Donnerstag, Oktober 03, 2024

Woche 39/2024 - Jasper Ffordes "Grau", Imogen und vegane Bouletten

[Edit:] Ich vergaß, dass nicht ganz so coole, neue Rezept hinzufügen. Das ist hiermit geschehen (siehe unten).

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Es ist absolut absurd, wie wenig von diesem Jahr noch übrig ist, das gerade erst begonnen hat, aber der Herbst ist definitiv da – das lässt sich nicht leugnen.

Höchste Zeit also, wieder in die Pedale zu treten, um die letzten Kapitel des Buches fertigzustellen, das wir dann doch erst 2025 auf den Buchmarkt werfen werden.

Momentan fällt es mir tatsächlich schwer, vom "Buchmarketingmodus" wieder zum Schreiben zu finden, aber das wird sich hoffentlich spätestens mit dem zusätzlichen freien Tag in der nächsten Woche ändern.

Gelesen

Ich habe den Entschluss gefasst, endlich den zweiten Band der Farbreihe von Jasper Fforde zu lesen, allerdings erinnere ich mich nach 10 (?) Jahren an "Grau*" nur dunkel. Dunkelgrau quasi, Anthrazit. Der Verlag fasst die Handlung spoilerfrei so zusammen:

"Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück in der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin – bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit zur gesellschaftlichen Unterschicht: eine Graue!"

Der Einstieg in die Geschichte empfand ich nicht als furchtbar packend, aber als bekennender Fffordeianer weiß man, dass es eine Weile dauern kann, bis man von einem neuen Büchlein  wird. Bei mir war es vor allem die überzeugend geschilderte Naivität des Hauptcharakters, die mich anzog. Der Weltenbau ist gewohnt abstrus und gigantisch, anfänglich immer am Rande des Erträglichen, aber die Geschichte hielt mich bis zum Ende am Ball. Auch wenn die eine oder andere Parallele zu Diktaturen im 20. und 21. Jahrhundert etwas zu stark aufgetragen wirkte, hielt mich Eddie mit seinen Freunden (und Feinden) bis zum Ende bei der Stange. Ich bin froh, dass nicht allzu viele Geheimnisse und Leerstellen aufgeklärt wurden.

Ehrliche 4 von 5 Dodos. (Auch beim zweiten Mal lesen.)

Gehört

Ich schrieb, dass ich das Buch "las". Das ist nur halb richtig. Den zweiten (2024er) Durchlauf  erlebte ich als Hörbuch, da ich noch ein Audible-Guthaben zu verballern hatte. Oliver Rohrbeck liest das Buch routiniert und gut, obwohl die Stimmenimitationen für bestimmte Charaktere definitiv verzichtbar waren. Absolut nervig ist jedoch die Tatsache, dass er den Namen "Imogen" nicht korrekt aussprechen kann und offenbar niemand ihn darauf hingewiesen hat. Absolut nervig!

Gekocht

Ich zitiere an dieser Stelle Miss Megaphon: "Falls ihr euch übrigens fragt, warum bei uns ständig Klassenfest ist: Das frage ich mich auch." Und ich mich erst. 

Diesmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Aufgrund einer Dienstreise des Liebsten war ich erneut kurzzeitig alleinerziehend und entschloss mich spontan, ein neues Rezept für "vegane Bouletten" auszuprobieren. Schwerer Fehler. Eigentlich: Doppelt schwerer Fehler: (1) Hätte ich mit veganer Köfte eine gute Alternative parat gehabt. (2) Sollte man niemals ein neues Rezept ausprobieren, wenn man es eilig hat und/oder davon abhängig ist.

Der Geschmack der Bouletten war gut, die Zubereitungszeit erträglich, und die Konsistenz der Bouletten überraschte mich positiv. Allerdings nur bis sie in der Pfanne immer weicher wurden und schließlich auseinanderfielen. Also habe ich schnell den Ofen angeworfen und die Bouletten dort fertig gebacken, wo sie dann tatsächlich fest genug wurden. Wenn ich sie noch einmal zubereiten würde, würde ich sie kurz anbraten (ohne Anbraten sind sie ziemlich fade) und dann im Ofen garen. Aber ehrlich gesagt, werde ich wohl dann doch lieber die bewährten Köfte machen. Tja, Schuster bleib lieber bei deinem Schlüssel- und Schleifservice, wie der Volksmund sagt.

