stitch-Font der Welt gefunden. Natürlich gibt es online OTF-zu-TTF-Konverter, aber ich bezweifle mal, dass deren Einsatz bei "nicht eigenen" Schriften legal ist.

Gesehen
Da wir beim Geschenkeeinpacken etwas Zeit hatten, haben meine Liebste und ich ein paar Filme geschaut. Zunächst amüsierte sie sich erstmalig bei Kein Pardon mit Geburtstagskind Hape. (Was man halt so verpasst, wenn man nicht im deutschen Sprachraum aufwächst.)

Dann schauten wir uns endlich The Holdovers an, der sich sofort in die Top 10 meiner liebsten Filme einreiht. Er hat das Zeug zu einem wirklichen Weihnachtsklassiker! Die Story, die Charaktere, die Schauspieler, die Kinematographie und der wahnsinnig gute Soundtrack. Dass es so einen tollen, neuen Streifen gibt! <3

Nachgedacht
Vielleicht noch ein abschließendes Wort zu Star Trek: Picard und Discovery. Ich stolperte über dieses Zitat aus Nemesis und es beschreibt meiner Meinung nach ganz gut, was mich schon seit Voyager, der letzten Dominion-War-Staffel von DS9 und den jüngeren TNG-Filmen nervt: dieser Shift hin zu actiondominierten Plots. Klar, Star Trek war immer auch Knall-Boom, aber viel weniger als andere Franchises. Und ich finde, Strange New Worlds, Lower Decks und auch die ersten Staffeln von Enterprise (bevor das Xindi-Desaster begann), machen das viel besser. Für meinen Geschmack. (Denn das ist es: eine reine Geschmackssache und kein Kulturkampf.)


Sonntag, Dezember 29, 2024

Woche 50/2024 - Bundesakademisches Textbeispiel

Was für die eine der Yoga-Retreat in Indien ist, ist für mich ein Ausflug zu einem der pyramidalen Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Im Dezember packte ich zum vierten Mal Stift und Notizblock, um nach Wolfenbüttel zu meinem persönlichen Autorenseelen-Wellness aufzubrechen. Die thematische Klammer für all die intensiven Schreibübungen war einer meiner Lieblingsautoren, der leider viel zu früh verstorbene Jurek Becker.

Es ist immer so erhellend, erfrischend und befreiend, sich Themen und Übungen zuzuwenden, für die man im regulären (Schreib-)Alltag keine Zeit findet (von all den äußerst kompetenten Anregungen der Seminarleitung mal ganz zu schweigen).

Das Gleiche gilt für das Feedback und die anregenden Texte der Mitseminarist:innen. (Und manchmal sind es auch nur kleine Hinweise auf Arbeitstechniken oder Internetseiten wie Wortsport und Storydice.)

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Da ich gelegentlich gefragt werde, was ich denn da genau tue, wenn ich in Wolfenbüttel bin, präsentiere ich hier einmal beispielhaft eine Gehirn-und-Fingerübung.

Aufgabe (sinngemäß): Jurek Becker bekommt folgende Karikatur seiner selbst von Flix für eine Publikation zu Gesicht. Beschreibe seine Reaktion darauf.

Zeit: 20min



Mein Text (in Form eines fiktiven Tagebucheintrags):

Mittwoch, 12. Oktober
Otti* ruft an. Der dicke Krug hat Schnuppen. Heute also leider kein Tischtennis**, aber einen freien Nachmittag gewonnen. Man weiß nicht, wozu es gut sein wird. Die Dienstpost stapelt sich mal wieder, und Christinchen*** drängelt schon.

Donnerstag, 13. Oktober
Mit Johnny**** den Spielzeugtraktor repariert, doch der Poststapel sieht mich weiterhin unvermindert grimmig an. Heute Nachmittag ist er fällig. Wertes Tagebuch, nimm mich beim Wort.

Freitag, 14. Oktober
Christine in säuerlicher Laune, und auch das Tagebuch knurrt mich an. Also doch endlich einen Berg Briefe geöffnet: drei Interviewanfragen, die Abrechnungen von Suhrkamp und Hinstorff, ein Bettelbrief aus Wolfenbüttel und eine Porträtzeichnung eines Herrn Görmann***** für den neuen Essayband. Ich weiß nicht, was ich getan habe, um an einen Herausgeber mit solchem Kunstgeschmack zu geraten. Vielleicht grundsätzlich nicht schlecht, allerdings verspüre ich nun den Wunsch, einen neuen Handstaubsauger zu kaufen.

Samstag, 15. Oktober
Ich bin schockiert: Christine stört mein linkes Fallohr mehr als meine Nase. Habe ich die richtige Frau geheiratet? Beschlossen, meinen Ärger mit Kunst und Menschheit im nächsten Drehbuch zu verarbeiten, Arbeitstitel: Liebling Spandau.

