Donnerstag, Mai 07, 2026

Woche 11/2026 - Garden Cricket in Up Over

Wenn ich das mit dem Bloggen im vergangenen Jahr kontinuierlicher hinbekommen hätte, wüsstet ihr, dass wir im Sommer, anstatt wie gewohnt zu den Schwiegers ins schöne Siebenbürgen zu fliegen, all unsere Barreserven erst im Wohnzimmer aufschichteten, um anschließend Tickets für einen Flug nach Australien zu kaufen.

Was für eine Reise! Was für ein Urlaub! (Vielleicht hole ich den Bericht noch mal irgendwann nach. Im Falle eines selbstgeschriebenen Bestsellers, zum Beispiel. Oder etwas Profanerem, wie ein Hauptgewinn im Lotto oder dem Ableben einer bisher unbekannten, abstoßend superreichen Erbtante.)

Im Unterland hatten wir mit unseren Gastgebern, den wunderbaren Pateneltern der Kids, sehr viel Spaß. Einer der Gründe für die ausgedehnte Freude war, dass jemand, dem ich an dieser Stelle nur den Codenamen „Coach“ geben möchte, uns ins Cricket-Spiel einführte. Abendelang saßen wir zusammen, klönten und beobachteten die Profis bei diesem wunderbaren Schlagspiel. (Ins Melbourne Cricket Ground, das mehr als 100.000 Menschen fasst, schafften wir es auch, aber da wurde saisonbedingt gerade Aussie Rules Football gespielt.)

Und da wir nicht nur gutes Zuschauermaterial sind, organisierte der Coach für uns im rückwärtigen Bereich des Hauses eine Spielstätte für Garden Cricket. Was folgte, waren einige der vergnüglichsten Stunden dieses Urlaubs. Mit der richtigen Mischung aus Ehrgeiz und kompletter Ahnungslosigkeit wurde gebowlt und geschlagen, bis die Anzahl der Bälle in den Nachbargrundstücken eine kritische Anzahl erreicht hatte. Also verlegten wir die nächsten Runden in eine öffentliche Grünanlage und begannen, unsere eigenen Familienregeln festzulegen. (Sie sind bedeutend verständlicher, wenn man die Grundprinzipien von Cricket bereits kennt.)

Hier klicken zum Ausklappen unserer🏏Garden Cricket  Regeln

1. Spielfeld

  • Gespielt wird auf einem Rasenstück, der umlaufende Weg bildet die Spielfeldgrenze
  • Abstand zwischen Abwurflinie (Bowling Line) und Wicket beträgt zehn Meter

2. Spielgeräte

  • ein Schläger
  • ein Wicket (richtiges Wicket/Kasten/Tonne etc.)
  • mind. ein Tennisball

3. Spieler & Reihenfolge

  • Mindestens 3 Spieler
  • Jeder Spieler sammelt eigene Punkte
  • Schlagreihenfolge: Fest rotierend (A → B → C → D → …)
  • Wurfreihenfolge: Ebenfalls rotierend (B → C → D → …)
  • Spieler, die gerade schlagen, werden als Werfer übersprungen und holen ihre Würfe nach, sobald sie nicht mehr schlagen und der aktuelle Werfer mit seinen zwölf Würfen (“Over”) fertig ist

4. Bowling (Werfen)

  • Der Ball muss gebowlt werden, d.h. in einer kreisförmigen Bewegung mit durchgestrecktem Arm
  • Der Ball muss vor dem Wicket aufspringen, damit ein Wicket-Treffer zum Aus („Out“) führen kann
  • Ungültiger Wurf (No-Ball): Regelwidrige Würfe werden wiederholt, sie zählen nicht zu den zwölf Würfen eines “Over”

5. Ablauf eines Durchgangs

  • Jeder Werfer hat 12 gültige Würfe (ein “Over”), danach wechselt der Werfer
  • Ein “Over” wird nicht unterbrochen, auch wenn ein Spieler ausscheidet

6. Spielende

  • Das Spiel endet, wenn alle Schläger „out“ sind.
  • Es können mehrere Durchgänge gespielt werden.