Mittwoch, September 25, 2024

Woche 38/2024 - Buchemessenachgedanken

Vor 18 Stunden stand ich noch in der Halle der Arena Berlin und hielt den einen oder anderen netten Plausch über Bücher, die Ostsee und die Preise von Frittierkartoffeln.

Nun sitze ich wieder an meinem Schreibtisch und nutze den erwerbsarbeitsfreien Montag, um mich nicht nur um Wäsche und kaputte Mischbatterien zu kümmern, sondern auch, um all die Eindrücke von meinem ersten Buchmessenbesuch als Autor mit eigenem Stand zu sortieren.

Die BuchBerlin zählt rund 300 Aussteller aus der Indie- und Selbstpublisher-Szene, was sie zu einer der größten Veranstaltungen dieser Art im Land macht.

Ich hatte einen Tisch für unseren Kleinverlag gebucht, und sowohl die Anmeldung als auch der restliche Administrationskram verliefen relativ unkompliziert. Allerdings hatten die Veranstalter im Vorfeld wohl ein paar Probleme mit dem Messebau, sodass es keine gewohnten Messestände gab. Stattdessen standen uns beispielsweise riesige Pinnwände zur Verfügung. Meine Befürchtung, die gesamte Veranstaltung würde dadurch das Flair eines Flohmarkts bekommen, bestätigte sich jedoch nicht. Auch die restliche Logistik war zufriedenstellend professionell: Die Regelungen und Wege zum Auf- und Abbau, die Toiletten- und Verpflegungssituation sowie die Beschilderungen waren gut organisiert.


Mein Stand befand sich in der Kinderbuchecke im Gang E, und ich hatte sehr nette Nachbarn, mit denen ich gerne ins Gespräch kam und Snacks tauschte. Die erwähnten Pinnwände erwiesen sich plötzlich sogar als Vorteil, denn sie machten die Dekoration der Stände deutlich einfacher. Dennoch war das Stressniveau hoch, bevor sich am Samstag um 10:00 Uhr die Tore öffneten. In den nächsten zwei Stunden strömten die meisten Besucher*innen des gesamten Wochenendes durch die Messe, und das zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch keine erprobte Strategie für die "Kundenansprache" hatte. Das Interesse an dem eher kleinen Angebot an Kinder- und Jugendliteratur war tatsächlich das ganze Wochenende über gering, was wohl eindeutig an der Zielgruppe lag. Diese war überwiegend weiblich und meist (noch) kinderlos. Der relativ hohe Eintrittspreis von 10 EUR (bzw. 8 EUR für Kinder ab 6 Jahren) war für viele Familien wahrscheinlich nicht zu stemmen, zumal es kein explizites Familienprogramm gab und selbst die Pommes mit 4,50 EUR pro Portion alles andere als günstig waren.

Am Samstag führte ich mit jedem Besucher, der an meinen Stand kam, ein Gespräch. Doch am Abend wurde mir klar, dass ich meine Strategie für den nächsten Tag definitiv anpassen musste, denn gerade am Nachmittag war in unserem Gang nicht mehr viel los, und der Ausflug in die Hauptstadt sollte sich bei den Investitionen in Standgebühren, Benzin und Unterkunft schon zumindest ein bisschen ökonomisch lohnen. Meine Strategie für den zweiten Tag sah dann so aus:

Ich entfernte alle Preisschilder. Da eine Buchmesse kein Supermarkt ist, verschreckten die Zettel die Kundschaft eher, als dass sie informierten. Leseproben gab ich nur noch heraus, wenn klar war, dass es zu keinem Kauf am selben Tag kommen würde, bzw. gab ich diese an Kinder in der Zielgruppe, die sonst an meinem Stand vorbeigelaufen wären. Ich bewarb ganz gezielt nur ein einzelnes Buch. Schon die Aufmerksamkeitsspanne der Kundschaft auf einen einzelnen Artikel zu lenken, war schwierig genug, und das Gesamtportfolio des Verlags war zu klein, um es als Ganzes zu bewerben.

