Samstag, Januar 04, 2025

Woche 52/2024 - Webring, Landnama, Ludwig und Bonuscontent

Ich weiß nicht, ob es sich schon um ein gemeinsamen Retro-Trip der Millennials in meinem Umfeld handelt, aber ich beobachte vermehrt zurückkehrende Blogs (etwa von Pia <3), erneute Nutzung von Newslettern als Kommunikationskanal und auch Webringe scheinen wieder ein Ding zu sein. So gehöre ich jetzt auch zu uberblogr und ein Hauch von 2005 weht durch meinen Browser.

Gesehen
Ich habe die letzten zwei Folgen von Ludwig gesehen, die leider in der Qualität etwas abfielen, aber trotzdem freue ich mich auf die angekündigte zweite Staffel. Trotzdem hätte ich mir einen besseren Plot-Twist gewünscht. So war dieser das schwächste Element der ganzen Show.

Gespielt
SpOn empfahl das Wikinger-Strategiespiel Landnama. Die Rezension las sich so, als ob die iOS-App alles beinhaltete, was mich in diesem Genre reizt. Eine Fehlinvestition würde ich die Anschaffung nicht nennen, aber nach meinem Geschmack ist die Glückskomponente einfach zu groß. Ich bleibe bei meinem alten Urteil: Es gibt viel zu wenig gute Vollpreistitel für mobile Endgeräte. (Wenn ihr es anders seht, packt einfach iOS-Empfehlungen in die Kommentare.)

Bonuscontent
Weihnachten ist Knuddelzeit. Zumindest bei uns. Daher hatte ich fristgerecht zum Fest eine Anleitung für das fachgerechte Umarmen von Großmüttern entwickelt, die ich hiermit mit Euch teile.

1. Vorbereitung
Zunächst nähern Sie sich der Oma langsam. Dabei sollte man etwas stampfen, damit sich die Ankunft auditiv ankündigt und niemand erschreckt wird. Anschließend sollte ein Kompliment erfolgen, damit sich das zu knuddelnde Gewebe lockert. Empirische Studien haben den positiven Effekt von Sätzen wie: "Du riechst heute so frisch wie eine Ostseebrise!" und "Dein Grünkohl ist wirklich lecker, wenn man so verrückt ist, Grünkohl zu mögen." bescheinigt.

2. Einschätzung der Knuddeltauglichkeit
Bevor Sie die Knuddelung beginnen, prüfen Sie die Tagesform der Oma. Ist sie gerade beim Hausputz? Oder beim Kochen? Probt sie im Wohnzimmer gerade eine Trapeznummer? Falls sie mindestens eine der Fragen mit "ja" beantworten können, verschieben Sie die Knuddelung. Eine abgelenkte Oma ist eine unbequeme Knuddelpartnerin.

3. Der eigentliche Knuddler
Umfassen Sie die Oma mit beiden Armen, aber achten Sie auf die richtige Druckdosierung. Zu wenig Druck, und die Oma fragt sich, ob Sie heute noch nicht geduscht haben. Zu viel Druck, und die Oma kann sich unangenehm verziehen und Druckstellen bekommen.

4. Der Abschluss
Lösen Sie den Knuddelkontakt langsam und würdevoll. Auf das Setzen eines Telemarks oder einer tiefen Verbeugung kann unter Umständen verzichtet werden.

Gezeichnet


Montag, Dezember 30, 2024

Woche 51/2024 - OTFs, Kein Pardon, The Holdovers und Star Trek

Die vorletzte Woche des Jahres haben wir intensiv mit Erkältungsbekämpfung und Geschenkeinpackungsorgien verbracht. Unser Sidequest war es, dies so entspannt wie möglich zu gestalten. Denn wir hatten ein paar Tage frei, bevor die Ferien der Kinder begannen.

Geärgert
Mit Verärgerung habe ich festgestellt, dass PPT keine (oder nur begrenzt) OTF akzeptiert. Dabei hatte ich gerade das beste XMAS-Sweater-Stitch-Font der Welt gefunden. Natürlich gibt es online OTF-zu-TTF-Konverter, aber ich bezweifle mal, dass deren Einsatz bei "nicht eigenen" Schriften legal ist.

Gesehen
Da wir beim Geschenkeeinpacken etwas Zeit hatten, haben meine Liebste und ich ein paar Filme geschaut. Zunächst amüsierte sie sich erstmalig bei Kein Pardon mit Geburtstagskind Hape. (Was man halt so verpasst, wenn man nicht im deutschen Sprachraum aufwächst.)