7. Runs (Punkte)

  • Nach einem Treffer läuft der Schläger zwischen: Abwurflinie ↔ Wicket
  • Es zählen nur gerade Runs (2, 4, 6, …), 
  • Ein Run zählt erst nach Hin- und Rückweg
  • Mehrfachläufe sind erlaubt, solange der Ball im Spiel ist
  • Ein Spieler ist sicher, wenn: er selbst oder sein Schläger (Bat) die Linie am Wicket berührt
  • Boundary-Regel:
    • Berührt der Ball den Weg: 4 Runs, wenn der Ball rollt
    • 6 Runs, wenn der Ball direkt (ohne Bodenkontakt) dort landet
  • +1 Run (Wide), wenn: der Ball vom Werfer so geworfen wird, dass der Schläger unter realistischen Umständen nicht schlagbar

8. Weiteres Extras

  • Überwürfe (“Overthrows”) durch den Werfer, d.h. der Ball passiert  dass Wicket ohne, dass er dahinter gefangen wird), führen zu keinen zusätzlichen Runs.

9. „Out“-Regeln

  • Ein Schläger ist aus, wenn:
    • Das Wicket wird getroffen, während der Spieler sich zwischen den Linien befindet (nicht „sicher“)
    • Direkter Wicket-Treffer durch den Werfer: Der Ball trifft das Wicket nach vorherigem Aufprall
    • Der Schläger wirft selbst das Wicket um
    • Der Spieler verdeckt beim Schlagen das Wicket mit dem Körper und wird dabei vom Ball getroffen bevor er ihn mit dem Schläger berührt hat
    • Der Ball wird nach dem Schlag direkt aus der Luft gefangen

10. Kooperationsregel

  • Alle Regel- und Streitfragen werden friedlich und freundlich gemeinsam entschieden. Spaß und Fairness haben immer Vorrang. 

Also, wenn ihr ein paar Verrückte mitten auf einer Grünfläche in einer norddeutschen Innenstadt Garden Cricket spielen seht … sagt einfach mal Hallo.


Freitag, April 17, 2026

Woche 10/2026 - Ein bißchen Indie Rock zwischen Thriller und Familienfilm

Gelesen

Ich bin kein Krimileser. Ein bisschen Miss Marple, ein bisschen Sherlock Holmes und eine Prise Flavia de Luce. Dann hört es schon auf bei mir.

Natürlich lohnt es sich gelegentlich auch mal, seine Lesegewohnheiten abzuklopfen, und nach einem sehr gelungenen Schreibseminar mit Ursula Poznanski in Wolfenbüttel habe ich mir ihren neuesten Thriller „Das Signal“ geschnappt und – Überraschung! – auch gelesen. Ursula schreibt sehr unterhaltsam und eingängig. Einmal in den „Signal“-Zug eingestiegen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Am Ende fühlt man sich als Leser weder übertölpelt noch zu sehr an der Nase herumgeführt, sondern hat einfach eine gute, spannende Zeit. Ach so, ich sollte noch erwähnen, worum es in dem Buch geht: „Bei einem Unfall verliert die junge Innenarchitektin Viola Decker ein Bein – und plötzlich besteht ihre Welt nur noch aus Hindernissen. Zwar kümmert ihr Mann Adam sich rührend um sie; mit dem barrierefreien Umbau ihres abgelegenen alten Hauses scheint er es allerdings nicht eilig zu haben. Viola sitzt buchstäblich im Erdgeschoss fest, alleine mit einer wortkargen Pflegerin, von der sie sich ständig überwacht fühlt.“

Es handelt sich allerdings um keine lahme „Fenster zum Hof“-Variante, sondern um eine Geschichte, die geschickt mit modernen Technologien („Tracker“) und uralten Ängsten spielt. Besonders erfrischend fand ich, dass die Ich-Erzählerin auch regelmäßig ihre nicht ganz so sympathischen Seiten zeigt.

Etwas parteiische 4 von 5 Mordversuchen.

Gesehen

Etwas familienfreundlicher ging es bei der Wahl unseres abendfüllenden Kinofilms zu, den meine Liebste, die zwei Halblinge und ich ansahen. Über „Hoppers“ aus dem Hause Pixar hatten wir im Vorfeld viel Positives gehört.

