Sonntag, November 02, 2025

Woche 43/2025 - Horst Mandela und seine 22 Bahnen

Gelernt

Wisst ihr was der Mandela-Effekt ist? Er beschreibt das Phänomen,bei dem sich viele Menschen kollektiv und fälschlicherweise an dasselbe Ereignis oder Detail erinnern. Nun ja: Hamburg hat ein Funkturm. Das hatte ich nicht (mehr?) auf dem Radar. War mir nur ganz wenig peinlich. *hust*

Gelesen

Nun, das war irgendwie vorhersehbar. Es lagen nur wenige Monate zwischen „Wir haben da eine neue, vielversprechende Schriftstellerin“ und dem lauten Gekrähe „Ist das Literatur?“.

Anscheinend gibt es im Feuilleton eine heimliche Vorliebe dafür, Menschen erst hochzujazzen und sie dann so lange mit Papierkügelchen oder Schwererem zu bewerfen, bis sie möglichst spektakulär von dem Podest fallen, auf das man sie gerade erst gehoben hat.

Wen hat es diesmal erwischt? Caroline Wahl. Ihr Fehler? Sie hat Romane für eine Zielgruppe geschrieben, die sich nur bedingt mit dem Feuilleton deckt – und sie war sehr erfolgreich damit. Klar, da kann man ein bisschen Größenwahn entwickeln, das ist schon anderen passiert. Nur hatten die meist ein anderes Geschlecht und gehörten einer anderen Altersgruppe an.

Nein, ich halte 22 Bahnen nicht für literaturpreisverdächtig. Ich finde es nicht einmal besonders unterhaltsam. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre. Das ist nicht schlimm – und gilt übrigens auch für fast alles, was Dan Brown oder Sebastian Fitzek schreiben.

Ich kann aber nachvollziehen, dass der Roman Leserinnen und Leser berührt. Einige Stellen finde ich wirklich schön, etwa: „Vielleicht ist das eh unser Problem, dass wir nie in den Wald gehen, um Elfen zu suchen.“ Andere lassen mich eher mit den Schultern zucken – etwa, als ich lernte, dass man „heutzutage“ anscheinend mit Jogginghosen zu Dates geht. Über die Darstellung von Armut möchte ich mich nicht auslassen, aber die der alkoholkranken Mutter und der kleinen Schwester – einer Grundschülerin aus prekären Verhältnissen, die wenig liest, aber weiß, was eine Promotion ist – finde ich beide nicht sonderlich überzeugend. Und mit der Ich-Erzählerin hätte ich im wohl auch so meine Probleme. ("Der desillusionierende Moment schießt krass rein." " Mercedes G-Klasse. Schwarz. Kein klassisches Triebtäterauto." ... So ein Quatsch tut mir fast physische weh.)

Was ich aber eigentlich sagen möchte: Man darf, glaube ich, 22 Bahnen nicht sonderlich mögen, ohne gleich die Autorin niederzuschreiben. Gut, das hätte ich auch in zwei Sätzen formulieren können – aber das habe ich nicht hinbekommen. (Und eigentlich hat das Nuf das ganze Dilemma besser zusammengefasst als ich...)

Gesehen

Ich schaue seit zehn Jahren kaum Fernsehen. (Was immer wieder zu lustigen Momenten führt, wenn meine Mama mir irgendetwas über deutsche Schauspieler*innen erzählt, deren Gesicht mir ebenso unbekannt ist wie ihr Name.) Aber einige der Horst-Krause-Filme habe ich gesehen. Sogar gern gesehen. Vielleicht ist da auch ganz viel Kindheitsnostalgie dabei, weil sie in der Geburtsgegend meiner Oma spielten, wo wir stets die schönsten Tage des Sommers verbrachten.




Samstag, Oktober 18, 2025

Woche 42/2025 - Von Comics, Hamburg und dem realen wie virtuellen Leben

Eigentlich sollte der Oktober so aussehen: Mittelviel Arbeit im Büro, glückliche Kinder in der Schule, hier und da eine Partie Garden Cricket (dazu sollte ich auch noch mal bloggen) und Ende Oktober – pünktlich zu den Ferien und dem 80sten Geburtstag meines Papas – der Besuch der Schwiegereltern.

Leider kam es anders. Die Kurzversion: Schwiegerpapa hat sich mehrere Brüche zugezogen. Nichts wirklich Bedrohliches, aber ab einem gewissen Alter hat man doch gewisse Sorgen, was OP und Rekonvaleszenz angeht. Die OP wurde gut überstanden, aber um den Verunfallten und die betreuende Oma aufzubauen, haben wir beschlossen, dass die Liebste und die Kinder über die Herbstferien gen Siebenbürgen fliegen. Ich würde den Fahrdienst der Familie Richtung Flughafen übernehmen, da mein Jahresurlaub bereits erfolgreich in Erholung umgewandelt wurde.

