Dienstag, Juni 09, 2026

Woche 22/2026 - Von Waldmöpsen und Familientreffen

"Wir sollten uns öfter sehen!", sagte mein Onkel und begann mit der Planung eines großen Familientreffens. "Es kann ja nicht sein, dass wir uns nur noch zu Beerdigungen treffen." Tragischerweise verstarb er kurz darauf selbst überraschend. Er war kaum 50 Jahre alt und hatte noch keine einzige Einladungskarte verschickt.


Was nach dem Einstieg in einen ehere mittelmäßigen Generationenroman klingt, ist die Zusammenfassung der realen Ereignisse, die meine Familie väterlicherseits alle zwei Jahre zusammenführen. Und das mittlerweile in der dritten Dekade. Vier Generationen der Nachfahren meines Urgroßvaters treffen sich dann irgendwo zwischen dem Breisgau und der vorpommerschen Ostseeküste, um über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu klönen.



Dieses Jahr ging die Reise nach Brandenburg an der Havel, einen Ort, den ich sonst wahrscheinlich nie besucht hätte, wenn ich ehrlich bin. Als Rest-DDR-Sozialisierter war mir natürlich Stahl Brandenburg ein Begriff, als Ausflugsziel hatte ich den Ort allerdings nicht auf dem Radar. Vollkommen zu Unrecht!



Wer ein ruhiges, hübsches Städtchen mit viel Wasser besuchen möchte, sollte diesen Blogpost für zukünftige Urlaubsplanungen im Hinterkopf behalten. Unser Hotel gehörte zwar zu keiner international agierenden Kette, lag dafür aber direkt an einem See und hatte nagelneue Tretboote am Steg. Für ausdauernde Eltern-Kind-Bespaßung war - außerhalb einer sehr zu empfehlenden Waldmops-Stadtführung - also auch gesorgt.


Absolutes Highlight – und das war aufgrund einer eher unscheinbaren Webseite nicht zu erahnen – war für alle Teilnehmenden zwischen 7 und 83 Jahren der Besuch des Industriemuseums. An der Führung durch das alte Stahlwerk war einfach alles interessant, beeindruckend und fotografierenswert.



Samstag, Juni 06, 2026

Woche 21/2026 - re:publica 2026 #rp26

Der Mai verlief bisher ereignisreich: Erst eine Dienstreise von mir nach Warschau, dann flog die Liebste nach Tallinn und zwischendurch ganz viel Möbelzusammengeschraube und Wandmalerei. Und damit wir diese Schlagzahl auch beibehielten, machte ich mich am Sonntag auf den Weg zur re:publica.

Nach guten Erfahrungen mit dem Hotel in fußläufiger Distanz zum Tagungsort hatte ich mich auch dieses Jahr dort eingecheckt. Das Zimmer war so gut, wie ich es in Erinnerung hatte, obwohl ich mich auch 2026 fragte, warum ein „Executive Room“ keinen Schreibtisch besitzt. Also schob ich meinen Dienstrechner auf das schmale Sideboard unterm Fernseher, um in den Tagen wenigstens ein paar Dienstmails schreiben zu können. Zumindest musste ich diesmal nicht parallel zur Konferenz eine europaweite Ausschreibung betreuen.

Am Montag stand ich dann schon um 9 Uhr gut gelaunt am Einlass, was eine sehr gute Entscheidung war. So konnte ich schon vor dem erwartbaren Massenansturm mein Namensschild in Empfang nehmen. Auch war es sehr schön, mit den Leuten in der Exhib Area entspannt zu plaudern, bevor der Wahnsinn begann.

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Inhaltlich überzeugte mich z.B. die aufrüttelnde Keynote von Karen Hao („Empire of AI“), die aufzeigte, was der ausufernde Einsatz von LLMs sozial, ökonomisch und ökologisch anrichtet. Sie plädiert auf sehr nachvollziehbare Art u.a. für den Einsatz kleinerer Modelle für begrenzte Probleme, die bedeutend ressourcenschonender sind. Wo letztes Jahr noch deutliche Skepsis herrschte, wurden vielerorts schon konkrete Vorschläge gemacht, wie man wieder den Deckel auf Pandoras Büchse bekommt. 

