Samstag, Dezember 31, 2022

Woche 52/2022 - Die Nachwirkungen des großen Twitterbebens, Thursday Next und Isle of Arrows

Das war hier mal wieder eine längere Sendepause. Und wer weiß, daß ich viel schreibe und poste, wenn es mir gut geht, erahnte also, dass die Reste von 2022 nicht so toll waren. So auf ganz persönlicher Mikroebene. 

Auf größerer "Bühne" schüttle ich immer noch den Kopf darüber, was aus Twitter geworden ist. Ja, nach Trump, Brexit, Covid und Ukraine fühlte sich das Leben doch schon genug nach seltsamen Paralleluniversum an und dann kommt da ein durchgeknallter Typ, stapelt eine Menge Milliarden Dollar übereinander und zündet das alles an.

Oh, wie habe ich Twitter gehaßt. Also 2008 als die mir liebsten Blogosphärenschreibenden nach und nach abwanderten, um v.a. Kurznachrichten anstatt Blogpost zu schreiben. Aber so nach 1,5 Jahren richtete auch ich mich dort vermehr häuslich ein. Lernte eine Menge neuer, nette Leute kennen und behielt Kontakt zu netten Menschen aus meinen ersten Bloggertagen. Daß das ganze Ding mal SO endet hätte ich mir nicht im Traum ausmalen können. Nun habe ich das Gefühl, dass nur noch ein Drittel der Leute von Interesse für mich dort weilen, während ein weiteres Drittel (so wie ich) (zumindest temporär) zum Mammut umgezogen sind. Der Rest scheint traurigerweise tatsächlich komplett aus den "Kurznachrichtendiensten" zu verschwinden. Schöner Mist. Das kann ich mir beim ganzen Twitterbotnazisumpf trotzdem nicht schönreden. So habe ich gar keine Energie mehr mich über die Nachteile des Mammuts (Kontrolle der eigenen Daten, Usability, Abgehobenheit von Teilen der "Altnutzerschaft") zu beklagen. Klar, gab es auf Twitter jede Menge Irrer, aber es waren "unsere" Irren. Und ich hatte mir meine Timeline stets angenehm zusammengeblockt bzw. -gemuted. Mal sehen, wie es weiter geht. Momentan crossposte ich (fast ausschließlich) von T nach M, schon damit ich mir im Fall der Fälle noch mal die meisten meiner Posts herunterladen kann.

Gelesen

Mit großer Freude habe ich mit einem Thursday Next re-read begonnen. Was für ein Spaß. Mir fehlen tatsächlich die letzten beiden Bände, die ich noch gar nicht kenne, also höchste Eisenbahn mich noch mal in die Buchwelt zu begeben. Mittlerweile habe ich die ersten drei Bücher durch. Ich hatte ganz vergessen, wie sehr sich Jasper Fforde in Teil III ins Weltenbauen verliert und die Story etwas zu langsam entwickelt. Trotzdem alles sehr unterhaltsam! Allerdings frage ich mich, warum es den letzten Teil immer noch nicht auf Deutsch gibt. Das wird sehr seltsam in meinem Bücherregal aussehen.

Gespielt

Wartezeiten überbücke ich in den letzten Wochen mit den tollen Fullprice-Tower Defence Spiel "Isle of Arrows" (iOS, aber auch auf Steam). Easy to learn, hard to master par excellance... An einem Level hänge ich jetzt schon 10 Tage. Gut investierte Euronen!

Auf ein zumindest durchschnittliches und langweiliges 2023! Bitte, ich könnte das wirklich gebrauchen. Kommt gut auf die andere Seite. Wir lesen voneinander.



Sonntag, Oktober 16, 2022

Woche 41/2022 - Von "Vielleicht-Schubladen" und Rosenkohl

Das Gejammere über fehlende (Frei-)Zeit zum Schreiben gehört schon zu den traditionellen Themen mit denen ich seit Jahren meine Blogleserschaft langweile. Aber hier und da gibt es auch äußerst positive Ereignisse um meine liebste Nebentätigkeit und heute kann, darf, möchte und muß ich von solch einem berichten.

Der hochgeschätzte Sciconaut empfahl mit vor nicht zu lange Zeit eine Teilnahme am Flix-Seminar an der Bundesakademie in Wolfenbüttel und da der Sciconaut ein sehr, sehr weiser Mann ist, folgte ich dem Ratschlag natürlich und wurde nicht enttäuscht.

