Ich machte am Freitagnachmittag den strategischen Fehler, dem Kind (5) zu sagen, daß wir beide am Samstag einen Weihnachtsbaum kaufen werden. Nächstes Mal konsultiere ich vor solchen Aussagen besser noch einmal meinen Pressesprecher, denn nach meiner Ankündigung gab es kein Halten beim Kind mehr, Aufregung pur. (Dabei hatte ich definitiv nicht „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ gesagt.)
Eigentlich hätte man sich das trotzdem denken können, denn in unserem Hause gibt es nur alle zwei Jahre einen Baum und zwar in den Jahren, wenn wir die Weihnachtsfeiertage in Deutschland verbringen. Bei der Familie in den Karpaten wird der Baum allerdings auch nicht gekauft, sondern wird dort - zusammen mit den Geschenken - fertig geschmückt von den Weihnachtsengeln gebracht. (Für unsere Kinder klappt es übrigens gut, daß es hier einen Weihnachtsmann und dort die Engel gibt. Es existieren so viele Dinge, die in beiden Kulturen anders sind, da kann man diesen einen weiteren Unterschied wohl ebenfalls problemlos akzeptieren.)
Jedenfalls war das Kind so aufgeregt, daß wir zwei Stunden nach meiner Ankündigung in das Familienraumschiff steigen mußten, um auf einer Außenmission zur nahen Weihnachsbaumverteilstation ein Gehölz zu besorgen. Als Altbaumieter (Anmerkung für die Leserschaft: Kein doppeltes "M" hier!) hatte ich einen Baum im Visier, der meinem Ebenbild entsprach: Groß und schlank! *hust*
Das passende Objekt war schnell gefunden, auch weil wir die einzigen Kunden waren. Was ich nicht bedacht hatte war, daß ich den langen Baum, mich und zudem auch das Kind noch irgendwie in den Wagen bekommen mußte. Ja, das Kind war das schwächste Glied in der Kette, aber es hier zurückzulassen, war dann doch keine Option. Einerseits hatten wir uns sehr an sie gewöhnt und zweitens würden beim Baumschmücken noch alle Hände gebraucht werden. Das Kind wurde also auf den anderen, viel zu kleinen Kindersitz gesetzt, ordentlich vertaut und - um die Meckerei zu unterbinden - mit einer Tüte Pommes versorgt. Pädagogik, StVO und Erziehung kann ich!
Daheim angekommen erzählte das Kind allerdings trotzdem, daß ihr geliebter Vater einen viel zu großen Baum gekauft hätte, weil das Kind selbst fast gar nicht mehr in das Auto gepaßt hätte. Wenigstens war es spät genug, den Nachwuchs sogleich ins Bett schicken zu können.
Am nächsten Morgen wurde dann bereits ab 7 Uhr alle 15Min gefragt, wann der Baum endlich geschmückt werden könne. So haben wir also schon am 19.12. eine volldurchdekorierte Tanne im Wohnzimmer stehen. Und Dank des Enthusiasmus des Kindes dürfte die Masse des Schmucks das Eigengewicht des Gehölzes um das 3- bis 4-fache übersteigen. Aber neben dem Kater bin ich wohl der einzige im Haus, der es mag, wenn man zwischen Lichtern und Deko noch ab und zu eine grüne Tannennadel sieht.
Apropos Kater, dieser hat die Erstbesteigung des Baums auch erfolgreich hinter sich gebracht. Die Tanne steht noch, TÜV bestanden!








