Auf dem Papier sah die geplante Fahrt ganz harmlos aus: Eine RE für knapp zwei Stunden, dann in den ICE wechseln und abschließend ein kurzer Sprint mit dem TGV von Mannheim nach Paris. In der Summe hatten wir – inklusive der genügend großen Pausen zum Umsteigen – elf Stunden Reise angesetzt. Nichts, was nach entsetzlich viel oder Problemen aussah.
Allerdings machte die Deutsche Bahn schon in Hamburg Deutsche-Bahn-Sachen. Es gingen keine Züge mehr gen Süden. Andere Leute beobachten im Urlaub Polarlichter, wir, wie gleich drei ICEs vor unserem Auge gestrichen wurden. Also wurde ich Teil der touristischen Wartegemeinschaft vor dem Reisezentrum. Die Schlange bewegte sich ziemlich flink, was mich fröhlich stimmte. Denn mir machte das letzte Teilstück über die französische Grenze Sorgen. Während man in Deutschland ja fröhlich 1000 Reisende in einen 500-Personen-Zug einladen kann, gibt es im TGV so etwas wie Reservierungspflicht. (Finde ich übrigens eine gute Idee. Also für Länder, in denen die Züge in der Regel pünktlich fahren.)
Meine Fröhlichkeit verflog, als ich den Grund dafür erkannte, warum die Schlange vor dem Reisezentrum so schnell kürzer wurde. Die Anstehenden bekamen lediglich eine Wartenummer in die Hand gedrückt. Es blieb dann am Ende aber bei einer Stunde Wartezeit, die hatte ich auch anno 2000 bei der Anmeldung zur Magisterzwischenprüfung. Nichts, was mich schockt.
Die uns zugewiesene Bahnmitarbeiterin versuchte uns dann eine Weiterfahrt am kommenden Tag ab 6 Uhr irgendwas von Frankfurt aus als tolles Rechercheergebnis zu verkaufen, wir wählten dann doch eine Weiterreise nach Köln und ein Investment von weiteren 350 Euronen in zusätzliche Eurostar-, ex-Thalys-Fahrkarten, von denen man uns versprach, sie baldmöglichst zu erstatten. (Warum die Bahn bei einem Unternehmen, das weitestgehend der französischen Staatsbahn gehört, keine Fahrkarten buchen kann, ist ein Fall für Galileo Mystery.)
Den Rest der Reise auf deutschem Staatsgebiet verbrachten wir, da ohne Sitzplatzreservierung, im Bordrestaurant mit BVB- und Barca-Fans. Die Stimmung war gut und die vegane Bolognese auch. Von den Pommes würde ich aber immer abraten.
Mit zwei Stunden Verspätung erreichten wir dann Paris, erwischten einen sehr netten Taxifahrer, der uns mit wunderbarer Jazzmusik sicher durch die nächtliche Hauptstadt kutschierte.
Für die Rückfahrt hatten wir schon im Vorfeld den Eurostar gebucht. Der Ex-Thalys ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch deutlich bequemer als die ICEs sämtlicher Generationen, an die ich mich erinnere. Ein besonderes Bonbon für uns beide »EU-Arbeitende« war der Umstand, dass wir durch Brüssel fuhren, aber nicht aussteigen mussten. (Das nächste Meeting in einem seelen- und fensterlosen Konferenzraum muss auf uns also noch eine Weile warten.) Und da wir in Europa hart an der Angleichung der Lebensverhältnisse arbeiten, hatte der Eurostar dann auch gleich mal 35 Minuten Verspätung, was bedeutete, dass wir unseren Anschlusszug in Köln verpassten.
Allerdings waren wir mit einer gehörigen Portion Glück ausgestattet. Wie ich bereits erwähnte, kann man den Eurostar von Deutschland aus nicht durchbuchen. Das heißt, wir hatten verschiedene Tickets für beide Teilstrecken. Dank der Mitarbeiterin im Reisezentrum und des Ostermontagswahnsinns im Streckennetz durften wir dann allerdings doch – einmal mehr über Wuppertal und Osnabrück – weiterreisen. Und wieder testeten wir das Bordrestaurant. Allerdings gingen dort erst Ketchup und Mayo, dann Apfelschorle und am Ende sogar die vegane Bolognese aus.
Am Ende waren wir aber auf unserer Alternativroute fast zur eigentlichen Reisezeit daheim. Trotzdem fliege ich beim nächsten Mal lieber wieder nach Paris, eventuell hat die Bahn etwas damit zu tun.





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