Samstag, Oktober 19, 2024

Woche 41/2024 - Ginger-Lime-Pulled-Chicken, der Osten und KI-Wahnsinn

Wir sind ein etwas seltsamer Haushalt. Das gebe ich gerne zu. In dieser Woche etwa sind meine Liebste und ich das erste Mal eine ganze (Arbeits-)Woche allein daheim, da die Kinder gemeinsam auf Schulfahrt sind.

Gekocht

Was machen wir Verrückten zuerst? Natürlich einen Speiseplan mit all den Dingen zusammenstellen, die die Kids nicht gerne essen. Großartiges Ginger-Lime-Pulled-Chicken zum Beispiel! Eine absolute Empfehlung für faule Köch*innen mit einem Schnellkochtopf im Küchenschrank.

Gesehen

Und wir waren bei einer Veranstaltung, bei der die "Besonderheiten" des Ostens diskutiert wurden und der Hang der überregionalen Medien, über diesen Landstrich vor allem zu berichten, wenn es um die AfD, Rechtsradikale im Allgemeinen oder bevorstehende Wahlen geht. Alle, die sich für das Thema interessieren, sei übrigens die Doku "Es ist kompliziert… - Der Osten in den Medien" empfohlen.

Geärgert

Es gab diese Woche mehrfach Grund, sich zu ärgern:

(1) Die VG Wort macht jetzt beim KI-Wahn der Unternehmen mit. (Ich habe gerade Widerspruch eingelegt. Ich schätze die Gefahren größer ein als den ökonomischen Nutzen durch eine Ausschüttung in dem Bereich.)

(2) Der Vorsitzende einer demokratischen Partei denkt, dass "Kinderbuchautor" ein Begriff ist, mit dem man einen politischen Gegner verächtlich machen kann.

(3) Und die Stiftung Lesen, die mit ihrem Statement für KI-generierte Bilder beim Vorlesen den sowie so schon nicht auf Rosen gebetteten Illustrator*innen das Wasser abgräbt. So naiv kann man doch gar nicht sein.




Freitag, Oktober 11, 2024

Woche 40/2024 - Von Buchlingen, Radios und Buchhandelsmysterien

Gefreut

Wie die Walter Moers'schen Überlieferungen aus Zamonien berichten, leben in der Ledernen Grotte besondere Wesen. „Die Buchlinge benennen sich in jungen Jahren nach einem Schriftsteller oder Dichter und sehen es dann als ihre Lebensaufgabe, alle Gedichte, Romane und Geschichten ihres Namenspaten auswendig zu lernen.“

Ich bin jedenfalls sehr froh über den Besuch von „Tosch Zulborer“ (Fans von Die Stadt der Träumenden Bücher werden verstehen) und fühle mich endlich als vollwertiger Autor. ;)

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität und Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungprozess - es gibt eine lange Warteliste und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion - waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend. 

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer, und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität. Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungsprozess – es gibt eine lange Warteliste, und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion – waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend.


Gelernt 

Die letzten Wochen waren für mich weniger vom Schreiben als durch Buchwerbung inkl. Messeeinsatz geprägt. Einige Mechanismen des Marktes und der Branche verstehe ich inzwischen ganz gut, anderes bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Anscheinend geht es Joscha Sauer ähnlich und ich bin, gelinde gesagt, relativ abgeturnt, wie Buchhändler*innen auf direktes Anschreiben reagieren. (Ich habe vor 2 Jahren mit schön gestalteten Postkarten ähnliche Erfahrungen gemacht.) Nun ja, wenn ich mir die Kinderbuchabteilung des Thalia um die Ecke anschaue, fehlt auch nicht mehr viel, um ihn für die Spielwarenabteilung eines Kaufhauses zu halten.

Verpasst 

Der/die/das Blog wurde vor ein paar Tagen 20 Jahre alt, und ich habe es verpasst. Die minimalistischen, semi-authentischen Beiträge von damals hätten auch gut auf Twitter, Mastodon und Co. gepasst – wenn es diese Plattformen schon gegeben hätte. Aber 2004 war Superstürmer Youssoufa Moukoko noch nicht geboren, Johannes Paul II. war Papst, und wer cool war, telefonierte mit einem Motorola RAZR V3.

2.850 Einträge sind es bis heute geworden. Mein Post von 2019 hat in seinen Grundzügen übrigens immer noch seine Gültigkeit.

Gekauft

Ich konnte das Gedudel aus mobilen Endgeräten nicht mehr ertragen, und so haben wir uns das erste Mal seit 10 (?) Jahren wieder ein Radio ins Wohnzimmer gestellt. Meine Wahl fiel auf die Nussbaumimitatvariante des TechniSat DIGITRADIO 3*. Es kann unter anderem DAB+, CDs und Bluetooth – mehr brauchen wir wirklich nicht. Für seine 200 Euro bietet das kleine, schnucklige Teil eine Menge Sound. Wir haben es direkt mit einem Joni-Mitchell-Marathon und dem BBC-Jubiläumskonzert "This New Noise" eingeweiht.