Dann schauten wir uns endlich The Holdovers an, der sich sofort in die Top 10 meiner liebsten Filme einreiht. Er hat das Zeug zu einem wirklichen Weihnachtsklassiker! Die Story, die Charaktere, die Schauspieler, die Kinematographie und der wahnsinnig gute Soundtrack. Dass es so einen tollen, neuen Streifen gibt! <3

Nachgedacht
Vielleicht noch ein abschließendes Wort zu Star Trek: Picard und Discovery. Ich stolperte über dieses Zitat aus Nemesis und es beschreibt meiner Meinung nach ganz gut, was mich schon seit Voyager, der letzten Dominion-War-Staffel von DS9 und den jüngeren TNG-Filmen nervt: dieser Shift hin zu actiondominierten Plots. Klar, Star Trek war immer auch Knall-Boom, aber viel weniger als andere Franchises. Und ich finde, Strange New Worlds, Lower Decks und auch die ersten Staffeln von Enterprise (bevor das Xindi-Desaster begann), machen das viel besser. Für meinen Geschmack. (Denn das ist es: eine reine Geschmackssache und kein Kulturkampf.)


Sonntag, Dezember 29, 2024

Woche 50/2024 - Bundesakademisches Textbeispiel

Was für die eine der Yoga-Retreat in Indien ist, ist für mich ein Ausflug zu einem der pyramidalen Seminare an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Im Dezember packte ich zum vierten Mal Stift und Notizblock, um nach Wolfenbüttel zu meinem persönlichen Autorenseelen-Wellness aufzubrechen. Die thematische Klammer für all die intensiven Schreibübungen war einer meiner Lieblingsautoren, der leider viel zu früh verstorbene Jurek Becker.

Es ist immer so erhellend, erfrischend und befreiend, sich Themen und Übungen zuzuwenden, für die man im regulären (Schreib-)Alltag keine Zeit findet (von all den äußerst kompetenten Anregungen der Seminarleitung mal ganz zu schweigen).

Das Gleiche gilt für das Feedback und die anregenden Texte der Mitseminarist:innen. (Und manchmal sind es auch nur kleine Hinweise auf Arbeitstechniken oder Internetseiten wie Wortsport und Storydice.)

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Da ich gelegentlich gefragt werde, was ich denn da genau tue, wenn ich in Wolfenbüttel bin, präsentiere ich hier einmal beispielhaft eine Gehirn-und-Fingerübung.

Aufgabe (sinngemäß): Jurek Becker bekommt folgende Karikatur seiner selbst von Flix für eine Publikation zu Gesicht. Beschreibe seine Reaktion darauf.

Zeit: 20min



Mein Text (in Form eines fiktiven Tagebucheintrags):

Mittwoch, 12. Oktober
Otti* ruft an. Der dicke Krug hat Schnuppen. Heute also leider kein Tischtennis**, aber einen freien Nachmittag gewonnen. Man weiß nicht, wozu es gut sein wird. Die Dienstpost stapelt sich mal wieder, und Christinchen*** drängelt schon.

Donnerstag, 13. Oktober
Mit Johnny**** den Spielzeugtraktor repariert, doch der Poststapel sieht mich weiterhin unvermindert grimmig an. Heute Nachmittag ist er fällig. Wertes Tagebuch, nimm mich beim Wort.

Freitag, 14. Oktober
Christine in säuerlicher Laune, und auch das Tagebuch knurrt mich an. Also doch endlich einen Berg Briefe geöffnet: drei Interviewanfragen, die Abrechnungen von Suhrkamp und Hinstorff, ein Bettelbrief aus Wolfenbüttel und eine Porträtzeichnung eines Herrn Görmann***** für den neuen Essayband. Ich weiß nicht, was ich getan habe, um an einen Herausgeber mit solchem Kunstgeschmack zu geraten. Vielleicht grundsätzlich nicht schlecht, allerdings verspüre ich nun den Wunsch, einen neuen Handstaubsauger zu kaufen.

Samstag, 15. Oktober
Ich bin schockiert: Christine stört mein linkes Fallohr mehr als meine Nase. Habe ich die richtige Frau geheiratet? Beschlossen, meinen Ärger mit Kunst und Menschheit im nächsten Drehbuch zu verarbeiten, Arbeitstitel: Liebling Spandau.

Sonntag, 16. Oktober
Mit Manne telefoniert. Hatte ihm das Bild gefaxt. Ich hätte es nicht tun sollen. Die üblichen Krugschen Sticheleien. Letztendlich sind wir aber beide der Meinung, dass man das Thema "Grenzgänger" besser hätte umsetzen können. Ich sollte einen Brief an den Herausgeber des Essaybands schreiben. Sorgen um die Karriere von Herrn Görmann.

Montag, 17. Oktober
Das alte Bananenbrot Johnny hat die Zeichnung von meinem Schreibtisch gemopst, ist freudestrahlend zu seiner Mama gerannt und hat „Papa!“ gerufen, um es anschließend zu herzen. Ich glaube, wir sollten das Bild genau so publizieren.

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Anmerkungen/Erklärungen:

*Ottilie Krug, Ehefrau von Manfred Krug (langjähriger Freund von Jurek Becker)

**Jurek Becker war begeisterter Sportler, u.a. Tischtennisspieler.

***Christine Becker, Jurek Beckers zweite Ehefrau

****Jüngster Sohn von Jurek Becker

*****Felix Görmann aka Flix, Autor und Zeichner