Der Montag war der Auftakt zu den großen (Dienst-)Reisefestspielen: Vier Reisen innerhalb eines Monats gab es bei mir seit Corona nicht mehr. Ich habe es allerdings auch nur bedingt vermisst.
Gleich zum Anfang hatte ich eine große Konferenz vor der Brust, aber erstens hatte ich – obwohl ich zum Veranstalterteam gehörte – eher einen Beobachterstatus (größte Gefahr: Handgelenksschmerzen durch exzessives Händeschütteln), zweitens treiben solche Veranstaltungen in meiner dritten Dekade im Brotberuf kaum noch den Blutdruck hoch.
Die Anreise tat es allerdings. Da einige Fluglinien in Finnland streikten, mussten wir nicht nur um 03:00 Uhr aufbrechen, sondern auch noch einen Umweg über Riga einlegen. Dort hatten wir dann wenigstens zehn Stunden fürs Sightseeing und Teambuilding. Besonders schön: Meine Liebste, auch Kollegin, und ich waren in der gleichen Reisegruppe. (Die Schwiegereltern passten derweil auf unsere Hobbits auf.) Und tatsächlich waren wir noch nie gemeinsam in der lettischen Hauptstadt. So konnten wir uns gegenseitig Lieblingsecken zeigen, was nach 15 Jahren Beziehung schön ein wildes Gefühl war.
Irgendwann ging dann unser Trip weiter und wir kamen wir in Tampere an, das ich bisher nur vom Durchreisen kannte. Die Stadt machte einen sehr angenehmen Eindruck, ist aber momentan auch die hipste Location des Landes. Und die Finnen mag ich ja eh. Grundentspannt, professionell und wortkarg – da fühle ich mich als Norddeutscher wohl.
Der Konferenzverlauf war sehr viel „business as usual“, trotzdem gab es eine sehr angenehme Überraschung: Im gleichen Gebäude wie das Veranstaltungszentrum befand sich ein „Mumin“-Museum, das mir sehr gefallen hat. Die Innengestaltung gab die Atmosphäre der Bücher sehr schön wieder. Man hatte das Gefühl, sich in einem Märchenwald zu befinden, und die Idee, bekannte Szenen aus der Buchreihe von Tove Jansson mit 3D-Modellen und Dioramen wiederzugeben, hatte einen besonderen Charme.
Ich bin nicht der größte Fan der Trolle, finde es aber sehr interessant, wie sich das „Moomiversum“ seit dem ersten – nicht sehr starken – Band entwickelt hat. Und auch ich konnte mich dem besonderen Zauber einzelner Geschichten und Comic-Strips nicht entziehen. Da wurde wirklich etwas Einzigartiges, ganz Tolles geschaffen, das nicht nur die finnische Seele anspricht.
Und so passierte dann, was fast zu erwarten war: Als mich die Kolleg:innen mit Stift sahen, baten sie reihenweise um eigene Porträts mit den kleinen Trollen.