Die Kardinalsfrage bleibt: Soll die zusammengedampfte Audio-CD-Minimalausstattung im Schrank bleiben, oder gibt es irgendwo in diesem Sonnensystem doch ein CD-Regal, das mich nicht aus ästhetischen Gründen sofort würgen lässt?

Donnerstag, Oktober 03, 2024

Woche 39/2024 - Jasper Ffordes "Grau", Imogen und vegane Bouletten

[Edit:] Ich vergaß, dass nicht ganz so coole, neue Rezept hinzufügen. Das ist hiermit geschehen (siehe unten).

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Es ist absolut absurd, wie wenig von diesem Jahr noch übrig ist, das gerade erst begonnen hat, aber der Herbst ist definitiv da – das lässt sich nicht leugnen.

Höchste Zeit also, wieder in die Pedale zu treten, um die letzten Kapitel des Buches fertigzustellen, das wir dann doch erst 2025 auf den Buchmarkt werfen werden.

Momentan fällt es mir tatsächlich schwer, vom "Buchmarketingmodus" wieder zum Schreiben zu finden, aber das wird sich hoffentlich spätestens mit dem zusätzlichen freien Tag in der nächsten Woche ändern.

Gelesen

Ich habe den Entschluss gefasst, endlich den zweiten Band der Farbreihe von Jasper Fforde zu lesen, allerdings erinnere ich mich nach 10 (?) Jahren an "Grau*" nur dunkel. Dunkelgrau quasi, Anthrazit. Der Verlag fasst die Handlung spoilerfrei so zusammen:

"Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück in der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin – bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit zur gesellschaftlichen Unterschicht: eine Graue!"

Der Einstieg in die Geschichte empfand ich nicht als furchtbar packend, aber als bekennender Fffordeianer weiß man, dass es eine Weile dauern kann, bis man von einem neuen Büchlein  wird. Bei mir war es vor allem die überzeugend geschilderte Naivität des Hauptcharakters, die mich anzog. Der Weltenbau ist gewohnt abstrus und gigantisch, anfänglich immer am Rande des Erträglichen, aber die Geschichte hielt mich bis zum Ende am Ball. Auch wenn die eine oder andere Parallele zu Diktaturen im 20. und 21. Jahrhundert etwas zu stark aufgetragen wirkte, hielt mich Eddie mit seinen Freunden (und Feinden) bis zum Ende bei der Stange. Ich bin froh, dass nicht allzu viele Geheimnisse und Leerstellen aufgeklärt wurden.

Ehrliche 4 von 5 Dodos. (Auch beim zweiten Mal lesen.)

Gehört

Ich schrieb, dass ich das Buch "las". Das ist nur halb richtig. Den zweiten (2024er) Durchlauf  erlebte ich als Hörbuch, da ich noch ein Audible-Guthaben zu verballern hatte. Oliver Rohrbeck liest das Buch routiniert und gut, obwohl die Stimmenimitationen für bestimmte Charaktere definitiv verzichtbar waren. Absolut nervig ist jedoch die Tatsache, dass er den Namen "Imogen" nicht korrekt aussprechen kann und offenbar niemand ihn darauf hingewiesen hat. Absolut nervig!

Gekocht

Ich zitiere an dieser Stelle Miss Megaphon: "Falls ihr euch übrigens fragt, warum bei uns ständig Klassenfest ist: Das frage ich mich auch." Und ich mich erst. 

Diesmal mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Aufgrund einer Dienstreise des Liebsten war ich erneut kurzzeitig alleinerziehend und entschloss mich spontan, ein neues Rezept für "vegane Bouletten" auszuprobieren. Schwerer Fehler. Eigentlich: Doppelt schwerer Fehler: (1) Hätte ich mit veganer Köfte eine gute Alternative parat gehabt. (2) Sollte man niemals ein neues Rezept ausprobieren, wenn man es eilig hat und/oder davon abhängig ist.

Der Geschmack der Bouletten war gut, die Zubereitungszeit erträglich, und die Konsistenz der Bouletten überraschte mich positiv. Allerdings nur bis sie in der Pfanne immer weicher wurden und schließlich auseinanderfielen. Also habe ich schnell den Ofen angeworfen und die Bouletten dort fertig gebacken, wo sie dann tatsächlich fest genug wurden. Wenn ich sie noch einmal zubereiten würde, würde ich sie kurz anbraten (ohne Anbraten sind sie ziemlich fade) und dann im Ofen garen. Aber ehrlich gesagt, werde ich wohl dann doch lieber die bewährten Köfte machen. Tja, Schuster bleib lieber bei deinem Schlüssel- und Schleifservice, wie der Volksmund sagt.