Seit anderthalb Jahrzehnten bewege ich mich in der EU-Blase
und ich bin sehr froh, daß meine Reisetätigkeit nicht mehr so intensiv ist, wie
in den ersten Jahren. Denn wenn man ehrlich ist, gibt es wenig Unterschiede
zwischen einer Dienstreise nach Bad Oldesloe oder nach Bratislava: Man sieht
meist nur den Bahnhof (respektive Flughafen), die Konferenzräume, das Hotelzimmer
und ein Restaurant am Abend.
Gelegentlich braucht man aber nicht zu jammern und man hat tatsächlich noch die Chance einen Tag lang die Stadt zu erkunden. So erging es mir kürzlich bei einer Dienstreise nach Helsinki und ich freute mich sehr, war mein letzter Stadtbummel in der finnischen Hauptstadt doch schon wieder einige Jahre her. Und der Standort meines Hotels direkt zwischen zwei Mumin-Shops führte – trotz anfänglicher Befürchtungen – nicht zu meiner ganz persönlichen Privatinsolvenz.
Zuerst besuchte ich Oodi, Helsinkis neue Zentralbiblothek, die
im Dezember 2018 eröffnet wurde. Seitdem strömten mehr als 2,5 Millionen
Besucher durch die Hallen, was mehr als 10.000 Personen pro Tag entspricht. Und
ja, das Gebäude ist wirklich gut frequentiert, wirkt aber nie überfüllt.
Ich war
begeistert. Ein Land kann stolz auf sich sein, wenn es solche Horte des Wissens hat!
Obwohl Bibliotheken von jeher zu meinen Lieblingsorten gehören, habe ich mich selten in
einer so geborgen gefühlt. Die Idee der Auftraggeber und der Architekten war
es, anläßlich des 100. Jahrestag der finnischen Unabhängigkeit, das erweiterte
Wohnzimmer der Einwohner von Helsinki zu werden und einen Ort der Begegnung zu
schaffen. Das ist gelungen! Auch zu später Stunden waren alle Bereiche des
Hauses gut gefüllt und diese umfassen nicht nur Bücherspeicher und Lesesäle,
sondern auch Meetingräume und einen riesigen Maker Space mit Nähmaschinen, Lasercuttern,
Plotter und 3D-Drucker. Auch VR-Stationen , Übungsräume für Bands, eine
Showküche und Räume für Videospiele stehen bereit. Es handelt sich um einen wunderbaren Ort an
dem man sich wohl führt, ein schönes Gebäude innen und außen.
Am folgenden Morgen besuchte ich das Amos Rex, das Museum
für bildende Kunst welches sich unterhalb (!) des Lasipalatsi Platzes befindet.
Zuerst befürchtete ich dunkle Katakombenatmosphäre aber die großen
Deckenöffnungen lassen genug Licht hinein, um alle Bedenken wegzuwischen. (Na
gut, der finnische Winter ist eh immer dunkel.) In einem Nebenraum befand sich
die Dauerausstellung der Sigurd Frosterus Sammlung, welches alleine sicherlich
nur Kennern einen Grund gibt, diesen Ort zu besuchen. Anders verhält es sich
mit der Birger Carlstedt Retrospektive mit dem Namen „The Golden Cat“, welche
absolut beeindruckend ist. Eine besondere Atmosphäre wird dadurch erzeugt, daß
ein Klavierkonzert von France Ellegaard in einer Schleife den Raum beschallt.
(Ja, muß man mögen. Und ich mochte es.) Neben den Werken von Malereien von Carlsted
waren auch entwürfe für Kostüme und
Bühnenbilder zu sehen, Zeichenutensilien, Studien und Skulpturen. Definitiv
eine Empfehlung für generell Kunstinteressierte.








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