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Samstag, September 06, 2008

Neu im Bücherregal (VIII)

Brecht, Berthold: Die Gedichte, Insel Verlag, 17,80 EUR.
Brecht ist für mich der wichtigste deutsche Dramatiker des 20. Jahrhundert. Niemand anderes faßte die Probleme seiner Zeit so konkret und vermittelte sie auch noch problemlos nachfolgenden Generationen. Und doch liebe ich auch seine Lyrik und nicht viele Gedichtbände machen mir so viel Freude, wie das Brechtsche, das ich ein schon vor einiger Zeit als Geschenk bekam:
Schwächen
Du hattest keine.
Ich hatte eine.
Ich liebte.

Friedman, Michel: Kaddisch im Morgengrauen, Aufbau-Verlag 2005, 17,90 EUR.
Kaddisch im Morgengrauen war für mich ein wichtiges Buch. Einfach um ein Phänomen zu verstehen, das oft aufgezeigt und selten erklärt wird: Die Folgen des Holocaust für die Kinder der Überlebenden. Ein emotionales, intimes Thema, welches in diesem kleinen Bändchen ebenso emotional wie intim behandelt wird. Da überrascht es schon, daß es vom streitbaren Journalisten Michel Friedman stammt. Und doch - oder gerade deshalb - ist es ein gutes Buch, auch wenn Friedman gelegentlich den Bogen überspannt und die Gefühlsbeschreibungen in seiner erdrücken Masse dann fast schwülstig wirken.

Saramago, Jose: Die Stadt der Blinden, Rowolth 1997, 21 EUR.
In einer namenlosen Stadt geht eine Seuche um, die Menschen auf einen Schlag erblinden läßt. Da es kein Heilmittel zu geben scheint, werden "Infizierte" in Lagern eingepfercht. Ein erschütternde, teilweise ekelerregende Schilderung darüber, was Menschen Menschen antun können. Ein Buch, das man wegen seines Inhalts eigentlich nicht mögen kann.

Neu im Bücherregal (VII) vom 1. Mai 2007.
Neu im Bücherregal (VI) vom 25. Februar 2007.
Neu im Bücherregal (V) vom 28. Dezember 2006.
Neu im Bücherregal (IV) vom 14. September 2006.
Neu im Bücherregal (III) vom 11. März 2006.
Neu im Bücherregal (IIb) vom 29. Oktober 2005.
Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006.
Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Dienstag, Mai 01, 2007

Neu im Bücherregal (VII)

Fforde, Jasper: Der Fall Jane Eyre, München 2004, 14,90 EUR.
Thursday Next heißt die Heldin der Romanreihe des walisischen Kameraassistenten Jasper Fforde. Spezialagentin Thursday Next, in etwa eine Mischung aus Lara Croft, Dana Scully und dem Wortschnittchen, ist in einem Groß Britanien tätig, das sich immer noch im Krimkrieg befindet, in dem man Luftschiffe Flugzeugen vorzieht und in dem das Buch das Referenzmedium ist und nicht das Fernsehen. Kein Wunder, daß es eine Spezialabteilung des Geheimdienstes SpecOps gibt, die sich "literarischen Verbrechen" widmet. In dieser etwas anderen Welt enfaltet Fforde eine spannende, erheiternde und phantasievolle Geschichte ohne so abgedreht und effekthascherisch zu sein wie Terry Pratchett oder Douglas Adams. Und wer von hintersinnigem Zitaten, wie "Können Sie sich einen Roman vorstellen, in dem die CHaraktere tatenlos herumsitzen und auf das Eintreffen der Hauptfigur warten? Das wäre wie Hamlet ohne den Prinzen!" nicht genug bekommen kann, dem sei gesagt: Es sind bereits drei Nachfolge Romane zu "Der Fall Jane Eyre" erschienen.

Boyes, Roger: My dear Krauts. Wie ich die Deutschen entdeckte, Ullstein 2006, 9 EUR.
Boyes, seit 1993 Korrespondent der The Times in Deutschland, geht in seiner Erzählung auf Entdeckungstour im deutschen Alltag. Allerdings lotet er nicht die Untiefen der intensiven deutsch-englischen Hassliebe aus, sondern stochert in langweiligen Klischees, wie der deftigen deutschen Küche, wie sie so wohl nur noch in einigen geschützten Reservaten vorkommt. Auch sonst wirkt das Buch unkreativ und unmotiviert und ist schlichtweg weder interessant noch erheiternd. Mal wieder ein klarer Elfmeter, der von englischer Seite verschossen wird.

Eisner, Will: Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion, Dva 2006, 19,90 EUR.
Der 2005 verstorbene Will Eisner, Vater der "graphic novel", liefert mit "Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion" erneut ein fest für die Augen. Leider verkommt die Abrechnung mit einer der abstoßensten Schmähschriften der Menschheitsgeschichte zu einem bloßen Abspulen von Namen und Jahreszahlen, ein mitreißender Plot fehlt. Der dauerhaft erhobene Zeigefinger stört, die ganze Darstellung wirkt verkrampt. Eigentlich wird im Band selbst nicht mehr Information gegeben, als das Umberto Eco schon in seinem Vorwort tut. Man kann sich ab da fast auf das Betrachten der erstklassigen Zeichnungen beschränken und sollte anschließend die Fachliteratur zu rate ziehen.