Mit dieser neuen Strategie fühlte ich mich an Tag 2 deutlich wohler, auch wenn die großen Menschenmassen in unserer Kinderbuchecke weiterhin ausblieben. Beruhigend war jedoch, dass auch die deutlich besser vernetzten Kolleg*innen sowie die "Staubsaugervertreter" gegenüber – ein Team aus drei Leuten, die in aggressiver Manier versuchten, ein "Leselernbuch" zu verkaufen – nicht viel mehr Erfolg hatten als ich. Ein seltsamer Moment entstand, als ein deutscher D-Promi mit Kamerateam bei uns auftauchte, obwohl er nicht wirklich Interesse an Büchern zu haben schien. (Ich hoffe, das kurze Video von mir auf seinem Handy wird nie das Gerät verlassen.)

Und dann waren die zwei Tage auch schon wieder vorbei. Rein finanziell war mein Berlinausflug kein Plusgeschäft, aber so war er auch nicht angelegt. Der Austausch mit Gästen und Kolleg*innen war einfach großartig und herzerwärmend. Die Strategie des zweiten Tages war gut, und meinen Standaufbau würde ich jederzeit wieder genauso gestalten. Allerdings dann lieber bei einer reinen Sci-Fi- oder Kinderbuchmesse, oder an einem Ort, von dem ich am selben Tag an- und abreisen kann.

Mein Fazit: Es waren zwei grandiose Messetage und ich habe lange nicht mehr so viel gelernt, wie in diesen 48 Stunden.

Samstag, September 14, 2024

Woche 37/2024 - Mit Buchmessevorbereitungen, persönliche Begleiter und eigener Schriftart (Fontself)

Eigentlich wollte ich den Urlaub auch dafür nutzen, die größere Lücke im Tagebuch zu schließen. Das war wieder einmal eine Idee, die so richtig gut aufgegangen ist.

Ein anderes Projekt, für das ich momentan mehr Zeit aufwende als ursprünglich geplant, ist meine erste Buchmessenteilnahme. Meine Ambitionen sind nicht furchtbar groß (erstens: Spaß haben und zweitens: bei der Leserschaft nicht den schlechtesten aller Eindrücke zu hinterlassen), aber die Liste an Dingen, die es in der Vorbereitung zu tun gilt, wird immer länger:

  • Unterkunft buchen,
  • Parkplatz besorgen,
  • schwer entflammbare Tischdeko inkl. Zertifikat bestellen,
  • Merch aussuchen und verstauen,
  • Preisgestaltung der Fanpakete durchdenken (ich möchte ungern mit Centbeträgen hantieren),
  • Kasse, Quittungsblock, Bestellformulare, Namensschild einpacken,
  • Werbemaßnahmen auf Social Media planen und umsetzen usw. usf.

Aber es geht voran. Dank der kompetenten Beratung von Miss Megaphon und Cloud & Gut gibt es u.a. erstmalig langhenkelige Stoffbeutel für alle Verrückten, die kiloweise Material von der Messe tragen wollen.


Für alle Besuchenden, die ganz allein durch die Halle wandern, habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Wer an meinem Stand auftaucht und das Codewort „Wegbegleitung“ sagt, bekommt genau diese für den Messebesuch.

Auf A6 großen Karten gibt es individuelle Charaktere, die man dann vom Stand mitnehmen kann. Da finden sich u.a. Pyx, Selma Maria Wunsiedel, Wlug und Hono, der Zirkelzwerg.


Einiges aus ihren Steckbriefen ist bekannt, manchmal etwa das Lieblingsbuch, anderes („begeistert sich für“ oder „würde gern mal“) darf man nach langen Gesprächen mit der Wegbegleitung selbst ausfüllen.

Und natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn man die ausgefüllte - und eventuell sogar kolorierte - Karte anschließend auf Social Media teilt, aber das ist natürlich kein Muss.



Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich für die Karten ein eigene Font, basierend auf meiner Handschrift, entwickelt habe. Schon vor 20/25 Jahren gab es Software für solche Projekte, aber mit iPad und Stift ist es um einiges komfortabler, auch wenn die App hier und da noch etwas intuitiver sein könnte. Trotzdem waren die investierten 20€ für Fontself jeden Cent wert.



P.S. Ich habe gerade eine Nachricht vom Veranstalter gelesen: Es gibt Probleme beim Messebau, daher wird es keine Trennwände, sondern Pinwände geben... Puh, das wirkt nicht besonders professionell, vor allem für jemanden, der das seit 10 Jahren macht. Ich hoffe, dass der ganze Event dadurch nicht den Charme eines Flohmarkts bekommt.