Samstag, Juni 21, 2025

Woche 19/2025 - Cervisia, Gutmarkiert und Billie Eilish

Gelernt

Seit Jahrzehnten dachte ich, es würde in allen Asterix-Heften von dem Cervisia gesprochen. Anschließend wild in alten Alben geblättert und tatsächlich immer die Cervisia gefunden. Wie konnte sich das so falsch und tief in mein Hirn graben? #MandelaEffekt

Geärgert

Schon im Kindergarten belabelten wir alles, was man so als Kind verlieren kann, mit den Textilaufklebern von Gutmarkiert. Die Qualität der Sticker stimmte, auch wenn es sicherlich günstigere Angebote auf dem Markt gibt. Aber auch nach x-mal Waschen und unter Dauerbelastung waren die Textilaufkleber immer noch gut lesbar. Wir hatten einen guten Lauf. Jetzt wurden aber die Designs der Dinger geändert und irgendwie kommen wir nicht mehr zusammen. Entweder ist der Farbcode nicht mehr eindeutig (Tochter: blau, Sohn: rot), oder die Schriftgröße ist nicht mehr richtig lesbar, oder es passen nicht mehr genug Zeichen (für meine Telefonnummer) auf die Aufkleber. Ich möchte was anzünden.

Gehört 

Sonntag, Mai 11, 2025

Woche 18/2025 - Reisepläne, Ansichtskarten und Obelix

Verrückte Wochen stehen bevor. Bis Mitte Juni habe ich vier (Dienst-)Reisen vor der Brust. Das gab es seit Corona nicht mehr. So richtig vermisst habe ich es nicht, aber ich freue mich auf karelische Piroggen, einen Kurs mit Flix, die Re:Publica und einen halben, freien Tag in Lissabon.

Gefreut

Ebenfalls freue ich mich über Menschen, die an mich denken und mir sogar Karten aus dem Urlaub schicken. >3 Und damit sie mir irgendwann noch einmal ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können, stecke ich sie gewöhnlich in eines der Bücher im Regal. Neulich fiel mir eine Geburtsanzeige eines Kindes in die Hände, das mittlerweile an der Uni studiert. "Time flies like an arrow; fruit flies like a banana."


Gesehen

Mittlerweile gibt es ja eine Menge bewegtes Material aus dem Asterix-Universum: gezeichnete Filme, Filme mit realen Darstellern und seit ein paar Jahren auch ein paar computeranimierte Streifen. Die Qualität von alledem empfand ich seit jeher als äußerst schwankend. Allerdings war genügend Gutes dabei, um dann doch ab und zu mal wieder reinzuschauen. (Eigentlich verhält es sich damit ja ähnlich wie bei den Heften.)

Mit der Familie haben wir daher die neue Netflix-Serie "Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge" geschaut. Und ich muss sagen: Wir vier, alle Freunde von Zaubertrank, Wildschweinbraten und gallischen Raufereien, hatten wirklich Spaß. Ja, die neue Figur Metadata hätte man sich sparen können, und leider war die finale Episode auch die schwächste, aber man sollte nicht immer überall Shakespeare erwarten. Richtung gute Unterhaltung, wie in diesem Fall, reicht vollkommen. "Asterix & Obelix" steht drauf, "Asterix & Obelix" bekommt man. Also alles in Ordnung.

Gehört bzw. gesehen

Ein 3-Minuten-Clip wie ein opulenter Filmklassiker. Jedes Mal entdeckte man neue Details und Figuren. Und einen dicken Ohrwurm bekommt man auch. <3


Montag, Mai 05, 2025

Woche 17/2025 - Mit Manuskript und Kindern in Paris

These: Manchmal ist es gut, Autor und Stoff aus der gewohnten (Arbeits-)Umgebung zu reißen.

Uns verschlug es zu Ostern ins 13. Pariser Arrondissement, ins Dreieck der Straßen, die nach Primo Levi, René Goscinny und Thomas Mann benannt sind. Also formal anscheinend nicht die schlechteste Gegend für jemanden, der ganz dringend ein Manuskript überarbeiten muss.