Der Film erzählt die Geschichte der tierliebenden Mabel, deren Bewusstsein in einen lebensechten Roboterbiber übertragen wird, um mit Tieren zu kommunizieren. Die Teenagerin möchte so den Plan des Bürgermeisters vereiteln, der den lokalen Lebensraum der Tiere zerstören will.

Die Protagonistin ist extrem sympathisch, viele der Tiere sehr lustig und alles – wie vom Marktführer gewohnt – visuell hervorragend umgesetzt. Wenn ich etwas zu meckern habe, dann am Plot, am Spannungsbogen und vor allem an der klischeehaft schlechten Darstellung von Politikern. Davon müssen wir irgendwann mal wegkommen, wenn das mit dem Demokratiedingens langfristig klappen soll. Das ist Euch auch klar, oder?

So reiht sich der Film für mich nicht ganz zwischen „Findet Nemo“, „Toy Story“ und „Monster AG“ ein, ist aber wirklich gute Unterhaltung und viel, viel besser als das, was sonst momentan so über die Kinoleinwand flimmert.

Gehört

Freitag, April 10, 2026

Woche 09/2026 - Betriebssystemschmerzen und schlechter Laune

Geärgert

Bisher bin ich niemandem begegnet, der sich am 7. Februar 2009 morgens bei einer Tasse Kakao hingesetzte und als Tagesaufgabe formulierte: Heute entscheide ich mich rational für ein mobiles Betriebssystem.

In der Realität stolpert man eher in die ganze Sache hinein. Gerät gekauft, eingerichtet, fünf Apps installiert – und zack – zwei Jahrzehnte später sitzt man in einem goldenen Käfig, weil man wenig bis keinen Bock hat, seine Daten umzuziehen, Apps und Spiele neu zu kaufen oder Alternativen zu finden und neue Accounts einzurichten.

So bin ich seit Jahren bei Apple. Nicht aus Überzeugung, eher aus Trägheit, mit gelegentlichen Momenten freudiger Überzeugung. Diverse iPads im Haushalt mit einmal gekaufter Software versorgen zu können, empfinde ich als praktisch. Auch das großartige und unglaublich günstige Procreate, mit dem alle meine digitalen Zeichnungen entstehen, liebe ich innig. Vom Dateimanagement unter iOS – das sich kaum nutzerunfreundlicher gestalten ließe – bekomme ich allerdings immer noch regelmäßig schlechte Laune.

Mein größtes Ärgernis sind aber die aufgezwungenen Design- und Funktionsänderungen, die die Kalifornier regelmäßig ausrollen (ich gender das hier bewusst nicht, weil vermutlich nur Männer auf so größenwahnsinnige Sch*iße kommen). Oder man ändert einfach mal Standardeinstellungen – und das Telefon beginnt selbstständig, Apps zu deinstallieren. Nicht schlimm? Nicht, wenn man sich nicht neu einloggen muss. Dann ist es nur nervig. Richtig unerquicklich wird es, wenn die deinstallierte App schlicht nicht mehr reinstalliert wird, weil sie aus dem Store genommen wurde. Da möchte man gerne etwas anzünden. Vorzugsweise etwas in Cupertino.

Gelesen

Bleiben wir bei meiner schlechter Launen. 

Mit „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat Moers einst eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Trotzdem würde ich mich nicht als Fan beschreiben, sondern als jemand, der die stets toll gestalteten, wertig daherkommenden Bücher stets schätzt, aber auch des Öfteren wenig Freude mit ihnen hat. 

 „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist leider so ein Fall. Die Geschichten plätschern alle dahin und sind weder besonders unterhaltsam noch wirklich humorvoll. Da hilft auch das Selbstlob im Nachwort nicht. („Die extrem verdichteten Erzählungen waren nicht nur unterhaltsam, scharfsinnig, originell und humorvoll, sondern vor allen Dingen nicht moralinsauer.“) Nun ja, zumindest der letzte Punkt stimmt. Ansonsten gibt es viel Weltenbau und wenig Plot. Sehr wohlgemeinte 2 1/2 von fünf Buchlingen.

Gehört