Samstag, September 14, 2024

Woche 37/2024 - Mit Buchmessevorbereitungen, persönliche Begleiter und eigener Schriftart (Fontself)

Eigentlich wollte ich den Urlaub auch dafür nutzen, die größere Lücke im Tagebuch zu schließen. Das war wieder einmal eine Idee, die so richtig gut aufgegangen ist.

Ein anderes Projekt, für das ich momentan mehr Zeit aufwende als ursprünglich geplant, ist meine erste Buchmessenteilnahme. Meine Ambitionen sind nicht furchtbar groß (erstens: Spaß haben und zweitens: bei der Leserschaft nicht den schlechtesten aller Eindrücke zu hinterlassen), aber die Liste an Dingen, die es in der Vorbereitung zu tun gilt, wird immer länger:

  • Unterkunft buchen,
  • Parkplatz besorgen,
  • schwer entflammbare Tischdeko inkl. Zertifikat bestellen,
  • Merch aussuchen und verstauen,
  • Preisgestaltung der Fanpakete durchdenken (ich möchte ungern mit Centbeträgen hantieren),
  • Kasse, Quittungsblock, Bestellformulare, Namensschild einpacken,
  • Werbemaßnahmen auf Social Media planen und umsetzen usw. usf.

Aber es geht voran. Dank der kompetenten Beratung von Miss Megaphon und Cloud & Gut gibt es u.a. erstmalig langhenkelige Stoffbeutel für alle Verrückten, die kiloweise Material von der Messe tragen wollen.


Für alle Besuchenden, die ganz allein durch die Halle wandern, habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Wer an meinem Stand auftaucht und das Codewort „Wegbegleitung“ sagt, bekommt genau diese für den Messebesuch.

Auf A6 großen Karten gibt es individuelle Charaktere, die man dann vom Stand mitnehmen kann. Da finden sich u.a. Pyx, Selma Maria Wunsiedel, Wlug und Hono, der Zirkelzwerg.


Einiges aus ihren Steckbriefen ist bekannt, manchmal etwa das Lieblingsbuch, anderes („begeistert sich für“ oder „würde gern mal“) darf man nach langen Gesprächen mit der Wegbegleitung selbst ausfüllen.

Und natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn man die ausgefüllte - und eventuell sogar kolorierte - Karte anschließend auf Social Media teilt, aber das ist natürlich kein Muss.



Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich für die Karten ein eigene Font, basierend auf meiner Handschrift, entwickelt habe. Schon vor 20/25 Jahren gab es Software für solche Projekte, aber mit iPad und Stift ist es um einiges komfortabler, auch wenn die App hier und da noch etwas intuitiver sein könnte. Trotzdem waren die investierten 20€ für Fontself jeden Cent wert.



P.S. Ich habe gerade eine Nachricht vom Veranstalter gelesen: Es gibt Probleme beim Messebau, daher wird es keine Trennwände, sondern Pinwände geben... Puh, das wirkt nicht besonders professionell, vor allem für jemanden, der das seit 10 Jahren macht. Ich hoffe, dass der ganze Event dadurch nicht den Charme eines Flohmarkts bekommt.

Sonntag, August 25, 2024

Woche 26/2024 - Ryszard Kapuścińskis "König der Könige" & Professor Andersens Nacht

Ich habe ein offenes Ohr für Hör- und Lesehinweise von Menschen, die ich sehr schätze, und unterliege dabei des Öfteren folgender Fehleinschätzung: 'Wenn Leute, die man toll findet, etwas empfehlen, dann gefällt mir das sicherlich auch.'

Bei Christine Westermann, Elke Heidenreich und Flix bin ich diesbezüglich schon mehrfach auf die Nase gefallen, aber ich kann jetzt nicht garantieren, dass (1) ich aus diesen Fällen lerne und (2) das meine Liebe und Wertschätzung in irgendeiner Art beeinflusst. 

Gelesen

Für den ersten, ausführlichen Strandtag des Jahres hatte ich mir "Professor Andersens Nacht" von Dag Solstad aus dem Bücherregal gegriffen. Der Roman oxidierte schon deutlich über ein Jahrzehnt ungelesen vor sich hin, sodass ich gar keine Erinnerung mehr daran hatte, wie er dort genau hingekommen war. Innerhalb eines Nachmittags hatte ich das Bändchen dann durch. Das war äußerst positiv, denn meinen Geschmack traf er so gar nicht.

Der alleinlebende, namensgebende Professor Andersen beobachtet in der Weihnachtsnacht einen mutmaßlichen Mord, und was dann passiert, hätte auch für eine Kurzgeschichte gereicht. Der Plot war überschaubar, die Pointe mau, und dazwischen viel hochtrabendes, wenig berührendes Zeug. Wahrscheinlich bin ich nicht distinguiert genug für diese Art Lesestoff.