Neu im Bücherregal (VI) vom 25. Februar 2007.
Neu im Bücherregal (V) vom 28. Dezember 2006.
Neu im Bücherregal (IV) vom 14. September 2006.
Neu im Bücherregal (III) vom 11. März 2006.
Neu im Bücherregal (IIb) vom 29. Oktober 2005.
Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006.
Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Sonntag, Februar 25, 2007

Neu im Bücherregal (VI)

Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich 1976.
Der Verwaltungsangestellte (Heh!! Nicht lachen!!) Anton L. wacht eines morgens auf und stellt fest, daß alle seine Mitmenschen spurlos verschwunden sind. In den folgenden sehr unterhaltsamen 337 Seiten macht er sich auf, die Ursache der Katastrophe, seine Umwelt und sich selbst zu erkunden. Von der einen oder anderen unappetitlichen Stelle mal abgesehen, habe ich lange kein Buch mehr in der Hand gehabt, daß sich so gut an einem Stück lesen läßt.

Feurstein, Herbert: Frauen fragen Feuerstein, München 2006.

Feuerstein ist wieder da. Nicht nur im TV mit "Pssst!" - wobei ich allerdings Elke Heidenreich sehr vermisse - sondern auch in den Buchläden mit "Frauen fragen Feuerstein". Na gut, der Band erschien schon im Februar des letzten Jahres, aber bisher hörte man nicht viel davon. Und ich muß sagen: Zurecht! Wer von "Feuersteins Reisen" begeistert war, ist von der lieblosen Zusammenstellung verschiedener Kolumnen und Artikel der letzten 40 Jahre - mit wenigen Ausnahmen - ziemlich schnell angenervt. Der negative Höhepunkt: Die namensgebende Kolumne "Frauen fragen Feuerstein".

Engelmann, Harri: Signale im Regen, Berlin 1988.
Wenn ich an einem Autoren einen Narren gefressen habe, gebe ich erst Ruche, wenn ich sein Gesamtwerk erschlossen habe. Mein jüngstes Opfer: Harry Engelmann und sein 1988er Debut "Signale im Regen" mit 12 herrlich unaufgeregten Charakterstudien. Da man diesen Band nur noch antiquarisch beziehen kann - meiner stammt ursprünglich aus der Stadt- und Kreisbibliothel Bitterfeld - würde ich, wenn ich die Wahl hätte einem Autoren einen Vertrag bei eimen der großen Verlage zu geben, nicht zögern und Herrn Engelmann vorschlagen. Allerdings sollte man bei dieser Gelegenheit auf die grässlichen Illustrationen der Erstauflage verzichten.


Neu im Bücherregal (V) vom 28. Dezember 2006.
Neu im Bücherregal (IV) vom 14. September 2006.
Neu im Bücherregal (III) vom 11. März 2006.
Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006.
Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Donnerstag, Dezember 28, 2006

Neu im Bücherregal (V)

Armin Mueller-Stahl: Kettenkarussell, Aufbau Verlag (EUR 17,90 ).
Auch 2 Jahren nach dem Erscheinen bin ich von Mueller-Stahls vorletzten Roman Hannah noch restlos begeistert. Also verschlang ich seinen neuen Erzählband nahezu und war nach dem "Mahl" enttäuscht. Als Vorspeise zum Hauptgang Kettenkarussel - die Erzählung macht rund 2/3 des Bandes aus - serviert der Autor sehr belanglose und uninteressante Plots. Nur bei Kettenkarussel selbst läßt er seinen Können in Sachen Erzählweise und Skizzierung von Chrakteren aufblitzen. Aber auch hier fehlt bei der Handlung das innovative und fesselnde. Es bleibt ein unschöner Nachgeschmack.

Bryan Hitch und Warren Ellis: The Authority (Band 1: Schonungslos, Band 2: Schöne Neue Welt, Band 3: Harte Realität je 38 EUR).

Was hielt mich stets vom Lesen von Comicserien ab? Unter anderem die starren Handlungsrahmen, die keine Entwicklung von Figuren zuließen und überraschende Wendungen ausschloßen. Ganz anders "The Authority" von Warren Ellis. Jedes Heft/jeder Band sprüht vor schrägen Ideen und Sarkasmus. Wo sind etwa sonst die homosexuellen Pendants von Superman und Batman denkbar? Gelegentlich etwas zu blutig und machohaft, aber insgesamt äußerst unterhaltsam.

Walter Moers: Ensel und Krete, Goldmann (9,90 EUR.)
Fast so unterhalsam wie "Die Stadt der träumenden Bücher" und wiedereinmal fällt auf, daß der Einstieg in das Buch die schwächsten Stellen beherbergt. Erst als Moers den fiktiven Autor seine "Mythenmetzschen Anmerkungen" einbinden läßt, wird es wieder ein äußerst heiterer, phantasievoller Literatursnack für zwischendurch.

Neu im Bücherregal (IV) vom 14. September 2006.
Neu im Bücherregal (III) vom 11. März 2006.
Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006.
Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Donnerstag, September 14, 2006

Neu im Bücherregal (IV)

Jurek Becker: Irreführung der Behörden, Suhrkamp (9 EUR).
Jurek Becker gehört zu meinem Lieblingsautoren. Ergreifend sein "Jakob, der Lügner", unvergessen die "An Manfred Krug und Otti". Auch sein zweiter, 1973 erschienende Roman "Irreführung der Behörden" überzeugt. Gregor Bieneck studiert eher unmotiviert Jura und will lieber als Drehbuchschreiber und Autor Erfolge feiern. Als sein großer Traum Wirklichkeit wird, muß er erkennen, daß er auch dafür einen Preis zahlen muß. So ganz überzeugt mich das Ende allerdings nicht, aber vielleicht ist das mit diesem Buch wie mit den meisten Dingen im Leben, sie schließen ohne finale Pointe ab.

