Montag, Oktober 12, 2026

Woche 39/2026 - Reisen im Zeichen des Buches (Teil 1) oder was ich über Lesungen gelernt zu haben glaube

Dankbarkeit ist wichtig. Ich zum Beispiel danke meinem unerschrockenen Vergangenheits-Ich dafür, dass es gelegentlich, weit im Voraus, Termine zusagt, zu denen mir bei einer kurzfristigen Betrachtung der Mut und die Entschlusskraft fehlen würden.


Letztes Wochenende durfte ich so gleich zweimal meinen Kinderbucherstling in einem ganz besonderen Ambiente vorstellen. Es ging auf ein Herbstfest auf einem ehemals herzoglichen Schloss, was ein schönes, aber auch risikobehaftetes Unterfangen war. Nicht, dass mich der nette und sehr kompetente Schlossherr als Hofnarr dienstverpflichten wollte, nein, wenn man Teil eines größeren Programms ist, weiß man nie, welche Prioritäten solch ein Publikum hat und wie viel Wohlwollen, Interesse und Sitzfleisch mitgebracht wird.



So versuchte ich bei beiden Sessions, die für einen Mecklenburger höchstmögliche Flexibilität an den Tag zu legen. Und so las ich so lange und so viel, wie ich noch generelles Einvernehmen im Saal spüren konnte. Ich glaube, wir hatten alle Spaß, auch wenn Zuspruch und Buchverkäufe nicht mit einer regulären Lesung vergleichbar waren. Und bei der launigen Rückfahrt von der siebten und vielleicht letzten Lesung des Kalenderjahres legte ich mir einige Erkenntnisse zurecht, die ich bisher sammeln konnte:

(1) Ökonomisch machen Lesungen im Rahmen von größeren, nicht-literarischen Events wenig Sinn. Falls man sich doch darauf einlässt, sollten Beginn und Ende klar kommuniziert werden.

(2) Dank eines sehr auskömmlich entlohnten Hauptberufs muss ich für Lesungen keine Honorare aufrufen. So kann ich kleine Kulturvereine, unabhängige Buchhandlungen und Schulen unterstützen. Eine Reisekostenvergütung sollte aber schon drin sein, etwas, was mir bisher immer gern gewährt wurde. Und falls ich mal mit Einladungen zu Lesungen in Filialen großer Ketten zugeschüttet werden, schreibt mein untriebiges aus vielen kompetenten Menschen bestehendens Management gern eine Rechnung.

(3) Wenn man auf Buchverkäufe schielt, sollte man vermehrt Veranstaltungen organisieren, an denen Eltern teilnehmen, also eher die Events in Buchhandlungen und Kulturvereinen buchen. Regelmäßig gibt es auch Buchbestellungen nach Lesungen in Schulen und Bibliotheken, aber das sind andere Größenordnungen. (In meinem Fall etwas 1 zu 10)

(4) Online-Lesungen machen nur Spaß mit Konversationspartnern. Zu meinem bevorzugten Setup gehört daher mein Lieblingsautor (oder gerne auch Roland) und viele aktive Beitragende aus dem Chat.

(5) Lesungen sind ein Unterhaltungsevent. Crowdwork von Minute eins ist für eine gute Gruppendynamik und begeisterungsfähige Atmosphäre angebracht. Ich lasse seit Tag 1 etwa alle Teilnehmenden imaginäre Helme aufsetzen und sich ordnungsgemäß für die Reise ins All anschnallen. (Spuren die Erwachsenen nicht, drohe ich auch schon mal mit der astronautischen Berufsgenossenschaft.) Das funktioniert immer. Neuerdings stelle ich am Ende stelle für alle Teilnehmenden Sternenreisepässe aus, was mich immer mit vielen Leuten in sehr angenehme Gespräche bringt. (Dazu mehr in Teil 2 im Bericht von Woche 40/2026.)

(6) Bei der Lesungsdurchführung sollte man sich weitestgehend unabhängig vom Veranstaltenden machen. Ich bringe sogar immer einen eigenen - natürlich stilechten - Trinkbecher mit, genauso wie Wasser, Bebilderungen, Merch etc. pp. Mit der Ausrüstung könnte ich im Zweifelsfall sogar in einer schlecht beleuchteten Kammer auf der Raumstation Pydra lesen. (Eventuell werde ich mir im nächsten Jahr mal so einen tragbaren Sprachverstärker* zulegen. Ich werde berichten.)

Ich hoffe, meine Ausführungen waren verständlich und ausreichend interessant. Ansonsten dürft ihr gern in den Kommentaren nachtreten... äh... fragen.