Da ich es nicht schaffe, mir anderweitig genügend zeitlichen Zeitraum fürs Schreiben zu organisieren (treue Lesende dieses Blogs kennen mein Gejammer und Gewinsel diesbezüglich schon länger), habe ich mir für den Rest des Jahres die Mittwochvormittage "freigeräumt", um an dem einen oder anderen Text zu arbeiten, der unbedingt auf Papier gebannt werden möchte, damit ich meinen literarischen Seelenfrieden wiederfinde. Zudem möchte ich weniger Zeit in Nebenprojekte und Social Media-Posts stecken, die am Ende doch nur Verlegenheitslikes bekommen. Eine Konzentration aufs Kerngeschäft ist nötig!
Eine buchbezogene Ablenkung gab mein Terminkalender für 2026 aber dann doch noch her: Die Reise ins 722 km entfernte Hohenwart bei Ingolstadt, wo erstmals eine Kinder- und Jugendbuchmesse stattfand. Aus ökonomischen Gründen eine (zumindest) zweifelhafte Entscheidung meinerseits, so weit weg von der Heimat einen Messestand zu buchen, aber mein Vergangenheits-Ich musste sich dabei irgendetwas gedacht haben und so packte ich den größten bewegbaren Rollkoffer der Familie mit Kleidung (eher weniger) und Messestandausrüstung (eher mehr) und natürlich Büchern (hoffentlich ausreichend).
Mit der gebuchten Unterkunft hatte ich einen Volltreffer gelandet. Und nachdem die Deutsche Bahn wieder einmal Deutsche Bahn-Dinge tat (Reisedauer acht anstatt sechs Stunden), hatte ich mir zum Abendessen dieses unfassbar tolle Wildschwein-Cordon-bleu wirklich verdient. Obelix wäre stolz auf mich gewesen.
Die Messe selbst fand an einem Samstag von 10 bis 16 Uhr in einer sehr schönen, neuen und äußerst schicken Grund- und Mittelschule statt. So wie die ganze Orga sehr gut durchdacht und umgesetzt wurde, waren auch Veranstaltungsort, -zeit und -länge sehr gut gewählt. Es herrschte fast durchgehend Betrieb, der örtliche Sportverein versorgte die Leute mit Selbstgebackenem und wie ich hörte, gab es sogar einen Pizzawagen, aber den konnte ich nicht auskundschaften, da ich wirklich - bis auf eine kurze Pullerpause - durchgehend mit "Kundschaft" beschäftigt war. (Schlimm!) Die Räumlichkeit war klein genug, damit sich bekinderte Familien einen Überblick vor der Kaufentscheidung machen konnten, aber groß genug, um ein diverses Angebot zu erzeugen, bei dem die Besuchenden eine richtige Auswahl hatten.
Es herrschte eine sehr nette, freundliche, fast familiäre Stimmung unter den Ausstellenden, keine Selbstverständlichkeit, buhlten wir doch alle um das gleiche "Buchbudget" der Besuchenden. Lag es nun daran, dass in Bayern der Euro noch lockerer sitzt oder daran, dass es ein sehr heterogenes Angebot gab, "unsere" Ecke der Messehalle verzeichnete eine Menge Buchverkäufe, in meinem Fall sogar die bisher meisten "offline" Buchverkäufe an einem Tag. (Juchu!)
Ich selbst hatte noch eine andere Strategie als auf der BuchBerlin. Ich bewarb ausschließlich die Hardcoverausgabe des Pelipontalus, keine Hinweise auf das Hörbuch oder Mette (Sorry, Roland :(). Und das tat ich diesmal sehr offensiv.
Seit Anfang des Jahres gibt es bei meinen Lesungen "Sternenreisepässe", die man selbst ausfüllen und kostenlos mitnehmen kann. Meine Eingangsfrage war stets "Haben Sie schon einen Sternenreisepass?" und bevor jemand über diesen Unsinn nachdenken konnte, waren die meisten Mitmenschen schon damit beschäftigt, ihre bevorzugte Stempelfarbe auszusuchen. Ich bekam sie (bis auf zwei Ausnahmen) alle: Die gutgelaunten Omas, die gestressten Eltern und natürlich auch die reizüberfluteten Kinder. Über 150 Reisepässe stellte ich aus und verwickelte die Leute sofort in Diskussionen um SciFi-Geschichten und das Pelipontalus-Buch, von dem - welch ein Zufall! - da auch ein Ansichtsexemplar lag. Unterstützt wurde ich zeitweise von meiner liebsten Münchner Leserin und ihrem panzerknackenden Ehemann, die jede Menge gute Laune und großartigste Erdbeer-Vanille-Marmelade an meinen Stand brachten. Ich hoffe, ich war nicht zu socially awkward, so eine Messe ist schon eine ziemliche Ausnahmesituation (zumindest für mich), wo man viel zu viel erzählt und bestimmt auch noch viel Quatsch.
Es war eine richtig, richtig tolle Veranstaltung und wenn Hohenwart aus Küstenbewohnerperspektive nicht am anderen Ende der Republik liegen würde, wäre ich nächstes Jahr ganz sicher wieder dabei.
Nichtsdestotrotz habe ich wieder ein paar Dinge gelernt:
(1) Kinder- und Jugendbücher funktionieren für mich. Familien kommen ganz gezielt und kaufen Bücher. Generell gehaltene Veranstaltungen (wo momentan v. a. Dark Romance, Young Adult und Co. stattfinden) sind mit dem Pelipontalus viel schwieriger zu bespielen.
(2) Ich brauche einen Rollup, damit mich Lesende, die sich um- oder spät entscheiden, schneller wiederfinden.
(3) Die Strategie, wirklich jeden Passierenden anzusprechen, hat sich wirklich gelohnt. Und mit einem Sternenpass ist es nicht mehr so cringe, wie es sich am Anfang angefühlt hat. Potenzielle Buchkaufende konnte ich tatsächlich immer erst identifizieren, wenn sie das Portemonnaie zückten.
(4) Wie bereits erwähnt: Man kann in diesem Format nur ein Produkt/Buch bewerben. Alles andere ist illusorisch.
(5) Kostenlose Giveaways wie Aufkleber und Postkarten mit dem Cover (dann muss sich niemand Buchtitel und Autor/Illustrator merken) immer ausreichend dabei haben.
(6) Quittungsblock, Bestellformulare, Kleingeld und QR-Code für PayPal-Zahlung nicht vergessen.
(7) Drucke und Aufkleberblöcke verkaufen sich schlecht, sind aber eine gute Beigabe, die es erlaubt, z. B. 20 € anstatt 17,99 € für das Buch allein aufzurufen.
Der Herbst steht bei mir 






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