Sven Regener, Neue Vahr Süd, Goldmann (9,95 EUR).
"Herr Lehmann" ist zurück und "unterwandert" die Bundeswehr im Jahre 1980. Sehr humorig, sehr gelungen ist Regeners zweiter Roman. Ein Männerbuch, wie eine Freundin kürzlich urteilte. Ich nehme an, sie meinte es im positiven Sinn. Ich hatte jedenfalls viel Vergnügen bei der Lektüre und erwarte mit Spannung den angekündigten abschließenden Band der Triologie. Zu empfehlen ist auch das vom Autor persönlich gelesene Hörbuch!

Günter Grass, Beim Häuten der Zwiebel, Steidl (24 EUR).
Viel gesagt und nochmehr geschrieben wurde über Günter Grass' "Zwiebel". Wer eine ausführliche Abhandlung über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS erwartet, wird enttäuscht. Denn diese ist nur eine Randnotiz in seiner Geschichte der Jugend. Und das ist auch gut so. Vielmehr macht er sich zum Vorwurf als Jugendlicher zuwenig reflektiert und gefragt zu haben, etwa als die ersten Nazi-Kritiker im Umfeld von Familie und Schule "verschwanden". Sehr distanziert berichtet Grass von seinem früheren Ich, oftmals gut verpackt in literischen Konstrukten. Wer zu seiner Vergangenheit ebenfalls keine so starke Beziehung hat, bei denen die auch das Gefühl haben, Geschehnisse, die Dekaden entfernt liegen, erscheinen wie aus einem anderen Leben, die können Grass' Vorgehen nachfolziehen und beschweren sich nicht über einen "endlosen mäandernden Umständlichkeitsstil", wie es kürzlich in einer Zeitung hieß. Gezwungen wirken allerdings die Rückbezüge auf das literatische Schaffen des Nobelpreisträgers. Wie die Motive seiner Vergangenheit in seine Werke Einzug hielten, ist zwar interessant, wirkt aber sehr gezwungen. Trotzdem bleibt die Lektüre des Buches spannend, auch wenn der Stil und die gewählten sprachlichen Bilder nicht wirklich überzeugt. Da erwartet man von einem Grass besseres und trefferendes.

Walter Moers, Die Stadt der träumenden Bücher, Piper (10 EUR).
Walter Moers hat viele Gesichter. Er ist der Vater des kleinen Arschlochs UND des Käpt'n Blaubär. Und hat keine Skrupel den "Föhrer" auf humorige Art widerzubeleben. Einen so runden, lustigen, spannenden aber nicht krawalligen und wenig bösen Roman wie "Die Stadt der Träumenden Bücher" hätte ich ihm aber nicht zugetraut. Ein Buch, das man wirklich verschlingt. Unterhaltung wird hier ganz groß geschrieben, es muß ja nicht immer die ganz große Literatur sein.

Michel Houellebecq, Plattform, Rowohlt (9,90 EUR).
Wann habe ich mich das letzte mal so durch ein Buch gequält? Dabei hatte ich doch "Elementarteilchen" doch schon in schlechter Erinnerung! Aber mit "Plattform" wollte ich Houellebecq eine zweite, eine letzte Chance geben. Und ich bleibe dabei: Der Franzose liefert durchschnittliche Stories, gespickt mit Pornographie. Ich erwarte mehr von einem guten Buch.

Neu im Bücherregal (III) vom 11. März 2006
Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006.
Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Samstag, März 11, 2006

Neu im Bücherregal (III)

Engelmann, Harri: Japanischer Garten, Rostock 2000, (antiquarisch ca. 7 EUR)
Ein Schatz für jedes Bücherregal ist Harri Engelmann "Japanischer Garten", eine Sammlung von Kurzgeschichten in denen der Autor seine NVA-Dienstzeit verarbeitet. Es gelingt ihm wunderbar, seine Erlebnisse auf eine sehr menschliche Ebene zu tranportieren und sie nicht hinter politisch-historische und historische Sachverhalte und Argumentationen verschwinden zu lassen. Leider ist dieser wunderbare Band nur noch antiquarisch beziehbar. (Das ist Buch ist so genial, daß ich es gleich verborgen mußte, daher kein Bild vom Cover.)

Yumoto, Kazumi: Eine Schublade voller Briefe, Düsseldorf 2003, 13,90 EUR.
Durch eine Rezension wurde ich auf das Buch aufmerksam, das von der sechsjährige Chiaki berichtet, die ihren Vater verlor und über Briefe und den Zuspruch einer alte Dame diesen Verlust verarbeitet. Obwohl die Atmosphäre dieses Werkes äußerst dicht ist, konntes es mich letztendlich leider nicht überzeugen. Irgendwie drang die Botschaft nicht zu mir durch, vielleicht liegt das an der asiatischen, verhaltenen Erzählweise, die mit meinen Lesegewohnheiten nicht kompatibel ist.

Coetzee, J. M.: Schande, Frankfurt/M. 2000 9,90 EUR.

