These: Manchmal ist es gut, Autor und Stoff aus der gewohnten (Arbeits-)Umgebung zu reißen.
Uns verschlug es zu Ostern ins 13. Pariser Arrondissement, ins Dreieck der Straßen, die nach Primo Levi, René Goscinny und Thomas Mann benannt sind. Also formal anscheinend nicht die schlechteste Gegend für jemanden, der ganz dringend ein Manuskript überarbeiten muss.
Dies war allerdings nur meine Sidequest. Hauptaufgabe war es, drei Kinder im Alter von 9, 6 und 3 Jahren zu bespaßen. Bei Letzterem war der Schwierigkeitslevel auf "hoch" gestellt, denn bei ihm handelt es sich zwar um unseren Lieblingsneffen, mit dem ich allerdings auf Französisch oder Ungarisch kommunizieren musste. Aber das klappte alles ziemlich gut – auch wenn ich mich daran gewöhnen musste, dass über den Tag verteilt immer ≥1 Kind unzufrieden war. Eine Tatsache, die man bei den Altersunterschieden beim Nachwuchs wohl nicht vermeiden kann.
Am ersten Tag drehten wir eine große Runde mit dem Bus durch die französische Hauptstadt, nur unterbrochen durch einen kurzen Besuch in einer örtlichen Boulangerie zur Mittagszeit. Man merkt erst wirklich, wie hart die Inflation zugeschlagen hat, wenn es kaum noch einen Preisunterschied zwischen einer Pariser und der heimatlichen Bäckerei gibt. (Das gilt übrigens auch für den Restaurantbesuch.)
Das erste kulturelle Highlight war dann der Besuch des Centre Pompidou. Wir hatten Tagestickets vorbestellt, sodass die Wartezeit am Eingang weniger als fünf Minuten betrug. Die Kids kamen kostenfrei herein, und auch das Erwachsenenticket für 18 Euro war jeden Cent wert. Es ist unglaublich, wie riesig das Haus ist. Eine dicke Empfehlung für alle, die etwas mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts anfangen können. Großes Lob verdient auch die Kinderausstellung, die allerdings auch etwas weitläufiger hätte sein dürfen. Den Kindern war es egal. Gemeinsam genossen wir die Fahrt mit den ikonischen Rolltreppen an der Außenseite des Gebäudes. Und dann dieser wunderbaren Blick über die Dächer von Paris!.
Am Freitag spielten die Kinder Ball im Park, und ich genoss die geschäftige, aber sehr ruhige Arbeitsatmosphäre in der französischen Nationalbibliothek, die nur einen Katzenwurf von unserem temporären Hauptquartier entfernt war. Mir ging das Herz auf, als ich all die fleißigen Schüler*innen und Studierenden sah. Es ist doch toll, wenn ein Ort so gut angenommen wird. Architektonisch ist die Bibliothek allerdings kein Highlight: Innen war alles schön aufgeräumt und funktional – von außen ist die FBN aber eher die Abteilung „hässlicher Klotz“. Da spielt die Oodi in Helsinki in einer ganz anderen Liga.
Nachdem ich (zu) viele Seiten Text mit Anmerkungen versehen hatte, folgte der obligatorische Eiffelturmbesuch, den sich die Kinder so gewünscht hatten. Es schadet nicht, dem berühmtesten Alltmetallberg der Welt alle 25 Jahre mal einen Besuch abzustatten. Besonders wenn man dank der rechtzeitig gekauften Online-Tickets nur 10 Minuten ansteht und nicht für zwei Stunden.
Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch im Prinzenparkstadion des PSG. Der Verein steht ungefähr für alles, was ich am modernen Fußball NICHT mag. Der Stadionbesuch als solcher war aber schon sehr unterhaltsam. Fachleute wissen: Die besten Marketingideen kosten nichts. Und so würde ich den PSG-Mitarbeitenden sofort befördern, der den Einfall hatte, für die Besucher ein Trainingstor im Auslauf des Innenraums aufzustellen und ein paar Bälle hinzulegen. Hier war die Schlange länger als bei der Fotogelegenheit in der Umkleide. Und die Stimmung war auch besser – schließlich konnte anschließend jede*r von sich behaupten: Ich habe im Prinzenpark schon mal ein Tor geschossen.
Ich gebe 7,3 von 10 Phileas Fogg für diese Reise.