Gelungen fand ich auch viele Beiträge auf den kleinen Bühnen, wie den der Berliner Bibliotheken zur Archivierung von Webseiten. 

Was blieb sonst so? Der subjektive Eindruck, dass wieder mehr Fachbesucher als Erlebnistouristen auf der #rp26 waren. Zudem große Freude, die Kohlenstoffversionen von einigen von Euch kennenzulernen (Loosy & Kuchenschwarte) bzw. wiederzutreffen (Patricia). 

Nostalgische Gefühle kamen beim Panel mit den Blogosphären-Urgesteinen auf, ohne die Geschehnisse von damals künstlich zu erhöhen. 

Die dümmliche Berichterstattung vom Spiegel (ich zitiere mich selbst: „Wenn der Artikel nicht so böswillig wäre – und all die anderen, wirklich wichtigen Aspekte der #rp26 ausklammern würde, wie den verantwortungsvollen Umgang mit AI und digitale Souveränität –, könnte man sich darüber amüsieren, wie unwohl sich René Pfister in einer diversen, progressiven Umgebung fühlt.“) konnte auch meine Laune nach so tollen Tagen nicht verderben. Einige Tabs werden im Kopf noch eine Weile offen sein.

Donnerstag, Mai 14, 2026

Woche 13/2026 - LCARS, Merkel und Spitzkohl

Gekocht

Kompliziert lautet der Beziehungsstatus zwischen dem SPIEGEL und mir. Vergleichbar mit einer nur noch dahinplätschernden langen Ehe bin ich mal mehr, mal weniger von ihm genervt. Den allwöchentlich ausgerufenen Untergang der Zivilisation kann ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr ernst nehmen. Trotzdem gibt es immer noch das eine oder andere, was ich an ihm schätze.

So deckt mein S+-Abo meinen täglichen Grundbedarf an Information ab; den Rest übernehmen Lokal- und Fachpresse sowie meine sehr belesene Timeline, die immer gute Links empfiehlt.

Ach, warum fasele ich hier eigentlich vor mich hin? Ich mag die pragmatischen Kochkolumnen der Hamburger. Der Empfehlung für japanischen Spitzkohl möchte ich mich zum Beispiel anschließen.

Ausprobiert

Womit testet man neue großformatige Bildschirme und Beamer am besten? Als Trekkie natürlich mit Robs unglaublich detailliertem LCARS-Nachbau.

Er läuft ruckelfrei im Browser, ist komplett kostenfrei und bietet verschiedenste Einstellungen — von Sternenkartografie bis zur Darstellung unterschiedlichster Föderationsraumschiffe. Dazu kommen originalgetreue Soundeffekte, die das Ganze perfekt abrunden.


Gelesen

Die Autobiographie unserer einzigen Kanzlerin a. D. erschien bereits 2024 und tatsächlich habe ich fast zwei Jahre gebraucht, um mich durch das über 700 Seiten starke Werk zu arbeiten.

„Freiheit. Erinnerungen 1954–2021“ ist sehr lang, detailverliebt und in seinem Protokollstil bisweilen ermüdend. Man hätte es auf die Hälfte kürzen können, vielleicht sogar müssen.

Spannend und interessant wird das Buch immer dann, wenn Merkel nicht nur Ereignisse und Umstände referiert, sondern sie einordnet, ihre eigenen Gedankengänge offenlegt und politische Zwänge erklärt. Wie ihre Kanzlerinnenschaft ist auch dieses Buch ein Werk des Fleißes, der wissenschaftlichen Nüchternheit und der Disziplin.

Eine politische Vision bleibt es ebenso schuldig wie allzu private Einblicke in ihr Leben. Aber dafür braucht es vielleicht Menschen mit einem anderen Naturell.

Apropos, Angela... Dieser Sketch ist nachwievor großartig.