Das erste Drittel von "Schande", verfaßt vom Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee, gehört zu dem besten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe. Leider verliert die Geschichte eines über einen Sexskandal gestolperter Literaturprofessor, meiner Meinung nach, ab etwa der Mitte deutlich an Qualität. Trotzdem heißt mein Fazit: Äußerst lesenswert!

Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24., durchges. und erweiterte Auflage, Berlin 2002, 29,90 EUR.
Für alle Sprachinteressierten und notorisch Neugierigen wie mich, empfehle ich Friedrich Kluges Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. In der mittlerweilen 24. Auflage kann man dann nachlesen, daß sich etwas "Admiral" vom arabischen "Emir" ableitet und der "Winzer" Winzer heißt, da er an der Rebe "zupft".


Neu im Bücherregal (II) vom 13. Januar 2006



Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005

Freitag, Januar 13, 2006

Neu im Bücherregal (II)

Über Weihnachten fanden etwa 10 neue Werke den Weg in mein Bücherregel. Entweder als Geschenk oder als selbstverursachte Papierflut (Gutscheineinlösung).

(4) Axel Hacke, Michael Sowa: Der weisse Neger Wumbaba, 4. Aufl., Kunstmann, 2004. (8,90 EUR).
Hackes und Sowas "Kleines Handbuch des Verhörens" gefährdete fast den Familienfrieden im Hause. Während die Herzdame nämlich eines Abends gebannt das Fernsehprogramm verfolgte, saß der R. auf dem Sofa und lachte sich bei seiner Lekrüre über das Verhören bei Liedtexten kringelig. Oder hätte Sie gedacht, daß man bei der Titelmelodie von der Sesamstraße folgendes verstehen könnte:
"Wer, wie, was?
Wieso, weshalb, warum?
Verdis Pappkarton!" (S. 20)
siehe auch: Beamtendreikampf.


(5) Alexander Kluge: Die Lücke die der Teufel läßt, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2005. (15 EUR)
Mir Alexander Kluges "Die Lücke die der Teufel läßt" zu schenken, war sicherlich gut gemeint, aber gut gemeint ist nun mal das Gegenteil von gut gemacht. Ich bekam einfach keinen Zugang zu diesem 1000 Seiten Schinken, den - meiner Meinung nach - die Welt nicht braucht. Keine Aussage die mich ansprach, keine Emotion die sich in mir rührte. Da halfen auch Berge von guten Kritiken nichts (z. b. in der Frankfurter Rundschau.). Aber vielleicht geht es Ihnen ja anders?

Neu im Bücherregal (I) vom 08. September 2005.

Donnerstag, September 08, 2005

Neu im Bücherregal (I)

Wie seit langem versprochen, der erste Teil über Neuzugänge in meinem Bücherregal.

(1) F.A.Z. Comic-Klassiker, Band 1, Superman
Innerhalb von nur einem Tag gaben die BILD-, wie auch die F.A.Z.-Redaktion bekannt, daß sie - jeweils unabhängig voneinander - eine Comic-Bibliothek herausbringen werden. Während nun die BILDbände (ich weiß, das ist ein tolles Wortspiel) bereits seit einigen Wochen auf dem Markt sind, startete die F.A.Z. erst am vergangenen Montag mit einer Superman-Ausgabe. Doch das Warten hat sich gelohnt. Für knapp 5 EURO gibt es nicht nur jeweils einen Band mit ausgewählten Geschichten sondern zusätzlich jeweils eine redaktionelle Einleitung zu Werk, Autoren, Entstehungsgeschichte und Wirkung. Für meinen Geschmack hätte diese aber noch ein wenig länger ausfallen können. Auch die Auswahl der behandelten Serien hätte etwas vielfältiger sein können, aber für sein Geld bekommt man trotzdem einiges geboten. Höhepunkte der Reihe sind für mich "Will Eisner" und "Dilbert".

(2) Reynolds, David: In Command of History. Churchill Fighting and Writing the Second World War, London 2004. (ca. 17 EUR)
Vor nicht allzu langer Zeit wurde Winston Churchill von den Zuschauern von BBC zum bedeutensten Briten aller Zeiten gewählt. In ständiger Erinnerung blieb er als großer Staatsmann nicht zuletzt durch sein sechsbändiges Werk über den 2. Weltkrieg. David Reynolds untersucht den Charakter dieser Analyse und rückt sie in den Kontext zu Churchills politischen Lebenswert. Äußerst lesenswert! - Eine Rezension von "In Command of History" gibt es hier.

(3) Easton, David: The Political System. An Inquiry Into the State of Political Science, New York 1953.
David Easton ist einer der wichtigsten Politikwissenschaftler der Gegenwart. Easton, der 1947 in Harvard promovierte und fast 40 Jahre in Chicago lehrte, trug mit seinem 1953 geschriebenen Hauptwerk "The Political System: An Inquiry into the State of Political Science" entscheidend zu einem Epochenwechsel in der Politikwissenschaft bei. Wer über die Struktur und Funktionsweise politischer Systeme bescheid wissen möchte, kann dieses Buch immernoch mit großem Gewinn lesen.

Samstag, April 04, 2009

Neu im Bücherregal IX

Mann, Thomas: Der Zauberberg, Frankfurt 2003 (EA 1924), 15 EUR.
Hans Castorp reist zu Besuch seines lungenkranken Vetters in ein Schweizer Sanatorium und wird in einer ihm zunächst fremden Welt gefangen. - DER deutsche Roman. Ein Lesegenuss, der trotz des immensen Umfangs keinesfalls beschwerlich ist. Atmosphärisch dicht und in seinen Figurbeschreibungen unübertroffen.

