Montag, November 26, 2018
Montagsfrage #12 und #13
Die zweite #Montagsfrage in Folge zu der mir nichts einfällt. Also schweige ich still. Muß auch mal sein.
Montag, November 12, 2018
Warum ich den Ersten Weltkrieg gewann und Herr Gauland ihn verlor
Alexander Gauland argumentierte kürzlich, daß es man als Deutscher sich nicht an den Feierlichkeiten zum Ende des 1. Weltkriegs beteiligen könnte.
Ich dachte eigentlich, daß solches Gewinner-Verlierer-Denken zumindest seit der Rede von Weizsäcker über das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1985 vorbei sein sollten.
Aber nein, wir leben leider in Zeiten in denen solch hanebüchener Unsinn gute Verbreitung findet und mich so aufregt, daß ich mich genötigt sehe, ein paar Zeilen ins Internet zu schreiben.
Ich weiß von zwei Urgroßvätern, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben: Emil als Meldegänger vor Verdun, Karl als Maschinengewehrschütze in Flandern. Beide haben sich im November 1918 sicherlich nicht als Sieger gefühlt. Ich mich als direkter Nachfahre aber heute mit 100 Jahren Abstand schon. Und das hat erst einmal den Hintergrund, daß ich mich nicht über meinen Pass definiere. Meine Verbundenheit zu Wilhelm I. ist nicht größer als die zu George V. Und so feiere ich auch nicht den Sedantag und denke „Den Franzosen haben wir es 1870 aber ordentlich gegeben! Und den Römern bei Kalkriese erst!“
Ohne viel Nachdenken fallen mir sofort drei Gründe zum (Mit-)Feier ein, aber ich bin ja auch nicht den ganzen Tag mit Hetze und Revanchismusfantasien beschäftigt:
Darüber hinaus ist es immer gut, ein Zeichen für Aussöhnung, Verbundenheit und Frieden zu setzen. Naja, zumindest in meiner Welt.
Ich dachte eigentlich, daß solches Gewinner-Verlierer-Denken zumindest seit der Rede von Weizsäcker über das Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1985 vorbei sein sollten.
Aber nein, wir leben leider in Zeiten in denen solch hanebüchener Unsinn gute Verbreitung findet und mich so aufregt, daß ich mich genötigt sehe, ein paar Zeilen ins Internet zu schreiben.
Ich weiß von zwei Urgroßvätern, die im Ersten Weltkrieg gekämpft haben: Emil als Meldegänger vor Verdun, Karl als Maschinengewehrschütze in Flandern. Beide haben sich im November 1918 sicherlich nicht als Sieger gefühlt. Ich mich als direkter Nachfahre aber heute mit 100 Jahren Abstand schon. Und das hat erst einmal den Hintergrund, daß ich mich nicht über meinen Pass definiere. Meine Verbundenheit zu Wilhelm I. ist nicht größer als die zu George V. Und so feiere ich auch nicht den Sedantag und denke „Den Franzosen haben wir es 1870 aber ordentlich gegeben! Und den Römern bei Kalkriese erst!“
Ohne viel Nachdenken fallen mir sofort drei Gründe zum (Mit-)Feier ein, aber ich bin ja auch nicht den ganzen Tag mit Hetze und Revanchismusfantasien beschäftigt:
- Die Einstellung der Kampfhandlungen begrüße ich schon aus dem Grund, weil doch tatsächlich noch genug männliche Bevölkerung übrig geblieben ist, um meine Vorfahren zu zeugen. In meinem Fall ein klares Plus, in dem Fall von dem Gauland .... .
- Die Seite mit den (eher) demokratischen Regierungen hat gewonnen. So konnten sich in Deutschland und Österreich auch Demokratien (zumindest zeitweise) durchsetzen. Wenn der verlorene Krieg vielleicht nicht ursächlich war, so hat er den Demokratisierungsprozess zumindest beschleunigt.
- Der Erste Weltkrieg öffnete die Tür für internationale Institutionen wie den Völkerbund und später auch für die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Und so wurden sieben Jahrzehnte mit drei Kriegen zwischen Deutschland und Frankreich von sieben friedliche Jahrzehnte abgelöst.
Darüber hinaus ist es immer gut, ein Zeichen für Aussöhnung, Verbundenheit und Frieden zu setzen. Naja, zumindest in meiner Welt.
Freitag, November 09, 2018
Emil
Als Emil 19 Jahre alt war, kam er zum preußischen Militär. Mit einer Körpergröße von 1,60m und Erfahrung im Umgang mit Pferden machten ihn zu einem guten Kandidaten für die Kavallerie. So wurde er ein Ziethen-Husar. Während in den letzten zwei Jahren schon Hundertausende junger Männer in den Schützengräben Belgiens und Frankreichs im Artilleriehagel starben, wurde Emil noch am Kavalleriesdegen und der Stahlrohrlanze ausgebildet. Aber eigentlich konnte einen sowieso nichts auf die Grauen des 1. Weltkrieges vorbereiten.
Emil kämpfte in Roye-Noyan, an der Somme, in Arras, in Verdun und an vielen anderen Kriegsschauplätzen, bevor bei Villers Bretonneux, wo er als Meldegänger eingesetzt war, schwer verwundet wurde. Für seine militärische Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz. Emil litt ein Leben lang unter den Folgen seiner Verletzung und er sprach mit uns über den Krieg bis er im Alter von 92 starb.
Im Sommer nach dem Abitur besuchte ich die Plätze von denen uns mein geliebter Urgroßvater erzählt hatte. Mit anderen Jugendlichen arbeitete ich auf Kriegsgräberstätten, besuchte Museen und versuchte wenigsten annähernd zu begreifen, wie so etwas geschehen konnte. Menschen, die so jung waren wie wir - aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den USA, den Kolonien - ließen in einem sinnlosen Gemetzel ihr Leben.
Vor 100 Jahren schwiegen endlich die Waffen. Zeit an die zu denken, die nicht mehr nach Hause kamen, an die, die tiefe körperliche und seelische Wunden heim trugen, an die, die ihre Liebsten verloren. Und Zeit, dankbar zu sein, für die friedliche Union in der wir leben und dafür zu kämpfen, daß sie erhalten bleibt.
Emil kämpfte in Roye-Noyan, an der Somme, in Arras, in Verdun und an vielen anderen Kriegsschauplätzen, bevor bei Villers Bretonneux, wo er als Meldegänger eingesetzt war, schwer verwundet wurde. Für seine militärische Verdienste erhielt er das Eiserne Kreuz. Emil litt ein Leben lang unter den Folgen seiner Verletzung und er sprach mit uns über den Krieg bis er im Alter von 92 starb.
Im Sommer nach dem Abitur besuchte ich die Plätze von denen uns mein geliebter Urgroßvater erzählt hatte. Mit anderen Jugendlichen arbeitete ich auf Kriegsgräberstätten, besuchte Museen und versuchte wenigsten annähernd zu begreifen, wie so etwas geschehen konnte. Menschen, die so jung waren wie wir - aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den USA, den Kolonien - ließen in einem sinnlosen Gemetzel ihr Leben.
Vor 100 Jahren schwiegen endlich die Waffen. Zeit an die zu denken, die nicht mehr nach Hause kamen, an die, die tiefe körperliche und seelische Wunden heim trugen, an die, die ihre Liebsten verloren. Und Zeit, dankbar zu sein, für die friedliche Union in der wir leben und dafür zu kämpfen, daß sie erhalten bleibt.
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