Innerhalb von zwei rappelvollen Seminartagen wurde uns die Verbindung zwischen Selbstgezeichnetem und Text näher gebracht. Die Tage waren inspirierend, fordernd, motivierend und einfach großartig. Flix und Olaf Kutzmutz sind ein sympathisches, eingespieltes Team, dass trotzdem keinerlei Routine oder Langeweile aufkommen ließ. Die Arbeitsaufgaben war allesamt interessant und knackig und durch die kürze der Zeit stets anspruchsvoll. Für die Auswertung und Besprechung (wie auch viele Fragen "am Rande des Wegs") wurde viel Zeit gelassen. (Alles Dinge die ich sehr zu schätzen weiß.) Die Bandbreite der Teilnehmenden und deren Engagement beeindruckte mich ebenfalls sehr. So hatten wir dann alle viel Spaß beim abendlichen Austausch in der Bundesakademie.

Ja, die Bundesakademie. Gäbe es einen solchen Ort nicht, man müßte ihn erfinden: Tolle Atmosphäre in einer beschaulichen Stadt, gutes Essen, schlichte, aber saubere, funktionale und super gemanagte Unterkünfte und Seminareräume, in denen man gerne wohnte, schlief, arbeitete und dem Flix bei seiner Lesung lauschte.

Was habe ich für mich mitgenommen?

  1. Solche Auszeiten vom Alltag tun meiner Motivation und Kreativität unheimlich gut.
  2. Die Veranstaltungen der Bundesakademie sind großartig und ich werde definitiv nach Wolfenbüttel zurückkehren. 
  3. (Fortgeschrittene) Ideen können in einer "Vielleicht-Schublade" geparkt werden bis sei einen Zustand erreicht haben, der eine Veröffentlichung zuläßt. (Oder halt auch nicht!) Das ist psychologisch bedeutend besser als - wie  z.B. in meinem Fall - von "offenen Projekten" zu sprechen, die den Druck zur Fertigstellung erhöhen, obwohl die Ideen das (noch) nicht hergeben.
  4. Trotzdem gilt natürlich: Finished not perfect.
  5. Kreatives Arbeiten ist Arbeit. Man muß sich dafür Zeiträume schaffen.
  6. Ausprobieren, "spielen" und das Verwerfen von nicht so guten Ergebnissen gehört zum Schaffensprozess hinzu.
  7. Du bist nicht allein. (Jede/r hadert "manchmal" mit den Ergebnissen und sich selbst.)
Apropos "spielen", ausprobieren und kontinuierliches Arbeiten: Unsere kleine Seminargruppe versucht nun nahezu täglich unter dem runningag-igen Hashtag #WirzeichnenRosenkohl auf Instagram und Twitter zu zeichnen. Schaut Euch das doch einfach mal an.



Samstag, September 17, 2022

Woche 37/2022 - Alles, aber sicherlich nicht täglich

Es ist immer das selbe mit mir, besonders in den stressigen Woche. 

Wenn der Güterwagen mit Sonderaufgaben ankommt, spucke ich zunächst freudig in die Hände und beginne mit dem Abarbeiten. In den ersten Tagen klappt das super, man kommt voran und erfreut sich am Drahtseilakt am eigenen Limit. Doch mittlerweile bin ich in dem Alter, in dem die Dauer dieser Stressphasen länger andauern als meine Energiereserven reichen. Irgendwann gibt es Kopfschmerzen, schlechte Laune und solche Müdigkeit, dass man mir noch vor dem Sandmännchen die Augen zufallen. Mit Mitte 20 dauerte es bedeutend länger bis ich diesen Zustand erreichte und zudem hatte man weniger Verantwortlichkeiten und Kinder (hier 100%), so daß man sich am Wochenende wirklich ausruhen konnte.  

Neben den Schlafen und Medienkonsum fällt bei mir in solchen Wochen mein Therapeutikum Nummer 1 hinten runter: Das Schreiben. Die ganze Palette: Projektideen, Bloggerei, Tweets und Buchkapitel. Und obwohl ich weiß, daß es für meine mentale Gesundheit sehr förderlich wäre, etwas zu Papier zu bringen, bekomme ich selbst kurze "Schreibphasen" nicht als regelmäßige Aktivität in den Alltag eingebaut. Oder zumindest bist jetzt nicht. Da ich gerade parallel die Erinnerungen von Judith Holofernes (sehr gut) und Manfred Krug konsumiere (nicht so gut), nehme ich mir ein Beispiel an den beiden und werde mal versuchen Tagebuch zu schreiben. Das wird sicherlich nicht täglich klappen, aber hoffentlich ist die Schwelle niedrig genug, um den Kopf regelmäßig durch das Aneinanderreihen von Buchstaben etwas freizublasen.