Und so cruisten wir gestern Richtung Hamburg. Ja, Hamburg, du oller, runder Fremdkörper aus Perlmutt. Deinen Flughafen mag ich wirklich sehr. (Er hat die richtige Größe, man kommt gut hin und weg, und es geht immer alles wie am Schnürchen hier.) Aber ansonsten sind die Freie und Hansestadt und ich bisher nicht wirklich Freunde geworden. 

Anders mit den Menschen. Wo ich herkomme, nennt man die Einwohner gern Pfeffersäcke, was wahrscheinlich in gleichem Umfang Anerkennung und Neid ausdrückt. Allerdings verstehe ich mich mit vielen Hamburger*innen prächtig. So freute es mich, dass sowohl Andres als auch Roland kürzestfristig Zeit für ein (viel zu) kurzes Mittagessen hatten. Man kann (und sollte) wirklich viel und ausdauernd über Social Media meckern, allerdings muss ich wirklich sagen, dass ich im virtuellen Raum in den letzten 20 Jahren eine Vielzahl von Leuten kennengelernt habe, die mittlerweile auch im realen Leben wichtige Bezugspersonen sind. Und viele meiner Projekte und Träume hätte ich ohne sie gar nicht verwirklichen können. (Herzlichen Dank an euch alle, ihr wisst, wer ihr seid.)

Zwischen Flughafenzubringung und Nahrungsaufnahme in nettester Gesellschaft konnte ich sogar noch einen Zwischenstopp bei „Der Comic Laden“ machen. Ich kannte das Geschäft vorher nicht, aber es lag in der Nähe, und die Öffnungszeiten passten zu meinem frühen Erscheinen. Vorgefunden habe ich einen schönen Laden mit sehr freundlichem Personal. Ich griff ein paar Lego-Sammelfiguren und das neue Hilda & Hörnchen*-Comic. Die Vorgängerreihe und den ersten Band dieser neuen Serie gefielen mir sehr, sodass ich gleich zugreifen musste. Besonders toll fand ich auch die Sektion mit den gebrauchten Heften. Ich sah dort Strizz, das Lindenstraße-Comic (Sachen gibt’s!) und auch sehr günstige Massenware à la Asterix und Lustigem Taschenbuch. Ja, so was fehlt bei uns daheim tatsächlich. (Nun gut, damit kann man wahrscheinlich wirklich nichts verdienen. Das lohnt sich wohl nur als zusätzlicher Service für Kundschaft, die anderweitig Geld im Laden lässt. Schön finde ich es aber trotzdem.) 

Also gibt es am Wochenende zur Abwechslung mal wieder eher bildlastige Lektüre. Das muss auch mal sein.



Sonntag, Oktober 12, 2025

Woche 29/2025 - Von Büchern, Astronauten und T-Shirts

Geärgert

Ich habe ja die Theorie, dass ich zur ersten Generation gehöre, die im fortgeschrittenen Erwachsenenalter ganz selbstverständlich bedruckte T-Shirts trägt. (Nein, das wird jetzt kein Rant über eine mögliche Infantilisierung der Gesellschaft.) Seit Ewigkeiten schieße ich Teile meiner Freizeitkleidung bei Qwertee: Die Qualität ist okay und der Preis auch. Und ich freue mich darüber, dass die Motive täglich wechseln. Zuletzt finde ich diese allerdings weniger ansprechend. Die Stile sind zu generisch, die Bildaufteilung nicht wirklich überzeugend. Ich befürchte, das ist eine Sache mehr, die AI auf dem Gewissen hat.

Gefreut

Ich bin – nicht nur als Autor – ein großer Fan von kleinen, unabhängigen Buchhandlungen. Wir haben hier gleich zwei davon, die sich kulturell sehr in den „Kiez“ einbringen. Allerdings hat auch der böse Großkonzern mit dem grünen Logo etwas, das ich total toll finde: diese Buchabholstation, bei der man 24/7 seine Vorbestellungen abholen kann. Ich muss ganz stark sein, da nicht allzu viel Umsatz hin zu verlagern, denn die Dinger sind echt bequem.

Gelesen

Meine Sommerlektüre Der Astronaut* ist ein klassischer Andy Weir, und wer am Marsianer* Spaß hatte, wird auch dieses Buch mögen. Ich brauchte allerdings etwas, um mit dem Band warm zu werden, bereue es aber nicht, dass ich ihn nicht weggelegt habe. Denn nachdem die Geschichte Fahrt aufnimmt, lernt man viel über Raumfahrt und Physik. Der eine oder andere Kniff, um die bekannte Naturwissenschaft mit der Handlung in Übereinstimmung zu bringen, ist manchmal zu viel, aber man wird durchgängig gut unterhalten.