Roth, Philip: Verschwörung gegen Amerika, Frankfurt 2007 (EA 2004/2005), 9,90 EUR.
Daß der Mann immer noch keinen Nobelpreis hat, ist einfach eine Schande. Wer Roths Sprache mag und sich für alternative Geschichtsschreibung begeistern kann, wird sich wie ich für "Verschwörung gegen Amerika" begeistern können. In Roths fiktiven Kindheitserinnerungen wird während des 2. Weltkrieges nicht Franklin D. Roosevelt zum zweiten Mal wiedergewählt, sondern der rechtsextreme Luftfahrtpionier Charles Lindbergh übernimmt das Amt des Präsidenten. Dies ist der Ausgangspunkt für den Niedergang der amerikanischen Demokratie.

Sakaguchi,Hisashi: Ikkyu, 2008, EUR 12,90.
Gelegentlich überprüfe ich meine Lesegewohnheiten. So versuchte ich mich kürzlich mal wieder an einem Manga. Meine Wahl fiel auf Lebensgeschichte von Ikkyu Sojun, einem japanischen Zen-Meister und Dichter des 15. Jahrhunderts. Ich habe viel gelernt, doch richtige Lesefreude kam bei mir nicht auf. Der Stil der asiatischen Bildergeschichten ist mir zu unnatürlich, alles zu sehr auf die Pointen verkürzt. Andere Leser werden dies sicherlich anders sehen.

Gossett, Christian: Red Star, 2007, 26 EUR.
In den Grafic Novels von STAR WARS Production-Designer Christian Gossett geht es um eine fiktive Sowjetunion, die nie aufgehört hat zu existieren. Diese interessante Idee wird allerdings so verfremdet und unmotiviert aufgebläht, daß schnell die absolute Langeweile einzieht. Die Zeichnungen mittelmäßig, die Figuren grau und eine Storyline, die, wie erwähnt, die Intelligenz des Lesers hoffnungslos unterfordert. Mr. Gossett, gehen Sie lieber wieder Raumschiffchen für Mr. Lucas kleben. Dieser war in den letzte Jahren allerdings genausowenig uninspiriert wie Sie...

Regener, Sven: Der kleine Bruder, 2008, 19,95 EUR.
Normalerweise renne ich nicht am Tag einer Buchveröffentlichung sofort zum Buchhändler meines Vertrauens. Normalerweise bin für die ersten Seiten eines neuen Lesestoffes schneller zu begeistern, als für den Rest, wo vielen Autoren die Ideen ausgehen oder ihr Schreibstil anfängt mich zu langweilen. Bei Regener ist alles anders und umso trauriger ist es, daß der letzten Teil, der ja eigentlich der 2. Part der Triologie um Herrn Lehmann ist, so kurz ausgefallen ist. Wieder ergründet Regener in seiner charmanten und witzigen Weise eine Sub-Kultur, diesmal die Berliner Hausbesetzer- und Künstlerszene der frühen 1980er Jahre. Und wie immer liefert er die schon legendären Lehmann'schen Dialoge. Zum Hinknieen. Das schwächste an diesem Buch ist eindeutig der Klappentext. Also: Kaufen und lesen!

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Samstag, Dezember 19, 2009

Neu im Bücherregal X

Bittrich, Dietmar: Böse Sprüche für jeden Tag, 2003, 4,45 EUR.
Ein erheiternder Strauß voller Bosheiten. Allerdings ähneln sich viele der Zitate in ihrer Aussage, gelegentlich sogar im Wortlaut. Eine striktere Auswahl hätte noch mehr Lesespaß bedeutet.

Becker, Jurek: Jurek Beckers Neuigkeiten an Manfred Krug&Otti, 1999, gebraucht ab ca. 5 EUR.

Ein wunderbares, intelligentes und herzerwärmendes Buch über einen der bedeutendsten deutschen Schriftsteller Nachkriegsdeutschlands und eine wahre Freundschaft. Die Postkarten von Jurek Becker und die Erläuterungen von Manfred Krug ergänzen sich wunderbar und erlauben auch viele private Einblicke in das Verhältnis zwischen Dichter und Schauspieler.

Drews, Jörg: Das zynische Wörterbuch. Ein Alphabet harter Wahrheiten, 2008, 7,90 EUR.
Eine Fundgrube sehr schöner Zitate, leider keine sehr ergiebige. Doch wer fleißig gräbt, findet das eine oder andere Juwel.

Augustin, Eduard; von Keisenberg, Phillipp; Zaschke, Christian: Fußball unser. Was man nicht alles wissen muß, 2008, 9,90 EUR.
Das "Gebetsbuch für den Fußballfan". Liebevoll, selbstironisch und lehrreich, im Stile von Schotts Sammelsurium verfaßt.

Schopenhauer, Arthur: Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten, 2009, 4,95 EUR.
Ein unterhaltsames, gut lesbares und intelligentes Kleinod.

Schott, Ben: Schotts Sammelsurium, 2004, gebraucht ab 1 EUR.
"Eine wunderbare Sammlung unentbehrlicher Trivialitäten." Da stimme ich Stephen Fry voll zu.

Becker, Jurek: Lieber Johnny. Jurek Beckers Postkarten an seinen Sohn Jonathan, 2004, 7.99 EUR.
Ziemlich ermüdent sind bereits nach wenigen Seiten Jurek Beckers Postkarten an seinen Sohn Johnny. Man merkt leider schnell, daß der Adressat der Nachrichten des Schrifstellers ein Kleinkind ist. Was in einem Familienalbum vielleicht süß und herzerwärmend ist, wird hier schnell langweilig, sogar ermüdent. Ganz im Gegenteil hierzu Beckers Karten an seinen 'Busenfreund' Manfred Krug.

Kehlmann, Daniel: Ich und Kaminski, 2009, 7 EUR.
Sebastian Zöllner, ein junger, aufstrebender Kunstkritiker, erhofft sich von dem Verfassen der Memoiaren, des einst sehr bekannten, heute nahezu vergessenen Malers Kaminski einen ungeheuren Karriereschub. Zöllner ist arrogant, egozentrisch, anmaßend und redet jeden nach seinem Mund, wenn es ihm nur nützt: "(...) Man muß vielmehr stets und in allen Dingen der gleichen Meinung sein, wie die Kollegen" (S.122). Auch stiehlt er schon mal das Auto seiner
Ex-Freundin oder schleppt den todkranken Kaminski in eine Ausstellung, nur um sich mit ihm schmücken zu können.
"Kaminski und ich" ein brillanten Debüt, auch wenn mich persönlich das Auftreten von Kehlmann in den Medien, v.a. zuletzt bei der Präsentation seines dritten Werks "Der Ruhm", befremdet hat.


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Sonntag, August 20, 2023

Woche 31-33/2023 - Urlaub mit Thursday Next, Margo Maloo und Adventure Mice

Aus verschiedenen Gründen hatte dieser Sommer nicht die Leichtigkeit und Fröhlichkeit, die wir uns von den Urlaubstagen gewünscht hatten. Die Kinder hatten hoffentlich trotzdem eine schöne Zeit mit den Großeltern in Siebenbürgen, während meine Liebste und ich eng aneinandergehalten haben.

In den Momenten, in denen ich alleine war, versuchte ich in die papierene Parallelwelten zu entfliehen. Mit dem Stift in der Hand versuchte ich trotz trüben Gemütszustands, ein paar fröhliche Zeilen für Band 2 des Kinderbuchs zu schreiben. Bei der Hausarbeit erfreute ich mich derweil am Hörbuch zum vierten Band der Thursday Next-Reihe. Ich habe genauso viel Freude daran wie beim ersten Lesen und werde bald herausfinden, wie viele Bände ich tatsächlich noch nicht kenne. (Den "jüngsten" ganz sicher nicht, denn aus unerklärlichen Gründen gibt es ihn auch nach über 10 Jahren immer noch nicht in deutscher Übersetzung. Das sieht wirklich seltsam in meinem Bücherregal aus.)

Beim Vorlesen hatte ich viel Spaß mit den bisher erschienenen drei Margo Maloo-Büchern. In den sehr ansprechend gezeichneten Comics zieht der junge Charles mit seinen Eltern in die Metropole Echo City, wo er herausfindet, dass dort nicht nur Monster zwischen den "normalen" Menschen leben, sondern auch eine Mediatorin, die im Verborgenen zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen vermittelt. Die Kinder und ich können es kaum erwarten, eine Fortsetzung zu lesen.

Margo Maloo (Fanart)

Auch die auf ein jüngeres Publikum ausgerichtete "Adventure Mice"-Reihe hat uns viel Freude bereitet. Da es keine deutsche Übersetzung gab, habe ich das selbst für unseren Nachwuchs übernommen. Es hat mir besonders als Hardcover mit den großartigen Zeichnungen gut gefallen, da ich fest davon überzeugt bin, dass sie auf diese Weise noch besser zur Geltung kommen.

Sonntag, Juni 12, 2022

Woche 20/2022 - Streichen und packen und tragen und schrauben und...

In dieser Woche übernahmen endlich die Profis in Sachen Umzug. Nachdem wir renoviert, aussortiert und gepackt hatten, half uns eine Umzugsfirma beim Ab-, Aufbau und Transport der Einbauküche, der Betten und Sofas und der Kleiderschränke, sowie die ganzen Kisten mit der P*rnosammlung. Gut, daß sie einen Gabelstabler nur hierfür hatten! ;) Und auch bei der von mir "meist gehasste" Tätigkeit bei Umzügen half man uns: Das Aufhängen der Deckenbeleuchtung. (Stellt Euch bei mir einfach einen T-Rex mit Bauch auf einer Leiter vor, der eine 5t-Leuchte anschrauben möchte..)

Aber nicht alle Möbelstücke kamen mit in die neue Wohnung. So einiges fand ein neues Zuhause bei ukrainischen Familien. Einfach schön, wenn man Sachen nicht wegschmeißen muß, sondern z.B. bei der Obdachlosenhilfe oder dem Sozialkaufhauf abgeben kann, wo es noch jemand anderes Freude bereitet. 

Ein bißchen Platz für neues brauchten wir aber auch. In der Diele/dem Esszimmer erfüllten wir uns einen Taum von einem groooooooßen Bücherregal. Und mit groß meine ich ein "Ungetüm" von 2,4m mal 4m. <3 Viel Platz für viele schöne Bücher. Günstig war die Bestellung von form.bar nicht, aber die Qualität des Möbelstücks spricht für sich. Und schick ist es. Allerdings war es nicht ganz ohne die Teile mit dem Gesamtgewicht von 308kg jeweils 92 Stufen hinaufzuschleppen. Nun steht es aber, ist schön anzuschauen und wenn man all die "Schätze" auf einem Blick sieht, verlockt das sehr zum Schmöckern! 



