Verrückte Wochen stehen bevor. Bis Mitte Juni habe ich vier (Dienst-)Reisen vor der Brust. Das gab es seit Corona nicht mehr. So richtig vermisst habe ich es nicht, aber ich freue mich auf karelische Piroggen, einen Kurs mit Flix, die Re:Publica und einen halben, freien Tag in Lissabon.
Gefreut
Ebenfalls freue ich mich über Menschen, die an mich denken und mir sogar Karten aus dem Urlaub schicken. >3 Und damit sie mir irgendwann noch einmal ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können, stecke ich sie gewöhnlich in eines der Bücher im Regal. Neulich fiel mir eine Geburtsanzeige eines Kindes in die Hände, das mittlerweile an der Uni studiert. "Time flies like an arrow; fruit flies like a banana."
Gesehen
Mittlerweile gibt es ja eine Menge bewegtes Material aus dem Asterix-Universum: gezeichnete Filme, Filme mit realen Darstellern und seit ein paar Jahren auch ein paar computeranimierte Streifen. Die Qualität von alledem empfand ich seit jeher als äußerst schwankend. Allerdings war genügend Gutes dabei, um dann doch ab und zu mal wieder reinzuschauen. (Eigentlich verhält es sich damit ja ähnlich wie bei den Heften.)
Mit der Familie haben wir daher die neue Netflix-Serie "Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge" geschaut. Und ich muss sagen: Wir vier, alle Freunde von Zaubertrank, Wildschweinbraten und gallischen Raufereien, hatten wirklich Spaß. Ja, die neue Figur Metadata hätte man sich sparen können, und leider war die finale Episode auch die schwächste, aber man sollte nicht immer überall Shakespeare erwarten. Richtung gute Unterhaltung, wie in diesem Fall, reicht vollkommen. "Asterix & Obelix" steht drauf, "Asterix & Obelix" bekommt man. Also alles in Ordnung.
Gehört bzw. gesehen
Ein 3-Minuten-Clip wie ein opulenter Filmklassiker. Jedes Mal entdeckte man neue Details und Figuren. Und einen dicken Ohrwurm bekommt man auch. <3
These: Manchmal ist es gut, Autor und Stoff aus der gewohnten (Arbeits-)Umgebung zu reißen.
Uns verschlug es zu Ostern ins 13. Pariser Arrondissement, ins Dreieck der Straßen, die nach Primo Levi, René Goscinny und Thomas Mann benannt sind. Also formal anscheinend nicht die schlechteste Gegend für jemanden, der ganz dringend ein Manuskript überarbeiten muss.
Dies war allerdings nur meine Sidequest. Hauptaufgabe war es, drei Kinder im Alter von 9, 6 und 3 Jahren zu bespaßen. Bei Letzterem war der Schwierigkeitslevel auf "hoch" gestellt, denn bei ihm handelt es sich zwar um unseren Lieblingsneffen, mit dem ich allerdings auf Französisch oder Ungarisch kommunizieren musste. Aber das klappte alles ziemlich gut – auch wenn ich mich daran gewöhnen musste, dass über den Tag verteilt immer ≥1 Kind unzufrieden war. Eine Tatsache, die man bei den Altersunterschieden beim Nachwuchs wohl nicht vermeiden kann.
Am ersten Tag drehten wir eine große Runde mit dem Bus durch die französische Hauptstadt, nur unterbrochen durch einen kurzen Besuch in einer örtlichen Boulangerie zur Mittagszeit. Man merkt erst wirklich, wie hart die Inflation zugeschlagen hat, wenn es kaum noch einen Preisunterschied zwischen einer Pariser und der heimatlichen Bäckerei gibt. (Das gilt übrigens auch für den Restaurantbesuch.)
Das erste kulturelle Highlight war dann der Besuch des Centre Pompidou. Wir hatten Tagestickets vorbestellt, sodass die Wartezeit am Eingang weniger als fünf Minuten betrug. Die Kids kamen kostenfrei herein, und auch das Erwachsenenticket für 18 Euro war jeden Cent wert. Es ist unglaublich, wie riesig das Haus ist. Eine dicke Empfehlung für alle, die etwas mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts anfangen können. Großes Lob verdient auch die Kinderausstellung, die allerdings auch etwas weitläufiger hätte sein dürfen. Den Kindern war es egal. Gemeinsam genossen wir die Fahrt mit den ikonischen Rolltreppen an der Außenseite des Gebäudes. Und dann dieser wunderbaren Blick über die Dächer von Paris!.
Am Freitag spielten die Kinder Ball im Park, und ich genoss die geschäftige, aber sehr ruhige Arbeitsatmosphäre in der französischen Nationalbibliothek, die nur einen Katzenwurf von unserem temporären Hauptquartier entfernt war. Mir ging das Herz auf, als ich all die fleißigen Schüler*innen und Studierenden sah. Es ist doch toll, wenn ein Ort so gut angenommen wird. Architektonisch ist die Bibliothek allerdings kein Highlight: Innen war alles schön aufgeräumt und funktional – von außen ist die FBN aber eher die Abteilung „hässlicher Klotz“. Da spielt die Oodi in Helsinki in einer ganz anderen Liga.
Nachdem ich (zu) viele Seiten Text mit Anmerkungen versehen hatte, folgte der obligatorische Eiffelturmbesuch, den sich die Kinder so gewünscht hatten. Es schadet nicht, dem berühmtesten Alltmetallberg der Welt alle 25 Jahre mal einen Besuch abzustatten. Besonders wenn man dank der rechtzeitig gekauften Online-Tickets nur 10 Minuten ansteht und nicht für zwei Stunden.
Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch im Prinzenparkstadion des PSG. Der Verein steht ungefähr für alles, was ich am modernen Fußball NICHT mag. Der Stadionbesuch als solcher war aber schon sehr unterhaltsam. Fachleute wissen: Die besten Marketingideen kosten nichts. Und so würde ich den PSG-Mitarbeitenden sofort befördern, der den Einfall hatte, für die Besucher ein Trainingstor im Auslauf des Innenraums aufzustellen und ein paar Bälle hinzulegen. Hier war die Schlange länger als bei der Fotogelegenheit in der Umkleide. Und die Stimmung war auch besser – schließlich konnte anschließend jede*r von sich behaupten: Ich habe im Prinzenpark schon mal ein Tor geschossen.
Auf dem Papier sah die geplante Fahrt ganz harmlos aus: Eine RE für knapp zwei Stunden, dann in den ICE wechseln und abschließend ein kurzer Sprint mit dem TGV von Mannheim nach Paris. In der Summe hatten wir – inklusive der genügend großen Pausen zum Umsteigen – elf Stunden Reise angesetzt. Nichts, was nach entsetzlich viel oder Problemen aussah.
Allerdings machte die Deutsche Bahn schon in Hamburg Deutsche-Bahn-Sachen. Es gingen keine Züge mehr gen Süden. Andere Leute beobachten im Urlaub Polarlichter, wir, wie gleich drei ICEs vor unserem Auge gestrichen wurden. Also wurde ich Teil der touristischen Wartegemeinschaft vor dem Reisezentrum. Die Schlange bewegte sich ziemlich flink, was mich fröhlich stimmte. Denn mir machte das letzte Teilstück über die französische Grenze Sorgen. Während man in Deutschland ja fröhlich 1000 Reisende in einen 500-Personen-Zug einladen kann, gibt es im TGV so etwas wie Reservierungspflicht. (Finde ich übrigens eine gute Idee. Also für Länder, in denen die Züge in der Regel pünktlich fahren.)
Meine Fröhlichkeit verflog, als ich den Grund dafür erkannte, warum die Schlange vor dem Reisezentrum so schnell kürzer wurde. Die Anstehenden bekamen lediglich eine Wartenummer in die Hand gedrückt. Es blieb dann am Ende aber bei einer Stunde Wartezeit, die hatte ich auch anno 2000 bei der Anmeldung zur Magisterzwischenprüfung. Nichts, was mich schockt.
Die uns zugewiesene Bahnmitarbeiterin versuchte uns dann eine Weiterfahrt am kommenden Tag ab 6 Uhr irgendwas von Frankfurt aus als tolles Rechercheergebnis zu verkaufen, wir wählten dann doch eine Weiterreise nach Köln und ein Investment von weiteren 350 Euronen in zusätzliche Eurostar-, ex-Thalys-Fahrkarten, von denen man uns versprach, sie baldmöglichst zu erstatten. (Warum die Bahn bei einem Unternehmen, das weitestgehend der französischen Staatsbahn gehört, keine Fahrkarten buchen kann, ist ein Fall für Galileo Mystery.)
Den Rest der Reise auf deutschem Staatsgebiet verbrachten wir, da ohne Sitzplatzreservierung, im Bordrestaurant mit BVB- und Barca-Fans. Die Stimmung war gut und die vegane Bolognese auch. Von den Pommes würde ich aber immer abraten.
Mit zwei Stunden Verspätung erreichten wir dann Paris, erwischten einen sehr netten Taxifahrer, der uns mit wunderbarer Jazzmusik sicher durch die nächtliche Hauptstadt kutschierte.
Für die Rückfahrt hatten wir schon im Vorfeld den Eurostar gebucht. Der Ex-Thalys ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch deutlich bequemer als die ICEs sämtlicher Generationen, an die ich mich erinnere. Ein besonderes Bonbon für uns beide »EU-Arbeitende« war der Umstand, dass wir durch Brüssel fuhren, aber nicht aussteigen mussten. (Das nächste Meeting in einem seelen- und fensterlosen Konferenzraum muss auf uns also noch eine Weile warten.) Und da wir in Europa hart an der Angleichung der Lebensverhältnisse arbeiten, hatte der Eurostar dann auch gleich mal 35 Minuten Verspätung, was bedeutete, dass wir unseren Anschlusszug in Köln verpassten.
Allerdings waren wir mit einer gehörigen Portion Glück ausgestattet. Wie ich bereits erwähnte, kann man den Eurostar von Deutschland aus nicht durchbuchen. Das heißt, wir hatten verschiedene Tickets für beide Teilstrecken. Dank der Mitarbeiterin im Reisezentrum und des Ostermontagswahnsinns im Streckennetz durften wir dann allerdings doch – einmal mehr über Wuppertal und Osnabrück – weiterreisen. Und wieder testeten wir das Bordrestaurant. Allerdings gingen dort erst Ketchup und Mayo, dann Apfelschorle und am Ende sogar die vegane Bolognese aus.
Am Ende waren wir aber auf unserer Alternativroute fast zur eigentlichen Reisezeit daheim. Trotzdem fliege ich beim nächsten Mal lieber wieder nach Paris, eventuell hat die Bahn etwas damit zu tun.
Bei Langerweile auf der Fahrt: Staubsaugeranschluss am Thalys
"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist."