Mittwoch, Oktober 23, 2024

Woche 42/2024 - Rente, Duschgedanken, Star Trek Discovery und Archive.org

Ich hörte einen längeren Beitrag über die Geschichte der Rente in Deutschland, und da kam mir der Gedanke, ob die Gesellschaft irgendwann wieder in die Position kommen wird, dass man Kinder aus dem puren Gedanken der Existenzsicherung im Alter in die Welt setzt, wie es vor vielleicht 150 Jahren der Fall war, oder ob die rein "materiellen Investitionen" in die nächste Generation so groß sind, dass sich Fortpflanzung aus ökonomischen Gründen nicht mehr "lohnt".

Gelesen

Auch Roland beschäftigt sich zuletzt in seinem Blog mit hypothetischen Szenarien, die er sehr treffend als Duschgedanken betitelt. Ein Beitrag, der mir sehr gefallen hat, war der, der sich um das Reboot von literarischen Stoffen dreht. (Ich bin übrigens dafür!)

Gesehen

Es hat lange gedauert, aber ich habe mich durch die letzte Staffel von Star Trek: Discovery gequält. Ich schrieb u.a. schon hier darüber und hier und hier. Es ist einfach nicht meine Tasse Tee. Wer bisher mit der Serie nicht warm wurde, wird auch auf der Zielgeraden kein Fan davon werden. Zum Speien finde ich allerdings das Bemühen von "konservativen" Kreisen, die Serie und ihre Macher zu verunglimpfen. Den Ansatz der größtmöglichen Diversität bemängelte ich nie, ich war eher unglücklich, wie wenig die "Nebencharaktere" zum Zuge kamen, und die tolle Überhöhung von unserer "Super-Michael". Ich wiederhole mein früheres Statement: Ich bin wahrscheinlich nicht die Zielgruppe und kann damit sehr gut leben, wenn andere Leute mit der Serie viel mehr Spaß haben als ich.

Geärgert

Archive.org ist nun schon eine ganze Weile offline. Das ist wirklich traurig, und erst jetzt bemerke ich, wie sehr ich die Seite schätze und wie oft ich sie anscheinend besuche.

Gezeichnet

Samstag, Oktober 19, 2024

Woche 41/2024 - Ginger-Lime-Pulled-Chicken, der Osten und KI-Wahnsinn

Wir sind ein etwas seltsamer Haushalt. Das gebe ich gerne zu. In dieser Woche etwa sind meine Liebste und ich das erste Mal eine ganze (Arbeits-)Woche allein daheim, da die Kinder gemeinsam auf Schulfahrt sind.

Gekocht

Was machen wir Verrückten zuerst? Natürlich einen Speiseplan mit all den Dingen zusammenstellen, die die Kids nicht gerne essen. Großartiges Ginger-Lime-Pulled-Chicken zum Beispiel! Eine absolute Empfehlung für faule Köch*innen mit einem Schnellkochtopf im Küchenschrank.

Gesehen

Und wir waren bei einer Veranstaltung, bei der die "Besonderheiten" des Ostens diskutiert wurden und der Hang der überregionalen Medien, über diesen Landstrich vor allem zu berichten, wenn es um die AfD, Rechtsradikale im Allgemeinen oder bevorstehende Wahlen geht. Alle, die sich für das Thema interessieren, sei übrigens die Doku "Es ist kompliziert… - Der Osten in den Medien" empfohlen.

Geärgert

Es gab diese Woche mehrfach Grund, sich zu ärgern:

(1) Die VG Wort macht jetzt beim KI-Wahn der Unternehmen mit. (Ich habe gerade Widerspruch eingelegt. Ich schätze die Gefahren größer ein als den ökonomischen Nutzen durch eine Ausschüttung in dem Bereich.)

(2) Der Vorsitzende einer demokratischen Partei denkt, dass "Kinderbuchautor" ein Begriff ist, mit dem man einen politischen Gegner verächtlich machen kann.

(3) Und die Stiftung Lesen, die mit ihrem Statement für KI-generierte Bilder beim Vorlesen den sowie so schon nicht auf Rosen gebetteten Illustrator*innen das Wasser abgräbt. So naiv kann man doch gar nicht sein.




Freitag, Oktober 11, 2024

Woche 40/2024 - Von Buchlingen, Radios und Buchhandelsmysterien

Gefreut

Wie die Walter Moers'schen Überlieferungen aus Zamonien berichten, leben in der Ledernen Grotte besondere Wesen. „Die Buchlinge benennen sich in jungen Jahren nach einem Schriftsteller oder Dichter und sehen es dann als ihre Lebensaufgabe, alle Gedichte, Romane und Geschichten ihres Namenspaten auswendig zu lernen.“

Ich bin jedenfalls sehr froh über den Besuch von „Tosch Zulborer“ (Fans von Die Stadt der Träumenden Bücher werden verstehen) und fühle mich endlich als vollwertiger Autor. ;)

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität und Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungprozess - es gibt eine lange Warteliste und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion - waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend. 

Unser neuer Mitbewohner stammt übrigens aus der Werkstatt von Carsten Sommer, und für ein Einstaubli hat er wirklich eine hervorragende Qualität. Carstens regelmäßige Mails über den Herstellungsprozess – es gibt eine lange Warteliste, und es handelt sich um wirkliche Handarbeit und keine automatisierte Serienproduktion – waren sehr unterhaltsam und herzerwärmend.


Gelernt 

Die letzten Wochen waren für mich weniger vom Schreiben als durch Buchwerbung inkl. Messeeinsatz geprägt. Einige Mechanismen des Marktes und der Branche verstehe ich inzwischen ganz gut, anderes bleibt für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Anscheinend geht es Joscha Sauer ähnlich und ich bin, gelinde gesagt, relativ abgeturnt, wie Buchhändler*innen auf direktes Anschreiben reagieren. (Ich habe vor 2 Jahren mit schön gestalteten Postkarten ähnliche Erfahrungen gemacht.) Nun ja, wenn ich mir die Kinderbuchabteilung des Thalia um die Ecke anschaue, fehlt auch nicht mehr viel, um ihn für die Spielwarenabteilung eines Kaufhauses zu halten.

Verpasst 

Der/die/das Blog wurde vor ein paar Tagen 20 Jahre alt, und ich habe es verpasst. Die minimalistischen, semi-authentischen Beiträge von damals hätten auch gut auf Twitter, Mastodon und Co. gepasst – wenn es diese Plattformen schon gegeben hätte. Aber 2004 war Superstürmer Youssoufa Moukoko noch nicht geboren, Johannes Paul II. war Papst, und wer cool war, telefonierte mit einem Motorola RAZR V3.

2.850 Einträge sind es bis heute geworden. Mein Post von 2019 hat in seinen Grundzügen übrigens immer noch seine Gültigkeit.

Gekauft

Ich konnte das Gedudel aus mobilen Endgeräten nicht mehr ertragen, und so haben wir uns das erste Mal seit 10 (?) Jahren wieder ein Radio ins Wohnzimmer gestellt. Meine Wahl fiel auf die Nussbaumimitatvariante des TechniSat DIGITRADIO 3*. Es kann unter anderem DAB+, CDs und Bluetooth – mehr brauchen wir wirklich nicht. Für seine 200 Euro bietet das kleine, schnucklige Teil eine Menge Sound. Wir haben es direkt mit einem Joni-Mitchell-Marathon und dem BBC-Jubiläumskonzert "This New Noise" eingeweiht.

Die Kardinalsfrage bleibt: Soll die zusammengedampfte Audio-CD-Minimalausstattung im Schrank bleiben, oder gibt es irgendwo in diesem Sonnensystem doch ein CD-Regal, das mich nicht aus ästhetischen Gründen sofort würgen lässt?