Freitag, Juni 21, 2024

Woche 24/2024 - Literarische DDR-Krypto-Akkuratesse

Nachgedacht

Kürzlich war ich auf einem Seminar, bei dem ich einen Plot pitchte, der in den 1960er und 1970er Jahren in der DDR spielen sollte. Erst beim Präsentieren fiel mir auf, dass ich der einzige "Ossi" in der Runde war, und obwohl die anderen Autorinnen und Autoren bedeutend älter waren als ich (Jg. 79), merkte ich plötzlich, wie wenig man über die damaligen Lebensumstände wusste. Am "schrägsten" empfand ich die Frage, was man denn in der DDR mit Geld anfangen wollte. Man hätte sich dafür ja eh "nichts" kaufen können. Puh. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Schon bei der Debatte um "Gittersee" und der berüchtigten "Mängelliste", die dem Buch fehlende historische Akkuratesse vorwarf, frage ich mich, ob es wirklich notwendig ist, aus jeder Diskussion um einen fiktionalen Roman, der die DDR behandelt, sofort ein Proseminar am Historischen Institut zu machen. Gut, ich bin in der Belletristik ein absoluter Gegner von durchrecherchierten Szenarien – dafür gibt es meiner Meinung nach Sachbücher und Reiseliteratur. Und wenn es nicht zu absurd wird, kann ich auch damit leben, dass man in einer in Paris spielenden Handlung im Supermarkt mit Rupien bezahlt. Ich behaupte, der "Alte Mann und das Meer" wäre kein Stück schlechter, wenn er ein dreimeter großes Huhn aus der See gezogen hätte.

Gelesen

Nach dem Gratis-Comic-Tag haben die Kinder die ersten zwei Bände von Hans Jørgen Sandnes' "Krypto – Geheimnisvolle Meereswesen"-Reihe* verschlungen. Und natürlich habe ich gut gelauscht – und die Bilder betrachtet – als das große Kind dem jüngeren Kind vorlas.

Mir ist die Handlung tatsächlich etwas zu flach und vorhersehbar – wahrscheinlich haben Margo Maloo und Hilda die Hürden einfach zu hoch gesetzt – aber die Kinder hatten wirklich Spaß daran und der dritte Band ist schon in der Bibliothek vorbestellt.

Gehört

Dienstag, Juni 18, 2024

Woche 23/2024 - Alles gesagt, Literaturliteratur und Tauschticket

Angehört

Ich bin ja ein Fan von langen Interviews. Oder vielleicht eher ein Gegner kurzer, vorabgesprochener Gespräche à la NDR Talkshow? 

Jedenfalls habe ich sehr viel Freude am Zeit-Podcastformat "Alles gesagt?", bei dem Prominente gern auch mal vier, fünf, sechs, sieben Stunden zu Wort kommen. Zunächst fand ich die Gastgeber ziemlich anstrengend, mittlerweile mag ich aber ihre Art und die gute Vorbereitung der Redaktion. 

Zum Einstieg empfehle ich die Sendungen mit Armin Maiwald und Christine Westermann.

Nachgedacht 

Dass Christine Westermann, die gut informierte und einfühlsame Interviewerin aus Zimmer frei, auch als Buchrezensentin jenseits des "Zwei Seiten"-Podcasts bekannt ist, war an mir total vorbeigegangen. Grundsätzlich ist es wohl aber so, dass unser Buchgeschmack nicht so furchtbar kompatibel ist, bzw. ich zu wählerisch bin, was auf meine Leseliste kommt.

Aber es ist schon heftig, wie sehr sich der Buchmarkt in "Literatur" und "Literatur Literatur" teilt, wie es Westermann im Podcast formuliert. Ich bin auch beim Lesen jemand, der eher über Plot und Charaktere kommt und den Sprachsperenzien eher nerven. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich mich schwer bei den Einreichungen bei Anthologien tue bzw. warum mich die Bewertenden berechtigterweise doof finden, schließlich haben sie auch eine ganz bestimmte Leserschaft im Blick.

Neulich habe ich versucht, einen vorliegenden Text "auf Publikum" zu schreiben, und das Ergebnis empfand ich einfach als furchtbar. Dann probiere ich lieber weiterhin mit Genres und Themen herum, bleibe aber meinem Stil treu. Seelenlose, formal richtige Texte verfasse ich auch im Büro.

(Nicht) getauscht

Seit langer Zeit benutze ich Tauschticket, um aussortierte Bücher an neue Lesende zu bringen. Wie lange das allerdings ist, wurde mir erst in dieser Woche bewusst, als ein Buch angefordert wurde, das ich 2007, also vor 17 (!) Jahren, einstellte.

Ich kann die Plattform sehr empfehlen, wenn es in der Nähe keinen Bücherschrank gibt, die Werke wenig monetären Restwert haben und es, wie bei mir, da Bibliothekarinnnensohn, größtmögliche Recyclinghemmungen gibt. 

(Ich habe eben noch mal nachgeschaut, ich habe seit 2004 150 Bücher getauscht. Das ist schon ein bisschen was.)




Montag, Juni 17, 2024

Woche 22/2024 - Voice Cloning, Pokémon, Comixology und OSKA

Ausprobiert

Aus Gründen habe ich kürzlich testweise Software zum Voice Cloning benutzt. Ein 30-Sekunden-Soundschnipsel reicht schon aus, um eine ziemlich überzeugende Schablone für einzusprechende Texte zu erzeugen. 

Wenn man wirklich schnell nur einen kurzen Vorlesetext (z.B. für ein Tutorial) braucht, sind selbst (teilweise) kostenlose Tools wie Elevenlabs schon ziemlich gut. Aber alles in allem ist es schon beängstigend, darüber nachzudenken, was man damit alles für einen Unfug treiben kann. Da kommt noch einiges auf uns zu. Herrje.

Gespielt

Ich erwähnte, dass bei den Kindern das Pokémon-Fieber ausgebrochen ist? Ich bin ja immer noch ein Lehrling in allem, was japanische Knuddelkampfmonster angeht, aber ich mache Fortschritte. 

Die kostenlose iOS-App half mir sehr dabei, die Spielregeln zu erfassen, und ich habe tatsächlich Spaß an einer gelegentlichen Partie. (Auch weil ich seit Monaten keine vernünftige Spiele-App mehr auf dem Gerät hatte. Ich nehme gerne Tipps in den Kommentaren entgegen.) Die Performance der App nervt manchmal, z.B. was gelegentliche Spielabbrüche und immensen Energieverbrauch angeht, aber das ist schon ein solides Ding. Meine Kids (6 und fast 9) würde ich aber noch nicht ranlassen. 

In der realen Welt habe ich Pokémon-Kartenbestellungen via Cardmarket ausprobiert und bin sehr angetan von der Plattform, die, glaube ich, viel Taschengeld sparen hilft.

Gelesen 


Mir war in dieser Woche nach "leichter" Literatur, und ich habe mir dazu mal wieder meine zusammengekaufte Comixology-Bibliothek angeschaut. Die Plattform war für viele Jahre die Anlaufstelle für kostengünstige bebilderte Literatur, aber seitdem Amazon sie schluckte und in sein Kindle-Imperium integrierte, macht es dort nur noch wenig Spaß. Echt doof, denn ich mochte die iPad-App sehr und wie man dort die Titel sortieren konnte. Zudem hatte man alles im Blick und konnte Titel gut löschen bzw. wieder aus dem Cloudspeicher hochladen. Nun kaufe ich nur noch sehr selten mal ein Bändchen, und dann eher bei Humble Bundle.

Gehört