Gehört

Seit Jahren versuchte ich, in diversen Online-Antiquariaten die preisgekrönte "Parabel der Macht" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2003) zu einem vernünftigen Preis zu erbeuten. Teilweise wurde Ryszard Kapuścińskis "König der Könige"* für einen dreistelligen Betrag gehandelt. Es handelt sich, wie gesagt, um keinen seltenen, vorzüglich mundenden Rotwein, sondern um eine zwei Jahrzehnte alte Doppel-CD. In diesem Sommer wurde ich endlich fündig, und leider hielt auch in diesem Fall meine Erwartung dem Hörerlebnis nicht stand. Die Idee, das Leben am Hofe von Äthiopiens letztem Kaiser Haile Selassie anhand von unzähligen Interviews mit ehemaligen Hofdienern und Bediensteten nachzuzeichnen, ist eine hervorragende Anfangsidee, aber mir persönlich fehlten Fakten zur "Unterfütterung" all der Zeitzeugenberichte. Das Ganze war mir also zu "literarisch", während ich mein Hirn gerne mit etwas Wissen gefüllt hätte. Zudem ist die ganze Produktion mit ihren dominanten Soundeffekten nicht wirklich gut gealtert.



Sonntag, Juni 23, 2024

Woche 25/2024 - The Smashing Pumpkins

In den 90ern seine eigene Pubertät erlebt zu haben, geht mit ganz seltsamen Erinnerungen an Musik einher. Klar, da waren neue Kanäle für Heranwachsende wie Viva und NJoy Radio, aber auch ganz viel Fragwürdiges, wie Gummistiefeltechno, Boybandgedöns und das Dancefloorgrauen.

Bei mir lagen im tragbaren CD-Spieler Garth Brooks und Police, Jewel und Alanis Morissette, Grönemeyer und Bruce Springsteen. Und dann gab es da Bands, die ein gewisses Grundrauschen erzeugten: R.E.M., Beastie Boys, die Smashing Pumpkins. Nicht ganz so innig geliebt wie meine Favoriten, aber auf jeder Party und bei jedem Herzbruch dabei.

Durch glückliche Umstände kam ich an ein Ticket und konnte gestern die gut gealterten Herren in der Wuhlheide erleben. Achtzig Euronen waren eine ganz schöne Investition, aber mit den Special Guests "Interpol" bekam man quasi auch zwei Konzerte zum Preis von zwei.

Die Indie-Rocker aus New York hatten ein sehr hörbares Set zusammengestellt, was mich sehr dazu motiviert, ihr Oeuvre mal auf Spotify nachzuhören. Ich fühlte mich sehr an Britpopnächte in einem gewissen Liverpooler Club anno 2000 erinnert. Nur der Gesang des Leads war etwas gewöhnungsbedürftig, oder wie es meine sehr nette Begleitung ausdrückte: "Haben die Strohhalme gezogen, wer singen muss?!".

Spätestens beim Hauptact war die Location vollgepackt mit 17.000 Menschen mittleren Alters, die sicherlich auch problemlos als Publikum bei Peter Maffay durchgegangen wären. Der körperliche Zerfall ist halt ein ungeliebtes Massenphänomen. Über diesen und andere Schocks half der eine oder andere Joint hinweg, der um uns konsumiert wurde und meine Fahrtüchtigkeit als unfreiwilliger Passivraucher hoffentlich nicht beeinträchtigte.

Die Pumpkins 3.0 bzw. 4.0 - wir waren uns nicht ganz sicher, wie wir das zählen sollten - lieferten eine recht routinierte Show ab, brachten aber alle Klassiker unter (1979, Disarm, Tonight, Tonight etc. pp.), die man sich so erhofft hatte, und mit Springtimes sogar eine nette Melodie, die ich noch nicht kannte und den Rest des Abends vor mich hinsummte.

Es war auch noch ziemlich viel vom Tag übrig, als man den Konzertbetrieb - ohne Zugabe - vor durchschnittlich motiviertem Publikum kurz vor 22 Uhr ohne großes Tamtam einstellte.

Die Soundqualität hatte fernab vom Innenraum die gewohnte Schwammigkeit der Wuhlheide, trotzdem nervte das Geschrammel zwischendurch ein wenig. Ein Keyboarder hätte dem Abend sicherlich auch gut getan, so kam diese Spur durchgehend und etwas sehr unromantisch vom Band.

In zehn Jahren komme ich vielleicht mit den Kids noch mal zur Abschiedstour der Kürbisse. Bis dahin kann Billy an seinen Guildo-Horn-Gedächtnis-Moves für die Bühne noch feilen. Bis dahin höre ich ab und zu in die gut abgehangen Alben der frühen 90er rein und denke an den lieben M., den wir nun schon seit 15 Jahren vermissen.