Dies war allerdings nur meine Sidequest. Hauptaufgabe war es, drei Kinder im Alter von 9, 6 und 3 Jahren zu bespaßen. Bei Letzterem war der Schwierigkeitslevel auf "hoch" gestellt, denn bei ihm handelt es sich zwar um unseren Lieblingsneffen, mit dem ich allerdings auf Französisch oder Ungarisch kommunizieren musste. Aber das klappte alles ziemlich gut – auch wenn ich mich daran gewöhnen musste, dass über den Tag verteilt immer ≥1 Kind unzufrieden war. Eine Tatsache, die man bei den Altersunterschieden beim Nachwuchs wohl nicht vermeiden kann.


Am ersten Tag drehten wir eine große Runde mit dem Bus durch die französische Hauptstadt, nur unterbrochen durch einen kurzen Besuch in einer örtlichen Boulangerie zur Mittagszeit. Man merkt erst wirklich, wie hart die Inflation zugeschlagen hat, wenn es kaum noch einen Preisunterschied zwischen einer Pariser und der heimatlichen Bäckerei gibt. (Das gilt übrigens auch für den Restaurantbesuch.)

Das erste kulturelle Highlight war dann der Besuch des Centre Pompidou. Wir hatten Tagestickets vorbestellt, sodass die Wartezeit am Eingang weniger als fünf Minuten betrug. Die Kids kamen kostenfrei herein, und auch das Erwachsenenticket für 18 Euro war jeden Cent wert. Es ist unglaublich, wie riesig das Haus ist. Eine dicke Empfehlung für alle, die etwas mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts anfangen können. Großes Lob verdient auch die Kinderausstellung, die allerdings auch etwas weitläufiger hätte sein dürfen. Den Kindern war es egal. Gemeinsam genossen wir die Fahrt mit den ikonischen Rolltreppen an der Außenseite des Gebäudes. Und dann dieser wunderbaren Blick über die Dächer von Paris!.


Am Freitag spielten die Kinder Ball im Park, und ich genoss die geschäftige, aber sehr ruhige Arbeitsatmosphäre in der französischen Nationalbibliothek, die nur einen Katzenwurf von unserem temporären Hauptquartier entfernt war. Mir ging das Herz auf, als ich all die fleißigen Schüler*innen und Studierenden sah. Es ist doch toll, wenn ein Ort so gut angenommen wird. Architektonisch ist die Bibliothek allerdings kein Highlight: Innen war alles schön aufgeräumt und funktional – von außen ist die FBN aber eher die Abteilung „hässlicher Klotz“. Da spielt die Oodi in Helsinki in einer ganz anderen Liga.

Nachdem ich (zu) viele Seiten Text mit Anmerkungen versehen hatte, folgte der obligatorische Eiffelturmbesuch, den sich die Kinder so gewünscht hatten. Es schadet nicht, dem berühmtesten Alltmetallberg der Welt alle 25 Jahre mal einen Besuch abzustatten. Besonders wenn man dank der rechtzeitig gekauften Online-Tickets nur 10 Minuten ansteht und nicht für zwei Stunden.



Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch im Prinzenparkstadion des PSG. Der Verein steht ungefähr für alles, was ich am modernen Fußball NICHT mag. Der Stadionbesuch als solcher war aber schon sehr unterhaltsam. Fachleute wissen: Die besten Marketingideen kosten nichts. Und so würde ich den PSG-Mitarbeitenden sofort befördern, der den Einfall hatte, für die Besucher ein Trainingstor im Auslauf des Innenraums aufzustellen und ein paar Bälle hinzulegen. Hier war die Schlange länger als bei der Fotogelegenheit in der Umkleide. Und die Stimmung war auch besser – schließlich konnte anschließend jede*r von sich behaupten: Ich habe im Prinzenpark schon mal ein Tor geschossen.

Ich gebe 7,3 von 10 Phileas Fogg für diese Reise.