Samstag, Dezember 31, 2022

Woche 52/2022 - Die Nachwirkungen des großen Twitterbebens, Thursday Next und Isle of Arrows

Das war hier mal wieder eine längere Sendepause. Und wer weiß, daß ich viel schreibe und poste, wenn es mir gut geht, erahnte also, dass die Reste von 2022 nicht so toll waren. So auf ganz persönlicher Mikroebene. 

Auf größerer "Bühne" schüttle ich immer noch den Kopf darüber, was aus Twitter geworden ist. Ja, nach Trump, Brexit, Covid und Ukraine fühlte sich das Leben doch schon genug nach seltsamen Paralleluniversum an und dann kommt da ein durchgeknallter Typ, stapelt eine Menge Milliarden Dollar übereinander und zündet das alles an.

Oh, wie habe ich Twitter gehaßt. Also 2008 als die mir liebsten Blogosphärenschreibenden nach und nach abwanderten, um v.a. Kurznachrichten anstatt Blogpost zu schreiben. Aber so nach 1,5 Jahren richtete auch ich mich dort vermehr häuslich ein. Lernte eine Menge neuer, nette Leute kennen und behielt Kontakt zu netten Menschen aus meinen ersten Bloggertagen. Daß das ganze Ding mal SO endet hätte ich mir nicht im Traum ausmalen können. Nun habe ich das Gefühl, dass nur noch ein Drittel der Leute von Interesse für mich dort weilen, während ein weiteres Drittel (so wie ich) (zumindest temporär) zum Mammut umgezogen sind. Der Rest scheint traurigerweise tatsächlich komplett aus den "Kurznachrichtendiensten" zu verschwinden. Schöner Mist. Das kann ich mir beim ganzen Twitterbotnazisumpf trotzdem nicht schönreden. So habe ich gar keine Energie mehr mich über die Nachteile des Mammuts (Kontrolle der eigenen Daten, Usability, Abgehobenheit von Teilen der "Altnutzerschaft") zu beklagen. Klar, gab es auf Twitter jede Menge Irrer, aber es waren "unsere" Irren. Und ich hatte mir meine Timeline stets angenehm zusammengeblockt bzw. -gemuted. Mal sehen, wie es weiter geht. Momentan crossposte ich (fast ausschließlich) von T nach M, schon damit ich mir im Fall der Fälle noch mal die meisten meiner Posts herunterladen kann.

Gelesen

Mit großer Freude habe ich mit einem Thursday Next re-read begonnen. Was für ein Spaß. Mir fehlen tatsächlich die letzten beiden Bände, die ich noch gar nicht kenne, also höchste Eisenbahn mich noch mal in die Buchwelt zu begeben. Mittlerweile habe ich die ersten drei Bücher durch. Ich hatte ganz vergessen, wie sehr sich Jasper Fforde in Teil III ins Weltenbauen verliert und die Story etwas zu langsam entwickelt. Trotzdem alles sehr unterhaltsam! Allerdings frage ich mich, warum es den letzten Teil immer noch nicht auf Deutsch gibt. Das wird sehr seltsam in meinem Bücherregal aussehen.

Gespielt

Wartezeiten überbücke ich in den letzten Wochen mit den tollen Fullprice-Tower Defence Spiel "Isle of Arrows" (iOS, aber auch auf Steam). Easy to learn, hard to master par excellance... An einem Level hänge ich jetzt schon 10 Tage. Gut investierte Euronen!

Auf ein zumindest durchschnittliches und langweiliges 2023! Bitte, ich könnte das wirklich gebrauchen. Kommt gut auf die andere Seite. Wir lesen voneinander.



Sonntag, August 25, 2024

Woche 26/2024 - Ryszard Kapuścińskis "König der Könige" & Professor Andersens Nacht

Ich habe ein offenes Ohr für Hör- und Lesehinweise von Menschen, die ich sehr schätze, und unterliege dabei des Öfteren folgender Fehleinschätzung: 'Wenn Leute, die man toll findet, etwas empfehlen, dann gefällt mir das sicherlich auch.'

Bei Christine Westermann, Elke Heidenreich und Flix bin ich diesbezüglich schon mehrfach auf die Nase gefallen, aber ich kann jetzt nicht garantieren, dass (1) ich aus diesen Fällen lerne und (2) das meine Liebe und Wertschätzung in irgendeiner Art beeinflusst. 

Gelesen

Für den ersten, ausführlichen Strandtag des Jahres hatte ich mir "Professor Andersens Nacht" von Dag Solstad aus dem Bücherregal gegriffen. Der Roman oxidierte schon deutlich über ein Jahrzehnt ungelesen vor sich hin, sodass ich gar keine Erinnerung mehr daran hatte, wie er dort genau hingekommen war. Innerhalb eines Nachmittags hatte ich das Bändchen dann durch. Das war äußerst positiv, denn meinen Geschmack traf er so gar nicht.

Der alleinlebende, namensgebende Professor Andersen beobachtet in der Weihnachtsnacht einen mutmaßlichen Mord, und was dann passiert, hätte auch für eine Kurzgeschichte gereicht. Der Plot war überschaubar, die Pointe mau, und dazwischen viel hochtrabendes, wenig berührendes Zeug. Wahrscheinlich bin ich nicht distinguiert genug für diese Art Lesestoff.

Gehört

Seit Jahren versuchte ich, in diversen Online-Antiquariaten die preisgekrönte "Parabel der Macht" (ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2003) zu einem vernünftigen Preis zu erbeuten. Teilweise wurde Ryszard Kapuścińskis "König der Könige"* für einen dreistelligen Betrag gehandelt. Es handelt sich, wie gesagt, um keinen seltenen, vorzüglich mundenden Rotwein, sondern um eine zwei Jahrzehnte alte Doppel-CD. In diesem Sommer wurde ich endlich fündig, und leider hielt auch in diesem Fall meine Erwartung dem Hörerlebnis nicht stand. Die Idee, das Leben am Hofe von Äthiopiens letztem Kaiser Haile Selassie anhand von unzähligen Interviews mit ehemaligen Hofdienern und Bediensteten nachzuzeichnen, ist eine hervorragende Anfangsidee, aber mir persönlich fehlten Fakten zur "Unterfütterung" all der Zeitzeugenberichte. Das Ganze war mir also zu "literarisch", während ich mein Hirn gerne mit etwas Wissen gefüllt hätte. Zudem ist die ganze Produktion mit ihren dominanten Soundeffekten nicht wirklich gut gealtert.



Mittwoch, Mai 31, 2006

Strategie, mißlungene

Anfang des Jahres habe ich mich dazu durchgerungen, nur dann ein neues Buch zu kaufen, wenn ich es auch sofort lesen würde. Daran habe ich mich eisern gehalten: Bücherregal und Geldbeutel wurden geschont. Allerdings explodiert nun meine Amazon-Wishlist. In kürze wird die 200 Titel-Marke geknackt...

Dienstag, März 21, 2006

Stöckchen, das 312te

Der Schuldige: Herr Legolas

Die Antworten:

Was hast du vor zehn Jahren gemacht?
Unsinn, jede Menge davon. Aber genau weiß ich das ehrlich gesagt nicht mehr.

Was hast du vor einem Jahr gemacht?
Überlegt, wie ich a) Perpetua überstehe ohne sie umzubringen und b) womit ich meine Studenten im Sommersemester 2005 erfreue.

Fünf Snacks, die du besonders gerne hast:
5 verschiedene Käsesorten, nett angerichtet auf einem Teller. ;o)

Fünf Songs, von denen du den Text komplett kennst:
- Shameless von Billy Joel
- Thunder Road von Bruce Springsteen
- Fortress around you heart von Sting
- Our house von Madness
- Rule Britannia!

Fünf Dinge, die du tun würdest, wenn du ein Millionär wärest:
- die eigene Bibliothek aufstocken
- etwas wohltätig sein
- mit der Herzdame nach Venedig reisen
- Idaho mit dem PKW erkunden
- die Promotion ohne weitere Verzögerungen fertigstellen

Fünf Dinge, die du gerne machst:
- Zeit mit der Herzdame verbringen
- Lesen und Schreiben
- Studenten ärgern
- Verreisen und Heimkommen
- Dinge ordnen

Fünf Kleidungsstücke, die du nie wieder tragen wirst:
Ähm, da fällt mir gerade nichts ein... Laßt mich raten: Den Fragebogen hat jemand weibliches kreiert.

Fünf deiner liebsten “Spielsachen” (Beschäftigungen):
- Mein Bücherregal
- Mein Notebook
- Mein mp3-Player
- Mein DVD-Recorder
- Meine Kameras

Und unbeliebt machte sich Herr R. jetzt bei: Nelly, dem Vorsitzenden des Pia-Fanclubs und LittleAndy.

Samstag, Oktober 29, 2005

Neu im Bücherregal (IIb)

Aben hat eine Vorliebe für Maßanzüge und Zigarren. Schließlich gehört er auch zu den besten seiner Zunft. Das hat natürlich den Nachteil, daß die unerfahrenen Kollegen gerne nerven. "Aben, könntest Du uns mal bitte zeigen, wie...?" ist wohl der Satz den er am häufigsten an seinem Arbeitsplatz hört. Auch seinen Humor teilen nur wenige. Etwa wenn er Müsliriegel verteilt und sagt, es handele sich bei ihnen um "Schokoriegel im Tarnanzug". Und zu allem Überfluß wird er eines Tages von den lieben Kollegen dann noch einige Tausend Kilometer fern von Heim und Arbeitsplatz einfach so vergessen. Und erst im nächsten Jahr besteht eine kleine Chance, daß er wieder mitgenommen werden kann. Denn Aben ist ein Wichtel im Dienste des Weihnachtsmanns.

Eine schöne Geschichte mit wunderbaren Zeichnungen die schon im Oktober auf Weihnachtszeit einstellt. Der Preis tut etwas weh für ein Büchlein mit knapp 90 Seiten. Aber Passagen wie folgende, machen alles wieder gut:

"Am Ende der Heiligen Nacht war Aben so gelangweilt von dieser ganzen Rentierwächterei, daß er, um sich ein Späßchen zu machen, schnell einen Hutständer bastelte, indem er zwei der Rentiere mit den Hörnern ineinander hakte. Er pinselte ihre Hinterteile mit einer grünen Zaubertünche an, die im Dunkeln die Farbe wechselte, und er erzählte Rudolph eine häßliche Geschichte über Fleischklopse aus Skandinavien."

Moore, Lorrie: Der vergessene Wichtel, Berlin 2004, 9,90 EUR.