Sonntag, 16. Oktober
Mit Manne telefoniert. Hatte ihm das Bild gefaxt. Ich hätte es nicht tun sollen. Die üblichen Krugschen Sticheleien. Letztendlich sind wir aber beide der Meinung, dass man das Thema "Grenzgänger" besser hätte umsetzen können. Ich sollte einen Brief an den Herausgeber des Essaybands schreiben. Sorgen um die Karriere von Herrn Görmann.

Montag, 17. Oktober
Das alte Bananenbrot Johnny hat die Zeichnung von meinem Schreibtisch gemopst, ist freudestrahlend zu seiner Mama gerannt und hat „Papa!“ gerufen, um es anschließend zu herzen. Ich glaube, wir sollten das Bild genau so publizieren.

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Anmerkungen/Erklärungen:

*Ottilie Krug, Ehefrau von Manfred Krug (langjähriger Freund von Jurek Becker)

**Jurek Becker war begeisterter Sportler, u.a. Tischtennisspieler.

***Christine Becker, Jurek Beckers zweite Ehefrau

****Jüngster Sohn von Jurek Becker

*****Felix Görmann aka Flix, Autor und Zeichner

Samstag, Dezember 28, 2024

Woche 49/2024 - Korma, Der Marsianer und Oxygen Not Included

Geärgert

Wir sind große Korma-Fans. Über Jahre habe ich unser hauseigenes Rezept perfektioniert. Die einzige Variable, die stets unverändert blieb, war die verwendete Gewürzpaste. Mit Erschrecken und Ärgernis musste ich feststellen, dass diese vom Markt genommen wurde. Leider fehlen mir momentan Gelegenheit, Zeit und Nerven, Alternativen zu testen. Inskissenschreigeräusch.

Gesehen

Ich habe mir aus unerfindlichen Gründen – die Watchlist ist eigentlich extrem lang – ein zweites Mal Der Marsianer angeschaut. So sehr mir die ersten zwei Drittel gefallen, so drüber finde ich das Ende der Geschichte. (Sobald Matt Damon vom Mars abhebt, sollte man den Fernseher ausschalten. Ich habe schon überlegt, ob es nicht der viel bewegendere Moment gewesen wäre, wenn das Letzte, was man von der Hauptfigur hört bzw. sieht, der Funkkontakt vor dem Start des MRM ist. Und dann fliegt die Hermes vorbei, und niemand stößt zu ihnen. Kein Mark zu sehen. Man weiß nur, irgendetwas muss schiefgelaufen sein.)

Gespielt

Einmal alle Jubeljahre schafft es ein neues Spiel auf meinen Heim-PC. 2024 war es Oxygen Not Included, was ich als Mischung zwischen Anno, Boulder Dash, Lemmings und Creatures (die Ältesten unter uns erinnern sich an die meisten dieser Titel) beschreiben würde.

"Oxygen Not Included ist ein Survival- und Kolonie-Management-Spiel, das von Klei Entertainment entwickelt wurde. Es kombiniert Strategie, Simulation und kreative Problemlösung. Du führst eine Gruppe von Klonen (Duplicants) durch den Aufbau einer Kolonie in einem unterirdischen Asteroiden. Du baust Ressourcen ab, entwickelst Systeme für Sauerstoff, Nahrung und Energie und erforschst Technologien, um deine Basis zu erweitern. Das Ziel ist es, die Kolonie funktionsfähig zu halten und die Überlebensbedingungen für deine Duplicants langfristig zu sichern, denn die Kolonie kämpft gegen Sauerstoffmangel, Temperaturschwankungen und Krankheiten, die das Überleben erschweren. Ressourcen sind begrenzt, und jede Entscheidung erfordert strategische Planung, um Probleme wie Stress oder Platzmangel zu lösen. Zusätzlich simulieren realistische physikalische Systeme wie Gase, Flüssigkeiten und Hitze die Herausforderungen einer funktionierenden Umwelt."

Der Einstieg ist sehr launig, allerdings ist das Tutorial sehr dürftig, und ich bin mir nicht sicher, ob ich bereit für ein Spiel bin, für das ich regelmäßig tiefere Recherchen betreiben muss, um das nächste Problem zu lösen bzw. überhaupt das Spielziel zu verstehen.

In Sachen Langzeitmotivation liegt da einiges im Argen. Wenn die Charaktere, die in der eigenen Kolonie seit Ewigkeiten schuften, sterben, ohne dass es einen wirklich kratzt, hat man als Spieldesigner irgendwas verbockt.

Ich bin gespannt, ob ich Oxygen Not Included in einem Monat noch gelegentlich spiele.